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Monatsarchiv für Juni 2011

Basel überfremdet

Donnerstag, den 30. Juni 2011 um 15:30

Ein Candrian aus Zollikon bei Zürich, der die Basler Kunsthalle führt, wäre keine schlechte Idee gewesen. Aber die Basler finden, das Essen sei dort ungenügend geworden, eher industriell. Der Basler Kunstverein hat damit seine alten Stammgäste verärgert, aber „Verrat“ ist heute, weil das Geld zählt, zum Normalzustand geworden. Auch Daniel Vasella ist kein Basler geworden. Er lebt im Kanton Zug und in den USA. Novartis ist so baslerisch wie Nestlé vivisanisch.

Meichtry über Mani Matter

Donnerstag, den 30. Juni 2011 um 14:45

Der exzellente Walliser Historiker und Schriftsteller Wilfried Meichtry, der sich bisher vorwiegend mit Walliser Themen abgegeben hat, legt soeben im Zytglogge Verlag, herausgegeben vom Schweizerischen Nationalmuseum, eine Lebensbeschreibung des Berner (National-)Sängers Mani Matter vor. Mani Matter war ein Schweizer Chansonnier, der in Frankreich, Italien oder Deutschland es zu einer internationalen Berühmtheit hätte bringen können, aber die Beschränktheit des Berner wie des Deutschschweizer Marktes verhinderten dies. Dieser letzte grosse Interpret der Berner Hauptstadtkultur ist getragen von einer anhaltenden Melancholie, die man als Alpen-Fado bezeichnen könnte. Was nach Matter kam, wurde immer lauter und einfacher, ganz den Vorstädten entsprechend und nicht mehr dem Kern.

Neuenburger Polizei lässt Sexmörder laufen

Donnerstag, den 30. Juni 2011 um 13:50

Noch bis heute ist der entflohene Sträfling Jean-Louis B. nicht gefasst. In Neuchatel will man die Suche nach dem Vergewaltiger und Mörder einstellen. Jean Studer, Justizdirektor des Kantons Neuenburg, spielt den Vorfall runter, lächelt an den falschen Orten und gibt der Bevölkerung absolut keinen Anlass, sich zu beruhigen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Neuenburger Polizei vorschnell aufgibt und bei den Untersuchungen versagt. Studer gibt sogar zu, dass Jean-Louis B. schon 4x Ausgang erhalten habe. Das ist für mich in erster Linie ein typisches Führungsproblem oder vielleicht doch nur die Faulheit dieser Behörden?

Fidel Stöhlker

Japan Tobacco finanziert Rückführungen nach Afrika

Donnerstag, den 30. Juni 2011 um 11:00

Das Sponsoring nimmt manchmal extreme Formen an: So lässt uns der Zürcher Starfotograf Alberto Venzago wissen, sein Klient, die Japan Tobacco International, unterstütze in der Schweiz die Rückführung der Sans Papiers. Japan Tobacco finanziere auch das Startkapital für den Neuanfang in der afrikanischen Heimat.

Bis zu dieser Minute glaubte ich, es sei unsere Bundesverwaltung, welche die Rückführungen mit Steuergeldern finanziert. Jetzt weiss ich, dass ich mit jedem Zug aus der „Zigi“ einen Sitzplatz nach Aafrika co-finanziere. Venzago bestätigt: „Es ist toll, was mit diesem Geld erreicht wird.“ Das habe ich aus Bern noch nie vernommen.

Firmen-Magazine für den Papierkorb?

Donnerstag, den 30. Juni 2011 um 7:30

Kein Zweifel, ich gehöre zu den idealen Ansprechpartnern und Zielpublika der Firmen-Magazine, die wie Pilze aus dem Boden schiessen: Ich kaufe gerne, kommuniziere gerne, bin guten Marken nicht abgeneigt, wenn sie individuelle Lösungen anbieten, und pflege das Prestige des optischen Understatements. Dennoch langweile ich mich zu Tode, wenn ich von Cartier, Audemars Piguet oder IWC deren Magazine erhalte. Immer die gleichen schlanken, schönen Menschen, Uhren, Autos, dann etwas Mode und Ferien, zum Schluss ein Schuss Kultur. Es fehlt genau das, was anspruchsvolle Menschen kaufen wollen: Individualität.

Eine Ausnahme sind die Magazine der „Financial Times“, die beim Frühstück mit grosser Lust gelesen werden können. Dort ist das Fotomaterial brillant, die männlichen wie weiblichen Models sind extrem dargestellt, die Ferien- und Gartenteile aktivieren sofort. Das leisten unsere Unternehmenspublizisten bei weitem nicht, Cartier kommt noch am nächsten.

C. G. Jung wie Jesus Christus

Mittwoch, den 29. Juni 2011 um 17:30

Küsnacht am Zürisee ist der Vatikan der Jungianer; dort starb der berühmte Psychiater am 6. Juni 1961 in seinem Privathaus. Zeitgenossen berichten: „Bald nach seinem Tod kommt ein Gewitter auf und der Blitz schlägt tief in eine hohe Pappel ein, die in Jungs Garten am See steht.“ Diesen symbolträchtigen Vorgang finden wir auch nach der Kreuzigung von Jesus Christus auf dem Berg Golgatha. Es zieht ein starkes Gewitter auf, die Erde bebt und der Vorhang im grossen Tempel zerreisst. Einzig Erdbeben können die Zürcher beim Tod C. G. Jungs nicht vorzeigen, denn diese sind in dieser Region nahezu unwahrscheinlich.

Papstbesuch: teuer, aber nötig

Mittwoch, den 29. Juni 2011 um 17:17

Etwa 10 Mio. Euro kostet der zweitägige Papstbesuch im deutschen Freiburg (30 Minuten nördlich von Basel). Die Kosten teilen sich das Land Baden-Württemberg (5 Mio.), die Stadt Freiburg und die Deutsche Bischofskonferenz. Am 24. und 25. September werden 100-300 000 Menschen in der Schwarzwaldstadt erwartet. Die Eventagentur Koko ist für Abwicklung zuständig. Man darf sich fragen, ob Kirchen- und Staatssteuerzahler in einer Zeit hoher Verschuldung und zunehmender Armut derlei Aufwand schätzen. Beim Papstbesuch ist es wie bei Reisen der englischen Königin: Das Volk braucht derlei Theater. Die klugen Badenser haben sich vorgenommen, an diesen beiden Tagen in die benachbarten Wälder zu flüchten.

Kampf um die Luzerner Seefront

Mittwoch, den 29. Juni 2011 um 11:30

Die Hoteliers an der weltweit renommierten Luzerner Seefront wollen das Recht haben, ihre Häuser zur Steigerung von deren Rentabilität in private Residenzen zu verwandeln. Der Luzerner Stadtrat, der Millionen in die Fremdenverkehrswerbung gesteckt hat, will dies nicht, sondern am Seeufer eine Hotelzone erhalten. Louis Dönni, VRP des drittgrössten Luzener Hotels, des „Europe“, der den Umbau am raschesten vorantreiben will, sieht sich schon enteignet. Die von den Hoteliers geplante Enteignung der Luzerner Öffentlichkeit interessiert ihn weniger. Er droht: „Dann machen wir halt zu.“ Richtig arbeiten, will dort wohl keiner mehr. Spekulationsgewinne gehen vor.

Unsere Vorfahren: durch Zuwanderung zum Mischvolk

Mittwoch, den 29. Juni 2011 um 9:23

Nun fühlen sich die Lehrer und Schuldirektionen bestätigt: Es waren die Pfahlbauern, die wir als unsere Schweizer Vorfahren anerkennen sollen. Nach dem 2. Weltkrieg, als alles Deutsche in der Deutschen Schweiz negativ belastet war, nannten wir uns alle Kelten. Nur einige Wissende waren nicht überrascht, als man Ende des 20. Jahrhunderts im Grossraum Zürich hunderte von Gräbern neu entdeckte. Darin lagen weder Pfahlbauern noch Kelten, sondern astreine Alemannen, zugewandert aus den Zonen nördlich des Bodensees. Die Schweizer Bevölkerung ist ein Mischvolk, wie es nur wenige gibt. In der Westschweiz noch mehr als in der Deutschen Schweiz, denn dort gibt es tatsächlich Kelten, aber auch Savoyarden in grosser Zahl, dazu Italiener, Portugiesen und, seit 30 Jahren, zunehmend Afrikaner. Sri Lanker haben den Schweizer Genpool erst jetzt aktiviert, wie es früher die Kimbern taten. Stärker werden die Einflüsse der slawischen Völker und derjenigen aus dem Balkan. Das alles nennt sich Schweizer; einige Pfahlbauern sind auch noch darunter.

„Der Auftrag“ treibt die Grössten an

Mittwoch, den 29. Juni 2011 um 9:22

Wie schon Dr. Christoph Blocher im Buch „Erfolg als Auftrag“ (Karl Lüönd im Stämpfli Verlag, Bern) schreiben lässt, ist „Der Auftrag“ alles. Blocher gibt sich selbst Aufträge und erteilt auch solche. Widerspruch gegen solche Aufträge ist zwecklos, wie schon Matthias Ackeret in seinem „Blocher Prinzip“ geschrieben hat.

Bei meiner frühsommerlichen Lektüre bin ich auf einen anderen grossen Europäer gestossen, der seinem Auftrag folgte wie die Heiligen Drei Könige dem Stern von Bethlehem: Don Quichotte, magerer „Held der traurigen Gestalt“ von Miguel Cervantes, hat sich selbst dem „hohen Auftrag“ gestellt, das alte Reich wieder herzustellen. Begleitet war er von Sancho Pansa, einem rundlichen Pykniker, der trotz dauernder Verzweiflung über die Marotten seines gnädigen Herrn und Ritters diesem immer treu blieb.

Ist Dr. Christoph Blocher ein Don Quichotte der Gegenwart? Dann wären Ueli Maurer und Toni Brunner, SVP-Parteipräsidenten seiner Wahl, die zeitlich abgestuften Sancho Pansas, die ihm, dem Chefstrategen, treu Gefolgschaft leisten. Aus der holden Dulcinea ist „Königin Silvia“ geworden, die den Traum ihres Gemahls zu dem Ihrigen gemacht hat.

Im Unterschied zu Don Quichotte ist Familie Blocher immens erfolgreich. Der Sturz von Christoph Blocher als Bundesrat hat ihn nur angestachelt, zusammen mit SVP-Finanzchef „Walti“ Frey alles auf eine Karte zu setzen, um den Herbst 2011 nach gut 30jährigem Kampf zur Stunde der Wahrheit zu machen. Silvia Blochers Auftritte, die ihm geschadet haben, wurden zurück gebunden; auch Bruder Gerhard schweigt wieder, was der Partei sicher dienlich ist. Christoph Blocher sammelt die Ängstlichen, Mutlosen und sich bedroht Fühlenden des Landes um sich. Etwas Don Quichotterie ist unvermeidlich.

 
     
     
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