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Tagesarchiv für 14. April 2011

Schlechte Zeiten für Intellektuelle

Donnerstag, den 14. April 2011 um 13:46

Weil die Medien ihren Produktcharakter pflegen, haben freie Intellektuelle seit einigen Jahren einen immer schwierigeren Stand. Berufs-Intellektuelle wie Daniel Binswanger oder Thomas Held sind entweder angestellt oder in einem festen freien Verhältnis an einen Verlag, in diesem Fall tamedia, gebunden. Professoren, wie Kreis, Kohler oder Jaeger, sind auf die Gnade der Medien angewiesen, sie zu Wort kommen zu lassen. Ändern der Chefredaktor oder die Redaktionspolitik, sind sie weg vom Fenster. Zudem können jüngere Journalisten meist wenig mit „gestandenen“ Wissenschaftern anfange („Was essen Sie am liebsten?“). Weil die Zeit rast, rasen alle mit.

Die zweite Revolution der SVP

Donnerstag, den 14. April 2011 um 13:46

Von Zürich aus baute Dr. Christoph Blocher seine neue SVP auf, mit welcher er der FDP den Wind aus den Segeln und der SP die Arbeiter nahm. Das war die erste Revolution der SVP, die unter der Führung von Ueli Maurer ein nationaler Erfolg wurde. Die Bauern, viele Arbeiter, viele Gewerbebetriebe wurden „Blocherianer““.

Jetzt hat, wieder in Zürich, die zweite Revolution der SVP begonnen. Sie wird nicht nur von den beiden Milliardären Christoph Blocher (Chemie, Spekulation) und Walter Frey (Auto-Importe, Medien) angeführt, ersterer als Chefstratege, letzterer als Finanzchef. Sie hat auch zwei Zürcher Multimillionäre eingeladen, im Herbst für den Nationalrat zu kandidieren: den Jungbanker Thomas Matter, der drohte, Alfred Schindler und andere Unternehmer würden ins Ausland zügeln, und der Mobiltelefon-Lieferant Hans-Ulrich Lehmann, der sein Herz für die Politik entdeckt hat. Damit geht die Zeit der Handwerker (Toni Bortoluzzi) und Intellektuellen (Dr. Christoph Mörgeli) in der SVP zu Ende. Christoph Blocher hat begonnen, seine alten Helden abzulösen.

Wer jetzt noch behauptet, die SVP sei eine Bauern- und Gewerbepartei, unterliegt dem Irrtum, dass die Delegierten wirklich viel zu sagen haben. Wirtschaftsführer wie Blocher, Walti, Matter und Lehmann gehen nicht in die Politik, um zu schwatzen, sondern wollen etwas durchsetzen, ihren politischen Willen nämlich.
Die SVP wird mit diesen Berufungen für die Schweizer Wirtschaft noch wichtiger und glaubwürdiger. Verliert die FDP im kommenden Herbst tatsächlich die Wahlen, wird sie zum Beiboot der SVP degradiert, ganz wie diese einmal das Beiboot der Freisinnigen gewesen ist. Fulvio Pelli kann diesen Sturm nicht aufhalten, sein Parteivorstand ebenso wenig. Es sieht ganz so aus, als hätten die Grössen der Schweizer Wirtschaft den Freisinn aufgegeben. Verstehen kann man dies.

Der merkwürdige Herr Daniel Vasella

Donnerstag, den 14. April 2011 um 13:46

Ob Daniel Vasella mehr Unternehmer, Topmanager oder Schwiegersohn ist, weiss nur er selber. Im „tagimagi“ enthüllt er Rico Czerwinski seine Psychoanalyse, womit es ihm gelungen sei, auch die Debatte um seine Boni besser zu überstehen. Mindestens der Psychiater darf sich darüber freuen. Vasella kann sich auch nicht entscheiden, ob er eine „narzisstische, obsessive oder erotische Persönlichkeit“ ist, Jedoch meint er gelernt zu haben, wenn man Bücher vor sich auf den Tisch stelle, würden Gespräche besser verlaufen. Merke: Hoffentlich bringt er bald seine Aktie hoch.

Die Käsknöpfle-Liberalen

Donnerstag, den 14. April 2011 um 7:40

Eine neue Spielart liberalen Denkens wird soeben in Form einer 460seitigen Festschrift zum 60. Geburtstag von Dr. Gerhard Schwarz vorgelegt. Der Vorarlberger Liberale, vormals Leiter der Wirtschaftsredaktion der „Neue Zürcher Zeitung“, heute Direktor des im Wandel begriffenen Schweizer Think Tanks „Avenir Suisse“, lässt sich im Buch „Der Liberalismus – eine zeitlose Idee“ (Olzog, München) feiern als Mitglied der „Käsknöpfle-Liberalen“, die ihre Frustrationen über den globalen Finanzkapitalismus mit einer Portion Kaiserschmarren bekämpfen, so Mitautor Oswald Oelz, Starchirurg und – bergsteiger.

Wer die Schweizer Première dieses wichtigen Werkes erlebte, konnte nur staunen. Der mit Abstand prominen-teste Schweizer Politiker, der dem Anlass Glanz verlieh, war der SVP-Chefstratege und Marathon-Politiker Dr. Christoph Blocher, 70. Er liess sich als grosser Liberaler von Co-Herausgeber Gerd Habermann, Uni Potsdam, feiern, der bedauerte, dass man in Deutschland keine der SVP vergleichbare Partei habe. Vom Schweizer Freisinn, der sich auch „Die Liberalen“ nennt, war höchstens die C-Liga vertreten: alt Ständerätin Vreni Spoerry und Co-Autor Eric Honegger, dem die Schweiz massgeblich den Absturz der Swissair verdankt, dem der Absturz des Freisinns folgen sollte.

Das Buch selber muss angesichts einer zusammenbre-chenden deutschen wie Schweizer FDP höchste Auf-merksamkeit geniessen; es wird am 27. April auch in der Schweizer Botschaft am Potsdamer Platz in Berlin vor-gestellt werden. Im ersten Kapitel „Die Schweiz als Hort des Liberalismus“ kommen, in dieser Reihenfolge, Roger Köppel, Blocher-Verehrer Gerd Habermann und Chris-toph Blocher selber zu Wort. Köppel beschränkt sich im wesentlichen darauf, einen Aufsatz von Malcolm Gladwell aus dem „New Yorker“ vorzustellen und zu interpretieren, wo die Davids gefeiert werden, die sich gegen die Goliaths durchgesetzt haben; auch „der wilde Haufen reitender Beduinen“, die T.E. Lawrence gegen die Türken führte, die Vietcong und die Mudschaheddin finden, weil sie dem Köppel’schen Modell folgen, dessen Aner-kennung. Seinen grossen Freund und Förderer Christoph Blocher tröstet er mit der Bemerkung: „David braucht eine dicke Haut“.

Es ist, trotz zweier Herausgeber, darunter auch der be-kannte Zürcher Treuhänder Marcel Studer, mühsam, in dem Buch einen dem Niedergang der europäischen Li-beralen angepassten roten Faden zu finden. Einige auf-fallende Details setzen jedoch Zeichen:

– Die emanzipatorische Entwicklung der Liberalen be-gann mit dem Aufstieg des Bürgertums, das gleich und frei, vor allem von der Bedrückung des Adels, sein wollte. Dennoch lässt sich Gerhard Schwarz auch von Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, dem Stellver-treter des Fürsten, feiern. Erwartungsgemäss nimmt der Vize-Fürst den Liberalismus für sich in Anspruch, macht aber ein Zugeständnis an sein Volk: „Eine kleine Bevölkerung zwingt die Politik zur Bürgernähe.“ Bür-gernähe wird also in Vaduz nicht mehr als liberale Selbstverständlichkeit, sondern als Zwang empfunden und von den Herausgebern anerkannt, eine reizvolle Volte der Geschichte.

– Weil die liberalen Geister so gross nicht immer sind, wurde Otto Graf Lambdsdorff mit einem Beitrag aus dem Grab geholt. Sein Lob der US-Wirtschaft und Ge-sellschaftspolitik wirkt durch die jüngere Entwicklung überholt. Die Dialektik des Vorspanns „Der Freihandel nutzt nicht nur den Reichen und schadet nicht den Ar-men.“ hält jenen didaktischen Spannungsbogen auf-recht, der heute, mit Ausnahme von Sloterdijk, bei Li-beralen kaum noch zu finden ist.

– Zu den „Rittern des alten Liberalismus“, wie dies Karl-Peter Schwarz soeben in der FAZ ausdrückte, gehört auch Vaclav Klaus, der Präsident der Tschechischen Republik, der immerhin „Die schwierigen Zeiten der Li-beralen“ anerkennt. Klaus verdient tatsächlich grossen Respekt, wenn er auch nicht erkennen will, dass die Teilübernahme seines Landes durch den VW-Konzern und andere Grossfirmen auf einer Linie liegt, die EU-kompatibel ist. Als Don Quichotte des Liberalismus, der auch grosse Hochschulen als niveausenkend be-zeichnet, trägt er auch der Tatsache keine Rechnung, dass der Import qualifizierter Arbeitskräfte billiger zu stehen kommt.

Die Risiken des liberalen Kapitalismus werden schon auf der Titelseite des Buches erkennbar, wo die „Zürcher Zeitung“, Nr. 1, aus dem Jahr 1780 als liberale Zeugin dient, die allerdings kurz darauf Bankrott ging, um als „Neue Zürcher Zeitung“ Auferstehung zu feiern. Der neue VR-Präsident der liberalen Tageszeitung, der St. Galler Privatbankier Dr. Konrad Hummler, liefert im dritten Kapitel zum Thema Marktwirtschaft, Gerhard Schwarz einen Moralisten nennend (siehe oben, „Kai-serschmarrn“), ein Plädoyer für den Profit, findet aber zu extreme Anreizsysteme, Profit um jeden Preis zu ma-chen, fragwürdig.

Während Blocher-Freund und Kooperationspartner, Le-ga-Präsident Giuliano Bignasca, der im Tessin die FDP an der Urne gerade entscheidend schwächte, wenige Stunden zuvor aufgerufen hatte, den Tessin mit einer Mauer gegen die Einwanderer aus Italien abzuschirmen („wie sie zwischen Israel und Palästina existiert“), freute sich Laudator Robert Nef, Präsident des Liberalen Insti-tuts in Zürich, über die vielen „aufrichtigen Freunde“ und „klingenden Namen“, die sich zum Liberalismus beken-nen. Gerd Habermann gab bekannt: „Die Wohlfahrts-Demokratie geht dem Ende zu.“ Gerhard Schwarz blieb es vorbehalten, an die drei liberalen Essentials zu erin-nern: Wettbewerb, Privateigentum und Eigenverantwor-tung mit Haftung. Ja, er nannte das vierte Essential, als letztes, auch: Soziale Verantwortung. Robert Nef fasste zusammen: „Sympathie ist die Grundlage des Werte-schaffens.“

Meine Sympathie gilt dem Veranstalter, der Progress Foundation, welche an diesem Abend die extrem hohen Parkgebühren des Hotels „Widder“ übernommen hatte. Sie gilt auch dem Team Studer-Habermann und Nef, die weiter intellektuelle Netze spannen durch welche die li-beralen Politiker dann fallen können. Meine Sympathie gilt Dr. Christoph Blocher, der jetzt auch Fulvio Pelli, den gescheiterten Präsidenten der Freisinnigen Partei, auf dessen ureigenstem Gebiet des Liberalismus überholt hat. Meine Sympathie gilt auch „Geri“ Schwarz, der, stets unauffällig, diese Entwicklung, freundlich murmelnd wie ein Bächlein, während Jahrzehnten begleitete, um daraus eine Karriere zu machen.

Meine Trauer gilt den Gründer-Liberalen, welche die Fahnen der Freiheit hissten, um den Adel zu stürzen, die dann einer Kapitalakkumulation auf globaler Ebene zum Opfer fielen, die liberal eher grossmaschig definiert. Nicht Olzog, sondern der Buchverlag der „Neue Zürcher Zeitung“, liess im letzten Jahr Prof. Dr. Georg Kohler mit seinem liberalen Werk „Bürgertugend und Willensnation“ publizieren, worin er über den „Gemeinsinn und die Schweiz“ nachdachte. Darin erinnerte er „Bürger und Bürgerinnen sind vom Ethos freier Gleichheit und glei-cher Freiheit geleitet“. Wenig ist darin bei Haber-mann/Studer zu finden; auch nicht bei Dr. Christoph Blo-cher, liest man seine Blocher-Prinzipien aufmerksam, die von „Befehlen“ und „Untergebenen“ nur so strotzen. Die nächste liberale Phase, inmitten derer wir stehen, wird von Joseph S. Nye, Jr. In „The Future of Power“ beschrieben, das soeben bei Perseus in New York er-schien. Darin kommt er, neben dem militärischen Schlag, auf die vorgeschaltete „soft power“ zu sprechen, die als liberaler Einfluss ihre volle Wirkung entfaltet.

Achtung, die Vorstädte

Donnerstag, den 14. April 2011 um 7:40

Die Revolutionen kommen aus den Vorstädten, das wussten die Franzosen schon vor 150 Jahren. Sie sagten „La partie des faubourgs énergetique de la population“. Das gilt auch heute noch für Frankreich, England, Deutschland, vielleicht auch die Schweiz.

 
     
     
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