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Tagesarchiv für 28. April 2011

Geschwätzige Medien-Kolumnisten: Case „tagi“

Donnerstag, den 28. April 2011 um 15:20

Philipp Löpfe, der in seiner medialen Karriere an Geschwätzigkeit nur von wenigen übertroffen wurde, zieht nun im „Tagesanzeiger“ folgende Bilanz der wirtschaftlichen Entwicklung von armer Staaten: „Zudem scheint die Demokratie nicht unbedingt die besten Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung zu bieten.“ Lohnt sich bei derlei geistigem Höhenflug die Diskussion? Zumal der „Tagesanzeiger“ sich sonst den Anschein gibt, er stünde demokratischen Entwicklungen eher positiv gegenüber. Das mediale Geschwätz, welches man mit einem Zeitungsabonnement einkauft, ist eine Form erlaubter oder geduldeter Konsumententäuschung. Es gibt keinen Richter im Land, der solches in den richtigen Rahmen stellt. Die aus den Verlagen dann kommunizierte Replik, der Abonnent sei frei, ist auch falsch, denn oft genügt mir ein guter Artikel, um den Aufwand zu rechtfertigen. Was Philipp Löpfe an wenig Erträglichem bietet, machen Martin Kilian aus Washington oder Constantin Seibt aus Zürich wieder wett.

Katholische Kirche taumelt

Donnerstag, den 28. April 2011 um 15:20

Der Präsident der Schweiz. Bischofskonferenz will nichts verändern, sieht auch keine grossen Probleme in der Kirche. Der St. Galler Bischof Norbert Büchel will Frauen als Priesterinnen. Die anderen Bischöfe schweigen – vorerst. Die Ministranten werden immer älter, die Kirchen immer leerer. Der polnische Papst wird in wenigen Tagen selig gesprochen; was dahin führte, ist fragwürdig. Als Katholik zahlt man seine Kirchensteuer und fragt sich: Wozu?

NZZ: Mehr Schulden für KMU

Donnerstag, den 28. April 2011 um 15:20

Alleine 150 Mia. Euro warten derzeit darauf, in Management Buyouts investiert zu werden, schreibt Giorgio V. Müller in unser finanzfreundlichen NZZ. Falsches Sicherheitsdenken der KMU-Unternehmer würden das Wachstumspotential behindern. Die seca, Insider wissen, was ich meine, vertreten durch Maurice Pedergnana, verlangt, KMU müssten sich aufkaufen lassen. Das ist typisch NZZ, die in vielleicht ein „MU“ ist, aber ein „MU“ mit strengen Aktionärs-Zutrittsbestimmungen: Die Kleinen werden zum Ausverkauf aufgefordert. Seit 30 Jahren führe ich nunmehr mit meinen Söhnen ein KMU; oft hätten wir verkaufen können. Aber wollen wir einem Deutschen, einem US-Amerikaner oder einem indischen Herrenmenschen rapportieren? Sicher nicht, auch wenn die NZZ dies empfiehlt.

Verteidigung der Populisten

Donnerstag, den 28. April 2011 um 7:26

Sie mögen bei den klassischen Parteien sehr unpopulär sein, aber die Populisten, die in ganz Europa wie in den USA blühen, verdienen die Verteidigung. Sie sind nahe beim Volk („populus“) und weniger nahe bei den Entscheidern in Wirtschaft, Politik und Kultur. Das Volk sucht Zuflucht eher bei seinen Verteidigern als bei jenen, die vorgeben, auch das Volk zu verteidigen; wobei das Wort „auch“ sehr wichtig ist. In der Schweiz hat die einstige Volkspartei FDP das Volk an die Banken, Versicherungen und Konzerne verraten; jetzt rächt sich das Schweizer Volk mit seiner Abkehr. Die einstige katholische Volkspartei CVP ist eine Beamten- und Schein-Volkspartei geworden, der das Volk längst den Rücken zugekehrt hat. Die Sozialdemokraten sind eine bürgerliche Restepartei, der kantonale Angestellte und Universitäts-Bürokraten die Stimme geben. Grüne und Grünliberale versprechen Hoffnung, obwohl sie weder ein glaubwürdiges Programm noch ein glaubwürdiges Personal haben. Christoph Blocher, der geniale Stratege, verspricht dem Volk Hilfe und liefert den Banken und Konzernen Sicherheit. Vox populi, vox Rundvieh; wie wahr.

Das Volk will keine Ausländer, die Wirtschaft schon

Donnerstag, den 28. April 2011 um 7:25

Es ist einigermassen lächerlich: Das Schweizer Volk leidet unter den sich vermehrenden Ausländern und wählt deshalb die SVP. Die Schweizer Wirtschaft, gerade auch SVP-Chef Dr. Christoph Blocher, braucht Ausländer. Zum Beispiel: Die technische Ausbildung für Verfahrensingenieure wurde wegen der Schwergewichtsverlagerung von der Basis-Chemie auf Life Science zurückgefahren. Verfahrensingenieure müssen deshalb aus Deutschland importiert werden. Dafür ist Bundesrat Didier Burkhalter zuständig, vielleicht aber auch Johannes Schneider-Amann. Beide äussern sich nicht zu solchen Details.

Moritz im Glück

Donnerstag, den 28. April 2011 um 7:25

Unser ebenso intellektueller wie sensibler alt Bundesrat Moritz Leuenberger, dessen politische Karriere abgehoben von der eigenen Partei, der SP, erfolgte, die sich jetzt im freien Fall befindet, ist nun VR der Implenia-Gruppe. Diese ist ein gut geführtes Unternehmen, das nicht mit der SP Schweiz vergleichbar ist. Genau die Zuwahl von Moritz Leuenberger ist es, die Konsequenz beweist, hat der einst hohe Magistrat doch jenes politische Herrschaftswissen, das Gerhard Schröder zu Gazprom führte und Kaspar Villiger zum UBS-Konzern. Als schöngeistiger Bundesrat, dessen Reden heute niemand mehr lesen will, hat er uns ein Chaos auf Strasse, Schiene und in der Luft hinterlassen. Wäre die Deutsche Lufthansa nicht, welche die Swiss gerettet hat, wäre seine Bilanz katastrophal. Jetzt ist er Moritz im Glück, denn ohne Volk lebt sich besser.

Nachösterliche Wunder

Donnerstag, den 28. April 2011 um 7:25

Die Bauern- und Gewerbepartei SVP will verhindern, dass der UBS-Konzern und der CS-Konzern mehr Eigenkapital bilden müssen, um im Ernstfall für ihre eigenen Fehlentscheide bei Investitionen (oft im Ausland) selbst einzustehen. Natürlich sind dies nicht die Toggenburger Bauern unter Führung von Toni Brunner, die derlei wünschen, auch nicht die Walliser SVP unter Führung von Oskar Freysinger, sondern zurückzuführen ist derlei auf den Einfluss des Milliardärs und Chefstrategen Christoph Blocher, der mit seinem Milliardärsfreund „Walti“ Frey (Auto-Importeur und Finanzchef der SVP) die Weichen stellt. Kein Wunder, dass nicht mehr Schreiner und Bauern bei der FDP etwas zu sagen haben, sondern in Zürich der Bankier und vielfache Millionär Thomas Matter zum SVP-Nationalrat aufgebaut wird.

Kein Wunder, will auch SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer mit einer parlamentarischen Initiative für das Volk einen „Goldfranken“ schaffen. Eine Münze mit einem Gramm Gold würde rund 45 Franken kosten, wahrscheinlich sogar mehr. Der Freisinn hat solche Kaliber nicht mehr zu bieten.

Dazu passt: „Tagi“-Korrespondent Martin Kilian schreibt im Tamedia-Imperium vom „Immobilien-Giganten“, der ins Weisse Haus will. Schon ist in Vergessenheit geraten, dass Donald Trump, ein Spekulant hohen Grades, viele Jahre von der Credit Suisse finanziert wurde und den Status eines Giganten auch heute noch nicht verdient hat.

Beide Beispiele zeigen: Die alte politische Klasse der Schweiz, die noch national-bodenständig geprägt war, zieht sich langsam zurück. An ihre Stelle treten grüne und bürgerliche Spekulanten, die spüren, dass der „Lift nach oben“ weit offen ist.

 
     
     
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