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Monatsarchiv für Oktober 2010

Macht Nestlé krank?

Donnerstag, den 28. Oktober 2010 um 14:38

Die stigmatisierten Hersteller von Zigaretten werden kaum Freude daran haben, dass nun auch die Nahrungsmittelkonzerne fürchten, ebenso wie sie zu enden. Der Hunde- wie Katzenfutter und Lebensmittel für Menschen herstellende Viviser Konzern Nestlé warnt in Deutschland vor dem hemmungslosen Konsum von Fertigpizzen, Suppentüten und Schoko-Riegeln. Deutsche Kinder sollen nicht Fastfood und Süssigkeiten in sich hineinstopfen, wie dies von Nestlé massenhaft angeboten wird, sondern wieder lernen, wie man Frisch brät und den Umgang mit einer Avocado lernen. „Softdrinks und Eiscrème können ihr Leben zerstören.“ Solche Aufschriften, wie sie in der Zigarettenindustrie üblich sind, werden von Nestlé gefürchtet. In der Schweiz hat die Kampagne noch nicht begonnen.

Fiskalische Wortspiele

Donnerstag, den 28. Oktober 2010 um 14:38

Meine Steuern würde ich schon gerne zahlen. Das Wort Fiskus stammt von jenem Körbchen („fiscus“), das der römische Kaiser Augustus zirkulieren liess, um seine Ausgaben zu bestreiten. Der Begriff Steuern stammt vom altmittelhochdeutschen „stiure“ im Sinne von Stütze oder Pfeiler. Man darf sich seither fragen „Wer stützt wen?“ Abgaben sind abgeleitet von mittelalterlichen Kontributionen, was die Sache für den Steuerzahler nicht einfacher macht. Lenkungsabgaben, z. B. für Ökologie, sind ein netter Begriff für Steuern neuerer Art. Wie immer es heisst, gezahlt muss werden.

Dölf Ogi freut es wieder

Donnerstag, den 28. Oktober 2010 um 14:38

Schon beim Durchstich des Gotthard-Basistunnels kam von seinen Lippen ein vorsichtiges „Freude herrscht“. Dölf Ogi, der zum vorzeitigen Untergang der Schweizer Armee vieles beigetragen hat, weil er sie der NATO annähern und gleichzeitig national stark behalten wollte, der die letzte Schweizer Olympia-Bewerbung in den Sand setzte, der aber ob des Lötschberg-Basistunnels immer als Ehrenwalliser überleben wird, will nun wieder eine Schweizer Olympiabewerbung. Doch, „es fehlt der begeisternde Blick auf die Zukunft“, stellt der grösste Strahlemann des Landes fest. Wie recht er hat.

Zeitlich beschränkte Medienvielfalt

Donnerstag, den 28. Oktober 2010 um 10:42

Tamedia-Verleger Pietro Supino verspricht, auch im Grossraum Zürich die Medienvielfalt zu erhalten. Die „Zürisee Zeitung“ werde auch künftig eine Vollzeitung bleiben und solle daher weiter, neben dem „Tagi“ abonniert werden. Zum Beweis seiner Haltung fügt er hinzu, auch im Grossraum Bern habe Tamedia „die Vielfalt der Zeitungen erhalten“. Das stimmt nur zur Hälfte. Die „Berner Zeitung“, die ländliche Zweitzeitung im Kanton Bern, wird soeben zu einer Regionalzeitung degradiert, die nur noch lokale und Sportinteressen bedienen wird. Der „Bund“, die „Hauptstadtzeitung“, besteht in den nationalen Teilen zu 80 % als Artikeln, die auch im „Tagi“ zu lesen sind. Ganz falsch dürfte daher die Annahme nicht sein, dass auch die „Zürisee Zeitung“ nach angemessener Übergangsfrist den Weg der „Berner Zeitung“ gehen wird. Die Titelvielfalt bleibt vielleicht, aber die Inhalte schrumpfen an Vielfalt wie an Substanz.

Zollikon und Zumikon sabotieren andere Seegemeinden

Donnerstag, den 28. Oktober 2010 um 9:01

Während ein Dutzend wohlhabende Gemeinden rund um den Zürisee Sturm laufen gegen den neuen kantonalen Finanzausgleich, der ihre Bürger ungebührlich belastet, ist die Zolliker Gemeindepräsidentin Katharina Kull aus diesem Verband ausgeschieden. Sie wertet ihre Tätigkeit als FDP-Kantonsrätin, wo sie den Finanzausgleich an führender Stelle vertreten hat, höher als die Aufgabe der Zolliker Gemeindepräsidentin, die ihre Einwohner und deren Rechte zu verteidigen hat. Gleiches gilt für den ehemaligen Zumiker Finanzvorstand Rolf R. Zimmermann, der sich, auch Kantonsrat, auf die Seite der Empfänger geschlagen hat. Wozu wählt das Stimmvolk eigentlich Politiker, wenn diese dann andere Interessen vertreten?

Lehrer wollen wie Banker verdienen

Donnerstag, den 28. Oktober 2010 um 9:00

„Die Besoldung der Lehrpersonen muss sich den Löhnen für vergleichbare Arbeit in der Privatwirtschaft angleichen“, sagt Lehrer-Funktionär Tumasch Cathomen aus Uri. In der Zentralschweiz verdient ein Lehrer bei Berufseinstieg ca. CHF 85’000.–, ein Angestellter der Verwaltung ca. CHF 110’000.–. Angehende Banker erhalten fast CHF 125’000.–. Die Lehrer malen Rekrutierungsprobleme an die Wand, wenn sie nicht mehr Cash erhalten.

Held McChrystal

Donnerstag, den 28. Oktober 2010 um 9:00

Wie sieht ein amerikanischer Held aus in einer Zeit, wo die USA alle Kriege verlieren. General McChrystal, ein hagerer Asket, joggt jeden Tag mindestens 12 Kilometer. Er nimmt nur eine Mahlzeit täglich zu sich und kommt mir vier Stunden Schlaf aus. Dann gibt er ein paar dumme Interviews und seine Karriere ist zu Ende.

Wenn schon US-Generäle derart einfach konstruiert sind, wie muss es dann um die Offiziere und die Soldaten stehen?

Nach Berlin auswandern?

Donnerstag, den 28. Oktober 2010 um 9:00

Es soll Schweizer geben, die nach Berlin auswandern wollen. Manche wollen auch nach München, aber angesichts der Nähe der bayrischen Hauptstadt zur Schweiz lohnt sich ein Umschreiben der Papiere nicht.

Wer als Schweizer nach Deutschland auswandern möchte, muss sich vergegenwärtigen:

– Er muss den relativ grössten Sozialhilfesektor der Welt mit finanzieren.
– Er muss den teuersten Renten- und Pensionssektor der Welt finanzieren.
– Er zieht in einen Staat, wo ein Viertel aller Jugendlichen ohne Ausbildungsreife sind, die wütend sind und versorgt werden müssen.
– Er behält Netto nur knapp 45 % seines eigenen Einkommens in der Tasche.
– Er muss angesichts der deutschen Vergreisung damit rechnen, keine vernünftige Altersversorgung zu erhalten.

Merke: Wer als Schweizer nach Deutschland auswandert muss einen Knall haben.

Schweizer Armee à l’Allemagne

Mittwoch, den 27. Oktober 2010 um 13:42

Wenn Baron von Guttenberg die deutsche Armee jetzt auf 180 000 Mann herabfahren will, genügen. in analoger Rechnung, der Schweiz 20 000 Mann, um die innere Sicherheit aufrecht zu erhalten und das Land zu verteidigen. Guttenberg will die Armeespitze verkleinern und die Eingreiftruppen für Auslandeinsätze ausbauen. Wie auch immer, wir haben keine andere Wahl.

UBS in „10 vor 10“: Ein Skandal

Mittwoch, den 27. Oktober 2010 um 13:38

Die spätabendliche Nachrichtensendung „10 vor 10“ des Schweizer Fernsehens hat gestern anstelle kluger Analyse der jüngsten Zahlen einen Werbefilm des UBS-Konzerns abgespielt. Dümmer geht es nimmer. Während die ganze Welt weiss, dass die UBS-Ergebnisse, wie sie jetzt vorgelegt wurden, weiterhin schwach sind und die Bank hinter den Leistungen nicht nur der CS Group, sondern auch anderer Bankkonzerne zurückhinkt, liefert „10 vor10“ einen gedankenlosen Werbefilm über die Bank. Der hoch gelobte Zuwachs an neuem Vermögen von CHF 1,2 Mia. beruht alleine auf kleinen Erfolgen in Asien. In den USA und der Schweiz, den anderen „key markets“ der Bank, läuft viel zu wenig. Ich erinnere mich an einen anderen einstigen Schweizer Spitzenbankier, Lukas Mühlemann, der einmal sagte: „Eine Milliarde Franken liegt im Bereich der Tagesschwankungen.“ Oswald J. Grübel und sein Team mühen sich, aber viel mehr, einmal von einem Abbau von 10 000 Stellen in der Bank, ist nicht geschehen.

 
     
     
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