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Tagesarchiv für 1. Juli 2011

Zauberlehrling Brunetti wird „Herr Professor“

Freitag, den 1. Juli 2011 um 18:00

Wenn der Schweizer Staat und insbesondere der Kanton Bern via Steuerzahler für seine Universität derart viel Geld aufwendet, hat er auch das Recht und die Pflicht, verdiente Beamte dort als Professoren unter zu bringen. Jüngster Begünstigter einer solchen Praxis ist der erst 48jährige Aymo Brunetti, bisher Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik im Staatssekretariat für Wirtschaft, der ab 1. Februar 2012 an der Universität Bern die Professur für Wirtschaftspolitik und Regionalökonomie ausüben wird.

Nehmen wir Prof. Brunetti beim Wort:

–         Er beantwortet die Frage, warum Ökonomen die jüngste Welt-Wirtschaftskrise nicht vorausgesehen hätten mit „Diese Konstellation hat es eben in der Vergangenheit noch nie gegeben, was Prognosen grundsätzlich sehr erschwert.“ Er bestätigt damit, dass Prognostiker nur so viel voraussagen können, wie sie aus der Vergangenheit ablesen können. Das Denken in Kontinuitäten wird demzufolge an der Uni Bern mehr gelehrt werden als jenes in Diskontinuitäten. Wer an Kontinuität glaubt, liegt ohnehin falsch.

–         Er sagt „Die Regulierung der Banken war zu wenig gut.“ Dabei hätte er sagen müssen, dass mindestens in den USA die staatliche Aufsicht der Banken gut war, aber durch das Lobbying der grossen Institute, darunter auch des Schweizer UBS-Konzerns, systematisch abgebaut wurde.

–         Er sagt „Wird das von Zentralbanken in die Wirtschaft gepumpte Geld nicht rechtzeitig zurück gefahren, besteht die Gefahr von Inflationen oder neuen Blasen.“ Ohne den Zusatz, dass das Fed in Washington die Weltwirtschaft seit Jahren inflationiert, weil es zur Stützung der US-Volkswirtschaft einen Ballon aufbläst, der realwirtschaftlich keine Substanz hat, und ohne die Erklärung, dass dies bereits in vielen Staaten inflationäre Entwicklungen ausgelöst hat (z.B. Grossbritannien), bleibt Brunetti undeutlich.

Seine Behauptung, es hätte keine anderen Ökonomen gegeben, die gewarnt hätten, trifft nicht zu. In St. Gallen hat der erfolgreichste Unternehmer, Autor und Grossdenker, Prof. Dr. Fredmund Malik, seit Jahren vor der grossen Krise gewarnt. Vom Staat abhängige Technokraten wie Aymo Brunetti wollten das natürlich nicht hören.

Unser Landesmuseum ist Nationalmuseum

Freitag, den 1. Juli 2011 um 17:00

Das Zürcher Landesmuseum, wohin wir gerne gehen, ist in Wirklichkeit das Schweizerische Nationalmuseum. So heisst die Museumsgruppe Zürich, Château de Prangins und Forum Schweizer Geschichte in Schwyz seit Januar 2010. Das Sammlngszentrum in Affoltern am Albis gehört auch dazu. Schweizerisches Nationalmuseum? Das ist eine Referenz an die europäische Usanz, die nur Nationalmuseen kennt. Während die Nationen sich langsam auflösen (sofern sie nicht von NATO- oder UNO-Truppen angegriffen werden, welche diesen Prozess beschleunigen), steigt ihre Geschichte in die nationalen Museen. Trotzdem schön.

Skandal bei Swissmem

Freitag, den 1. Juli 2011 um 15:35

Swissmem Präsident Hans Hess ärgert sich über den hohen Schweizer Franken, weil die Exporte einbrechen und selbst kauft der Verbandspräsident lieber in Deutschland ein. Am letzten Sonntag verplapperte sich Hans Hess und sagte, dass ihm sein Schweizer Möbelhändler beim Preis nicht entgegen kommen wollte. Deshalb bestellte er in Deutschland, wo er 25% weniger bezahlen musste. Das ist ein Skandal!

Wenn ein Schweizer Verbandspräsident über so ungeheuer wenig Feingefühl verfügt, frei von kommunikativen Fähigkeiten ist und wie ein Elefant im Porzellanladen rumläuft, dann gehört der Mann definitiv abgesetzt. Er verdient in der Schweiz gutes Geld und kämpf dafür, dass Schweizer MEM-Unternehmen trotz hoher Produktions- und Personalkosten konkurrenzfähig bleiben können. Das ist eine äusserst verlogene Aussage, wenn er gleichzeitig seine privaten Einkäufe in Deutschland tätigt. Ist so ein Präsident für die Schweizer MEM-Industrie wirklich tragbar?

Fidel Stöhlker

Abt von Einsiedeln protestiert auf der Strasse

Freitag, den 1. Juli 2011 um 14:58

Das muss man gesehen haben, wie Abt Martin, seit fast zehn Jahren Vorsteher des weltberühmten Benediktinerklosters Einsiedeln, auf der Strasse des voralpinen Dorfes steht (Foto: Andreas Oppliger) und mit seinen Mitbürgern gegen die Schliessung des Einsiedler Spitals demonstriert. Der hochgewachsene Abt in einfacher schwarzer Soutane, das schwere Kreuz auf der Brust, trägt einen weissen Luftballon „Pro Spital Einsiedeln.“ Den Kameras sagt er: „Seit über 650 Jahren ist das Spital untrennbar mit dem Klosterdorf verbunden.“ Mit ihm demonstrierten 1000 Einsiedler, darunter auch CVP-Ständerat Bruno Frick.

Der aus dem Wallis stammende Abt, Mitglied der Schweizerischen Bischofskonferenz, geht für die Menschen auf die Strasse. Zuletzt sah man dies in Lateinamerika. Hoffentlich erschiesst ihn niemand. Eine Kirche, die Zeugnis ablegt, fehlt uns schon lange.

Pauschalsteuer ist ungerecht, dumm und nutzlos

Freitag, den 1. Juli 2011 um 12:57

Im Herbst müssen die St. Galler entscheiden ob sie, wie die Zürcher es bereits getan haben, die Pauschalsteuer abschaffen wollen. Sie ist ungerecht, weil in St. Gallen bisher jedermann, der Fr. 300 000.—im Jahr an Einkommen und Fr. 6 Mio. an Vermögen versteuerte, soweit er Ausländer war, sich dieser bedienen konnte. Die fleissigen St. Galler Unternehmer mussten, mehr oder weniger, die volle Steuer bezahlen. Sogar die kantonale Regierung fand dies wenig befriedigend.

Sie ist dumm, weil sie unnötigerweise eine Zwei-Klassen-Gesellschaft schafft, und sie ist nutzlos, weil in St. Gallen, wie in Zürich auch, nur 0,3% des kantonalen Steuereinkommens davon abhängen.

Die grosse Ausrede des Beschäftigungseffekts ist lächerlich. Gärtner sind sündhaft teuer geworden, weil sie von anspruchsvollen Ausländern fast jeden Tarif verlangen können. Wer als Schweizer nicht mitzieht, gilt rasch aus mindermittelt (mindestens an der Gold-, Silber- und Diamantküste rund um den Zürisee). Die meist portugiesischen Putzhilfen kommen auch nicht gerne unter Fr. 25.—pro Stunde, möglichst netto und steuerfrei.

Demzufolge treiben die pauschalbesteuerten Ausländer nur die Preise hoch und zahlen praktisch nichts an die Erhaltung und den Ausbau der Infrastruktur, welche sie gerne lobend nutzen. Vergleichbar gut verdienende Schweizer sind auf jeden Fall die Dummen. Nach den heutigen St. Galler Ansätzen, die in einem Gegenvorschlag der Regierung verdoppelt werden sollen, bedienen sich dieser der Schweiz unwürdigen Regel nicht nur ausländische Unternehmer, Rennfahrer, Adlige und Sänger, sondern zunehmend auch ausländische Firmenmanager, denen die Kantone gerne entgegen kommen, „weil sie gebraucht werden“. Als würden andere nicht gebraucht.

Basler Politiker wollen kämpfen

Freitag, den 1. Juli 2011 um 12:56

Mehr denn je zeichnet sich ab: Die Wahlen vom 23. Oktober sind Schicksalswahlen für unser Land. Christoph Blocher will mit seiner SVP zeigen, dass er die definitive Nr. 1 ist. In Zürich kommt es wieder einmal zu keiner Zusammenarbeit zwischen FDP und SVP, weil die freisinnigen Altpolitiker, wie FDP-Stadtrat Martin Vollenwyder  dies sabotieren. Die FDP selber steht wohl vor einem neuen Einbruch, weil das Team Pelli-Huber-Pedrazzini den Puck nicht sieht.

Im Kanton Baselland präsentieren sich deshalb BDP-NR-Kandidat Peter H. Müller und glp-Kandidat Gerhard Schafroth als Faustkämpfer. Der Manager tritt gegen den MwSt-Experten an; beide sind bereit, um jede Stimme zu kämpfen. Dieser Geist fehlt den Vertretern der „grossen“ Parteien, die hoffen, ihre Besitzstände wahren zu können. Deshalb kann die Erneuerung der Schweizer Politik nur von solchen Aussenseitern kommen, die das Risiko auf sich nehmen, wieder nahe am Volk zu politisieren.

Im Wallis hat SVP-Nationalrat Oskar Freysinger eine vergleichbare Position. Er, der brillante Aussenseiter der SVP-Fraktion, kämpft um einen grossen Sieg in diesem Herbst. Bringt er die Mittel- und Oberwalliser auf seine Seite, sind seiner weiteren politischen Karriere keine Grenzen gesetzt.

Es hat die Stunde jener geschlagen, die heute noch Aussenseiter sind, weil die Innenfront der Parteien von links nach rechts zusammen bricht.

Liberal, neoliberal, tatsächlich liberal

Freitag, den 1. Juli 2011 um 12:00

Unsere Generation hat den Untergang der liberalen Parteien in Europa erlebt. Was sich in Deutschland (FDP) und der Schweiz (FDP. Die Liberalen) abspielt ist nur noch die untergehende Spitze eines vor 50 Jahren grossen Gletschers, der die politische Landschaft Europas bedeckte. Die Neo-Liberalen haben der liberalen Idee den Todesstoss versetzt, denn der wirtschaftlich kämpfende Mittelstand kann sich mit dem nicht einverstanden erklären, was die Banken und Konzerne darunter verstehen. Diese sind darauf angewiesen, nicht nur in der Welt, sondern auch via Mittelstand ihre Wertschöpfung zu steigern. Gelingt dies nicht über Produkte und Dienstleistung, müssen Normen und politische Vorteile das Konzernwachstum sichern. Genau dies erleben wir derzeit in Griechenland, wo das Geld der armen EU-Europäer nun zur Tilgung der Schulden der reichen Griechen dient. Wie heisst es so schön? Die Freiheit für die einen, die Verantwortung für die anderen.

Was will Axel Weber bei der UBS?

Freitag, den 1. Juli 2011 um 11:46

Die Europäische Zentralbank wollte ihn nicht als Chef, die Deutsche Bank wollte ihn auch nicht als Chef. Jetzt wird Axel Weber als Nachfolger von Kaspar Villiger in einem knappen Jahr VR-Präsident des UBS-Konzerns.

Was will Axel Weber bei der UBS? Vor allem dürfte der noch amtierende Kaspar Villiger die Nase ziemlich voll haben. Oswald J. Grübel, in dessen Umgebung, nicht zuletzt aufgrund mangelnder Erfolge, ein sehr, sehr rauer Ton herrscht, hat die Bank längst nicht so im Griff, wie er sich selber dies bei Amtsantritt gewünscht hat. Kaspar Villiger hatte keine Chance, sich gegen die globalen Finanzraubeine durchzusetzen.

Jetzt muss der Deutsche Axel Weber das UBS-Aktionariat unter Kontrolle halten, was ihm sicher gelingen wird. Seine grösste Aufgabe wird es sein, einen Nachfolger für Oswald J. Grübel zu finden. Der hat sich ohnehin immer gefragt, weshalb er diesen „Scheiss-Job“ angenommen hat.

Warum Economist lesen?

Freitag, den 1. Juli 2011 um 10:20

Lieber würde ich Sonntags auf den Lunch verzichten als auf die Lektüre des Wochenmagazins „Economist“. Chefredaktor John Micklethwait hat die gleiche Devise wie die Verfasser dieses Blogs seit gut fünf Jahren: Wir schreiben, was wir denken. Natürlich geben wir uns Mühe beim Denken.

 
     
     
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