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Tagesarchiv für 12. Januar 2011

Orban, Arizona un die Schweiz

Mittwoch, den 12. Januar 2011 um 10:37

„Danke, Viktor Orban!“ hat der Westschweizer Edelpublizist Jacques Pilet soeben geschrieben, weil der ungarische Premierminister den EU-Staaten ganz offen zeige, wie man die Medien unterdrückt. Da die EU-Granden, offiziell der freien Meinungsbildung verpflichtet, auch gegen Silvio Berlusconi nichts unternommen haben, der das italienische Volk in einen intellektuellen Schafstall der von ihm kontrollierten Medien eingesperrt hat, und niemand es wagt, Nicolas Sarkozy darauf hinzuweisen, dass nicht gerade sein Freund Radio und TV überwachen sollte, während der französische Präsident die grossen Verleger selbst an der Leine hält. Orban hätte auch an der bisherigen Schweizer Praxis Freude, wo man die Leitung von Radio und Fernsehen in christlich-konservativen Händen hält, während die Journalisten selber einen leichten Linkstouch haben dürfen. Die in der Schweiz üblichen staatlichen Subventionen an Verleger würden auch bei ihm Gefallen finden.

Viele gute Schweizer Journalisten sind in den letzten drei Jahren in die Pressestellen der Konzerne, Verbände und in die PR-Agenturen geflüchtet. Wer sich dort behaupten konnte, was nicht bei allen der Fall war, lebt besser und freier. Dort wird er dafür bezahlt, die Meinung seines Herrn zu verkünden. In den Schweizer Medien hat er „die Schere im Kopf“, aber viel mehr Ärger und weniger gute berufliche Aussichten.

Warum brauchen wir freie Medien? In Arizona werden Schulen die staatlichen Mittel gestrichen, wenn sie „gesellschaftliche Anliegen“ ihrer zu 100% spanisch-lateinamerikanischen Schüler artikulieren. Gefördert werden dürfe nur das Individuum, nicht aber dessen gesellschaftlicher Hintergrund. Medien sind dazu da, derlei aufzudecken und Minima zu optimieren.

Sind wir die Weihnachtsmänner?

Mittwoch, den 12. Januar 2011 um 8:48

Wie wenig unsere Bevölkerung intelligenten Ausländern gewachsen ist, zeigt das Beispiel des Andermatter Gemeindepräsidenten Roger Nagel. Als Samih Sawiris seinen Entscheid verkündete, im „Schattenloch“ zu investieren, begrüsste ihn Nagel mit den Worten „Heute kommt der Weihnachtsmann.“ Sawiris konterte perfekt und richtiger: „Der Beschenkte bin ich.“ Nagel hat seither nur noch eine Hauptaufgabe: „Ich will die Bevölkerung informieren, damit sie den Baufortschritt versteht.“ Der Gemeindepräsident ist zum PR-Berater des ägyptisch-koptischen Immobilien-Tycoons geworden, dessen Orascom-Aktie allerdings seit langem keine Fortschritte mehr macht.

Westerwelle und Pelli: 2x Untergang

Mittwoch, den 12. Januar 2011 um 8:47

Kein Missverständnis: Beide, Pelli wie Westerwelle sind zwei heldenhafte Parteikapitäne. Wie es auf untergehenden Dampfern üblich ist, bleiben sie als Kapitän an Bord, bis das Schiff gesunken ist. Beide sind grosse Strategen, die von ihrer engeren Entourage (die beruflich von den Präsidenten abhängig ist) grenzenlos bewundert werden. Beide vertreten einen Schmalspur-Liberalismus, der keine Zukunft hat. Beide pokern auf eine glückliche Wende. Beide sind zum Untergang verurteilt, leider nehmen sie ihre Parteischiffe in diesen Orkus mit. Pelli wie Westerwelle haben, wenn überhaupt, nur eine Zukunft: als politische Minderheitsaktionäre. Westerwelle hat seine Zukunft mit CDU/CSU fast verspielt. Wer kann Pellis FDP nach der Wahlniederlage im Herbst retten? Die SVP, als sicherer Wahlsieger, wird mit der FDP eine Koalitionsregierung bilden. Wetten?

Was sich in der Schweiz als freisinniges Drama abspielt, findet im Kanton Zürich eine Analogie. Wird der Anwalt Fulvio Pelli in der Deutschen Schweiz trotz sprachlicher Verbesserungen immer noch nicht verstanden, weil seine Ausdrucksweise, bewusst oder unbewusst, oft schwammig bleibt, ist „Der grosse Kommunikator“ Dr. Beat Walti, ebenfalls Anwalt, Präsident der kantonalen Zürcher FDP, de facto seit Amtsantritt für Mitglieder praktisch unsichtbar, Interviews in der „NZZ“ einmal ausgenommen. Können Anwälte Parteien überhaupt führen? Oder sind diese unternehmerischen Defensiv-Spieler, bei denen im Alltag jedes Wort zählt, zur grossen politischen Geste gar nicht fähig? Sollte die Zürcher FDP, was nicht ausgeschlossen werden kann, schon im April die kantonalen Wahlen verlieren, sieht es schlimm für sie im Herbst aus, wenn nationale Wahlen anstehen. Von den beiden Nationalräten Hutter (Winterthur) und Fiala (Zürich) setzt Hutter auf sein nationales FDP-Vizepräsidium und das Gewerbe. Fiala, eine sehr vitale Ur-Liberale, hat die Zeit genutzt und international wie in Sicherheitsfragen Profil gewonnen. Hutter schaffte es vor vier Jahren nur knapp, Fiala hat einen leichten Vorsprung; einer von beiden wird gehen müssen. Tritt Christoph Blocher als SVP-Ständerat an, was der Taktiker erst nach den Zürcher Wahlen entscheiden will, muss er gegen Prof. Gutzwiler (FDP)- V. Diener (Grüne) antreten. Ist die FDP schwach, steigen seine Chancen.
Nach der bekannten Regel, dass der Mensch am meisten darüber spricht, was er nicht hat, will die FDP an allen Fronten mehr Profil entwickeln. Mit Anwälten an der Spitze kann dies nicht gelingen.

Sepp Blatter Superstar

Mittwoch, den 12. Januar 2011 um 8:44

In Genf, Bern und Basel beneiden uns Zürcher alle um Walliser FIFA-Präsidenten Sepp Blatter, der die Weltprominenz des Fussballs an die Limmat bringt und soeben in über 150 Staaten der Erde grosse TV-Sendungen aus Zürich ausgelöst hat, weil er die weltbesten Fussballer an der Limmat küren liess. Die zwinglianisch geprägte Zürcher Gemeinde weiss den barocken Katholiken aus dem Goms nicht recht zu schätzen, was ein gewaltiger Fehler ist, denn er hat die FIFA in Zürich zu einem globalen Konzern und Zürich zum Olymp der Weltfussballer gemacht.

Sie alle waren im Zürcher Kongresshaus anwesend, um den FIFA Ballon d’Or zu verleihen. Sie alle? Anwesend war die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch, die man wieder einmal in all der Pracht kaum zur Kenntnis nehmen konnte. Regierungsrat Hans Hollenstein gab die honneurs, auch „Senator“, so von Sepp Blatter begrüsst, Prof. Dr. Felix Gutzwiler, FDP-Ständerat, der locker, wie seit 30 Jahren, die Fussballelite der Welt begrüsste. Rainer E. Gut war da, der mit seinen Freunden einige Dutzend Millionen Franken verlor, als er den GC sanieren und zu einem FC Barcelona machten wollte. Köbi Kuhn war da, Gilbert und Gress und ein Dutzend exzellent schöner Frauen.

Dennoch kam im Zürcher Kongresshaus keine Stimmung auf, kein rechter Beifall, keine rauschende Begrüssung. Die Zürcher sind nicht wirklich in den Fussball vernarrt; viele andere Schweizer auch nicht. Zürich hat nicht einmal mehr einen guten Fussball-Club, die Schweiz auch nicht. Deshalb fragen sich viele europäische „Fussball-Staaten“: Warum muss die FIFA in der Schweiz sein? Die Steuern alleine können es nicht sein. Nur vor der Tür, in der Kälte, lieferten eine hundert Fans jene Begeisterung, die man eigentlich erwartet hatte. Derlei ist bei uns nicht üblich. Die Zuzuela wurde nur von Desmond Tutu imitiert, der eigens aus Cape Town angereist war, um Sepp Blatter die Ehre zu geben. Der Erzbischof ehrte den Präsidenten, der Afrika im Weltfussball auf die Bühne gehoben hat.

Wie wenig Zürich internationalen Ansprüchen genügt, zeigte dieser Abend. Das Kongresshaus, obwohl aufwändig im Hollywood-Stil dekoriert, ist zu eng für eine Weltelite. Der Glamour konnte sich nicht entfalten, weil diese „location“ dritter Klasse für Teppichverkäufe geeignet ist, nicht aber für einen FIFA Bol d’Or, der um die Welt geht. Zürich läuft Gefahr, die FIFA nach Frankreich zu verlieren, wäre da nicht der treue Sepp Blatter, gegen den nichts läuft. Es ist an der Zeit, diese Persönlichkeit zu ehren, die in einer widerspruchsvollen Zeit für Zürich und die Schweiz viel geleistet hat.

Natürlich war auch kein Bundesrat anwesend, obwohl Ueli Maurer, der nur wenige Kilometer entfernt wohnt, diese Chance als Sportminister des Landes hätte wahrnehmen müssen. Einmal angenommen, der unberechenbare SVP-Politiker hätte sich geweigert, wäre es an Dölf Ogi gewesen, Sportminister und UNO-Botschafter, die Schweiz als Co-Gastgeber dieses schönen Anlasses zu beehren. So stand Sepp Blatter alleine auf der Bühne, ein Schweizer Held, ganz wie Alfred Escher, den im 19. Jahrhundert kein Zürcher mehr loben wollte, obwohl ohne ihn Zürich und die Schweiz ein Provinznest geblieben wäre.

 
     
     
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