Bildungsbürgertum im Abstieg
Donnerstag, den 11. November 2010 um 15:37Adolf Muschg ist ein gutes Beispiel dafür, wie unser literarisches Bildungsbürgertum sich im Abstieg befindet. Auch Hugo Loetscher, obwohl aus einfachen Verhältnissen, rechnete sich diesem Publikum gerne zu. Seine Werke haben wir masslos überschätzt. Über die Schweizer Literatur aus den Köpfen von Pfarrern und Söhnen von Pfarrern, deren Werke oft lustig, fröhlich, besinnlich oder auch nur schnurrig sind, liesse sich ein neues Buch verfassen. Jetzt kommt die ärmliche, aber höchst sensible Proletarierin Nadj Abonji und schnappt unserer linken oder auch nur dekadenten Kulturelite den schönsten Literaturpreis weg. Warum? Wir sehen die Welt nicht mehr, wie sie wirklich ist. Wir tragen getönte Brillen, hören nur noch, was wir hören wollen, verweigern uns dem Neuen und bestehen auf unseren Volkscharakter. Das ist chancenlos.

