Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  

Weblog

Tagesarchiv für 25. Oktober 2010

Gute Vorsätze, fehlender Hintergrund

Montag, den 25. Oktober 2010 um 16:25

Die guten Vorsätze, welche Marcel Ospel und Peter Wuffli während Jahren in allen Festreden verkündeten, änderten nichts an der Tatsache, dass sie Grossrisiken falsch einschätzten, personelle Fehlentscheide trafen und eigentlich vor Gericht gestellt werden könnten, wie Prof. Dr. Peter Forstmoser in seiner UBS-Studie schreibt.

Gute Vorsätze treiben auch Sepp Blatter, den FIFA-Präsidenten, an. Am liebsten würde er alle umarmen, mit armen Kindern in Afrika, Asien und Lateinamerika Tischfussball spielen, aber die Welt ist nicht so. Er muss sich mit Freunden im Weltfussball herumschlagen, die lieber rasch reich als anständig werden.

Ein besonderer Fall ist Migros-Herbert Bolliger, dem man eines Tages die Krone wird reichen können, dass in seiner Ägide der Geist von Gottlieb Duttweiler endgültig verfolg. „Swissness ist den Kunden egal“, sagt er, wobei er sicher nicht seine Schweizer Kunden meint, sondern jene wachsende Zahl von Ausländern, die er in seinen Konsumtempeln von den Leistungen von Coop, Aldi und Lidl abzulenken sucht. Die Migros hat die Swissness verloren: Wo ist die Genossenschaft geblieben, wo das Kulturprozent, wo das Gottlieb Duttweiler-Institut? Von allen, die einst Swissness verkörperten, ist wenig zu hören. Wer nur, wie Bolliger, den vollen Warenkorb seiner Kudnen sieht, vergisst, dass Zuneigung wichtig ist. Die Swissair wusste es, die Swisscom weiss es noch. Der GE Money Bank hat er dafür die Türen geöffnet, dass die Migros-Kunden über die Cumulus-Karte Kleinkredite aufnehmen können; eine Beteiligung am Umsatz dürfte sicher gestellt sein.

Wie überall um das „Netto“ gekämpft wird, legt Martin Naville, CEO der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer in Zürich, angesichts der sich an knapp 9000 Schweizer Steuerpflichtige richtenden SP-Steuerinitiative auf den Tisch, wenn er sagt: „Ohne tiefe Steuern – auch für Chefs – rechnet sich der Standort Schweiz für viele Firmen nicht.“ Wenn die us-amerikanischen Chefs in den Zürcher Spitzenrestaurants also gut essen gehen und teure Häuser beziehen, weil sie keine Steuren bezahlen müssen, ganz wie Craig Dougan, CEO der Credit-Suisse Group, dann dürfen die anderen Schweizer dafür arbeiten und Steuern zahlen, damit es unseren Spitzen-Gastarbeitern hier gefällt und sie ein „easy life“ haben. Ich höre Peter Bodenmann’s höhnisches Gelächter aus dem Oberwallis Brig, wo der vormalige SP-Präsident in Jahren harter Arbeit das erfolgreichste Hotel aufgebaut hat. Die viel gelobte Corporate Social Responsibility erstreckt sich nicht auf die Ebene von Steuerfragen.

Das gilt auch für den als seriös geltenden Schweizer Schwingersport. „Begehrt, ruhig und bescheiden“ heissen die Begriffe, mit welchen Schwingerkönig Kilian Wenger als Vorbild für viele beschrieben wird. In Wirklichkeit prügeln sich Verbandsspitze und Schwingerkönige um die Erträge aus den Werbeverträgen. Jetzt ist auch die Bastion der Schwinger gefallen, wenn es um Geld geht.

Der Sport hat ein Imageproblem

Montag, den 25. Oktober 2010 um 13:29

Der Kampf gegen das Doping beginnt uns zu langweilen. Ob nun die alten DDR-„Ärzte“ die Läufer oder spanische Schlaumeier die Velofahrer hilfreich unterstützen, ist der Mehrheit aller Menschen gleichgültig. Wer sich als junger Sportler körperlich ruinieren will, um zu den Siegern zu gehören, ist selbst schuld.

Jetzt hat der Sport, mindestens aber der Weltfussball, auch ein Korruptionsproblem. Bundesrat Ueli Maurer will eine Gesetzeslücke schliessen lassen, wonach die in der Schweiz ansässigen Sportverbände (die bekanntesten sind das IOC, die FIFA und die UEFA) nicht mehr von juristischer Verfolgung freigestellt sind, werden deren Angehörige („Die FIFA-Familie“, Sepp Blatter, Präsident) der Korruption beschuldigt. Das Lächeln hinter den Stockzähnen weicht einem verzerrten Grinsen, wenn es um derlei Affären geht.

Kaum scheinen die Grossbanken einigermassen gezügelt, baut sich in der Schweiz eine neue Skandalwelle auf, die den Ruf unseres Landes weiter schädigen wird. Es gibt offensichtlich solche, die vom guten Ruf der Schweiz leben, um ihn gleichzeitig zu zerstören. Der Sport, eine in Massen betriebene nützliche Institution, ist im Begriff, als Sündenbock für falschen Ehrgeiz, hinter einer dunklen Wolke zu verschwinden, die man Imageproblem nennt. Das ist in einem Staat der weissen Westen, wie sich die Schweiz sieht, kein schöner Anblick.

Bürgerliche Vorspiele

Montag, den 25. Oktober 2010 um 12:14

Der SVP Schweiz wird nachgesagt, sie werde die Herbstwahlen 2011 auf jeden Fall gewinnen, weil wachsende Teile des Volkes frustriert seien und das Team Blocher/Frey über den Willen wie die Finanzmittel verfüge, um einen perfekten Wahlkampf zu realisieren. Dem steht entgegen, dass sich die Berner SVP in Wadenbeissereien mit Austritten verfangen hat und die Lage in der Westschweizer SVP, einmal abgesehen vom Walliser Star Oskar Freysinger, unübersichtlich ist. Die CVP, einst mit dem Traumteam. Darbellay/Leuthard angetreten, bleibt im Kern eine kantonal verankerte Partei, die von Clans geführt wird, welche die Landwirtschaft, die Bauwirtschaft und den Tourismus fördern; der Rest, wie Sozial- und Familienpolitik, bleibt freie Manövriermasse. Diese gesellschaftliche Schicht schmilzt langsam, weil sie staatlichen Schutz geniesst. Bisher ist der Beweis nicht erbracht, dass die Aargauer Überfliegerin neue Wählergruppen aktiviert. Der angesehene Freiburger CVP-Ständerat Urs Schwaller fährt ohnehin eine ausgeprägt eigene politische Linie. Die FDP hat nach eigener Ansicht den „genialen Strategen“ Fulvio Pelli, dazu den wenig sichtbaren Didier Burkhalter und einen Joker namens Johann Schneider-Ammann in der Tasche. Sie ist mehr als alle anderen Parteien von einer perfekten 10-Monats-Kampagne abhängig, die jetzt begonnen hat. Es fehlen ihr allerdings die Financiers, da Pelli den Novartis-Chef verärgert hat und das Interesse der beiden im ausländischen Besitz stehenden „Schweizer“ Grossbanken am Standort Schweiz immer geringer wird: Geschäft ja, Politik nur soweit notwendig. De facto ist die FDP eine KMU-Partei geworden, die am Zügel der économiesuisse läuft, während bei der auftrumpfenden SVP viel mehr Schweizer Kapital zu finden ist. Die neubürgerliche Partei der Staatsbeamten, des Hochschul- und Gesundheitskaders, die SP Schweiz, ist mit Christian Lévrat bisher einen akzentuiert welschen Linkskurs gefahren, kommt damit aber in der Deutschen Schweiz nur wenig an. Ob die SP die Korrektur nach rechts schafft und damit auf die Linie ihrer neuen Bundesrätin Sommaruga einschwenkt , kann bezweifelt werden, ist aber für die kommenden Wahlen nachteilig. Die Grünen und Liberalgrünen, zwei Fata Morgana-Parteien ohne eigentliche Wirkung, werden die Wahlen im Lehnstuhl gewinnen, weil die Fraktion der Umwelthysteriker an Hochschulen und in den Medien für sie einen Gratis-Wahlkampf führt. Ganz abseits steht die BDP, die ausser in ihren Stammkantonen kaum Köpfe aufzuweisen hat. Sie kann von traumatisierten Altrechten profitieren, die von der SVP und der FDP die Nase voll haben, aber ein Grunder macht noch keinen Frühling.

Ex-FIFA Generalsekretär mit weisser Weste?

Montag, den 25. Oktober 2010 um 10:27

Vor Jahren hatte Zen-Ruffinen gegen den Boss der Fifa geputscht und ist dabei sang und klanglos untergegangen. Sicherlich war Herr Zen-Ruffinen kein Freund von Blatter. Deshalb gibt er den Medien jetzt auch Informationen, die dem Ansehen der FIFA ganz klar schaden. Doch als ehem. Generalsekretär wusste er sicherlich schon damals über die gängigen Praktiken Bescheid. Sogar, dass die Dienste gewisser Frauen in Kauf genommen wurden, müsste der Ethik-Kommission der FIFA besonders übel aufstossen.

Zen-Ruffinen ist beleidigt und will die Journalisten einklagen. Er war gierig wurde ertappt, was natürlich extrem peinlich für einen Anwalt ist. Aber es ist sein Recht zu klagen, doch sein Image als Ehrenmann hat er verloren. Hätte er gewusst, dass es sich um ein fingiertes Treffen handelt, hätte er den beiden Interviewer sicher nicht diese brisanten Informationen gegeben. Im Nachhinein ist man eben immer schlauer.

Fidel Stöhlker

Keine Angst vor Klimaveränderungen

Montag, den 25. Oktober 2010 um 8:54

Es ist schrecklich, wie die Menschen bei uns Angst haben vor Klimaveränderungen; dabei ist praktisch noch gar nicht passiert in die Schweiz. Die schmelzenden Gletscher sind ein Phänomen, das alle paar zehntausend Jahre zu beobachten ist. Die Abbrüche in den Bergen finden seit 11 000 Jahren statt, wovon die heutigen die kleinsten sind. Wirkliche Klimaveränderungen erleben wir in Zentralasien. Aufgewachsen bin ich mit den Geschichten des Oxus, des Amudarja und des Syrdarja, einst magische Landschaften. Heute herrscht dort der Kampf um das Wasser, wie er von Nestlé-Präsident Peter Brabeck-Letmathé beschrieben wird. Der Aral See ist innert einer Generation eine Pfütze geworden. Es tröstet wenig, dass auf seinem Grund Siedlungen gefunden wurden, was frühere Trockenzeiten in Erinnerung ruft. Unser menschlicher „ökologischer Fussabdruck“ ist viel zu klein, um Grosses zu bewirken. Wer wirklich die Umwelt verschmutzt, die IT-Industrie, die Landwirtschaft, der Flugverkehr, will ohnehin niemand wahrhaben.

Unhöfliche Europäer

Montag, den 25. Oktober 2010 um 8:54

Wenn ich zu Peter Meier zweimal Franz Müller sage, wird dieser beleidigt sein. Wie wir mit arabischen, nordafrikanischen oder iranischen Namen umgehen, ist ein Jammer und verrät wenig Respekt:

– Muammar al-Gaddafi hat sich einmal beschwert, dass die Schweizer nicht einmal seinen Namen richtig schreiben könnten.

– Der iranische Regierungschef wird bei uns meist Ahemdinejad genannt; in Wirklichkeit heisst er Ahmedi Nejad.

– Der arabische Held, weil er die Christen besiegte, heisst nicht Saladin, wie in unseren Märchenbüchern, sondern Salah al-Din.

– Osama bin Laden, dessen Herkunft als US-Agent viele Fragen offen lässt, heisst in Wirklichkeit Usama bin Ladin, eine Tatsache, die an der Lage in Afghanistan wenig ändert.

Als Europäer sollten wir uns darum bemühen, die anderen ernst zu nehmen. Der richtige Name ist ein Anfang.

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog