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Tagesarchiv für 17. Juni 2011

Polizisten werben für Töff-Monturen

Freitag, den 17. Juni 2011 um 17:00

Die krisenbeladene Zürcher Polizei hat andere Sorgen: Sie wirbt auf Plakaten für Töffmonturen. „Sicher und modisch. Ihre Stadtpolizei.“ Warum dürfen dann Ärzte nicht für Spritzen oder Pillen aus den USA werben? Warum dürfen Anwälte nicht für Gefängnisse werben, weil es darin so sicher ist? Es öffnen sich völlig neue Perspektiven.

Wer sind die neuen Europäer?

Freitag, den 17. Juni 2011 um 16:16

Während das deutsche „Handelsblatt“ schon triumphierend auf der Titelseite schreibt „Die neuen Amerikaner sind die Europäer“, Finanzminister Wolfgang Schäuble eine EU herankommen sieht, die ihre Mitglieder zentraler als bisher führt, und die Amerikaner sich beklagen, die Europäer würden sie auf ihren Kriegszügen zu wenig unterstützen, formt sich das Bild eines neuen Europas, dem wir ein wenig nachgehen wollen.

Der Pariser Soziologe Alain Ehrenberg schreibt in seinem neuen Buch „Das Unbehagen in der Gesellschaft“ von der Ablösung der Freud’schen Triebunterdrückung hin zur Selbstbestimmung als neuer Norm. Der religiöse Mensch lebe, um erlöst zu werden, der psychologische Mensch, um befriedigt zu werden. Es sei schockierend, so Ehrenberg, dass man von den Armen heute verlange, sich wie Macher und Gewinner zu benehmen.Da sie autonom seien, wie gelehrt wird, suchten sie die Ursache ihrer Leiden in sich selber.

Der deutsche Arbeitsmarktforscher Hilmar Schneider bestätigt: „Pförtner, Kassierer, alle übernehmen unternehmerische Verantwortung, um den Arbeitsplatz zu behalten. Nur wer sehr erfolgreich ist,kann mit Gehaltssteigerungen rechnen.“ Gewinner sei, wer sich wie ein Unternehmen manage, sich vermarkte und in sich investiere. Man müsse sich vernetzen, hohe Qualifikationen und soziale Kompetenzen haben. Schneider: „Wer das nicht hat, wird grosse Schwierigkeiten bekommen.“

Christoph Menke und Juliane Rebentisch haben dazu bei Kadmos das Buch „Kreation und Depression“ herausgegeben. Darin schreiben sie: „Anstelle der sozialversicherungspflichtigen Monotonie ist die prekäre Kreativität des Freiberuflers getreten.“ Dr flexible Mensch sei im Laufe der Zeit müde geworden, Die Folge seien Erschöpfung, innere Leere, gefühlte Minderwertigkeit, Antriebsschwäche und Depressionen. Der Einzelne grenze sich im Konkurrenzkampf ab und werde zum Egoisten, weshalb die Depression unvermeidlich sei.

Jonathan Franzen erklärt so den Tod seines Schriftsteller-Freundes David Foster Wallace, der den Narzissmus in seinen Texten zur eigenen Maxime machte und sich darauf erhängte.

Die Lösung liegt wohl darin, seine eigenen Schwächen und Lücken anzunehmen.

Ein Lied für Konrad Hummler

Freitag, den 17. Juni 2011 um 14:50

Als „ausdauernd und verantwortungsbewusst“ verabschiedete die IHK St. Gallen ihren Präsidenten Dr. Konrad Hummler, der neu als VRP der NZZ-Gruppe („Ich bin der Dirigent“) um sein Zeitbudget kämpfen muss. Die Kammer liess Noldi Alder das Stück „Em Konrad Hummler siis“ komponieren und an der GV uraufführen. Hummler („Er kennt keine Berührungsängste“), sagte in seiner Abschiedsrede „Über den Atomausstieg ist das Schlusswort noch nicht gesprochen“ und forderte den „Wiedereinstieg in die Debatte“.

Chomsky, Hochhuth und Hessel schlagen Precht bei weitem

Freitag, den 17. Juni 2011 um 12:30

Glanzvoll ist Noam Chomsky in Köln von Tausenden empfangen und gehört worden. Der 82jährige demonstrierte, was die Einheit der Universität im Zeitalter ihres Zerfalls bedeuten kann. „Der Positivismus der blinden Datenhuberei“ ist ihm, der die Sprache nach kombinatorischen Prinzipien analysiert und gestaltet hat, ein Gräuel. Der fast gleichaltrige Rolf Hochhuth benutzte wenige Tage zuvor das deutsche Fernsehen, um „eine soziale Revolution“ zu verlangen. Ganz wie der 93jährige Stéphane Hessel („Empört Euch“), der den modischen Dünnschwätzer und –Schreiber Richard D. Precht, 45, intellektuell wie rhetorisch auf Distanz setzte.  Precht, Darling der Konferenzen der Kapitalverwerter, hat die Attitude eines romantischen 1848ers, dessen Sprachmüll mit viel Süssspeise aufgebessert ist, Die Substanz der alten Herren bleibt unerreicht.

Eigentor der Schweizer Städte

Freitag, den 17. Juni 2011 um 10:36

Die grossen Schweizer Städte, Basel und Zürich allen voran, wollten vom Bund einen Bonus über Fr. 112 Mio. für „Sonderlasten“ beziehen. Weil der Winterthurer FDP-Nationalrat und Partei-Vizepräsident Markus Hutter, die Niederlage im Parlament kommen sehend, dann aber nur noch Fr. 15 Mio. verlangte, um einen Schuh in die Tür zu bekommen, blies SVP-Kollege Bruno Zuppiger aus dem Zürcher Oberland die ganze Übung ab. Die mangelhafte Koordination innerhalb der FDP, wo der Basler FDP-Nationalrat Peter Malama sich ob dieser Vorfälle „fassungslos“ zeigte, dazu die Zusammenarbeit mit den Befürwortern aus SP-Kreisen, liess das Schweizer Städte-Lobbying zusammen brechen.

Siemens wirbt mit Pleite-König

Freitag, den 17. Juni 2011 um 9:30

Der nach dem grössten Bestechungsskandal der deutschen Unternehmensgeschichte sich reuig gebende Siemens-Konzern wirbt ganzseitig und in Farbe mit dem bayrischen König Ludwig II., der seine Staatskasse ruinierte, um Grotten und Schlösser zu bauen. Ludwig II. liess sich vom preussischen König dafür bezahlen, im 19. Jahrhundert der deutschen Einheit zuzustimmen. Er war so bestechlich, wie andere Siemens-Kunden im 20. Jahrhundert. Offensichtlich erstreckt sich die CSR im Falle von Siemens  nur auf die Gegenwart. Oder: Werber wissen oft nicht, was sie tun.

Was sich Schweiz nennt, ist nicht Schweiz

Freitag, den 17. Juni 2011 um 8:40

Wer weiss schon, dass der einst renommierte Fussballclub Neuchâtel Xamax nicht mehr einem Schweizer, sondern einem Tschetschenen gehört? Der Genfer Unternehmer Bulat Chagaev hat den Club gekauft und führt ihn nach Prinzipien, die höchst originell sind, ganz wie sein Freund Kadyrow dies auch in Tschetschenien tut.

Das Château Gütsch, welches auf Luzern und den See hinabblickt, hätte ein Boutiquenhotel mit 60 Betten werden sollen. Jetzt zieht sich der russische Miliardär Alexander Lebedev sich wieder zurück, „ein Freund werde es kaufen“. Gegenüber auf dem Bürgenstock machen die Katari mächtig vorwärts, ist es von dort doch in das islamische Paradies nicht mehr weit.

Schon das Schloss Jegenstorf im Kanton Bern hatte einen „russischen Hintergrund“. Der Putsch der Bolschewisten liess den Getreidehändler  Arthur von Stürler verarmen. Als er es mit dem Verkauf wertvoller Möbel nicht mehr für seine Familie erhalten konnte, stürzte er sich aus dem Turm. Heute gehört es einem bürgerlichen Verein, der es seit 70 Jahren gut betreut.

 Völlig ins Schweigen verfallen ist der scheue Viktor Wekselberg. Er macht seine Geschäfte von Zug aus; was kümmert ihn, den steuerlich Bevorzugten, die Schweiz? Wir jedoch fragen uns, was von der Schweiz bleibt, wenn schon UBS-Präsident Kaspar Villiger, von dem auch nicht viel zu vernehmen ist (die Kurse des Bankkonzerns sind nach zwei Jahren Grübel/Villiger katastrophal tief), sagt, die 67 grössten Schweizer Konzerne seien fest in ausländischer Hand.

 
     
     
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