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Monatsarchiv für März 2011

Meteoriten und „zutrauliche Bürger“

Donnerstag, den 31. März 2011 um 12:19

Wenn bei der Sonova-Gruppe die Spitzenmanager Insider-Deals machen, sagt Grossaktionär Andy Rihs, der seine eigenen Aktien ebenfalls glücklich verkaufen konnte: „Es ist, als sei ein Meteor eingeschlagen.“ Derlei ist nicht lustig, denn Meteore kommen von aussen, Insiderdeals aber, wie der Name sagt, kommen von innen. Dazu passt, dass Justizministerin Simonetta Sommaruga bei einem Besuch in Altdorf sagt: „Die Bevölkerung ist zutraulich.“ Grossartig, Frau Bundesrätin. Kuschelschweizer sind für die Elite immer die besten Eidgenossen.

Soll ich eine Hanhart kaufen?

Donnerstag, den 31. März 2011 um 12:19

Das Getue der Uhrenfirmen in Basel nehme ich amüsiert zur Kenntnis. Sollen wir uns durch Uhren definieren? Oder besser doch durch Autos oder Häuser? Meine Omega, die ich einst einführen durfte, noch ehe Nicolas G. Hayek dort das Szepter übernahm, läuft wunderbar. Dennoch trage ich gerne meine Swatch, vor allem dann, wenn ich in ärmere Länder verreise. Jetzt trage ich die Künstler-Uhr meines Wiener Freundes, der 25 Kinder aus ganz Europa zeugte, und dem ich mit dem Kauf des teuren Objekts meine Treue bewies. Thomas Morf fordert mich nun auf, eine Hanhart zu kaufen, weil sie „Uhren für echte Männer“ sind. Das ist ein Schlag ins Kontor! Bin ich kein echter Mann ohne eine Hanhart? Ich glaube ja.

Eine besondere Spezies: Unternehmer mit schlechtem Gewissen

Donnerstag, den 31. März 2011 um 12:19

Die reichen Fugger hatten kein schlechtes Gewissen. Sie bauten ihre Arbeitssiedlungen, die man heute noch besichtigen kann, um ihr Volk billig und religiös sicher halten zu können. Ghadhafi und die anderen arabischen Scheibs hätten von den Fuggers lernen können, wie man Volksaufstände vermeidet. Die Krupps, berühmt für ihre Wohltätigkeit, bauten ihren Arbeitern billige Häuschen mit Vorgärten, damit diese dort Gärten anlegen konnten, womit sie die Löhne tief halten konnten.

Seit einigen Jahrzehnten haben wir aber eine neue Unternehmer-Spezies: Unternehmer mit schlechtem Gewissen. Der WWF und seine Epigonen, die Kleinunternehmern das Leben schwer machen, wurde von der Basler Milliardärs-Familie Hoffmann ins Leben gerufen und finanziert. Thomas Bechtler, Industrieller aus dem Zürcher Oberland, jetzt an der Goldküste lebend, hat ein Industrie-Imperium geerbt und es verschleudert. Dem Bauherrn des Ghadhafi-Bunkers sagt sein Insolvenzverwalter: „Nicht jedem ist es gegeben, Unternehmer zu sein.“Bechtler ist Vorstandsvorsitzender von Human Right Watch, einer Kampforganisation westlichen Kapitals. Die Reinhardts aus Winterthur, einst reich an globaler industrieller Macht (und Kultur), haben viel gefördert (Hermann Hesse, Suhrkamp, Impressionisten). Von ihnen ist wenig geblieben, es sei denn der Satz des von ihnen ebenfalls finanzierten technischen Dichters, der im Wallis auf dem Burghügel von Raron begraben ist „Das Schöne, das wir erleben, ist nur der Anfang des Schrecklichen, den wir gerade noch ertragen.“ Rainer Maria Rilke hat diesen Satz vor gut hundert Jahren seinen reichen Gastgebern ins Stammbuch geschrieben.

Kaspar Villiger, der anständige Mensch

Donnerstag, den 31. März 2011 um 8:59

Wenn sich ein Schweizer Spitzenpolitiker zum VR-Präsidenten der einst angesehensten Schweizer Grossbank aufstellen lässt, deren Kapital zu 80 % in den Händen ausländischer Aktionäre liegt, geht er ein hohes Imagerisiko ein. Wenn von allen Seiten, ausser der Grossbank selber, verlangt wird, sie müsse ihre Kreditrisiken besser unter Kontrolle bringen, geht er ein doppeltes Image-Risiko ein, denn die Vermutung liegt zu nahe, der CEO des UBS-Konzerns, Oswald J. Grübel, könnte ihn zum VRP gemacht haben, um als Schutzschirm gegen zu viel politischen und gesellschaftlichen Druck auf dem wichtigen Heimmarkt zu dienen.

Kaspar Villiger ist der Prototyp des anständigen Menschen. Er wurde zum Bundesrat gewählt als Innerschweizer KMU-Unternehmer, wagte es doch niemand in der FDP-Führung, nach dem unnötigen Sturz von Elisabeth Kopp, einem Zürcher Freisinnigen erneut eine nationale Führungsposition zu geben. Villiger siegte im Endspurt gegen den Urner Franz Steinegger, der damals in wilder Ehe mit seiner heutigen Frau zusammen lebte, was viele nicht goutierten.

Villiger, als Bundesrat von Daniel Eckmann über weite Strecken gecoacht, zerriss keine Stricke. Der Niedergang der Schweizer Armee begann in seiner Zeit, als sich die Konturen der nationalen Interessen aufzulösen begannen; Dölf Ogi setzte dies fort. Als Finanzminister fehlte Kaspar Villiger jener Durchsetzungswille, wie ihn Otto Stich auszeichnete, der unangenehm, aber wirkungsvoll war. Kaspar Villiger, der verbindliche, alle miteinander verbindende, selten klare Positionen beziehende „man for all seasons“, bot wenig Grund für Angriffe und überlebte die wenigen Tsunamis, die über ihn hinweg rollten, stoischen Gemüts.

Nun steht er im Feuer wegen seines Salärs als VRP des UBS-Konzerns, das nicht so bescheiden ist, wie er es ankündigte, Was ist die Realität? Der ehemalige Bundesrat hat gemäss Kompensationsmodell Anrecht auf CHF 2 Mio. Grundsalär und 200 000 UBS-Aktien, die für vier Jahre geblockt sind. Wer dies addiert, kommt auf ein Jahressalär von CHF 5 Mio. an Gesamtvergütung. Geschehen ist dann folgendes:

– Kaspar Villiger hat im 2010 auf einen Teil seines Grundsalärs und 87 % der ihm zustehenden Aktien verzichtet. Er bezog ein Grundsalär von CHF 850 000.– und 26 940 Aktien. Insgesamt bezog er eine Gesamtvergütung von CHF 1,49 Mio., davon CHF 500 000.– in geblockten Aktien, also nicht ausbezahlt.

– Schon 2009 bezug Villiger ein Grundsalär von CHF 850 000.–, liess sich aber nur CHF 794 008.– auszahlen, da er erst im April 2009 zum VRP gewählt wurde.

Wer als liberaler Schreinermeister oder Sekundarlehrer darob immer noch erschrickt, fasse zusammen: Villiger hat im Jahr 2010 auf 58 % seines Lohnes und 87 % der ihm zustehenden Aktien verzichtet.

98 % der freisinnigen Wähler werden immer noch durchatmen, werden sie mit solchen Zahlen konfrontiert. In Wirklichkeit kommt darin der Widerspruch zwischen den Unternehmen der global orientierten A-Schweiz und denjenigen der national orientierten B-Schweiz zum Ausdruck, der in Kaspar Villigers Einkommen sichtbar wird. Villiger ist es als einem von wenigen gelungen, aus dem KMU Villiger & Söhne in Pfeffikon/LU, hinauf in die grosse weite Welt zu springen, wo andere Winde wehen als in der Enge der Kantone. Er hat die alemannische Gemeinschaft, die der Politiker so gerne repräsentierte und die ihn gross machte, verlassen zugunsten einer Weltgemeinschaft, die von weiten Teilen der Schweizer Öffentlichkeit nicht verstanden wird. Deshalb bleibt auch er bei vielen unverstanden.

Reich mit Adecco?

Donnerstag, den 31. März 2011 um 8:06

Meine Weigerung, Adecco-Aktien zu kaufen, beruht auf moralischen Gründen. Die Leiharbeit schafft kurzzeitig hohe Gewinne, allerdings nicht für die eine Million Leiharbeiter in Deutschland, die als moderne Sklaven gehalten werden. Langfristig wird damit unsere Qualitätskultur zerstört. Ein Leiharbeiter verdient in Deutschland in der Metall- und Elektroindustrie 30-40 % weniger als ein Festangestellter. Ein fest angestellter Monteur erhält Euro 15.00 in der Stunde, ein Leiarbeiter für die gleiche Arbeit Euro 8.50. Die in der niedrigsten Tarifklasse arbeitenden Leiharbeiter werden jährlich mit 700 Mio. Euro an Steuermitteln subventioniert; das bedeutet Cash für Adecco und die 16’000 anderen Verleihfirmen in Deutschland. Bürgertum und Demokratie werden damit zerstört.

Ohne Krieg kein Schweizer Literatur-Nobelpreis?

Donnerstag, den 31. März 2011 um 8:06

E. Y. Meyer, einer der wenigen Schweizer Schriftsteller, dessen Werk Jahrzehnte überdauert hat und im Kanon der deutschen Literatur fest verankert ist, wurde vom PEN-Schweiz für den Literaturnobelpreis 2011 vorgeschlagen. Was jetzt noch fehlt, ist ein Krieg; das lehrt die Geschichte.

Der Liestaler Carl Spitteler erhielt den Literatur-Nobelpreis nach dem ersten Weltkrieg im Jahr 1920. Hermann Hesse, ein aus dem Schwarzwald zugewanderter Deutscher, wurde 1946 mit der gleichen Auszeichnung bedacht. Und E.Y. Meyer, der im Augenblick einen grossen Roman fertigstellt, der die jüngste Jahrtausendwende zum Ausgangspunkt hat? Braucht auch er einen Krieg, bis er an die Reihe ist? Das Nobelkomitee gilt als konservativ und wird die Spielregeln nicht leichtfertig ändern.

Kreuzlingen denkt deutsch

Donnerstag, den 31. März 2011 um 8:06

Die an die Universitätsstadt Konstanz angrenzende Schweizer Stadt Kreuzlingen hat 19 489 Einwohner, davon 9’751 Ausländer, knapp 50 %. Die Deutschen halten mit 4 536 Menschen den grössten Anteil. Kreuzlingen denkt deutsch, was aber offensichtlich keine Probleme macht. Immerhin wurden grosse Teile der Schweiz im Mittelalter lange Zeit vom Bistum Konstanz aus regiert, was erst mit den Schwabenkriegen ein Ende fand. Nach den Deutschen sind in der Grenzstadt Kreuzlingen vor allem Ex-Jugoslawen zu finden, total 1 665 und 1 313 Italiener. Die Zusammenarbeit scheint zu funktionieren.

84 % aller Schweizer erwarten mehr Armut

Mittwoch, den 30. März 2011 um 12:52

„Das ist dramatisch“ lässt die Credit Suisse in ihrem „bulletin plus“ schreiben, um anzufügen „Die Besorgnis der Bevölkerung ist keineswegs unbegründet.“ 84 % aller Schweizer erwarten bis zum Jahr 2020, d.h. in diesem Jahrzehnt, mehr Armut, hat die Schweizer Grossbank herausgefunden.

Bestätigt werden damit Aussagen der Europäischen Union in Brüssel, die in der Schweiz ein Armutspotential von 14,9 % der Bevölkerung geortet hat. Die in Paris ansässige OECD spricht dagegen nur von einem Armutspotential von 8 %.

Grosse Diskussionen sind unnötig. Ich muss mich nur umblicken und sehe überschuldete Jugendliche wie Erwachsene. Die einen leasen ein zu teures Auto für Niedrigstzinsen, die anderen haben hohe Hypotheken und leisten sich einen Lebensstandard, der unter dem Aspekt des Sparens nicht angemessen ist. Viele Jahreseinkommen stagnieren schon längere Zeit, während Gesundheits- und Wohnkosten, Energie- und Transportpreise laufend ansteigen. AHV und 2. Säule sind nicht mehr sicher als echte Einkommenspolster. Das Schweizer Volk ist nicht dumm; es ist hoch nervös.

Auftritte mit Emotion sind „in“

Mittwoch, den 30. März 2011 um 12:52

Wenn André Hoffmann, der öffentlichkeitsscheue Enkel von Paul Sacher, von Beruf Pharma-Erbe, sich abbilden lässt, tut er dies vor einem Paar leerer braunen Schuhe, aus denen der Rauch wie aus einem Atomreaktor aufsteigt. Vor derlei Vordergrund will er deutlich machen, dass seine Familie Daniel Vasella, dem 33 % von Roche gehören, weiterhin keinen Stick mehr machen lassen will. Der hat ohnehin gerade CHF 350 Mio. verdient, weil er das Asscheiden der exzentrischen Maja Oeri aus dem Roche-Familienpool die Roche-Inhaberaktie nach oben getrieben hat.

Steuern: Eine Bundesrätin hat gelernt

Mittwoch, den 30. März 2011 um 7:34

Eveline Widmer-Schlumpf, die ehrgeizige Einzelgängerin im Bundesrat, hat es begriffen: „Unser Steuersystem ist intransparent.“ Seit fünf Jahren wird in diesem Blog verlangt, Steuerehrlichkeit herzustellen als ersten Schritt zu einer gesundenden Schweiz. Wir haben zu viele Beifahrer unseres demokratischen Systems, Gewerbebetriebe, Konzerne, begünstigste Ausländer und Banken, welche ihre Sanierung auf Kosten des Volkes betreiben, die dem Prinzip Schweiz Schaden zufügen. Als BDP-Vertreterin wird es Widmer-Schlumpf im Herbst schwer haben; jetzt werden die Messer gewetzt.

 
     
     
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