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Tagesarchiv für 4. März 2011

Die Tessiner SRF-Kommune meutert

Freitag, den 4. März 2011 um 13:04

Schon Armin Walpen bezeugte stets, die damalige SRG, heute SRF, stecke überdurchschnittlich viel Geld, das in der Deutschen Schweiz von den Bürgern bezahlt wird, in den Ausbau des Tessiner Radios und Fernsehens. Dort geht unter den über 1000 Staatsjournalisten seit Monaten die Revolte um, woran auch ein Besuch des Walpen-Nachfolgers Roger de Weck nichts änderte. Angesichts von 340 000 Einwohnern im Tessin, wovon die meisten lieber Deutsch als Italienisch sprechen, sind 1 036 Vollzeitstellen bei der RSI ein extremer Luxus, der bisher keine erkennbaren Folgen im Sinne eines anspruchsvollen Journalismus mit sich gebracht hat. Im Ausland würde man sagen, es handle sich um eine Arbeitsbeschaffungsmassnahme, eine Art Auffangbecken für regionale Minderheiten, die staatlicherseits versorgt werden müssen.

Wie geht man mit der Bundesverwaltung um?

Freitag, den 4. März 2011 um 13:04

Wer nach Bern geht, sieht dort in und um die Bundesverwaltung meist sportlich gestählte, elegant gekleidete und gut frisierte Beamte jeglichen Geschlechts, die ihrer Tätigkeit nachgehen, unser Land zu verwalten. Wie man sich ihnen nähert, so man als einfacher Staatsbürger einen Wunsch hat, beschreibt als Kronzeugin Carla del Ponte, einstige Bundesrichterin, UNO-Chefanklägerin und Botschafterin in Buenos Aires, in der „NZZ“ wie folgt: „Ich bin dankbar für alle Unterstützung, die ich (Anm.: in Bern) bekommen habe.“ Merke: Wir müssen dankbar sein und dürfen dann damit rechnen, in Bern Unterstützung zu erfahren.

Niall Ferguson, der neue grosse Schotte

Freitag, den 4. März 2011 um 13:04

Klopfen wir die britische Geschichte auf die grossen Leistungsträger ab, stossen wir immer wieder auf Schotten. Einer der jüngsten dieser grossen Schotten, die ein Genie-Gen haben müssen, ist der Historiker Niall Ferguson. Er sagte, frei nach dem Italo-Western „Zwei glorreiche Halunken“: „Die einen haben einen Revolver, die anderen graben.“ Ferguson meint, die Amerikaner und Europäer müssten künftig graben, um ihre Schulden abzutragen, während die Chinesen den Revolver haben. Merke: Wer Schulden hat, wer least, wer Kleinkredite aufnimmt, ist selber schuld.

Schweizer Katholiken feiern Judentum

Freitag, den 4. März 2011 um 12:22

Die katholische Kirche der Schweiz führt am 20. März erstmals einen „Tag des Judentums“ in der Schweiz durch. Das ist überaus verdienstvoll, aber ich würde mich noch ein wenig mehr freuen, wenn die katholische Kirche der Schweiz auch einmal einen „Tag der Katholiken“ in der Schweiz durchführen würde. Die katholischen Kirchen leeren sich; wer in den Bänken bleibt, ist meist über 55 Jahre alt. Bischof Vitus aus Chur spaltet grosse Teile des katholischen Christentums. Wahrscheinlich ist es deshalb einfacher für die Kirche, einen „Tag des Judentums“ durchzuführen, als ihre eigenen Anliegen und Leistungen einmal zu demonstrieren. Von den Juden in der Schweiz einen „Tag des Christentums“ zu verlangen, würde bei deren Vertretern wohl einen Lachanfall auslösen. Ob alle katholischen Christen, die mit ihren Kirchensteuern diesen Anlass finanzieren, über diesen Einfall ihrer Kirchenoberen glücklich sind, darf bezweifelt werden. Merke: Persönlich mag ich viele Juden sehr gut, weil sie oft intelligenter und aktiver sind als die meisten Vertreter der Christenheit. Jedoch sollten wir zuerst einmal unsere eigene Kirche in Ordnung bringen, ehe wir neue deklamatorische Anlässe erfinden.

Ethik ist Bluff

Freitag, den 4. März 2011 um 10:28

Nun bieten die Hochschulen wieder ihre MBA-Kurse an, ethisch wollen sie alle sein; aber wie ist es um die Realität bestellt? Bei der London School of Economics, einem Leuchtturm der Wissenschaft, wo Lord Ralf (Dahrendorf) zwanzig Jahre Ethik predigte, musste der Rektor zurücktreten, weil er den jungen Ghadhafi doktorieren liess, dann aber auch eine Millionenspende entgegen nahm. Prof. Dr. Klaus Schwab, der greise Gründer des WEF, hat den gleichen jungen Ghadhafi zu den besten Leaders der Welt ernannt, womit Schwab die Hoffnung auf einen Nobelpreis wohl definitiv aufgeben muss. Schwab war stets auch ein grosser „Ethik-Mahner“, der mit dieser Haltung dem WEF und dem Big Business Raum verschaffte.

Weil die Gross-Ethiker des Westens im Sumpf eigener Interessen versinken, ist der Aufstieg der aus dem indischen Assam stammenden Grossfamilie Jain offensichtlich unaufhaltsam. Nicht nur möchte ein Jain unseren Ostschweizer Herzbuben „Joe“ Ackermann an der Spitze der Deutschen Bank ablösen, nachdem er es war, der dem legendären „St. Galler“stets die Milliardengewinne verschaffte. Dipak C. Jain, ein Stammesbruder, hat nun als globaler Chef das legendäre Insead in Paris übernommen, woraus wir lernen können, dass jainitische Denkweise (Vegetarier!) der unseren wohl überlegen ist.

Dennoch sind auch die Inder schon im Strudel der Finanzwirren angekommen. Rajat Gupta, legendärer McKinsey-Global-Chef, der allerdings die Krisen seines Beratungskonzerns auch nicht verhindern konnte, muss sich in NYC einer Insider-Klage stellen. Das ist ein Volltreffer ins Herz der globalen Konzerne, die sich stets auf ihren Edel-Inder berufen konnten; aus deren „boards“ tritt Gupta jetzt laufend zurück. Nach Anil Kumar ist es der zweite McKinsey-Inder, der aus diesem Grund seinen Rücktritt nehmen muss.

Schlüsselmann ist für beide wieder ein Inder: Raj Rajaratnam, der an der US-Ostküste lange Zeit als Genie galt, bis sich herausstellte, dass er nur effizienter Verwerter von Insider-Informationen war. Da die ganze indische Regierung unter Bestechungsverdacht steht, spielt auch dies kaum eine Rolle.

Das hindert eine ethische Gross-Institution unseres Landes, das oberhalb der Finanzmetropole Zug gelegene jesuitische Lassalle-Haus, nicht, „Geistliche Impulse aus dem Hinduismus“ anzubieten. Die aus Varanasi kommenden ethischen Impulse bewegen sich auf einer derartigen intellektuellen Höhenlage, dass die aus Kaschmir stammenden Anhänger des Gottes Shiva, seit Mahatma Gandhi wieder vergessen haben, das Kastensystem wie die stinkende Armut in ihrem Land zu bekämpfen. Oberhalb des schönen Zugersees lässt sich dies gut vergessen.

Als zweckführend, aber wohl eher unethisch könnte man auch die Forderungen von Oswald J. Grübel, CEO des UBS-Konzerns, bezeichnen, die er in London vorbrachte. Er warnte die englische wie die Schweizer Regierung, sie mögen die Eigenkapitalanforderungen an die Grossbanken nicht zu hoch schrauben. Man müsse sonst seine Gewinne, als Grundlage für versprochene Boni an die Topmanager, anderswo in der Welt machen. Dem widersprechen namhafte Wissenschafter in einem aktuellen Bonner Arbeitspapier „Myths in the discussion of Capital Regulation: Why Bank Capital is not expensive“. Sie sagen: „Fremdkapital ist durch Regierungsgarantien und Steuervorteile künstlich günstig. Die Kosten zu hohen Fremdkapitals in Banken tragen aber die Steuerzahler.“ Diese Argumente überzeugen auch unsere ordnungspolitisch und ethisch wieder besser verankerte „Neue Zürcher Zeitung“, die am 4. März kommentiert: „UBS-Sonderfonds schönt Jahresabschluss der Nationalbank.“ Hat nun die UBS die Nationalbank gerettet oder war es anders herum?

Wird Christophe Darbellay ein tragischer Präsident?

Freitag, den 4. März 2011 um 8:45

Die Erneuerung der CVP mit Parteipräsident Christophe Darbellay und Bundesrätin Doris Leuthard an der Spitze, zu Beginn gut gestartet, geht nur noch ruckhaft vor sich. In vielen Kantonen springen ausgezeichnete Kandidaten ab, welche zur Erneuerung der Partei dringend notwendig wären. Darbellay, der ein glänzender Debatter ist, bleibt im Grundsätzlichen, der Philosophie der Partei, zu wenig sichtbar. Doris Leuthard hatte als Bundespräsidentin, zur Repräsentation bestens, wenn auch nicht fehlerlos, geeignet, ein Traumjahr 2010, lässt aber aus dem UVEK seit zwei Monaten wenig von sich hören.

Fraktionschef Urs Schwaller, von präsidialer Statur, hat nun eine Aussprache verlangt. Er bedauert, die kantonalen Parteien nicht enger führen zu können, weil dafür die Finanzmittel nicht zur Verfügung stünden. Das einzige, was die CVP über alle Kantone hinweg verbinde, sei das „christliche Weltbild“.

Das auch von der FDP zu vernehmende Argument, es brauche ganz einfach die Mitteparteien, noch dazu „Aus Liebe zur Schweiz“, wird höchstens von einem Viertel der potentiellen Wähler goutiert. Natürlich wird bei einer gezielten Umfrage dem niemand widersprechen, aber Handlungen löst dies nicht aus.

Wer einfach nur Mitte sein will, wie die beiden Wahlkampfleiter PP (Pedrazzini/Pfister) es vorgeben, macht sich letztlich überflüssig. Die SVP, versehen mit einem Programm, Persönlichkeiten und einer finanziell gut ausgestatteten Wahlkampfmaschine, wird diese politischen Eisschollen einfach wegdrücken. Sie wird, ganz wie die SP auch, im Wahlkampf als weitgehend homogener Block geführt.

Gemäss den neuen Raumplanungsmodellen des Bundes wird die CVP künftig keine „City- oder Metropolitan-Partei“ sondern eine der Randregionen sein. Den Marsch in die grossen Städte hat sie bereits verloren, die Regionen bluten aus, quantitativ und qualitativ. Diesem Omen hat die CVP bisher nicht entrinnen können.

Die Einzeller-Journalisten haben Konjunktur

Freitag, den 4. März 2011 um 8:45

Viele Journalisten, die uns begegnen, haben nur zwei Konstellationen im Kopf, die bei ihnen etwas auslösen: Namen und Zahlen. Sie wollen Namen wissen, Zahlen erfahren; alles andere interessiert sie wenig. Sie entsprechen damit einer Leserschaft, die ähnlich koordiniert ist. Wer heute in Systemen denkt, gilt als abstrakter Denker, Träumer oder Weltverbesserer. Brechen dann die Finanz- oder politischen Systeme zusammen, geben sich die Medienvertreter überrascht. Wir hatten doch alle Namen und Zahlen, wieso ahnten wir nichts? Es handelt sich um Einzeller-Journalismus, der höhere Komplexitäten nicht mehr zu verstehen vermag. Merke: Man sollte nicht intelligenter schreiben, als es die Leser zu verstehen vermögen.

Good bye, Chicago

Freitag, den 4. März 2011 um 8:45

Du hattest vor 60 Jahren einmal über 3,6 Mio. Einwohner; heute sind noch 2,69 Mio. Einwohner, weniger als 1920. Seit es die Welt gibt, ist der Wohlstand von einer Stätte zur anderen gewandert. Wer klug ist, wandert mit.

Verarmende Sprache

Freitag, den 4. März 2011 um 8:45

Wenn Menschen nicht mehr wissen, wie sie ihr Gegenüber bezeichnen sollen, sagen oder schreiben sie „umtriebig“ oder „schillernd“. Dabei wünschte ich vielen Europäern etwas mehr chinesische Umtriebigkeit, wogegen unser Nachwuchs lässig in der Couch in der Lounge liegt, um es sich gut gehen zu lassen. Umtriebig sollte eine Ehrenbezeichnung sein, damit der Abstieg einiger Volkswirtschaften etwas langsamer vor sich geht: Griechenland, Spanien, Portugal etc.

Ebenso ist es mit dem Begriff „schillernd“. Im Gegensatz zum Regenbogen, der ebenfalls schillert, ist das Wort „schillernd“, auf einen Menschen angewandt, eher negativ. Wer es verwendet, beweist damit nur, dass er die „Farben“, in welchen ihm sein Gegenüber begegnet, nicht aufzulösen weiss.

Gerade auf Medienakademien und in anspruchsvollen Redaktionen sollte man diese beiden Worte einfach verbieten.

 
     
     
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