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Monatsarchiv für Dezember 2010

Wem dienen die Bischöfe?

Freitag, den 31. Dezember 2010 um 9:29

Bis ins 11. nachchristliche Jahrhundert wurden die Päpste von der Gemeinde oder den Fürsten eingesetzt. Wir verdanken es Papst Gregor VII., der alle Christen, auch Bischöfe und Könige, dem Anspruch Roms unterwarf, dass einige unserer Bischöfe sich vom Volk her definieren (Schweizer Staatskirchenrecht) und andere sich nur durch den Vatikan legitimiert sehen (Bischof Vitus Huonder, Chur). Wer in den letzten 1000 Jahren dem Papst nicht Gehorsam leistete, galt als Götzendiener und Häretiker; man durfte Gewalt gegen ihn anwenden. Theoretisch könnte dies auch der Schweiz geschehen, weigert sie sich, den vatikanischen Normen zu entsprechen.

Vergessen wir einmal eine sehr komplexe und für einen Laien kaum begreifbare Kirchengeschichte, so stellt sich doch die Frage, ob wir mit dem alleinigen Führungsanspruch Roms nicht wieder einen „zornigen Gott“ erhalten, wie im Kampf gegen Amalek oder im Psalm 79 geschildert: „Ergiesse Deinen Zorn über die Völker…“. Wir stehen bisher stark unter dem Einfluss des friedfertigen Neuen Testaments, aber das Alte könnte im 21. Jahrhundert zurück kommen.

Kosovo meets Afghanistan

Freitag, den 31. Dezember 2010 um 9:29

Was der Westen, die Schweiz mit Micheline Calmy-Rey ganz an der Spitze, an Milliarden in den 1,8 Mio-Einwohnerstaat Kosovo gepumpt hat, ohne dort Stabilität, Wachstum und Sicherheit zu erreichen, macht sprachlos. Offensichtlich geht es mehr um die seltenen Erze, die dort, ungestört von den Serben, aus dem Boden geholt werden, um dann in die USA und nach Israel geflogen zu werden. Wer im Kosovo nicht ans Ziel kommt, wird auch in Afghanistan scheitern. Dort haben die Russen seit 1979, als sie einmarschierten, Industriebetriebe und Bahnen gebaut, mehr als 600 Schulen, dazu ein Flugverkehrsnetz, Gas- und Brennstoffleitungen, sogar 300 zerstörte Moscheen in Stand gesetzt. Die Boden-, Schul- und Baureform scheiterte, als die Amerikaner auf Betreiben eines texanischen Senators (siehe diesen Blog) Stinger-Raketen einsetzten und Taliban aufbauten, um den russisch geprägten Fortschritt zu verhindern. Jetzt sind auch die westlichen NATO (ISAF-)Streitkräfte nach Milliardenverlusten in Afghanistan gescheitert, obwohl die Russen bereits wieder helfen, die Afghanen zu „befrieden“.

Die Afghanen sind eine Stammesgesellschaft, keine Single-Kultur wie die Zürcher und New Yorker. Sie denken zuerst an die Familie, dann den Stamm, zuletzt an die afghanische Gesellschaft. Wer ein ziviles Familienmitglied tötet, was im Krieg stets unvermeidlich ist, fordert ihre Blutrache heraus. Die Afghanen haben 7-8mal mehr Kinder als westliche Familien. Wir verlieren dort die einzigen Söhne, so G. Heinsohn (Uni Bremen), dort wachsen neue Generationen des Widerstands heran. Die Afghanen sind ein stolzes, unabhängiges und kampflustiges Volk. Sie sterben eher, als sich Guido Westerwelle, dem deutschen Aussenminister, oder Hillary Clinton zu unterwerfen. Eigentlich verstehe ich die Afghanen sehr gut.

Weisheit der kämpferischen Lady

Donnerstag, den 30. Dezember 2010 um 8:31

Diana Athill ist 92, immer noch aktive Kämpferin für die Frauenrechte und um einiges älter als Alice Schwarzer, die uns schon uralt vorkommt. Athill, die heute noch bei Granta Books publiziert, meint, die Männer hätten sich wenig verändert, die Beziehung zwischen „boardroom and bedroom“ sei unverändert stabil. Viele Frauen, das enttäusche sie, würden sich heute wie Huren anziehen. Schon die jungen Frauen würden auf „sexyness“ abfahren und zur Vergewaltigung einladen. Solange Frauen nicht wie Männer bezahlt würden, gebe es zwischen beiden keine Gleichheit. Athill meint, es seien zu ihrer langen Lebenszeit viele Fortschritte erzielt worden, aber die Frauen dürften jetzt nicht aufgeben.

Wer ist Jude?

Donnerstag, den 30. Dezember 2010 um 8:31

Die Professoren Shlomo Sand (Tel Aviv) und Gunnar Heinsohn (Bremen) halten es für möglich, dass die eigentlichen Juden, nimmt man den Stammbaum, die heutigen Palästinenser sind. Als kürzlich amerikanische Juden, Studenten der Columbia-Universität, in Jerusalem mit dem Banner durch die Ben Yehuda Strasse zogen: „Zionists are not settlers“ wurden sie von orthodoxen Juden angespuckt und beschimpft „You are not real Jews“. Kabbala-Fachleute, wie der Bieler Hebräist Dirk Schröder, meinen sogar, das jüdische Volk sei von einigen wenigen, den Tikkun, seit 6000 Jahren beherrscht und „geimpft“ und ist darin mit Shlomo Sand einig.
Wie dieses kleine Volk, dessen Herkunft umstritten ist, die Ideen des Westens beherrscht, ist tatsächlich eine Meisterleistung und einer Vertiefung wert. Offensichtlich sind die Juden unter immerwährendem Druck zu einer hybriden Minderheit verschmolzen, die Leistungsorientierung und das Festhalten am Glauben zu den beiden wichtigsten Merkmalen ihrer Überlebensfähigkeit gemacht haben.

Wir können uns diese SBB nicht mehr leisten

Donnerstag, den 30. Dezember 2010 um 8:31

Einst, vor 40 Jahren, war die Schweiz stolz auf ihre Bundesbahnen, fast mehr noch als auf die Swissair. Während letztere wegen Überheblichkeit zugrunde ging, scheint es den SBB besser zu gehen, was kaum die halbe Wahrheit ist. Aus Personenverkehr, Güterverkehr und Nebendienstleistungen erzielen die nationalen Bahnen jährliche Erträge von ca 7 Mia. Franken. Denen stehen staatliche Zuschüsse von 14 Mia. Franken per Steuern und zweckgebundene Abgaben gegenüber. Je mehr GA’s die überalternde Schweizer Bevölkerung kauft, umso schlechter sieht es mit der SBB-Kasse aus, denn der Bahnverkehr wird zu billig angeboten. Sollen die SBB noch einen Teil jenes Glanzes behalten, der sie als Erinnerung umgibt, brauchen sie in den kommenden 20 Jahren 40 Mia. Franken für Investitionen und 30 Mia. Franken für den Unterhalt. Wir dürfen davon ausgehen, dass diese Zahlen sich noch erhöhen werden, weshalb eine Inflationsrate von über 5 % nicht nur grössere Teile der Bevölkerung hart treffen würde, sondern die Kosten für den Staat und dessen staatsnahe Betriebe nicht mehr finanzierbar machen würden. Dann wäre die Schweiz Griechenland, wo die Bahn- und andere Staatsangestellte bei niedrigsten Leistungen sehr hoch bezahlt wurden. Eigentlich sind wir auf der gleichen Spur.

Coop hilft armen Schweizern

Mittwoch, den 29. Dezember 2010 um 9:26

Früher haben wir Päckchen in die DDR und andere Ostblock-Staaten gesandt; Zürich war eine bedeutende Drehscheibe für diese Versände aus ganz Europa in arme Nachbarstaaten. Heute spendet die Coop Waren im Wert von über einer halben Million Franken zugunsten von „Menschen, die den Rhythmus der modernen Arbeitswelt einfach nicht mehr mithalten können“, „Eltern“, die weder sich noch den Kindern etwas gönnen können“ oder „Familien, deren Einkommen einfach nicht ausreicht, um Steuern und Krankenkassen zu bezahlen“. Am 2. Januar fährt ein Postauto durch die Schweiz (eines!) und sammelt Pakete mit überflüssigen Weihnachtsgeschenken ein, die dann an das Prekariat verteilt werden. So präzise wurde Armut in der Schweiz, einem der reichsten Staaten der Erde, noch nie beschrieben. Wer glaubt, der Schweizer Mittelstand könne sich dem Prozess der Verarmung, wie wir dies in England und Deutschland beobachten, entziehen, irrt gewaltig. In Ungarn hat die konservative Regierung dem Volk soeben die Einzahlungen in die 2. Säule gestohlen, 13 Mia. Franken, 8% des Monatseinkommens eines jeden Ungarn, um den Staatshaushalt zu sanieren. Ist nun jeder siebte Schweizer arm oder schon jeder sechste? 2011 wird weisen, wohin die Richtung geht.

St. Galler wollen neue SBB-Tarifstruktur

Mittwoch, den 29. Dezember 2010 um 8:26

Kaum jemand hat diesen klugen Vorschlag aus dem Osten der Schweiz ernst genommen. SBB-VRP Dr. Ulrich Gygi, oberster Verteidiger des Staatskonzerns, lehnte ihn sofort ab, weshalb die Schweizer Medien das Thema gleich wieder vergassen. Worum geht es? Kurt Weigelt, Direktor der IHK St. Gallen, will das aus dem 19. Jahrhundert stammende Tarifmodell der SBB, das auf der Streckenlänge beruht, durch einen „Tempotarif“ ablösen. Danach muss mehr bezahlen, wer schneller fährt. Die Ostschweizer sind ohnehin mit den Leistungen der SBB wenig zufrieden. Sie zahlen, wie alle Schweizer, beträchtlich via Steuern an die SBB, erhalten aber mit 720 Mio. Franken nur 1,6 % der SBB-Investitionen. Gygi, vor einem Schuldenberg stehend, blieb taub auf diesem Ohr.

UBS-Chefökonom belehrt die USA

Mittwoch, den 29. Dezember 2010 um 8:26

Wenn UBS-Chefökonom Andreas Höfert spricht, ist dies eine Stimme mit „autoritas“, steht dahinter doch die grösste, wenn auch nicht die bestgeführte Schweizer Bank. Höfert widmet sich dem „Trilemma des amerikanischen Traums“ und kommt zum Schluss: „Die Amerikaner könnten endlich zur Kenntnis nehmen, dass Sparsamkeit die einzige Möglichkeit ist, langfristig nachhaltiges Wachstum und den ersehnten Handelsbilanzüberschuss zu erreichen.“ Da die reichsten zehn Prozent der US-Amerikaner für ein Drittel des Konsums verantwortlich sind, darunter viele UBS-Mitarbeiter in den USA, darf nicht damit gerechnet werden, dass die Höfert’sche Empfehlung auf offene Ohren trifft. Die Obama’schen Steuerentscheide, wie sein Geld-Wasserwerfer FED auch, machen deutlich, dass Höfert in Washington nicht über jenen Einfluss verfügt, den zu vermuten man geneigt wäre.
Es ist ohnehin stets überraschend, wie unsere Käseblätter aus dem Thurgau oder der Innerschweiz sich stets bemühen, die Welt zu belehren. Dahinter steht die Haltung, an unserem Wesen könne die Welt genesen. Welcher Irrtum! Wir sind ein Sonderfall, der in 150 Jahren geschaffen wurde, aber auch ein Auslaufmodell, weil wir an einer Vision festhalten, die längst zur Halluzination geworden ist. Merke für 2011: Die Schweiz ist ein Standort für die Superreichen der Welt und deren Firmen geworden; die „alte Schweiz“ wird subventioniert und geistig der SVP ausgeliefert.

Unternehmer oder Raubtier?

Freitag, den 24. Dezember 2010 um 11:19

Wir müssen uns viele Jungunternehmer eher wie Raubtiere vorstellen. Chodorkowkij, der von Putins Richtern nach Sibirien gesandt wurde, war nie ein netter Mensch. Er hat, wie andere Oligarchen auch, vieles an sich gerissen, als Jelzin dies nicht verhindern wollte. Chodorkowskij hat unliebsame Publikationen unterdrückt, Verleger sogar verurteilen lassen, ganz wie er jetzt verurteilt wurde. Zu Guttenberg ist ein elegantes Raubtier anderer Art. Er hat begriffen, dass seine Auftritte dem Volk gefallen, die mit seiner Frau noch mehr. Es geht, wie in Moskau, nicht um Schönheit, sondern um Macht. Vor wenigen Jahren musste ein deutscher Verteidigungsminister zurücktreten, weil er nach einem Besuch in Bagdad zur Freundin in Mallorca in den Pool sprang; die Presse durfte den verliebten Minister dabei fotografieren. Zu Guttenberg hatte dies wohl vergessen, zumal ein Kerner kein Journalist ist, sondern ein Honigtopf-Interviewer. Die smarten Jungs, die jetzt auch bei uns wieder Banken gründen, tun dies sicher nicht mit Priorität, um Anlegern Zins zu bezahlen. Es geht vielmehr darum, aus smartem Geld noch mehr zu machen. It’s the money, stupid. Achtung, Anwälte sind keine Ausnahme. In Deutschland verlangen sie zum Jahresanfang gleich 15% höhere Honorare.

Sozialkompetenz als Wundermittel

Freitag, den 24. Dezember 2010 um 9:01

Jeder zweite Bewerber stellt sich vor mit der Bemerkung „Ich habe eine hohe Sozialkompetenz“. Das ist erfreulich, denn diese Bewerber sind schlank, sportlich, lächeln, kommen gerade vom Coiffeur, und sprechen verständlich. Wenn ich dann frage „Wie ist es um Ihre Methodenkompetenz bestellt?“, brechen die sorgfältig aufgebauten Strukturen zusammen. Die IT-Kompetenz wird am Facebook aufgegleist, die Schreibkompetenz ist überwiegend ungenügend. Ein Zürcher Rektor sagte dazu: „Intellektuell sind die Lernenden sicher nicht schlechter als früher, wenn auch nicht mehr in der humanistischen, sondern in einer anderen Richtung.“ Er sagte dann nicht mehr, in welcher.

 
     
     
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