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Tagesarchiv für 25. Januar 2011

Bundesrätin auf falscher Piste

Dienstag, den 25. Januar 2011 um 13:41

Selten erhielt dieser Blog so viele Gratulationen, wie auf den gestrigen Kommentar zu Bundesrätin Doris Leuthards Entscheid, den öffentlichen Verkehr zu verteuern, damit die Menschen in ihren Regionen bleiben.

Die Kommentatoren, deren Glaubwürdigkeit wir kennen, schreiben:

- “Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen günstiger Mobilität und Wirtschaftswachstum. Mobilität, ob per Auto – also Individualverkehr – oder per ÖV ist nicht nur eine Gewährleistung für ökonomisches Wachstum. Zunehmender Personen- und Güterverkehr (auf Strasse und Schiene) wirkt sich direkt auf ein steigendes BSP aus.”

- “Einige Länder, welche nachdrücklich ihre Wirtschaft vorwärts bringen wollen, subventionieren gar die Benzin- und Dieselpreise weit unter die Marktpreise: Malysia, Indonesien, Indien, Bolivien. Und so verrückt es klingt, es rechnet sich für diese Länder.”

- “Der Zusammenhang zwischen günstiger Mobilität und Wirtschaftswachstum wird nicht nur an jeder Uni gelehrt; diese Erkenntnis besteht seit das Rad vor ca. 3000 Jahren erfunden wurde.”

Doris Leuthard, die als Bundespräsidentinnen-Darstellerin im vergangenen Jahr zweifellos erfolgreich war, muss nun wieder lernen, selber zu denken, ohne von Spezialisten abhängig zu werden.

Müssen Topmanager gebildet sein?

Dienstag, den 25. Januar 2011 um 13:41

Der Chef der Schweizer Post, Jürg Bucher, bekennt, er lese am liebsten Kurzgeschichten von Peter Bichsel und Franz Hohler. Nichts gegen die beiden Kleinkünstler, denen der literarische Charme nicht abgesprochen werden soll, aber muss ein Topmanager der Schweizer Infrastruktur-Wirtschaft nicht auch lesen, was Gordon Ash. Rag Rajan oder Sayykid Qutb schreiben? Wer die heutige Welt verstehen will, muss lesen, was “draussen” geschieht, aber weniger das Schweizer Schneckenhaus nach Resten erkunden. Darin sehe ich den Konflikt des Landes: Unsere Topmanager und – Politiker lesen schon lange nicht mehr und glauben sich gross, weil sie die Grösse der Welt nicht mehr erkennen. Sie bewegen sich im immerwährenden Kreis der Gleichen und empfangen daraus ihre Bestätigung.

Der rasende Greis

Dienstag, den 25. Januar 2011 um 13:41

Dr-Christoph Blocher hat während einer Generation die Schweiz mehr beeinflusst und, im Positiven wie im Negativen, verändert als jeder andere Politiker. Der hochintelligente, wandlungsfähige, enorm reiche Greis ist zum rasenden Roland in eigener Sache geworden. Hinter ihm steht ein gutes Drittel des Schweizer Volkes, die Alten, die Bedächtigen, die Ländlichen, denen er Rettung verspricht vor den bösen Ausländern und der bösen EU. Politisch agiert er, als Unternehmer, Spekulant und Milliardär, für die Interessen der beiden Grossbanken UBS und CS, indem er die Nationalbank angreift, die das Schweizer Volksvermögen durch Währungsstabilität zu beschützen hat. Weil die Schweiz. Nationalbank die beiden Grossbanken angreift, indem sie das Investmentbanking einschränken oder absprengen möchte, sind deren Spitzen zum Abschuss freigegeben; Blocher verlangt den Rücktritt von Philipp Hildebrand.

Das Schweizer Volk befindet sich in wesentlichen Teilen zwischen der Scylla der nationalen Vollverteidigung à la SVP und der Charybdis der weiteren Öffnung, sei es durch Druck der EU oder die Chance des globalen Handels. Die EU war immer eine Organisation der EU-Banken und – Konzerne, von denen erstere sich soeben von ihren Völkern via Regierungsbeschluss sanieren liessen. Das ist sicher kein Grund der EU beizutreten, die auf unsere vollen Kassen schielt, die so voll auch nicht mehr sind.

Der rasende Greis aus Herrliberg will in den Oktoberwahlen 2011 in der Schweiz einen Rechtsruck auslösen. Das ist nicht weiter schlimm, aber wem dies zu gute kommen soll, hat das Herrliberger Weltgewissen noch nicht gesagt. NB) Wie matschig die Schweizer Innenpolitik unter dem Blocher’schen Druck wird, zeigt das Beispiel Basel. Die Basler wollen gar nicht mehr wissen, wem die “Basler Zeitung” wirklich gehört, dass es Moritz Suter nicht sein kann, ist allen klar. Der auch nur schon vermutete Blocher’sche Einfluss zermürbt Politiker, Medien und Intellektuelle, deren Schwäche offensichtlich ist.

Europa wird mestizisch….

Dienstag, den 25. Januar 2011 um 9:18

…heisst es in der jüngsten Ausgabe des wunderbaren Magazins “Lettre”. Wir müssen nicht weit gehen, um eine Bestätigung zu finden. In der schönen Walliser Hauptstadt Sitten/Sion, wo eine mittelalterliche Burg und Kirche das Stadtbild bestimmen, wird nicht mehr nur das Walliser Raclette AOC oder das im Wallis erfundene Cordon Bleu gegessen. Fendant und Arvine, Dôle und Heida, werden auch serviert, meist rund um den Bahnhof, in elf asiatischen Restaurants, an vier Kebab-Ständen, dazu in je einem mexikanischen, griechischen, libanesischen, marokkanischen und indischen Restaurant. Sehen wir die 7,8 Mio. Einwohner zählende Schweiz als Stadt (city state), sind wir bereits bunter als London oder Paris.

Das Nationalbank-Drama

Dienstag, den 25. Januar 2011 um 9:17

Das Parlament muss bald entscheiden, wem es folgen will: Der Schweizerischen Nationalbank mit Philipp Hildebrand (Präsident) und Thomas Jordan (Vizepräsident) an der Spitze, die im Interesse des Landes handeln. Oder den beiden ausländisch dominierten Grossbanken UBS und CS-Group, die mit kräftigem Lobbying den Spielraum der Nationalbank zu beschneiden suchen. Vordergründig geht es um den Vorwurf, die Nationalbank habe in ihrer Spekulation gegen den Euro versagt und die Zahlungen an die Kantone aufs Spiel gesetzt. Hintergründig sind die beiden Grossbanken besorgt, die Nationalbank könne ihren Risiko-Spielraum zum Vorteil der das Risiko tragenden Schweizer Steuerzahler einschränken durch den auferzwungenen Verkauf des Investment Bankings. Die Schlacht tobt, denn die Kantone bangen um die Millionenzahlungen der Nationalbank. Es ist eine Schlacht um Macht und Wohlstand. Der Finanzplatz Zürich ist im vergangenen Jahr auf Platz acht, nach Shanghai und Chicago, abgerutscht, gefolgt von Genf.

Zählen wir die Punkte einmal national, ergibt sich folgende Aufstellung:

- China (Hongkong und Shanghai) 1453
- USA (NYC, Chicago) 1448
- Schweiz (Zürich, Genf) 1330
- Singapur 728
- Tokio 697
- Frankfurt 659

Echte Schweizer Intellektuelle gesucht

Dienstag, den 25. Januar 2011 um 9:17

Bruno S. Frey, der an der Universität Zürich tätige berühmteste Ökonom der Schweiz, hat den “Walliser Bote” ausgewählt, um dort die Leser wissen zu lassen: “Gemeindefusionen sind etwas sehr Altmodisches.” Frey sagt, echte Kostenreduktionen würden selten eintreten und die Bürger würden den Kontakt zur Verwaltung verlieren, weil die alten Strukturen ohne Mehrwert zerschlagen würden. Frey ist einer der wenigen echten Schweizer Intellektuellen, weshalb sich die Frage stellt, wen könnte man auf die gleiche Stufe bringen?

- Philipp Hildebrand, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, gehört aufgrund seiner intellektuellen Brillanz auf die gleiche Ebene. Er sucht die Schweizer Volkswirtschaft zu sichern, indem er die Macht von UBS und CS Group einschränken will. Das politische Lobbying gegen ihn ist gewaltig.

- Dr. Konrad Hummler, geschäftsführender Teilhaber der Bank Wegelin & Co. ist nicht nur ein astreiner Intellektueller, sondern auch ein mächtiger Unternehmer. Er hat soeben im “Tagesanzeiger” nochmals mächtig das Schwert geschwungen, indem er von den beiden Grossbanken verlangte, auf das Investmentbanking zu verzichten. Als kommender VR-Präsident der NZZ-Gruppe, die immer schon Grossbanken-freundlich war, wird seine Unabhängigkeit getestet werden.

- Dr. Roger de Weck, neuer Generaldirektor der SRG, gehört zur Gruppe jener mäandernden Intellektuellen, die sich nicht gerne festlegen, um es mit niemand zu verderben. Er, der sich einen Liberalen nennt, muss erst zeigen, ob er, bei aller Intelligenz, überhaupt einen Standpunkt hat. Ähnlich angelegt ist der ehemalige Sportjournalist Roger Köppel, dessen Intelligenz niemand bestreitet, der aber ob seiner mindestens mentalen Abhängigkeit von Dr. Christoph Blocher (noch) nicht in die A-Liga gehört. Es ist zu bezweifeln, ob rein national ausgerichtete Intellektuelle überhaupt noch zu irgendeiner Spitze gehören können, das zeigt im Gegensatz dazu Martin Meyer, der Feuilletonchef der NZZ, dessen globaler Radar der schwächelnden Redaktion sehr gut tut.

- Weder bei den Bankiers noch bei den realwirtschaftlichen Unternehmern findet man sonst echte Intellektuelle, weil die Speiseeis-Verkäufer (Brabeck/Nestlé) und Food-Manager (Jimenez(Novartis) dort das Kommando übernommen haben. Auch von einem Oswald Grübel (UBS) und Brady Dougan (CS), wie auch von einem Marc Rich oder Viktor Vekselberg sind keinerlei Signale in diese Richtung erfolgt. Fussball, Golf, Tennis und Autorennsport bilden die Horizontlinie dieser Wirtschaftsgrössen.

- Professoren müssen ebenso wenig Intellektuelle sein wie Chirurgen es sind, sondern eher Handwerker, die ihre Profession besser als andere auszuüben wissen. Eine Klasse höher einzuschätzen ist Prof. Dr. Fredmund Malik, der in St. Gallen aus Frustration über die Zustände an der dortigen Hochschule sein eigenes Beratungsunternehmen aufgebaut hat, das Dank Malik’s dauerhaften Impulsen Weltgeltung errungen hat. Sein soeben bei Campus publiziertes neues Werk “Strategie” ist ein potentieller Weltbestseller.

- In den Parteien hatten CVP und FDP bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein Intellektuelle aufzuweisen, an deren Stelle zunehmend Anwälte traten, die sich auf Sachanliegen beschränkten. Der “intellektuelle Holzboden”, als welcher die Schweiz immer wieder bezeichnet wurde, zeigt sich an der Erstarkung der SVP, deren Weltbild eher aus dem 19. Jahrhundert stammt. Wo die Politiker schwächelten, hatten wir früher Staatssekretäre vom Kaliber eines Prof. Dr. Franz Blankart, den nicht anzuhören auch lange nach seinem Rücktritt ein Fehler blieb. Seine klugen Nachfolger blieben auf das Operative beschränkt.
Weil die europäisch-globale Perspektive den Schweizer Intellektuellen meist fehlt, “marthalert” und mäandert die innen-, aussen-, kultur- und wirtschaftspolitische Diskussion in ewiger Wiederkehr um die gleichen Pole. Es fehlt an Grösse. Die weitgehende finanzielle Sicherheit, die Intellektuellen in der Schweiz gewährt wird, lässt den Schmerz kaum fühlen. Neues, wie die obigen Beispiele zeigen, entsteht meist aus Unsicherheit. Jüngstes Beispiel dafür ist der – ebenfalls St. Galler – Ökonom und Unternehmer Oliver Fiechter. Er, 37, hat nicht nur bereits erfolgreich ein Unternehmen aufgebaut (ISG AG), sondern mit der “Ökonomie 3.0″ ein Werk vorgelegt, das den gescheiterten “Dritten Weg” von Tony Blair bei weitem in den Schatten stellt. Es sieht so aus, als hätten wir auch künftig etwas zu bieten.

 
     
     
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