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Tagesarchiv für 16. Dezember 2010

Grübel verfällt dem Wahnsinn

Donnerstag, den 16. Dezember 2010 um 17:18

Die Aktie der UBS bewegt sich eher rückwärts als vorwärts; der Grübel-Bonus ist längst verflogen. Man gehe weniger Risiken ein in der Bank, heisst es. Jetzt hat Oswald J. Grübel, CEO des UBS-Konzerns, einen 44seitigen Dresscode ausarbeiten lassen (was dies wohlgekostet hat, frage ich mich als Aktionär, der keine Dividende zu erwarten hat), worin die Farbe der Unterwäsche vorgeschrieben wird, die Häufigkeit des Schminkens (Frauen immer) und die Menge des Schmucks auf der Haut. Heiliger Hammer, ist Grübel wahnsinnig geworden? Sehe ich Banker in der Gruppe, ist ohnehin der eine kaum von anderen zu unterscheiden. Sie sehen aus, als seien sie alle glatt gebügelt; keine persönlichen Merkmale mehr.

Zwei Möglichkeiten ergeben sich daraus:

1. Entweder habe ich einen UBS-Berater mit Charakter, der für mich sorgt, nicht nur für die Bank.
2. Oder ich habe einen UBS-Parfum-Roboter, der mir die neuesten Bankprodukte verkauft.

Oswald J. Grübel neigt zum Erzieherischen. Ich wäre, mit Zehntausenden, froh, er würde uns mehr erklären, was er wirklich tut. Meine Zweifel an der UBS nehmen zu.

Es wäre falsch, diese Empfehlungen als eine lächerliche Marotte zu bezeichnen. Sie haben tiefgreifende Auswirkungen weit über den UBS-Konzern hinaus. Wer künftig, sei es als Kreditnehmer oder Lieferant, diesen Code nicht beherrscht, wird in Verhandlungen mit UBS-Mitarbeitern nicht als „art of state“ betrachtet werden. Wer, wie einst Alfred Sarasin oder Hans J. Bär, zwei berühmte Schweizer Bankiers, zu leichtem Übergewicht neigt, ist der sozialen Deklassierung ausgesetzt. Ein normaler UBS-Mitarbeiter kann sich derlei Extravaganzen ohnehin nicht mehr leisten, Bankkunden und Lieferanten nur dann, wenn sie über ganz überdurchschnittliche Finanzmittel oder Fähigkeiten verfügen.

Das Vorbild der UBS wird zweifelsohne Schule machen, weil es auf globale Wirkung hin angelegt ist. Es kann also gut sein, dass ich meinen Bankberater nur noch dann erkenne, wenn er eine Besonderheit aufweist, die ihn bankintern nicht diskriminiert. Er könnte sich bei jeder Begegnung an die Nase fassen, um deutlich zu machen, dass er für mich zuständig ist.

Berner Neger

Donnerstag, den 16. Dezember 2010 um 17:14

„Die Rassentrennung ist, obwohl abgeschafft, in den USA immer noch präsent“, sagt der abtretende Präsident der Berner Burgergemeinde, Franz von Graffenried. Er muss es wissen, denn bei Besuchen in den USA im „New Berne“, stellte er fest, leben viele adlige Nachkommen von Afro-Amerikanern, deren Vorfahren vom Berner Adel als Sklaven gehalten wurden; daraus entstand die Usanz, sie „von Graffenried“ zu nennen. Gesehen hat Franz von Graffenried seine dunkelhäutigen Grosscousins, von denen es Tausende geben soll, bisher nicht, weil die soziale Distanz zu deutlich ist. Immerhin, auch die bernischen Täufer wurden, sofern sie nicht in die USA flüchteten, von den Bernburgern hingerichtet. Christoph von Graffenried, der die amerikanische Niederlassung der Berner ins Leben rief, war übrigens ein schwarzes Schaf der Berner Adelsfamilie, auf das man sich heute gerne beruft.

Die Ledergerber-Revolution

Donnerstag, den 16. Dezember 2010 um 14:48

Elmar Ledergerber, vormals Zürcher Stapi, gehört zum Typus des „insecure overachievers“, wie er gerne von Beratungsfirmen angestellt wird, weil sie intelligent, aber von Unsicherheit angetrieben sind. Sie erreichen dann unter guten Voraussetzungen beste Ergebnisse und hohe Umsätze. Zur Erinnerung: Vor seiner Wahl ins Zürcher Stadtpräsidium war Ledergerber langjährig als Unternehmensberater tätig.

Jetzt fliehen die ihm unterstellten Kadermitarbeiter von Zürich Tourismus gleich im Rudel von ihm. Entschieden sagt dies nur Frank Bumann, der 16 Jahre erfolgreich als Zürcher Tourismus-Direktor wirkte, aber seine leitenden Mitarbeiter haben auch Gründe gefunden, einen anderen Arbeitsplatz anzunehmen. Ledergerber, vom Typ her ein Macho 1. Klasse, hat wieder eine Frau, Marlis Ackermann, gefunden, die willens ist, seiner Führung zu folgen. Was heisst das?

„Zurich – Downtown Switzerland“ ist ein Weltklasse-Slogan, weil er global sofort verstanden wird und der Wirklichkeit entspricht. Zürich ist jeden Abend überfüllt mit Anreisenden aus allen Kantonen und dem benachbarten Deutschland, die hier Kinos, Oper, Restaurants oder das Nachtleben geniessen wollen. Die Schweiz ist im globalen Massstab eine kleine Stadt mit 8 Mio. Einwohnern, Zürich das attraktivste Zentrum, „Downtown“ eben.

Als Sozialdemokrat, der nicht Bundesrat werden konnte, weil ihm Moritz Leuenberger im Weg stand, sucht Tourismus-Präsident Elmar Ledergerber als Realpolitiker immer den politischen Ausgleich, weshalb er, um die Nachbarkantone zu schonen, „Downtown Switzerland“ für einen zu dick aufgetragenen Anspruch hält. Wenn das Tourismusmarketing zu sehr politisiert wird, ist dies schon die halbe Niederlage. Jetzt darf der Präsident mit seiner neuen Direktorin zeigen, was er wirklich vermag.

Zürich für Touristen wenig attraktiv

Donnerstag, den 16. Dezember 2010 um 10:02

Bleiben wir, damit der Vergleich nicht allzu hart ausfällt, im westeuropäischen Raum. Zürich muss sich mit Städten wie London, Paris, Rom, Madrid, Berlin und Amsterdam messen können, wenn wir die touristische Attraktivität dieser Metropolen betrachten. Zürich und Berlin sind jedoch die Städte in dieser Gruppe, die sich nicht als Metropole bezeichnen dürfen. Warum: Berlin hat noch keinen entsprechenden internationalen Flughafen mit Kapazitäten für eine Metropole und Zürich hat zwar weltweit die höchste Lebensqualität aber betrachten wir die Entwicklung der Stadt, ist sie im Vergleich zu den anderen in dieser Gruppe schlichtweg zu klein und fade. Wir sind stolz auf unser Opernhaus, eines der besten der Welt, das Kunst- und Schauspielhaus. Unsere Zürcher Altstadt ist bezaubernd aber im Vergleich unbedeutend. Die Bahnhofstrasse glänzt lediglich noch mit den höchsten Retailmieten in ganz Europa, was ausländische Touristen wenig interessiert. Wir haben kein Kongresszentrum und kein Fussballstadion, obwohl die FIFA ihren Sitz in Zürich hat. Das ist ein besonders peinlicher Fakt. Doch wenn man am Ufer des Zürichsees steht und bei Föhnwetter den ungetrübten Blick auf die Alpen geniessen kann, glänzen die Augen eines jeden Touristen. Grossartig aber auch nicht anders als in Berlin oder Amsterdam ist die Clubkultur für Nachtschwärmer. Wer Berlin so gut kennt wie ich weiss, mit der deutschen Provinz-Metropole und Hauptstadt, kann Zürich gerademal mithalten.

Stellen wir uns doch die Frage: Warum weiss z.B. halb Japan über Zermatt und Luzern besser Bescheid als über Zürich? Die beiden Alpen-Destinationen sind keine Metropolen und wollen auch keine sein. Sie wiederspiegeln die urige Schweiz mit unfassbar schönen Berglandschaften, was die meisten Touristen aus ihrer Heimat so nicht kennen. Zürich ist eine der reichsten Städte der Welt und nicht in der Lage, sich touristisch in eine besonders attraktive Position zu rücken. Daran hat nicht Zürich Tourismus Schuld, sondern die Menschen, die in dieser Stadt leben. Würde die Zürcher Politik intelligenter zusammenarbeiten und sich gemeinsam der Entwicklung stellen, könnten wir eine der bedeutendsten Tourismusstädte in Europa werden und müssten nicht nur auf die Business-Touristen hoffen. Davon würde auch der Rest der Schweiz profitieren und zwar nicht nur der Tourismus, sondern auch die Ökonomie.

Fidel Stöhlker

Kann die SVP gebremst werden?

Donnerstag, den 16. Dezember 2010 um 9:30

Nein, bis zu den Herstwahlen 2011 auf keinen Fall, es sei denn die ganze Parteispitze stürze mit einem Helikopter zusammen ab. Die Idee, die SVP abzubremsen, ist seit über 20 Jahren gescheitert, denn Gründer und Parteipräsident/Chefstratege Dr. Christoph Blocher hat genügend Verstand und Geld, um die bürgerlichen Konkurrenten auf Distanz zu halten. Ebenso entschlossen ist mit ihm zusammen der Autoimporteur Walter Frey, der heute als Finanzchef der SVP seine politische Leidenschaft aus dem Hintergrund betreiben kann.

Ab Januar 2011 wird es zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung noch ein wenig schlechter gehen als bisher. Die Saläre steigen kaum, die Verwaltungs- und Reise- wie Versicherungskosten steigen überdurchschnittlich, von den Mieten gar nicht zu sprechen. Die meisten dieser „leidenden Klasse“ werden die Rettung nicht bei der FDP und der SP suchen, sondern beim „Nationalhelden Christoph“, der den Weg zu neuer Bescheidenheit zurück in das nationale Reduit weist. Dazu offeriert die Familie „Basler Läckerli“, die, weil zuckerhaltig, den Frohsinn steigern. Die „Schweizerzeit“ und die „Weltwoche“ offerieren den geistigen Horizont, den eine in sich zerrissene NZZ und ein wieder nach links driftender „Tagi“ nicht bieten können.

Der FDP fehlen der Geist, das Geld und die Klasse, um einer solchen Politik, wie sie von der SVP geboten wird, Einhalt zu gebieten. Sie sucht seit Jahren einen politischen Sonderweg, der immer enger und in der Bedeutungslosigkeit enden wird. Wer in der FDP noch etwas erreichen will, das über die reine Lobbyarbeit für Grossbanken und Konzerne hinaus geht, zieht sich eher zurück oder landet dann doch bei der SVP. Die CVP, nicht minder zerrissen und weitgehend ohne substantiellen wirtschaftlichen Hintergrund, zehrt von einer schwächelnden regionalen Verankerung und einem „Superteam Darbellay/Leuthard“, dessen Auftritte der Partei noch ein wenig Glanz geben.

Die SVP spricht die Wähler direkter und damit besser an. Die Medien hängen an den Lippen der SVP-Chefs, deren Provokationen helfen, die serbelnden Auflagen zu stabilisieren. Dennoch, das Kernteam der Blocher-Spitze ist überaltert, die B-Liga der SVP ahmt den alten Leuen nach, ohne dessen Klasse zu haben. In zehn Jahren werden wir daher eher ein weiteres Versinken der Schweizer „classe politique“ zu gewärtigen haben, denn die Hefe des Handlungsspielraums geht langsam aus. Ein Cédric Wermuth sucht von Linksaussen her den Geist der sozialistischen Vergangenheit zu beschwören. Insofern spiegelt er Christoph Blocher, der auch erst in elf Monaten wissen wird, ob seine eigene politische Karriere nach japanischen Seniorenmassstäben bemessen werden muss. Fulvio Pelli wird dann im Tessin vor sich her murmeln, wie er die Schweiz verändern wollte, die keinen Veränderer braucht, weil die Wirtschaft dies ganz von alleine tut.

Kachelmann meets Assange

Donnerstag, den 16. Dezember 2010 um 9:30

Es sieht so aus, als sei Jörg Kachelmann’s finanzielle Basis aufgrund hoher Prozesskosten doch einigermassen angeschlagen. Aus einer im Ganzen gesehen recht unbedeutenden Affäre droht der Zusammenbruch einer Karriere zu werden. Zufällig oder nicht, Julian Paul Assange, muss sich einer vergleichbaren Situation stellen. Ob er nun gleich zwei Frauen vergewaltigt hat oder nicht, ob diese US-Agentinnen waren oder nicht, ob er ganz einfach lieber in Schweden bleiben wollte als in den USA, das werden wir lange nicht wissen. Wikileaks wie meteo-media sind Unternehmen, die zu einem Markenzeichen wurden. Ob Sex-Affären, reale oder vermutete, zu deren Untergang führen, bleibt abzuwarten.

 
     
     
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