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Tagesarchiv für 1. November 2010

Merkwürdiger Medienball

Montag, den 1. November 2010 um 17:05

Der Zürcher Medienball war einmal ein Presseball, dessen Erlös notleidenden Journalisten zu gute kam. Der jüngste Medienball im unglücklich erneuerten „Dolder Grand“ verkam zu einer Werbeveranstaltung für das ärmste deutsche Bundesland, Mecklenburg-Vorpommern, weshalb der höchste Stargast eine „Miss Mecklenburg“ war, die „Söhnlein Sekt“ ausschenkte, den man sonst bei uns sofort in den Küchenabfluss kippt. Es waren auch kaum Journalisten anwesend, sondern Altverleger wie H.H. Coninx, alt SRG-Chefs wie Armin Walpen und Sexheftli-Verleger Jürgen Marquard. Die Deutschschweizer Selbstdarstellungs-Gesellschaft behauptet sich: Manager und Unternehmer feiern, Journalisten sind zu einer „quantité négligable“ geworden. Das ist natürlich keiner der berichtenden Sonntagszeitungen aufgefallen.

Schweiz verdient an US-Kriegen

Montag, den 1. November 2010 um 15:22

Es gibt keine Bilanz, wie viel die Schweizer Wirtschaft an den US-Kriegen im Irak und Afghanistan verdient, aber es dürfte sich um beachtliche Summen handeln. Ein Beispiel: Die amerikanischen Kriegsveteranen erhalten Phonak-Hörgeräte von Andy Rihs‘ Sonova-Gruppe. Weil die kriegerischen Handlungen jetzt nachlassen oder aufgrund von Erfolglosigkeit mindestens abnehmen, sinkt auch die Zahl der Kriegsopfer und der Umsatz von Sonova in diesem Bereich.

Wenn ein Bundesrat keine Zeitung mehr liest

Montag, den 1. November 2010 um 15:22

Alt Bundesrat Hans-Ruedi Merz wollte sonntags keine Zeitung mehr lesen, „um mich nicht aufzuregen“. Schade, denn wer die Wirklichkeit nicht mehr zu ertragen vermag und sie nur noch per Filter via Mitarbeiter zu sich vordringen lässt, wird früher oder später immer stürzen. Die Welt, welche viele unserer Spitzenpolitiker wie -Manager wahr nehmen, ist nicht identisch mit der wirklichen Welt. Bei Politikern ist dies tragisch, weil damit ihre Handlungsfähigkeit sinkt. Unternehmer verspielen auf diese Art ihre Firmen.

Ein vergleichbares Schwächezeichen ist die Formulierung „Interviews nur noch schriftlich“, wie sie derzeit von Sonja Wollkopf, der Direktorin der zusammen brechenden Greater Zurich Area, benutzt wird. Diese Abwehr verrät, dass der angestrebte Gesprächspartner es nicht mehr wagt, aus dem Stand mündlich zu antworten.

In beiden Fällen gilt: Frühe Zeichen eines kommenden Untergangs.

SP Schweiz: Ein klarer Fall von Entfremdung

Montag, den 1. November 2010 um 12:55

Die Partei entfremdet sich immer mehr von ihrer Wählerschaft: Wo waren gestern die Vertreter der 38 Prozent SP-Wähler (SRG-Umfrage vom Oktober), welche die Ausschaffungsinitiative unterstützen? Die Partei hat sich gestern deutlich für die Ablehnung von Initiatvie und Gegenvorschlag ausgespochen. Dafür wurde die “Überwindung des Kapitalismus” im Parteiprogramm festgeschrieben und wird die “Vision” der “Wirtschaftsdemokratie” aufrechterhalten. Parteipräsident Christian Levrat prognostiziert derweil 2011 einen Wahlsieg. Die Steigerung der Vision ist die Halluzination.

Philippe Welti

Zwei grosse Schweizer sind gegangen

Montag, den 1. November 2010 um 11:41

Wenige Monate nach Nicolas G. Hayek ist auch Branco Weiss gestorben. Der gebürtige Libanese und der gebürtige Kroate, der eine durch seine Schweizer Frau, der andere durch eine Pflegemutter in der Schweiz sozialisiert, sind zu grossen Schweizer Unternehmern geworden. Zwischen Branco Weiss und Nicolas G. Hayek spielte stets ein verdeckter Wettbewerb, wer der innovativere von beiden sei. Das ging so weit, dass Nicolas G. Hayek aus den Händen von Branco Weiss den Preis „Unternehmer des Jahrzehnts“ entgegen nahm. Hayek freute sich darüber, Weiss auch, denn der Gebende erweist sich stets bedeutender als der Nehmende. Eine besonders spannende Beziehung unterhielt Weiss auch zu Fritz Gerber, der sich als VR-Präsident von Roche weigerte, dem gleichaltrigen Zürcher einen hohen zweistelligen Millionenbetrag als Restzahlung für den Verkauf der Kontron an Roche zu bezahlen. Nach einer fast zehnjährigen Auseinandersetzung beglich Roche die ausstehende Summe mit Zinsen. Besonders verbunden war Branco Weiss der Winterthurer Familie Reinhardt, die mittels Stipendium sein Studium finanziert hatte. Als er zu Vermögen kam, liess er sich in Winterthur anmelden und gab das Geld mit Zinsen mit den Worten zurück: „Das Geld war gut angelegt; tut wieder das gleiche damit.“

Weiss, im Unterschied zu Hayek, blieb ohne leibliche Kinder. Seine Kinder waren die Hochschulen und Wissenschaftler der Welt, die er grosszügig bedachte. Seine Frau und seine Sekretärin unterzeichneten die Todesanzeige.

Globalisierung marsch!

Montag, den 1. November 2010 um 8:28

Die „nationalen Besonderheiten“ werden in der EU künftig abnehmen und die Globalisierung gehe weiter, liess sich Prof. Dr. Hans Tietmeyer, einst deutscher Bundesbank-Präsident, vor dem Schweizerischen Institut für Auslandforschung vernehmen. Der knorrige, unbestechliche und gradlinige Westfale (Martin Meyer, NZZ), das ist die deutsche Variante des Urners, verlangte Transparenz der EU-Staaten und eine verantwortliche Fiskalpolitik, um den Budgetdefiziten Herr zu werden. Wahrscheinlich genügten dazu die EU-Behörden nicht, weshalb eine unabhängige Instanz notwendig werde. Die zahlreich erschienenen Zuhörer hatten von dem deutschen Steinbeisser inhaltlich mehr erwartet.

Bern, eine „entschleunigte Stadt“

Montag, den 1. November 2010 um 8:28

Der aus St. Gallen kommende neue Direktor des Berner Traditionshotels „Schweizerhof“, das von der Vorbesitzerfamilie Gauer erfolglos geführt und dann verkauft wurde, nennt Bern „eine entschleunigte Stadt“. Wie recht er hat. Der Kanton Bern erhält von den reichen Schweizer Kantonen jährlich fast eine Milliarde Franken Unterstützung. „Nur nit geschprengt“, heisst in Bern die Stadthymne. Der „Schweizerhof“ gehört auch nicht mehr den Bernern, sondern dem Scheich von Katar, der etwas schneller ist. Verschwunden ist die Arcady-Bar, wo ich vor 40 Jahren von Divisionär Dr. Gustav Däniker in die Schweiz engagiert wurde. Ein blaues arabisches Gewand, die Djellabah, trage ich schon lange. Vielleicht wird sie einmal die neue Berner Tracht sein.

Abbau bei Basler Museen

Montag, den 1. November 2010 um 8:28

CHF 2 Mio. müssen die weltberühmten Basler Museen im kommenden Jahr einsparen. Das bedeutet Entlassungen, kürzere Öffnungszeiten und viele Einschnitte mehr. Die steinreichen Basler Milliardärs-Familien haben der Stadt ein mehrjähriges Steuersenkungsprogramm ihrer Firmen verordnet. Niemand von ihnen hat sich bereiterklärt, seinem Basel zu Hilfe zu kommen. Erstes Scheitern bedeutet dies auch für den linksgrünen Stapi Guy Morin, der mit mehr Verwaltungsauflagen für die Museen die Sache nicht besser macht.

In St. Gallen hat das Stadtparlament gleichzeitig CHF 2 Mio. an Zuschüssen zur Sanierung des Fussballstadions des ältesten Schweizer Fussballclubs, des FC St. Gallen, abgelehnt. Das aufwändige Denkmal für den Küchenbau-Unternehmer Dr. Edgar Oehler kann jetzt nur noch vom Kanton St. Gallen gerettet werden, der zu seinen geplanten CHF 4 Mio. zwei weitere Milliönchen locker machen müsste.

 
     
     
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