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Tagesarchiv für 10. März 2011

Grabesrede auf die USA?

Donnerstag, den 10. März 2011 um 15:43

„Möge Zürich der Freiheit immer treu bleiben“, rief der bedeutende Emeritus der Columbia University, Prof. Dr. Fritz Stern, gut 400 Zuhörern in mehreren Sälen der Universität Zürich zu, um dann auf Einladung des Schweiz. Instituts für Auslandforschung „eine Grabesrede auf die USA“ zu halten, so Prof. Nobel, eine Schweizer Eminenz mit engen Bindung an das amerikanische Rechtssystem.

Die Fred Luchsinger-Lecture (Chefredaktor der NZZ 1968-87, dessen gravierendster Fehler es war, den recht unerfahrenen Hugo Bütler zu seinem Nachfolger zu machen, was eine vieljährige Stagnationsphase des renommierten Grossverlags zur Folge hatte) wurde zu einem 90minütigen Gericht über die „Schwesternation der Schweiz“, das Dr. Martin Meyer, den Vizepräsidenten der gastgebenden Gesellschaft veranlasste, den Referenten zu einem Nachfolger im Geiste Charles de Tocquevilles zu ernennen, der die USA schon in seinem Werk „Über die Demokratie in Amerika“ vor gut 170 Jahren im Aufstieg bewunderte, deren Niedergang voraus sehend.

Das Scherbengericht des Historikers, der 1935 aus Deutschland auswanderte, beschuldigte die USA, ausgehend von Ronald Reagan bis zu George W. Bush II. der Korruption, der Schuldenwirtschaft und des sozialen Niedergangs der amerikanischen Bevölkerung. „Fox News“ (Anm.; ein Sender von Rupert Murdoch) beweise, dass die Wiederholung der Unwahrheit zur Verdummung der Zuschauer führe, so Stern. Die USA sei in den letzten 10-15 Jahren entzaubert worden, habe neue Grade der Gier entwickelt und das Laster des Rassismus erneuert, weshalb der Anspruch auf moralische Führung der Welt nicht mehr glaubhaft sei.

Die einigermassen verblüfften Zürcher Zuhörer, wo die Freunde der USA die grosse Mehrheit stellten, musssten sich auch die Frage gefallen lassen „Wo sind die europäischen Staatsmänner?“ (nach Schweizer Staatsmännern fragte Stern nicht). Sein Land, die USA, das mit den „Federalist Papers“ ein demokratisch fundiertes Werk von Weltgeltung geliefert habe, sei heute eine verdeckte Plutokratie, wo sich der weisshäutige Bevölkerungsteil im demographischen Abstieg befinde. Martin Meyer, der brillante Chef des Feuilletons der „Neue Zürcher Zeitung“, die demnächst von Dr. Konrad Hummler, dem St. Galler Bankier, als VRP zu neuen Ufern geführt werden soll, meisterte die schwierige Aufgabe, den Referenten zu ehren und die Teilnehmer zu beruhigen, sicher und souverän. Merke: Ratlosigkeit breitet sich aus ob der Tatsache, dass die USA gegenüber dem Finanzplatz Schweiz repressiv auftritt, aber gleichzeitig geliebt werden will. Dieser „Stern“-Stunden-Vortrag hat ein neues Kapital in den schweizerisch-amerikanischen Beziehungen eröffnet.

An dieser Stelle sei den Verantwortlichen des Schweiz. Instituts für Auslandforschung für Stil und Qualität Ihrer Veranstaltungen ein Kränzlein gewunden. Es gilt alt Bundesrat Kaspar Villiger als Präsident und der Zürcher Regierungsrätin Ursula Gut als Präsidentin des Kuratoriums.

Ringier fest in deutscher Hand

Donnerstag, den 10. März 2011 um 14:01

Der „Blick“ ist eindeutig besser gemacht als in all den Jahren nach Peter Übersax, der mit einem Porsche, aber sonst wenig geehrt, verabschiedet wurde. Es kam die Zeit von Frank A. Meyer, der, von Michael Ringier gestützt, die Ringier-Blätter zu einer innenpolitischen Macht ausbaute, die identisch war mit den Zielen des politisch ambitionierten Bundesrats-Beraters FAM. Der links-soziale Messianismus Bieler Prägung kam jedoch bei den Lesern weniger an; die Auflage der Ringier-Medien sank wie der Marktanteil der schweizerischen FDP. Es gab nur eine Richtung: nach unten. Nochmals machte Ringier einen grossen Fehler, als es, mit einem guten Jahr Vorlauf, sich zum Schutz des „Blicks“ gegen die Einführung eines eigenen Gratisanzeigers aussprach. Als der Verfasser dieses Blogs „20 Minuten“ in die Schweiz brachte und dazu den talentierten Blattmacher S.W. engagierte, der später mit einem eigenen Gratisanzeiger den Bankrott nur knapp vermied, wurde der „Blick“ weiter abgedrängt.

Erst mit einem deutschen CEO, Christian Unger, fasst Ringier wieder Fuss, aber anders, als man sich das ursprünglich vorgestellt hatte: Abbau wenig rentabler Beteiligungen und verlustbringender Engagements, Aufbau der Marketing- und Entertainment-Industrie im eigenen Haus. Seither wird von Profis ernsthaft bezweifelt, ob Ringier wirklich noch ein Verlag ist oder nur ein Handelshaus mit angeschlossener eigener Promotionsabteilung.

Nun sind alle Chefredaktoren dem ehemaligen deutschen „Bild“-Journalisten Ralph Grosse-Bley unterstellt worden. Damit sagt Ringier: Im Schweizer Stall haben wir kein eigenes Talent von Format mehr. Peter Rothenbühler, lange Zeit der beste Boulevard-Journalist, den Ringier je hatte, heute Direktor von Edipresse, würde darob lachen, hat Ringier es doch immer versäumt, seine eigenen Talente auszubilden und zu halten. Das ist Teil des Erbes von FAM, der heute im Berliner Exil sitzt, wo er den Schöngeist geben darf.

Die Schweiz und Baden-Württemberg extrem erfolgreich

Donnerstag, den 10. März 2011 um 13:07

Während die Schweiz in Europa als Leuchtturm der Stabilität anerkannt und gefürchtet ist, wird weniger beachtet, dass auch das Nachbarland Baden-Württemberg zu den Leistungsstars Europas zählt. Die Badener und Württemberger, weitgehend Alemannen, sind der EU in der Wirtschaftsleistung um 26 % voraus. Die Arbeitslosigkeit ist trotz eines hohen Bevölkerungszuwachses nur unwesentlich höher als die der Schweiz, das Einwanderungsproblem nicht geringer. Von den „Schwobe“ können wir lernen. Die erfolgreichste „Schwobe“-Familie der Schweiz ist die von Dr. Christoph Blocher, deren Vorfahren als Pfarrer einwanderten.

Enge macht dumm

Donnerstag, den 10. März 2011 um 13:07

In Murten lebt der 85jährige Delfin-Forscher Giorgio Pilleri. Er hat herausgefunden, dass in Gefangenschaft gehaltene Delfine ihre Sprache verlieren und keine Töne mehr abgeben, wie sie es in Flüssen und Meeren tun. Ihr Hirngewicht verringert sich auch um bis zu 20 %. Der Schluss liegt nahe, dass dies auch für andere Lebewesen, z.B. uns Menschen, gilt. Wer sich, freiwillig oder unfreiwillig, in die Enge begibt und dort bleibt, wird dumm. Menschen ohne (geistigen) Horizont nutzen die Möglichkeiten ihres Hirns dann so wenig wie die Delfine im Becken.

Zum Beispiel Basel: Die schon im Mittelalter weltoffene und als geistiges Zentrum erfolgreiche Stadt leidet seit 50 Jahren (damals war die Universität Basel mit berühmten Professoren noch besser ausgestattet als heute) unter zunehmender Enge. Bedeutende Intellektuelle hat Basel schon lange nicht mehr. Geblieben ist ein habliches Bildungsbürgertum, das sich in der Basler Enge durchaus wohl fühlt. Die Lust, sich an Deutschen, Franzosen oder (horribilus dictus!) Zürchern zu reiben, ist gering. Aus diesem „Daig“, der als solcher nicht mehr existiert, weil er vor einer Generation zugrunde ging, haben sich die grossen Chemie- und Pharmakonzerne entwickelt, deren Fokus global, aber kaum noch baslerisch ist. So gingen dort die bürgerlichen Zeitungen mangels Geist zugrunde. Die „Basler Zeitung“ wurde vom Zürcher Dr. Christoph Blocher unter Kontrolle genommen, der den ihm eng befreundeten Zürcher Journalisten Markus Somm als Chefredaktor einsetzte. Trotz nur leicht verhüllter SVP-Ausrichtung bietet sie wieder attraktiven Lesestoff, ganz wie die Blocher’sche „Weltwoche“ mit Roger Köppel auch. Die Basler Millionärs- und Milliardärsfamilien wollten sich mit „derlei“ nicht abgeben. Merkwürdig, nicht wahr? Sie haben die Sprache verloren.

Die 2000 Watt-Landschaft ist gestorben

Donnerstag, den 10. März 2011 um 13:07

Wer diesen Blog liest, weiss, dass ich der 2000 Watt-Landschaft nie die geringste Chance gegeben habe. Jetzt begreifen es auch die grünsten Zürcher und Schweizer: Mission impossible.

Nicht die Senkung des Energieverbrauchs, sondern der Kampf um Energie sind die bestimmenden Faktoren des 21. Jahrhunderts. Oder: Wer kein Geld und keine Energie hat, kann auch nicht weit springen. Merke: Grün zu wählen, ist die perfekte Dummheit, grünliberal zu wählen heisst liberal wählen mit grünem Mäntelchen.

Das Ungesagte zählt, Herr Garton Ash

Donnerstag, den 10. März 2011 um 13:07

Natürlich lese ich Garton Ash seit Jahren; er kann einfach schreiben. Nehme ich seine Analysen, die sich in Magazinen süffig lesen, dann fehlt mir einiges: Der Einfluss der Geheimdienste (dies klammert er stets aus), der angelsächsischen Stiftungen zur Förderung der Demokratie und der Menschenrechte (kein Thema für ihn), der Politik der Weltkonzerne (terra incognita). Damit bleibt er für mich ein begnadeter Feuilletonist, dem ich manche Einsicht verdanke.

Dummheit als Faktor

Donnerstag, den 10. März 2011 um 8:41

Jeder sechste Mensch, der in der Schweiz lebt, kann weder genügend lesen noch schreiben, obwohl er die Grundschule besucht hat. Hören wir auf, von Demokratie zu sprechen, wenn jeder sechste die Demokratie nicht mehr begreift, die ungezählten anderen nicht gerechnet, die einen Teil zu begreifen suchen. Merke: Unsere Elite hat sich weit von der Lebenswirklichkeit ds Landes entfernt.

Die Zeit der Trennungen beginnt

Donnerstag, den 10. März 2011 um 8:41

Wie die Einheit des demokratischen Aufbruchs bei uns die Geister während 200 Jahren beflügelte, beginnt nun die Zeit der Trennungen. In den USA wollen die Brüder Koch, Financiers der „Tea Party“, die Trennung zwischen Staat und Wirtschaft realisieren: Die Wirtschaft ist frei, der Staat ist für die Armen. Das ist ein originelles Konzept, das bei uns in der Schweiz mit dem Modell der A-Schweiz der Grossfirmen und der B-Schweiz der KMU im Ansatz ebenfalls auflebt. Der Bundesrat ist für die Verwaltung der Schweiz und der KMU incl. Gewerkschaften zuständig. Die Banken und Weltkonzerne haben damit „plein pouvoir“.

Achtung, die Inflationsmotoren laufen

Donnerstag, den 10. März 2011 um 8:41

Wenn die englische Nationalbank vier Prozent Inflation zugibt und die konservativen Medien 5 % als sicher annehmen, dabei die Saläranpassungen nur 2 % betragen, ist die neue Inflationswelle angelaufen. Überall in der EU liegt sie im Schnitt auch eher bei drei als bei zwei Prozent. In der Schweiz sind wir mit knapp einem Prozent eher im Vorteil (der starke Schweizer Franken!), wenngleich die staatlichen Preiserhöhungen (Gesundheit, Energie, Verkehr, SRF, Gebühren) wesentlich höher liegen.

Die Regierungen haben die Eigenart, die Inflationskörbe zu manipulieren. Was als Kerninflation bezeichnet wird, ist mehr ein Inflations-Vermeidungsindex, dem wichtige Konsumbestandteile fehlen.

In der Schweiz haben wir, erstmals in 40 Jahren, eine Hauspreis-Inflation, eine Inflation der Mieten, eine Inflation, ausgelöst durch die Öffentliche Hand, und eine (wenig zur Kenntnis genommene) Inflation der Preise von Qualitätsgütern (Nahrungsmittel, Konsumgüter etc.). Was uns schützt, ist der hohe Franken und die Globalisierung. Dabei soll es bleiben.

Der Schweizer Mittelstand – eine Heldenbranche

Donnerstag, den 10. März 2011 um 8:41

Otto Ineichen zieht sein rhetorisches Schwert gegen den Export- und Autozulieferungs-Milliardär wie Finanzspekulanten Dr. Christoph Blocher, der im Oktober dieses Jahres mindestens 35 % aller Stimmen bei den National- und Ständeratswahlen gewinnen will. Thomas Minder kämpft seit zwei Jahren gegen die Boni der grosskapitalistischen Firmen; er kann nicht gewinnen, das ist klar.

Während Hans-Rudolf Merz, als FDP-Bundesrat wohlgemerkt, den ausländischen Aktionären und einheimischen Grossverdienern vor seinem Abschied noch ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk machte, indem er bestimmte Dividenden steuerfrei machte, steht die Gewerbe- und KMU-Schweiz hinter dem Land, zahlt Steuern, geprägt von Inhabern, die auf vieles verzichten, die keine Gewinne und Boni optimieren, die für das Gemeinwohl sorgen und die Familien. Die Schweizer Grossmedien stürzen sich auf Glencore und Xstrata, auf Novartis und Nestlé, obwohl immer weniger Schweizer mit diesen Firmen etwas zu tun haben. Die Wirtschaftsredaktionen verhalten sich höfisch, ist im Glanz des Hofes der Grossen doch mehr Ansehen zu gewinnen als im Innenhof der KMU. Merke: So ist das Leben, so war es immer.

 
     
     
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