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Tagesarchiv für 18. Oktober 2010

Leuenberger ist gross – die Zweifler klein

Montag, den 18. Oktober 2010 um 11:17

Es war keine grosse Rede, die Bundesrat Moritz Leuenberger im neuen Gotthard-Basistunnel hielt, aber es war eine kluge Rede. Er begrüsste die mutigen Schweizer Stimmbürger, die deutsche Bohrmaschine Sissi, die nicht anwesenden Verkehrsminister der EU-Staaten und vergass die acht Toten. Das Schweizer Volk hat den Bau des Tunnels bisher finanziert und wird es wohl auch weiter tun. Die Zugabe des Lötschberg-Basistunnels, mit dem auch die welschen Stimmbürger für dieses Projekt gewonnen wurden, hat aus dem Randkanton Wallis ein echtes Mitglied der Eidgenossenschaft gemacht. Die Schweizer haben gezeigt, ganz im Unterschied zu den Stuttgartern, dass sie Zukunft wagen. Das ist es, was jede Schweizerin, jeden Schweizer, stolz machen kann. Leuenberger selber spielte eine eher kleine Rolle. Er umarmte Dölf Ogi, der die politische Schwerstarbeit leistete, erst bei seiner zweiten Rede ausserhalb des Tunnels. Freude herrscht dennoch.

Unglaublich oder unglaubwürdig

Montag, den 18. Oktober 2010 um 11:17

Die neue Hochleistungs-Tageszeitung aus Basel, Tito Tettamantis „Basler Zeitung“, sorgt für einen Überraschungs-Journalismus besonderer Art. Weil die ganze Schweiz rätselt, wie gut seine jüngste Darstellung der UBS-Krise wirklich gewesen ist, titelt die „BaZ“: „Unglaublicher Kaspar Villiger“. Wer dann den Text liest, muss daraus schliessen, dass die Wirtschaftsredaktion von einem „Unglaubwürdigen Kaspar Villiger“ berichtet. Der kleine Unterschied beider Begriffe spielt in der Basler Medienprovinz wohl kaum eine Rolle.

Imperialer Schatten

Montag, den 18. Oktober 2010 um 11:17

Mit über 20 Mio. Franken hat die Schweiz den Frankophonie-Gipfel gefördert, der in dieser Woche in Montreux stattfindet. Es ist ein Schatten des französischen Imperiums, der zum Vorteil der Waadtländer Hotellerie an der Côte nochmals aufleuchtet. Was einst „Empire“ war, verbunden mit Massenmorden in Algerien, Indochine und zuletzt bei Hutus und Tutsis, ist heute eine eitle Modenschau, eine Veranstaltung der Lobbyisten und der Machtdarsteller ohne Macht. Wie wenig das frühere englische Commonwealth („Gemeinsamer Reichtum“) heute in Indien geachtet wird, bewiesen die jüngsten „Commonwealth Spiele“, wo sich die Inder kaum Mühe gaben, ihr Desinteresse in Form schlechter Durchführung zu verbergen. Die Portugiesen und Spanier, die frühesten europäischen Gründer von Empires, haben heute Mühe, die Reste ihrer Staaten am Leben zu erhalten. Die Holländer, einst erdumspannend tätig, sind einem Geerd Wilders ausgeliefert, der die blonde Rasse verteidigt. Die Niederlage von Marignano hat die Schweiz vor solchen Abenteuern beschützt. Einzig von Interesse wird in Montreux sein, ob nun Micheline Calmy-Rey zu alter Form aufläuft oder Doris Leuthard subtile Schweizer Mode zeigt, um mit ihrem lachenden Raubtiergebiss die Delegierten zu verschlingen.

Axel Weber läuft in Trichets Hammer

Montag, den 18. Oktober 2010 um 10:37

Der immer etwas unglücklich agierende Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, ist nun voll in den Hammer von Jean-Claude Trichet gelaufen, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Trichets „unkonventionelle Methoden“ des Anleihekaufs notleidender Staaten sind dem Deutschen zuwider, der aber mit dem Angriff gegen seinen Notenbankchef die eigenen Chancen mindert, dessen Nachfolger zu werden. Viel glücklicher hat bisher Webers Schweizer Kollege Philipp Hildebrand agiert. Der Präsident der Schweizer Nationalbank tut sich als vorsichtig und umsichtig agierender Mahner an die Adresse der beiden Grossbanken hervor, welche ihn am liebsten nach Ougadougu abschieben würden. Hildebrand hat eine Prätorianergarde um sich geschart, die dreiköpfige Direktion der Schweizerischen Nationalbank. Solange er das Vertrauen des Bundesrats und des Parlaments hat, ist seine Position gesichert. Schneider-Sommaruga werden ihm kaum in die Quere kommen, Doris Leuthard wohl auch nicht, aber Sicherheit gibt es heute nicht mehr.

Luzerner Stifter geht stiften

Montag, den 18. Oktober 2010 um 9:36

Christof Enngelhorn, dessen Familie ihr Geld mit Chemie gemacht hat (BASF, Boehringer), hat seine Milliarden aus dem Verkauf der Firma steuergünstig in die Schweiz geschmuggelt und sicher auch ein gutes Steuerabkommen ausgehandelt. Es ist übliche Praxis im Land, dass die kantonalen Regierungen solche Steuervorteile dann gewähren, wenn sich die begünstigten Reichen dazu verpflichten, mit steuerabzugsfähigen Stiftungen den Wohlstand des Landes auf andere Art zu steigern. Sie sparen dann noch nicht nur Millionen, sondern erwerben sich einen guten Ruf als Stifter. Christof Engelhorn bewies seine tiefe Verbundenheit mit der ihn begünstigenden Schweiz, dass er sich nach seinem Tod nicht in Meggen, sondern im heimatlichen Mannheim begraben liess. Adieu, la Suisse.

Das ist nicht das Ende der Geschichte. Engelhorn hatte zugesagt, CHF 120 Mio. für den Bau eines „Salle modulaire“ in Luzern zu spenden. Mit seinem Ableben, zog sich der das gesprochene Geld verwaltende Trust, der anonym bleiben will, aus der Zusage zurück. Man liess dies durch eine bekannt schillernde Persönlichkeit der Öffentlichkeit vermitteln. Die Urner und die Luzerner Prominenz ist beleidigt und will für das Geld kämpfen. Besser wäre es, die laufenden Steuer- und Stiftungsabkommen zu überprüfen. Daran haben gerade die Innerschweizer Kantone kein Interesse.

Bundesrat Moritz Leuenberger leidet

Montag, den 18. Oktober 2010 um 7:32

Manche Bundesräte sind vorzeitig zurückgetreten, andere mussten zurücktreten, aber keiner hat wie Moritz Leuenberger selber am gestrigen Sonntag zugegeben: „Jeder Journalist hat sich überboten und noch einmal die Schuhe an mir abgetreten. Ich hoffe immerhin, das sei nicht die endgültige Würdigung meiner 15 Jahre im Bundesrat.“ Gesagt hat er dies in einem Interview im „Sonntag“ mit Othmar von Matt und Christof Moser, die damit ein historisch wichtiges Interview lieferten. Moritz Leuenberger, der sich gerne als kultivierter Fein- und Schöngeist gibt, „empfand es als Hatz“, was die Medien über ihn schrieben.

Es wäre an der Zeit, dass er sich einem nicht liebenswürdigen, aber sehr professionellen Interviewer stellt, der von hoher Glaubwürdigkeit ist. Das Schweizer Fernsehen, wo Kurt Aeschbacher ihm unglaubwürdig-grauenhaft schmeichelte, kann dies nicht. DRS 1 ist dazu so wenig in der Lage wie DRS 2. Markus Gilli von TeleZüri könnte es, bräuchte dafür aber mindestens zwei Sendungen. NZZ und „Tagi“ zeigen kein Interesse, die „Weltwoche“ sicher auch nicht. Damit ist Moritz Leuenberger verloren. Nicht einmal seine eigene Partei kann ihm helfen, denn diese verfügt über kein glaubwürdiges Medium. Jetzt schwebt er im Limbo, ganz offensichtlich aber auch deshalb, weil er selber nie richtig sagen wollte, was er auf Strasse, Schiene und Luft, für die Umwelt und Medien, wirklich geleistet hat. Das ist bitter.

 
     
     
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