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Tagesarchiv für 22. Oktober 2010

Explodierende Überwachungsstaaten

Freitag, den 22. Oktober 2010 um 13:48

Wer Westeuropa aus dem Weltall betrachtet, sieht unter sich Staaten, die wie ein Käsefondue aus dem Wallis Blasen werfen. In Stuttgart gehen seit Monaten zehntausende von Menschen gegen ihre Regierung auf die Strasse. In Neapel spielt sich das gleiche ab, weil die Regierung in Rom ganze Dörfer hinter Abfallbergen begraben will. Grosse Teile Frankreichs gehen auf die Strasse gegen die Regierung Sarkozy. Der englischen Bevölkerung steht das schlimmste Sparprogramm ihrer Geschichte seit Margaret Thatcher bevor und niemand weiss, ob der englische Pragmatismus (die Kunst, sich anzupassen) die Oberhand behält. In Athen sind wir seit Monaten an Demonstrationen gewöhnt, Spanien und Portugal zeigen Bewegung.

Während die Völker Westeuropas unter einem Spar- und Kontrolldruck liegen, der in den kommenden drei Jahren nur zunehmen kann, erfreut sich die regierende Klasse immer grösserer Freiheiten. Die Regierung Sarkozy hat Mme. Bettancourt bevorzug und viele andere Superreiche. In Italien arbeitet Berlusconi nur in seine eigene Tasche. Und in der Schweiz? Die UBS-Banker laufen frei herum, obwohl Prof. Peter Forstmoser in seinem Gutachten festgehalten hat, man könne Klage gegen sie erheben. Das Trio Pecik-Stumpf-Wekselberg kauft sich mit CHF 10 Mio. billiger als erwartet von dem Finma-Vorwurf frei, der Kauf der Sulzer-Aktien sei nicht rechtens gewesen. Eine Schuldanerkennung sei dies dennoch, sagt das Finanzdepartement.

Derweil liegt das Schweizer Volk unter einer sich verdichtenden Video-Glocke, wo seine Bewegungen umfassend kontrolliert werden. Mit den Instrumenten der IT-Industrie können mittels Kreditkarten und Internet die Handlungen einzelner zusätzlich kontrolliert werden. Wer sich auf den Strassen mit einem Auto bewegt, wird von den Radargeräten der Ustermer Firma Multinova gnadenlos „abgeknallt“ und der Polizei ausgeliefert. Ich habe, wie viele andere auch, seit über 40 Jahren keinen Unfall gebaut, liege aber ständig unter dem Druck dieser Orwell’schen Überwachungsgeräte.

Gleichzeitig nimmt der Leistungsdruck zu, weil alles schneller werden muss, um die Performance und die Wertschöpfung zu steigern. Wenn Europas Völker, denen es meist schlechter geht als uns Schweizern, deshalb ausrasten, ist es kein Wunder. Individuell verlieren zuerst die Schwächsten die Kontrolle über sich, andere, das wissen die Banken und Versicherungen, steigen in Drogen ein, weshalb der Zugang zu Cannabis jetzt gelockert werden soll. Wer unter diesem Druck dauerhaft schwer krank wird, dem stehen geeignete Institutionen zur Verfügung, die den Zugang zum Paradies vorzeitig öffnen. Die Gebete der Kirchen begleiten diese Kakophonie mit grosser Anteilnahme.

Von Merkel zu Erdogan

Freitag, den 22. Oktober 2010 um 13:32

Nicht nur „Angie“ Merkel, die deutsche Kanzlerin, war sparsam, auch Wirtschaftsminister Brüderle legt ein XL-Musterwachstum vor, wo der Konsum vor allem zuhause ansteigt. US-Finanzminister Timothy Geithner fordert die Deutschen dennoch dazu auf, weniger zu exportieren, obwohl er gut weiss, dass 10 % der reichsten Amerikaner für über 30 % der Importe in die USA verantwortlich sind. Neben deutschen Luxusautos schlägt der Öldurst der Amerikaner zu Buche.“Joe Sixpack“ kauft über Walmart bei den Chinesen ein. VBS-Chef Ueli Maurer, der nebenbei FIFA-Chef Sepp Blatter auslacht, weil in dessen Reich Bestechungsgelder für ganz normal hält, putzt die Kasernen und vergessenen Waffenlager aus. In England zerschlagen die Jungtürken David Cameron, David Clegg, George Osborne und Danny Alexander das überteuerte Sozialsystem. Erst dann, wenn die Engländer wieder arbeiten, kann der Mittelstand erneut reich werden. Soweit ist Sarko noch nicht, dessen Reich immer ärmer wird, während die arbeitslose Jugend die Barrikaden anzündet. In Deutschland und der Schweiz wird noch Geld verdient, andere verputzen es oder haben schon keines mehr. Oh nein, der neue europäische Tigerstaat heisst Türkei. Es wird Zeit, dass Erdogan uns müde Westeuropäer Mores lehrt.

…verachte das Volk

Freitag, den 22. Oktober 2010 um 13:32

Wenn ich erlebe, wie unsere Parteioberen mit dem Schweizer Volk kommunizieren, fällt mir ein chinesisches Sprichwort ein, das lautet „Achte die Offiziellen, verachte das Volk“. Ich sehe, wie die Individuen von immer mehr Gebühren und Einschränkungen (Verkehr!) in ihrem Spielraum eingeschränkt werden. SP, Grüne und Grünliberale sind keine Spur besser als die anderen bürgerlichen Parteien. Die jetzt wieder beginnende Wahlpropaganda für das Grosskampfjahr 2011 beruht auf dem Prinzip der Missachtung der Bürger, auf welche unsere Politiker sich gerne berufen. Offensichtlich haben wir in weiser Vorwegnahme der Führungsprinzipien der neuen Grossmacht im Osten deren Maximen bereits bei uns eingeführt. Norbert Bolz, ein bekannter Autor, schreibt von „geistigen Ghettos“, in welchen sich unsere Politiker befinden. Wer bohrt die Tunnels?

Avenir Suisse oder Passé Suisse?

Freitag, den 22. Oktober 2010 um 11:38

Das zehnjährige Jubiläum der Edelstiftung Avenir Suisse, wo sich die Elite der Schweizer Wirtschaft und wichtige Vertreter von Politik und Wissenschaft zur Herbsttagung trafen, wurde bisher nur von der Redaktion der „Neue Zürcher Zeitung“ als berichtenswert empfunden. Der Grund ist einfach: Dr. Gerhard Schwarz, Leiter der NZZ-Wirtschaftsredaktion, wird Nachfolger von Dr. Thomas Held, der nach einer bunten Karriere nun in den Vorruhestand tritt.

Thomas Held, ein Genie des Wissens und der Gastfreundschaft, hat sich mit einem kunterbunten Anlass in einem alten Industriesaal verabschiedet; Service, Essen, Trinken und Unterhaltung waren vom besten. Ganz hervorragend war die Gästeliste, angeführt von Rolf Soiron über Walter Kielholz, Fritz Gerber und Harry Hohmeister bis zu Silvia Ballmoos und Carolina Müller-Möhl.

Die beiden Multifunktions-Intellektuellen David Marsh, vom Starjournalisten zum Strategieberater gewandelt, und Ursula Plassnik, die als „Sonderbeauftragte des Österreichischen Aussenministeriums“ den Saal in Wallung versetzte, sagten viel über den Geist der Zeit, waren aber insofern wenig ergiebig, als Marsh die Unabhängigkeit der Schweiz lobte und Plassnik die Annäherung an die EU als unausweichlich sah. Aurelia Frick, die Aussenministerin Liechtensteins, liess munter eher freundlich-belangloses vernehmen.

Wie geht es nach Thomas Held mit Avenir Suisse weiter? Förderkreis und Organe des Think Tanks sind ausgezeichnet ausgebaut. Die Publikationen, wenn angesichts der komplexen innenpolitischen Entscheidungswege auch weitgehend folgenlos, sind von Profis anregend verfasst. Gerhard Schwarz, dem die Chefredaktion der NZZ verweigert blieb, was im Nachhinein nur als missglückter Versuch gewertet werden kann, einen Neuanfang zu wagen, hat bisher nie jene Dynamik des Handelns bewiesen, wie sie Thomas Held auszeichnete, der sein Image eines Chaoten lächelnd gerne bestätigte, dies aber mit dem feinen Hinweis, dass die Welt nun einmal chaotisch sei, wird Avenir Suisse einen anderen Zügel anlegen. Wird daraus eine Passé Suisse, ein liberaler Verein mehr, dem vor lauter Intellekt die Zähne verloren gegangen sind? Wir werden es bald erfahren, aber Änderungen sind angesagt.

Lösung für Bunker-Rückbau

Freitag, den 22. Oktober 2010 um 9:39

Die Milliarde für den Bunker-Rückbau kann sich BR Ueli Maurer sparen. Gestern sagte er noch, dass die Ausgaben rund Armee-Aktivitäten künftig von ihm abgesegnet werden. Nun will er selber 1 Mrd. CHF aus dem Fenster werfen. Es gibt verschiedene Lösungen für die Bunker:

1. Für CHF 1.– an Private veräussern, wie die Armee das bei Samih Sawiris in Andermatt gemacht hat. Er bekam sein Land quasi geschenkt von der Schweiz, weil die Armee sonst noch mehr in den Kosten untergegangen wäre.

2. Umbau der Bunker in Eventhallen, Hotels, Tresore oder Lagerhallen. Im Gotthardmassiv gibt es auch solche Einrichtungen.

3. Umbau in private Wohneinheiten. Architekten sollen in einem nationalen Wettbewerb zeigen, wieviel Kreativität in ihnen steckt. Dies wird auch die Kreativität von BR Maurer fördern.

4. Oder einfach in die Luft sprengen und das Loch zubetonieren.

Es gäbe viele Möglichkeiten aber bis die Politik entschieden hat, ist die Euphorie um die Objekte schon wieder verflossen. Würde die Politik viel schneller reagieren, könnte man so manches Problem rasch aus der Welt schaffen.

Fidel Stöhlker

Spielernaturen machen Angst

Freitag, den 22. Oktober 2010 um 7:46

Bill Gross, Gründer von Pimco, Finanzguru mit 1300 Mitarbeitern, will vom „Black Jack“ gelernt haben, wie man die Einsätze richtig vornimmt. Er war bei der US Navy der Chef eines Kanonenboots. Jetzt will er unser Geld anlegen. Diese Spielernaturen und Scharfschützen, die zu den „hardlinern“ Grossbritanniens gehören, wenn es um sozialen Abbau geht, gefallen mir gar nicht.

Deutschland ist wenig attraktiv

Freitag, den 22. Oktober 2010 um 7:46

Für einen Marsmenschen, der sich über dem deutschsprachigen Europa entscheiden muss, wo er landen und einige Zeit verbringen will, ist die Arbeitsaufnahme in Deutschland wohl am wenigsten empfehlenswert. Die Schweiz jedoch ist für jeden qualifizierten Arbeitnehmer hoch interessant, bietet sie doch nicht nur den sehr Reichen, sondern auch den Quellensteuer Zahlenden vorteilhafte Steuerabkommen.

Deutschland sucht qualifizierte Arbeitnehmer, aber diese wandern in hellen Scharen in die Schweiz aus und würden dies sicher noch mehr tun, würden sie zwischen Basel und Biasca auch willkommen geheissen. Wie die Deutschen keine Billig-Zuwanderer wollen, möchten die Deutschschweizer von lautstarken wie selbstbewussten Deutschen verschont bleiben, die ihre Kultur der Bescheidenheit und Zurückhaltung stören.

Unser Marsmensch wird in der Schweiz auf jeden Fall besser leben und arbeiten, wenn sich die Konditionen auch laufend verschlechtern, ganz wie im Resteuropa auch. Die Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard, eine attraktive Aargauerin, die selbst etwas Ausserirdisches hat, fordert die Einwanderung deutschsprachiger Ausländer, weil diese die Sozialwerke der Schweiz finanzieren sollen. Alleine sind die trotz ausgeprägter sexueller Rhetorik kaum mehr zeugungsfähigen wie -willigen Schweizer dazu nicht mehr imstande.

Die reichsten Deutschen haben dies längst begriffen, denn sicher mehr als jeder zehnte deutsche Milliardär (die Grauzone ist erheblich) hat seine Zelte bereits steuerzahlend in der Schweiz aufgeschlagen. Trotz hoher Eintrittspreise lebt man im Einzugsgebiet des Gotthards besser und gesünder als in einem Deutschland, das seine Verteilungskämpfe mit dem Geldbeutel des Mittelstands finanziert.

Wie erkennt man Untergang?

Freitag, den 22. Oktober 2010 um 7:45

Die Schweiz hat sich in den jüngsten Finanzwirren gut gehalten, aber sie gehört immer weniger den hier geborenen Schweizern. Was geht vor? Nehmen wir das Beispiel des Stadtstaates Venedig. Nach den verheerenden Türkenkriegen verarmte Venedig zwischen 1699 und 1797, als Napoléon I. einmarschierte und dem Spuk der alten Dogen-Gesellschaft ein Ende machte. Die Venezianer erlebten dies ganz anders. Wie Zürich, war die Stadt voller Shows und Spektakeln, der öffentliche Auftritt war das Wichtigste. Die Künste wurden gefeiert, liberalen Denken in allem gefordert, das Individuum erlebte einen gesellschaftlichen Höhepunkt, sofern die notwendigen Mittel dafür zur Verfügung standen. Dieser politische Schwanengesang fand in Canaletto seinen höchsten malerischen Ausdruck, gelang es ihm doch, die immer schlechteren Zustände pittoresk zu übermalen. Die Schweiz als Festbude ohne Ende, Zürich allem voran. Politiker, die Tränen in den Augen haben, um das Volk zu rühren. Selige Umarmungen mit vollem Körperkontakt zwischen Ogi und Leuenberger vor allen Kameras. „Love parades“, Bierfeste und Festivals allerorten. Die Mädchen wollen Models und Moderatorinnen werden. Alle rennen und hungern, um ökonomisch und erotisch lange attraktiv zu bleiben. Eigene Kinder gibt es kaum noch, dafür jede Menge gesellschaftliche Vorbilder, die sich der bisexuellen Zweisamkeit entziehen.
Venedig war ein Traum, wie Zürich und die Schweiz es heute auch sind. Bis Napoléon kam.

 
     
     
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