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Tagesarchiv für 6. Mai 2011

Ein schwieriges Gelände: Medien und Wahlkampf

Freitag, den 6. Mai 2011 um 11:43

„NZZ campus“ hatte in die Uni Zürich eingeladen, um unter Leitung von Michael Furger (NZZaS) das Thema „Medien und Wahlkampf“ diskutieren zu lassen. Zum Schluss landete man bei der Qualität der Medien, weil die Qualität der Politiker niemand diskutieren wollte. Einzig das bekannt meckernde Kichern von Prof. Kurt Imhof, wenn er Bruchstücke seines umfassenden Wissens von sich gab, belebte den etwas trögen Anlass und löste beim zahlreich angetretenen Publikum zustimmendes Gelächter aus. Dem aufklärerischen Imhof, den der Ruf des Kulturpessimisten verfolgt, gelang es immerhin, ausweichenden Meinungen einen eigenen Standpunkt entgegen zu setzen: „Qualitätsjournalismus wird nicht mehr gelesen.“ Dem hatte Martin Senti von der Inlandredaktion der NZZ auch nicht viel entgegen zu setzen und bestätigte: „Generalsekretäre der Parteien melden sich bei uns weniger als früher mit eigenen Themen.“

Eigentliche Überraschung des Vorabends war SP-Vizepräsident Cédric Wermuth, der mit differenzierten Äusserungen auftrat und deutlich machte, dass seine Provokationen einzig durch das Verhalten der Medien ausgelöst würden, die sich zu wenig mit den sachpolitischen Vorschlägen der Jungsozialisten auseinander setzen. In eleganter Sprache schilderte er, wie die Gratiszeitungen das Monopol in der politischen Berichterstattung der Tageszeitungen durchbrochen haben und nannte dies einen Demokratisierungsvorgang, worüber sich vor allem „20 Minuten“ freuen wird. Seine Forderung „Wir brauchen eine staatliche Medienfinanzierung“, dies zur Rettung der Medienqualität, hängt natürlich in der Luft. Was Qualität ist, bestimmen immer noch der Verleger, die Chefredaktion und die Ressortleiter.
Als Verlierer kamen sich an diesem Abend die anwesenden Online- und SRF-Radio-Journalisten vor. Diesen unterstellte niemand im Saal Qualitätsjournalismus.

50 Jahre Morgenrot – unsere Landeshymne jubiliert

Freitag, den 6. Mai 2011 um 11:43

Die Schweizer Landeshymne feiert in diesem Jahr ihren 50sten Geburtstag. Tusch! In den städtischen Zonen der globalisierten Schweiz hat sie, wie andere Landeshymnen auch, jegliche Bedeutung verloren. Auf dem Land, dort wo die SVP wohnt, heben sich die Busen und Männerbrüste bei älterem Publikum noch in Ehrfurcht; die Jungen singen eher verständnislos vom frühen Morgenrot, weil sie dann, von nächtlichen Partys kommend, meist noch im Bett liegen. Die Schweiz ist ein wunderbares Land, das eine bessere Hymne längst verdient hätte. Cigarrier Heinrich Villiger war der letzte Schweizer Held, der den Versuch machte, dem Land eine neue Hymne zu schenken. Bei den Berner Chefbeamten, den EU-Beitritt fest im Blick, fand dies wenig Begeisterung. Tusch!

Wilhelm Tell kam aus Ernen im Goms

Freitag, den 6. Mai 2011 um 11:43

Wahrscheinlich haben die politisch links stehenden Schweizer Historiker Wilhelm Tell vor 20 Jahren untergehen lassen, weil er ohnehin weder ein Urner noch ein Innerschweizer, sondern ein Walliser aus der Gemeinde Ernen im Binntal im Walliser Goms war. Dort findet man im Tellenhaus die ältesten Tellfresken der Schweiz. Die Familie der Tells wanderte aus dem Goms in das benachbarte Urserental ein.

Ernen hat eines der schönsten und intimsten Sommer-Musikfestivals der Schweiz. Der Intendant des Musikdorfes Ernen, Francesco Walter, eigentlich ein Verlagsmanager, trat an die Stelle des berühmten ungarischen Pianisten György Sebök, der vor 25 Jahren, 1987, das „Festival der Zukunft“ ins Leben rief. Unter dem Titel „Leidenschaft und Melancholie“ finden in diesem Jahr die Klavierwochen ab 9. Juli statt, die Barockmusikwochen folgen ab 17. Juli, das eigentliche „Festival der Zukunft“ erstreckt sich vom 31. Juli bis zum 13. August. Ernen im Binntal ist ein ausserirdisches Erlebnis.

Nun habe ich den „Schweizer Monat“ wieder bestellt….

Freitag, den 6. Mai 2011 um 11:42

…und frage mich bei der Lektüre der 2. Ausgabe vom Mai 2011, ob Herausgeber René Scheu (Weste mit Hemd und Schillerkragen) seinem Anspruch der Debattierfreudigkeit nachlebt.

Schon wieder Norbert Bolz als Vordenker der Querdenker. Wolfgang Sofsky interpretiert, sehr lyrisch, ein Katastrophenbild aus Nordjapan. Die Atomkraftwerkdebatte wird, vielleicht vorläufig, im „Monat“ ausgeklammert. Ein St. Galler Assistenzprofessor erinnert wieder einmal daran, dass „echte Demokratie die Macht der Politik behindert“. Er wollte wohl sagen, „die Politik der Mächtigen behindert.“ Das ginge aber zu weit, denn man müsste diese dann bezeichnen, um ernst genommen zu werden. Die attraktive Xenia Tschou will mehr persönliche Substanz und weniger Bilder; ein frommer Wunsch von einer Beinahe-Miss-Schweiz.

Dann folgt René Zeyer, eine echte Überraschung, denn die Grossbanken werden dies dem „Monat“ übel nehmen. Zeyer, der, wie mancher Aussenseiter im Land, ein kluger Kopf ist, darf den Schweizer Journalismus skelettieren. Ohnehin eine Masochistenbranche, die sich im Schoss der PR-Branche auflöst. Gunnar Heinsohn (schlank mit Weste) trägt seine These vom „youth bulge“ vor sich her. Recht hat er, aber niemand kann etwas daran ändern. Gefolgt von Marc Faber („Zwei Mr. Doom in einem Heft“), der unsere westliche Welt als Übel sieht. Gleich drei Autoren äussern sich gegen die Zentralbanken, das ist massiv. Joachim Starbatty darf nachschlagen und den „Modernen Münzbetrug“ aufzeigen. Ein in Simbabwe lebender Ökonom darf die Hyperinflation des 21. Jahrhunderts ankündigen, was die Sache nicht einfacher macht. Zur Erholung muss H. R. Giger seine erotischen Skulpturen zeigen und Sina aus dem Wallis will endlich einen weiblichen Priester sehen, um die katholische Kirche zu retten.

Die Fotos von Philipp Baer und Michael Wiederstein sind ganz ausgezeichnet. Abgesehen vom Angriff auf die Zentralbanken, sieht man noch nicht richtig, worauf der „Monat“ hinaus will. Die FDP geht derweil zugrunde; davon ist natürlich auch nicht die Rede.

Bischöfe unter sich

Freitag, den 6. Mai 2011 um 7:43

Der St. Galler Bischof Markus Büchel hat nun die Lust am Priestermangel verloren und schlägt Frauen als Priesterinnen vor. Die Schweizerische Bischofskonferenz, unter Leitung von Norbert Brunner, Sion, ganz dem vatikanischen Einfluss unterliegend, reagiert ablehnend. Der Standort St. Gallen ist noch für andere Überraschungen gut. Dort befindet sich, unter dem Siegel grösster Geheimhaltung, die Geschäftsstelle der katholischen Bischöfe Europas, wo heute Pater Duarte da Cunha aus Portugal das Wort führt. Ganz wie in einem globalen Konzern, wurde darum gekämpft, den Sitz nach Rom oder Prag zu verlegen. Vorläufig siegte St. Gallen als Kompromisskandidat.

Teure Gesundheit

Freitag, den 6. Mai 2011 um 7:43

Didier Burkhalter,FDP-Innenminister, hat keine Chance: Die Prämien der Krankenkassen werden weiter steigen; vielleicht will er auch nicht wirklich etwas dagegen tun. Was Burkhalter vorschlägt, ist der halbe Couchepin. Das genügt nicht. Nach niederländischem Vorbild, das als unerreicht gut gilt, brauchen wir in der Schweiz nicht mehr als fünf Regionen, wo Qualitäts- und Preiswettbewerb herrschen. Heute haben wir 300 Spitäler, wo 100 ausreichen würden. Heute haben wir Gesundheitsföderalismus in 26 Kantonen, die Ergebnisqualität ist fraglich. Nur etwa zehn National- und Ständeräte verstehen die Gesundheitspolitik. Bund und Kantone sind darob in Regulierungswut verfallen, was die Preise weiter erhöht. Derzeitiger Stand: Fr. 63 Mia. p.a.

 
     
     
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