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Andermatt – Fluchtort für Ägypter

31. Januar 2011 um 15:24

Noch letzte Woche sagte der Neu-Schweizer Milliardär Samih Sawiris, die Schweizer Medien würden die Lage in Ägypten hoch kochen und Reisen ins Land der Pharaonen seien unproblematisch. Sein Unternehmen Orascom hat primär mit Tourismus zu tun und unter diesen Umständen dürfte die Aktie eher verlieren, so lange wie die Unruhen in Ägypten anhalten. Ich hatte alle unsere Blogleser vorzeitig vor der unbedachten Reiseempfehlung des Königs von Andermatt gewarnt (s. mein alter Blog), denn genau so eine Aussage hat mir schon mal ein Reiseunternehmer in der Schweiz gemacht, der fast unsere Fussball-Nati in ein Terrorgebiet geschickt hätte.

Aber vielleicht verkaufen sich jetzt die Wohnungen Andermatt leichter, wenn reiche Ägypter aus dem Land fliehen müssen und eine neue Heimat suchen. Mubarak in Andermatt – das wäre eine Schlagzeile. Despoten verstecken sich in tiefen Schweizer Alpentälern. Auch Ben Ali könnte ein schönes Penthouse in Andermatt kaufen, würden die Schweizer Behörden sein Hab und Gut nicht unter Verschluss halten. Irgendwie eine verzwickte Situation für den Ägypter.

Fidel Stöhlker

2 Kommentare zu “Andermatt – Fluchtort für Ägypter”

  1. Harry R. Wilkens

    Ich habe fast 10 Jahre lang in der touristischen Information des TCS, inklusive Reisewarnungen, gearbeitet, und weiss wie unverschämt zynisch und hartherzig all diejenigen sind, die insbesondere mit Ägypten und Kenia im Tourismus Geld machen, und das Geld dann meist in der Schweiz bunkern… Sawiri ist faktisch Deutscher, und Deutschland hat – wie die Schweiz – sehr grosse Interessen in Ägypten… Früher konnten wir noch frei und ehrlich Reisewarnungen herausgeben, aber heute ist alles von den grossen Reiseveranstaltern – via EDA – gesteuert…

  2. Prof. Gerardo W. Físcher

    Ägypten ist älter als das Römerreich, älter als Deutschland, älter als die Schweiz. Trotzdem war es ziemlich lange während der neueren Geschichte ein abhängiger Staat: Provinz Roms, Vasall der ottomanischen Türken, dann der Engländer. Kaum unabhängig, versuchte es mit dem nicht angrenzenden Syrien eine „Vereinigte Arabische Republik“, der sich später auch noch halbherzig Jemen anschloss – neue Nationalflagge (waagerecht von oben nach unten) rot-weiß-schwarz mit einigen grünen Sternen in der Mitte. Auch Irak vor der amerikanischen Besetzung schloss sich diesem arabischen Projekt an. Aber Ägypten verlor einen Krieg gegen Israël, das die ganze Sinaï-Halbinsel eroberte und zu seiner Tourismus-Oase gestalten wollte. Für die Rückgabe des Sinaï musste Ägypten Israël „ewigen“ Frieden schwören und jede Form einer arabischen Einheit verraten. Die Aufsicht über Ägypten führen die USA, die zugleich das Auslandsdefizit des Landes tragen. Ägypten erzeugt für die Welt kaum mehr als seine Baumwolle, was nicht genügt, da sind Tourismus-Projekte ja nicht verfehlt, sofern sie nur nicht in Zeiten geistigen Umbruchs mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen geraten. Die jetzt wohl schon bald scheidende ägyptische Regierung zeigte sich arabisch-islamisch, wenn sie altehrwürdige koptische (alt-christliche) Klöster schloss, aber die unter israëlischer Fremdherrschaft leidenden Palästinenser des angrenzenden Gasa-Streifens ließ sie im Stich, wie auch Irak in den beiden Eroberungs-Schüben durch Amerika.

    Die längste Zeit seiner Geschichte war Ägypten weder islamisch noch christlich. Ich las einmal, dass die Fellachen ehrfurchtsvoll an den Ufern des Nil standen, als die Briten den Obelisken nach England schifften. Arabisch-islamische Regierungen sollten nicht so starrsinnig am Koran haften. Der Schah-in-Schah des Iran war außer (schiitischer) Mohammedaner auch Kenner und wohl Anhänger der Lehren des Zarathustra. Wie verehrt man die Pharaonen, wenn nicht mit religiösem Beigeschmack? Ägypten muss sich wieder der Welt öffnen, statt Sklave der USA und damit Israëls zu bleiben. Die Juden haben das Problem der kristallin erstarrten Religion auf eine ihnen eigene Weise gelöst: Für Wissenschaft und Technologie haben sie die Erlaubnis ihres Gottes, dessen erwähltes Volk sie sind – aber um sie herum wachsen Mauern, hinter denen Feinde auf ihre Stunde warten. Es ist keine Frage der Atomwaffen, es sind geistige Stömungen. In dem Lied „Lady in Black“ sagt diese dem Einzelkrieger: „There is no strength in numbers…“ – gwf

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