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Monatsarchiv für Januar 2011

Andermatt – Fluchtort für Ägypter

Montag, den 31. Januar 2011 um 15:24

Noch letzte Woche sagte der Neu-Schweizer Milliardär Samih Sawiris, die Schweizer Medien würden die Lage in Ägypten hoch kochen und Reisen ins Land der Pharaonen seien unproblematisch. Sein Unternehmen Orascom hat primär mit Tourismus zu tun und unter diesen Umständen dürfte die Aktie eher verlieren, so lange wie die Unruhen in Ägypten anhalten. Ich hatte alle unsere Blogleser vorzeitig vor der unbedachten Reiseempfehlung des Königs von Andermatt gewarnt (s. mein alter Blog), denn genau so eine Aussage hat mir schon mal ein Reiseunternehmer in der Schweiz gemacht, der fast unsere Fussball-Nati in ein Terrorgebiet geschickt hätte.

Aber vielleicht verkaufen sich jetzt die Wohnungen Andermatt leichter, wenn reiche Ägypter aus dem Land fliehen müssen und eine neue Heimat suchen. Mubarak in Andermatt – das wäre eine Schlagzeile. Despoten verstecken sich in tiefen Schweizer Alpentälern. Auch Ben Ali könnte ein schönes Penthouse in Andermatt kaufen, würden die Schweizer Behörden sein Hab und Gut nicht unter Verschluss halten. Irgendwie eine verzwickte Situation für den Ägypter.

Fidel Stöhlker

Köppels guter Jahresstart

Montag, den 31. Januar 2011 um 13:34

Unglaublich, der Verleger der „Weltwoche“ schreibt in seinem Editorial der Ausgabe 4/11 „In diesem Sinn irrt Blocher“. Köppel wirft seinem politischen Götti vor, es gebe das Schweizerische nicht, das er (Blocher) nur für bestimmte Schweizer in Anspruch nehmen möchte. Wie recht Köppel hat! Blocher hat, nicht zuletzt als Kurzzeit-Bundesrat, die Schweizer Rechtsordnung schwer strpaziert. Seinen politischen Feinden würde er dies nicht durchgehen lassen. Köppel hat den Finger auf einen Blocher’schen Webfehler gelegt, der nicht einfach zu reparieren sein wird. Geht die Emanzipation vom Übervater weiter?

Die Schweiz aus der Sicht der NZZ

Montag, den 31. Januar 2011 um 13:33

Die führende Zeitung der Deutschschweizer bürgerlichen Intellektuellen, Unternehmer und Politiker, die „Neue Zürcher Zeitung“ gab in ihrer Ausgabe vom 30. Januar Gelegenheit, ein umfassendes Bild des Landes zu entwerfen. Als immer noch dem Freisinn nahestehende Publikation, dies trotz zunehmend „grüner“ Kommentare, setzte Wirtschaftschef Peter A. Fischer ein Zeichen mit der Titelschlagzeile: „Optimistische Firmen – unsichere Politik“, wobei er warnend hinzufügte, wir stünden „noch“ gut da. Es sei „die gemütlich klagende Wohlstandsträgheit“, der wir uns als Herausforderung stellen müssten, wobei Fischer mit Sicherheit eher auf die Schweizer KMU und den Tourismus schielte als auf die Konzerne, die derzeit bei den Kantonen weibeln, um Steuersenkungen in Milliardenhöhe zu bewirken. Klaus Schwab, Partyveranstalter aus Davos, durfte immerhin aufrufen, „das langfristige Allgemeinwohl über kurzfristige Interessen zu stellen“, wurde aber wenige Seiten später gleich wieder von UBS-Präsident Kaspar Villiger abgefangen, der sagen durfte „Das Rückgrat unserer Wirtschaft sind nicht nur die KMU“, ein angesichts der Steuerleistungen des UBS-Konzerns mutiger Satz. Villiger warnte auch „Die ganz grossen (Unternehmen) sind heute alle in nichtschweizerischem Besitz und vergass den Hinweis, dass seine Generation den Ausverkauf zugelassen und sogar gesteuert hat. Bundesrat Schneider-Ammann durfte in der gleichen NZZ-Ausgabe dem Präsidium der Nationalbank den Rücken stärken, das den beiden Grossbanken höhere Auflagen machen möchte (weshalb Dr. Christoph Blocher den Rücktritt von SNB-Präsident Philipp Hildebrand verlangt hatte).

Wie üblich, hat in der NZZ das Feuilleton das letzte Wort. Dort wurde James Joyce-Forscher Fritz Senn als Zeuge aufgerufen, der prompt erklärte „Rätselhafterweise gibt es ständig irgendwelche Anlässe und Empfänge, die keiner braucht und bei denen ein paar Banalitäten abgesondert werden, die ohnehin jeder weiss. Es gibt so viele Leerläufe.“

Das Zeitbild der NZZ am Ende des WEF’s war, dank Senn, so schlecht nicht.

Unsere fröhliche Demokratie

Montag, den 31. Januar 2011 um 10:04

Im Kanton Basel-Stadt werden sich die bürgerlichen Parteien wieder einmal nicht einig (Liberale-FDP-SVP), einen gemeinsamen Kandidaten für den Ständerat aufzustellen, weshalb die SP-Ständerätin Anita Fetz im Schongang wiedergewählt wird. Im Kanton Aargau verzichtet SP-Nationalrätin Pascale Bruderer bei den Wahlen darauf, sich als Sozialdemokratin zu „outen“. Sie will als Mutter, Schwester und Freundin aller Aargauer auftreten. Im Kanton Zürich hat der Wahlkampf für die in gut zwei Monaten stattfindenden kantonalen Wahlen, die als Trendwahlen für die Schweiz betrachtet werden, noch gar nicht begonnen. Halbwegs gewonnen hat ihn ohnehin die SVP, deren Nationalrat und Wahlkampfleiter Hans Fehr termingenau von den Linken verprügelt wurde. Diese Fotos bringen Stimmen. Die eleganteste Einstiegsvariante wählte die CVP Schweiz, deren aus Zug stammender Wahlkampfleiter Gerhard Pfister gleich alle Bewohner der Alpenkantone beschimpfte, sie seien Subventions-Abzocker. Zwar meint er, er habe es vor seiner Wahl zum Wahlkampfleiter gesagt, aber das Volk nimmt auf derlei keine Rücksicht, besonders nicht mehr bei der CVP, wo Bundesrätin Doris Leuthard zum Jahresbeginn die Subventionskürzungen für die Bewohner der CVP-Randkantone bekannt gegeben hat.

Die Schweiz liegt auf Platz 14 der demokratischsten Staaten der Erde, weiter zurück, als ich und viele andere dachten. Der Grund: Die bürgerlichen Parteien wollen schon seit Jahren keinen wirklichen Wahlkampf mehr, weil sie dann tun und lassen können, was sie wollen. Das Volk ist verstimmt und geht nicht an der Urne.

Was vergessen wird: Wir sind die fröhlichste Demokratie der Welt.

Lonza: Vorwärts mit Staatsdienern?

Montag, den 31. Januar 2011 um 10:04

Als ob des katastrophalen Aktienkurses leicht enttäuschter Lonza-Aktionär muss ich am 12. April darüber entscheiden, ob ich alt Staatssekretär Jean-Daniel Gerber dort in den VR wählen möchte. Gerber war sein Leben lang Staatsdiener, ein Schüler Prof. Dr. Franz Blankarts, beide zugegeben brillant, aber wird Gerber durchgreifen, wenn es um die Sanierung der Lonza-Standorte geht? Er wird dort auf Patrick Aebischer treffen, den Präsidenten der EPFL, der den Absturz der Lonza-Aktie bisher auch nicht verhindern konnte. Präsident des Verwaltungsrates ist Rolf Soiron, vormals Präsident der Universität Basel, heute in gleicher Funktion bei Avenir Suisse. Ob so viel intelligente Elite den Basler Chemiekonzern wieder in Form bringt?

Die Kapitalismus-Bändiger treten an

Montag, den 31. Januar 2011 um 10:04

SP-Parteipräsident Christian Lévrat will den Schweizer Kapitalismus überwinden, seine Fraktionschefin Ursula Wyss will ihn nur bändigen. Die meisten Sozialdemokraten wollen im Schatten des Kapitalismus ganz einfach gut leben; etliche unter ihnen, wie die Gewerkschafterin Christine Goll oder alt Bundesrat Moritz Leuenberger sind selber vielfache Millionäre und, wie Leuenberger, auf dem besten Weg, noch etliches hinzu zu verdienen. Die echten Kapitalisten, wie Walter Kielholz, Kaspar Villiger und Daniel Vasella, um nur einige der harmlosesten zu nennen, werden von den tapferen Sozis tief beeindruckt sein. Ich sehe Ursula Wyss, wie sie die Peitsche schwingt, um die bösen Kapitaleigner zu bändigen. Schafft sie es nicht, kommt Kollege Lévrat zu Hilfe, um diesen den Meister zu zeigen. Wer nimmt solches Gerade eigentlich ernst?

Hoch die USA!

Freitag, den 28. Januar 2011 um 14:54

Wer unsere nordamerikanischen Freunde abschreiben möchte, weil sie alle ihre Kriege verlieren und fast so pleite wie Griechenland sind, sollte folgendes bedenken:

– Sie überlebten ihren Bürgerkrieg von 1861 – 65 mit Bravour.
– Sie hatten 1930 eine Weltwirtschaftskrise, die sie stärker machte (zuvor schon einige kleinere).
– Sie überlebten den 2. Weltkrieg als Siegermacht.
– Die Stagflation der 70er Jahre war kein Hindernis.
– Die Reagan-Revolution der 80er Jahre machte die Reichen reicher.
– Der Hightech-Boom er 90er Jahre machte einige Reiche noch reicher.
– Vor zehn Jahren waren die USA Spitze. Warum sollen sie jetzt zu Ende sein? Weil sie grosse Schulden haben? Keine Sorge, die bezahlen die Chinesen, die Araber oder wir Europäer.

Jung sein, eine Katastrophe

Freitag, den 28. Januar 2011 um 14:54

Die Regression der sozialen Systeme in Europa hat zur Folge, dass es der Jugend schlechter geht denn je. Die Jungen sind ärmer, dümmer und kränker als die ältere Generation. Sie dienen als Teilzeitarbeiter, die Saläre sind niedriger als früher, viele müssen fast gratis arbeiten als Freelancer oder Kurzzeit-Assistenten. Ärgerlich.

Luzerner Stapi will Kontrolle über Medien

Freitag, den 28. Januar 2011 um 9:23

Die Tatsache, dass der Luzerner Stapi Urs W. Studer die Medien als zu mächtig und eigensinnig einstuft, erinnert 1:1 an das Verhalten des ungarischen Präsidenten Viktor Orban. Auch Studer hat offenbar grössten Respekt vor der 4. Gewalt im Lande. Wegen der kritischen Berichterstattung über die Abgangsentschädigungen von Littau, fühlt sich der Stapi angegriffen und versucht die Medien zu zügeln. Studer hat an einem Lokalanlass seiner Wut freien Lauf gelassen.

Dieses Verhalten ist wegweisend für die ganze Schweiz, denn Studer versteht die Regeln der Medienwelt nicht. Er sieht die Medien als seine Feinde, was grundsätzlich schon mal vollkommen falsch ist. Wenn die Politik unter einander über Abgangsentschädigungen von Gemeinderäten spricht, haben die Medien das Recht, das Volk zu informieren. Politiker regen sich täglich darüber auf, dass in Unternehmen Abgangsentschädigungen teilweise nicht rechtens sind. Und jetzt zahlen sich Politiker gegenseitig Abgangsentschädigungen und meinen tatsächlich, dass das Volk kein Anrecht auf Aufklärung hat. Das zeigt überdeutlich das falsche Verständnis des Luzerner Stapis für die Medien. Würde Studer enger mit den Medien zusammenarbeiten und proaktiv aufklären, hätte er dort mehr Freunde und eher das Verständnis der Bevölkerung. Aber offenbar kennt er die Regeln der Medienwelt nicht und sollte, damit ihm solche dummen Missgeschicke nicht mehr passieren, sich intensiv im Umgang mit der 4. Gewalt im Lande auseinandersetzen. Ein Problem bleibt in der Politik aber bestehen: die angestellten Kommunikationsleute der Politiker sind in vielen Fällen die einfachen Spielbälle ihrer Chefs. Sie sollten ihrem Stapi als Sparringpartner zur Verfügung stehen aber offenbar lässt dies Studer nicht zu oder seine Kommunikationsverantwortlichen haben lediglich Angst, ihren Job zu verlieren und halten deshalb lieber den Mund. Das tun aber nur die schwachen Kommunikationsexperten.

Fidel Stöhlker

IFRS als Risiko

Freitag, den 28. Januar 2011 um 9:01

Jetzt beginnen die Wochen der Jahresmedienkonferenzen. Die internationale Form der Rechnungslegung, IFRS, ist die Grundlage der Glaubwürdigkeit. Jetzt hat die deutsche Bilanzpolizei DPR festgestellt, dass jeder vierte von ihr geprüfte Jahresabschluss fehlerhaft ist, sogar bedeutend mehr als im Vorjahr. Es ist zu bezweifeln, dass der Schweizer Aktionär eine bessere Grundlage hat. Wenn ich sehe, wie börsenkotierte Schweizer Konzerne serbeln, kann ich mir vorstellen, wie die „Financial Relations“-Abteilungen sich Mühe geben, dies zu verwedeln. Bei einem globalen Konzern ist es fast unmöglich, alle Bilanzen der Tochtergesellschaften termingerecht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Was uns präsentiert wird, ist Bilanzierungs-Phantasie. Sie wird getragen vom Wunsch des Topmanagements, die Kurse mögen stabil bleiben und sich verbessern, wovon auch die Aktionäre profitieren, die den IRS-Zauber billigend hinnehmen. Das System soll jetzt auf KMU ausgedehnt werden.

 
     
     
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