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Tagesarchiv für 7. April 2011

Die Dekadenz der Haifische

Donnerstag, den 7. April 2011 um 13:41

Guido Westerwelle, alters-adrett, bleckt, zurück in der Heimat, die Zähne mehr als dies als Lächeln hätte empfunden werden können. Wie er seinem Parteisekretär die Hand drückt, abwesend, sagt alles. Der, Christian Lindner, ein Leader der deutschen Politik (!), blickt, Zweitage-bärtig, den noch nicht so alten Meister ängstlich an. Beisst er noch? Die Dekadenz der Haifische geht aus dieser Begegnung allen sichtbar hervor. Da wäre noch Philipp Rösler, der neue, als Gesundheitsminister ist nichts passiert, aber reden kann er wie ein Maschinengewehr im Zweiten Weltkrieg. Die Inhalte kann kaum einer fassen.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Es handelt sich hier um Vertreter der deutschen Freien Demokraten, einer Schwesterpartei der Schweizer Freisinnigen. Wenn Fulvio Pelli lächelt, der keinen Zwei- sondern einen Dreitage-Bart trägt, gefrieren um ihn die Gesichter. Spricht seine Fraktionschefin Gabi Huber, klingen die blechernen Glocken der Urner Alpen im Berner Rund. Von der FDP-Spitze ist sonst wenig bekannt, weil derzeit alle in Deckung bleiben.

Ein Freiheitsheld an der Uni Zürich

Donnerstag, den 7. April 2011 um 12:52

Wie sehr sich die Schweizer Jugend nach Freiheitshelden sehnt, zeigte der Auftritt von Dr. Wiktor Juschtschenko, 3. Präsident der Ukraine (2005-10), an der Universität Zürich. Deren grösste Aula war bis auf den letzten Platz besetzt, als er auf Einladung des Schweizerischen Instituts für Auslandforschung über sein Land sprach, das 350 Jahre unterdrückt war und seit 20 Jahren etwas mehr Freiheit geniesst. „Wir haben Russland im Rücken“, sagte der Held, was den Gastgeber, Instituts-Vizepräsident Martin Meyer (stv. Chefredaktor NZZ, Leiter Feuilleton) zum Ausruf veranlasste: „Wir haben die Österreicher vor 600 Jahren hinausgeworfen. Das war auch nicht einfach.“ Grosser Beifall!

Jewtuschenko, dessen Wollschal und -Mütze („Tak Jewtuschenko“) aus der Zeit der „Orangen Revolution“ noch neben meinem Tischpult liegen, Trophäe früherer Kampagnen, redet wie die Wasser des Dnjepr fliessen, der sein Land von Russland trennt, ruhig. Im Gespräch und der Diskussion, die von zahlreichen jungen Ukrainern verfolgt wurde, die in der Schweiz studieren und arbeiten, wird er lebhaft, blitzen die Augen, entfaltet er einen Charme, den wir – seine Gesichtszüge weisen darauf hin – auch bei den Bündnern entdecken. Ernst Mühlemann, verstorbener Schatten-Aussenminister der Schweiz und Kenner der Oststaaten, sagte stets: „Die Bündner sind keine Germanen und Kelten, sondern Ostgoten.“ Juschtschenko ist dieser Typ, kräftig gebaut, nicht mit dem untersetzten Muschik-Typus der Art „Gorbis“ vergleichbar.

Eigentlich ist er ein tragischer Held, reist er doch als „elder statesman“ seines Landes um die Welt, wirbt um Investitionen, beispielsweise in die Schwarze Erde seines Ackerlandes, und versichert „Wir gehören zu Europa“. Martin Meyer ist zu danken, dass er den Empfehlungen des Schweizer Freundeskreises von Wiktor Jewtuschenko entsprach und uns einen Freiheitshelden präsentierte, dessen Aufgabe noch nicht beendet ist.

Samih Sawiris verliert seine Verkaufspartner

Donnerstag, den 7. April 2011 um 8:01

Ein Wüstenfuchs kauft die Schweiz – so denken viele Menschen im Lande, die dem Treiben von Milliardär und Orascom Besitzer Samih Sawiris zu sehen. Nun habe ich erfahren, und die Öffentlichkeit weiss offenbar noch nichts davon, dass Sawiris seine beiden Verkaufsbüros, Ginesta Immobilien und Walde + Partner verloren hat. Die Gründe für diese Trennung sind jedoch nicht bekannt. Aber wenn zwei renommierte Immobilenfirmen abtreten, muss man davon ausgehen, dass irgendwas in Andermatt nicht planmässig verläuft und die Verkaufserwartungen nicht erfüllt werden. Wird Andermatt also doch eine Alpen-Bauruine?

Fidel Stöhlker

Was erwarten wir von Fulvio Pellis FDP?

Donnerstag, den 7. April 2011 um 7:59

Weil offensichtlich auch innerhalb der FDP Schweiz niemand mehr weiss, mit welchen Argumenten eine Wahlniederlage am 23. Oktober verhindert werden kann, seien an dieser Stelle einige Anstösse vermittelt.

Regel 1: Dumheiten vermeiden

Die FDP-Parlamentariertruppe, angeführt vom Zürcher FDP-Nationalrat Ruedi Noser („Mr. Jein“), der sich gegen den Datenschützer und für Google einsetzt („Man sollte Google etwas entgegenkommen.“), ist sicher nicht weniger schädlich, als die FDP-Grossbankenlobby gegen die Nationalbank. Google will in der Schweiz amerikanisches Recht anwenden, weshalb Noser lahm geltend macht: „…eine interessante juristische Frage.“ So machen die Freisinnigen keine Punkte.

Regel 2: Die grosse Steuerreform andenken

Das Schweizer Steuersystem und, schlimmer noch, die Steuerpraxis, sind so durchsichtig wie ein blinder Spiegel. Der langsam verarmende Mittelstand hat das Recht auf eine grosse Steuerreform, die ihren Namen auch verdient. Zug und St. Gallen sind Vorbilder.

Regel 3: Die Staatsreform andenken

Föderalismus ist eine gute Sache. Dient er aber nur dazu, alte Vorrechte zu erhalten und dies auch noch über einen falschen Sozialausgleich zu finanzieren, muss man sagen: Der heutige Föderalismus ist eine Farce für Selbstbediener. Eine Staatsreform, die mehr politische Spielräume verschafft, ist anzudenken.

Regel 4: Die Regulierungskosten abbauen

In den Jahren, wo Wohlstand aufgebaut wurde, ist die Verwaltung gewachsen, die mit ausufernden Regulierungskosten ihrem Dasein Sinn zu geben sucht. Deren Abbau führt nur über einen Abbau des Personalbestandes der Verwaltung. Dies intelligent in die Wege zu leiten, ist eine freisinnige Aufgabe.

Regel 5: Die Befreiung des Binnenmarktes

Die einseitige Abhängigkeit der Schweiz von den beiden Grossbanken und der Exportindustrie ist einzuschränken durch die Befreiung des Binnenmarktes von überflüssigen Hemmnissen. Schützende Gesetze und Verordnungen sind ebenso abzubauen wie die Fehlentwicklungen aufgrund einer wuchernden Kultur von Einsprechenden, die ihrerseits Verwaltung und Gerichte am Leben halten.

Regel 6: Kostentreibern ist entgegen zu treten

Wer im Binnenmarkt Leistungen abbaut und die Kosten für den Bürger anhebt, wie dies bei der Verwaltung und staatsnahen Betrieben der Fall ist, soll daran gehindert werden. Der Leistungsgedanke ist durch eine bessere Aufsicht wieder durchzusetzen.

Dies sind einige Stichworte für die Schweizer Freisinnigen, die sich im Netz ihrer Abhängigkeiten zu sehr verfangen haben, um noch freiheitlich-freisinnig denken zu können.

Gratis nur für betuchte Gentlemen

Donnerstag, den 7. April 2011 um 7:57

Am Samstag schenkte man mir, weil ich in der Region Zürich lebe und die „NZZ“ lese, das sonst CHF 12.– kostende neue Magazin „gr“, weshalb ich sofort dachte, Graubünden Tourismus habe sich wieder einmal etwas einfallen lassen. Es war jedoch die Nr. 1 des „Gentlemen’s Report“, der mit elegantem Layout klar machte, ich müsse Klassikermöbel nur aus Niederösterreich kaufen, Bruli Hemden tragen und künftig Phaeton fahren, weil der sich, irrtümlicherweise nehme ich an, in Europa schlechter verkaufe als in China. Zum guten Leben, wie es sich Jeroen van Rooijen und Reto Caprez vorstellen, gehört auch das Rudern, vorzugsweise auf dem Zürisee, weil es „etwas Besonderes“ an sich habe. Dem üblichen Schauspieler-Portrait („Carlos Leal, was packen Sie in Ihren Koffer?“) folgt der übliche Kellereibesuch; zufälligerweise gehört diese (Staatskellerei Zürich) Mövenpick, einem Finanzpartner der Redaktion. Vielleicht bleibe ich dennoch bei meinen vorzüglichen Klosterweinen und Schnäpsen des Klosters Einsiedeln. Dafür sagt mir dann die von der Redaktion empfohlene „Privatbank unseres Vertrauens“, Vontobel (ebenfalls ein Finanzpartner von „gr“), wie „Der Patron einer Sippe“ sein Geld anlegt, dies unter Berücksichtigung, dass er auf Sophia Loren und Gin Tonic oder Whisky steht.

Nach vier Minuten lege ich „gr“ wieder zur Seite: Schöne Fotos, schöne Menschen (Männer), flache Lektüre für flache Bäuche und sonst der übliche Klimbim, den man kaufen sollte. Warten wir auf Nr. 2. Die bekomme ich sicher wieder gratis.

Kein Weltuntergang für die USA?

Donnerstag, den 7. April 2011 um 7:57

Manchmal könnte man meinen, die USA würden doch nicht so rasch untergehen, wie dies immer häufiger gesehen wird. Sie ist die grösste Militärmacht der Welt, die jetzt auch in Nordafrika nach dem Irak und Afghanistan eine dritte Front eröffnet hat. Die militärischen Beiträge Frankreichs und Englands sind ohne US-Unterstützung durch die NATO-Zentrale in Sindelfingen/D und den CIA nicht denkbar. Wie sich jetzt herausstellt, haben ein Dutzend der grössten europäischen Bankkonzerne im Herbst des Jahres 2008 das „discount window“ des Fed angerufen und dort Milliardenkredite, total ca. 80 Mia. USD, aufgenommen, von denen sonst niemand wusste. „Lender of last resort“ sind demzufolge die USA und sonst niemand.
Damit wächst natürlich die Abhängigkeit Europas von den USA; wir sollten uns darüber nichts vormachen.

Gandhis Sieg über das bankrotte England

Donnerstag, den 7. April 2011 um 7:56

Der Kindern wird an den Schulen nicht mehr beigebracht, dass England (oder das einst stolze Grossbritannien) am Ende des 2. Weltkriegs pleite war. Sir Winston Churchill hatte mit Hilfe der US-Amerikaner diesen Krieg auf dem Rücksitz der amerikanischen Jeeps „gewonnen“, aber sein Land hatte er damit ruiniert. Das war der Grund, weshalb sein Nachfolger Clement Attlee um jeden Preis die indische Kolonie in die Freiheit entlassen wollte; er konnte sich den Aufwand einer Kolonialregierung nicht mehr leisten. Das bedeutete den grossen Sieg für Mahatma („Die grosse Seele“) Gandhi, der weder den Unberührbaren im eigenen Land helfen noch die Hinduistisch-Muslimische Union durchsetzen konnte. Merke: Ob England oder Indien, handeln heisst scheitern.

Das gilt auch für Gandhis Beziehung in Südafrika zum deutsch-jüdischen Architekten Hermann Kallenbach, weshalb Gandhi heute Bi-Sexualität unterstellt wird. Am Ende seines Lebens, kurz bevor er von einem Attentäter erschossen wurde, lebte er mit zwei „Nichten“ zusammen. Damals, 1948, hatte Indien 300 Mio. Einwohner, heute sind es 1,2 Mia. England ist noch ärmer als es vor 60 Jahren war, Indien hat einen Mittelstand von über 300 Mio. Menschen. Derart schnell rollt das Rad der Durga.

 
     
     
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