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Monatsarchiv für Oktober 2010

Die Schweiz, ein Scherbenhaufen?

Freitag, den 29. Oktober 2010 um 15:46

Thomas Held’s Abschiedsinterviews entbehren nicht der Bitternis. Als neuer Mitarbeiter von Christoph Blochers Tochter Rahel, die eine 20 Mio-Stiftung am Zürcher Rheinufer führen darf, sieht er eine Schweiz hinter sich, die einem Scherbenhaufen gleicht: Ein Bundesrat im Streit, schwache bürgerliche Parteien mit einer drohenden SVP, die demnächst über die 30 %-Schwelle springen will, keine klare aussenpolitische Ausrichtung. Seine „Avénir Suisse“ ist, wie wir an dieser Stelle geschrieben haben, tatsächlich eine „Passé Suisse“; die Stiftung hat wohl Geld und einen neuen Direktor, den Vorarlberger Dr. Gerhard Schwarz, aber, nach Held, „kein Zielpublikum“. Held rät seinem liberal-durchgeistigten Nachfolger: „Wir müssen die Jugend für die Zivilgesellschaft gewinnen.“ Merke: Wer immer von der Jugend spricht, gibt die Alten verloren.

Reiche sprechen nicht über Geld

Freitag, den 29. Oktober 2010 um 15:28

Wenn der Basler Soziologieprofessor Dr. Ueli Maeder ein Buch über die Verteilung des Reichtums in der Schweiz publiziert und alle Schweizer Medien darüber berichten, gibt die Wirtschaftsredaktion der „NZZ“ zu bedenken, solches eile ihr nicht und werde im Rahmen der Buchbesprechungen behandelt. Natürlich handelt es sich um eine bewusste Fehleinschätzung, die damit auch gleich wieder richtig ist, denn Reiche (oder Vertreter derselben) sprechen nicht über Geld. Die „NZZ“ mag den Maeder’schen Analysen und Thesen auch gar nicht widersprechen, sondern moniert, es müsse vorzugsweise von Werten (von wem?), von Produktivität (für wen?) und Eigentumsrechten gesprochen und geschrieben werden. Merke: Die NZZ ist in der Deutschen Schweiz die Tageszeitung des alten Freisinns, der Banken und Konzerne, deren Interessen sie vertritt. Sie bedient auch das gehobene Bildungsbürgertum, die Universitäten und die traditionellen Zürcher mit selektiven Informationen, die deren geistigen Haushalt stabilisieren sollen.

Haben Regionalzeitungen Zukunft?

Freitag, den 29. Oktober 2010 um 15:28

Schon Espace Media in Bern ist daran gescheitert, zusammen mit der Berner Regierung rund um Bern eine gleichnamige Region aufzubauen und der eigenen Zeitungsgruppe den gleichen Namen zu geben. Espace Mittelland ist gescheitert und heute fast vergessen; Am Ende stand der Verkauf an die Tamedia in Zürich. Auch der Badener Verleger Peter Wanner hat sein Projekt der „Mittelland Zeitung“ wieder reduziert auf die AZ-Medien. Die Idee des Mittellandes, das sich aus mehreren Kantonen zusammen setzt, liess sich nicht umsetzen. Jetzt kommt auch die „Basler Zeitung“ mit dem Anspruch „Zeitung der Nordwestschweiz“ zu sein. Dies läuft parallel mit dem Scheitern des in 20 Jahren aufgebauten Basler Projekts der Dreiländer-Region: die Deutschen sind zu stark, die Südelsässer zu schwach für derartiges. Die „Basler Zeitung“ wendet sich der Nordwestschweiz zu. Wie lange wohl, sieht man die Erfahrungen der Verleger-Kollegen?

Lehrern geht es zu gut

Freitag, den 29. Oktober 2010 um 15:28

Wenn ein Drittel aller Lehrer in der Schweiz mit Kleinpensen von 5-30 % zufrieden sind, weil ihr Partner genügend Geld verdient und ihr Zuverdienst für allerlei Luxus genügt, sind Lehrer zu hoch bezahlt. Letztlich geht es um das Selbstbild eines Berufsstandes, der im 18. Jahrhundert entstand, als es darum ging, kriegsverletzte Unteroffiziere wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Lange Zeit waren die Lehrer deshalb eine Art Feldweibel, die in ihren Klassen Zucht und Ordnung herzustellen hatten. Oft mit Gewalt.

Heute wollen viele Lehrer, mit der Ethik eines Linken und dem Weltbild eines Grünen, so viel verdienen wie ein an seinem Erfolg gemessener und bezahlter smarter Jungmanager der Schweizer Globalwirtschaft. Die Lehrer wollen die gleichen Statussymbole wie andere auch: Das Hemd mit dem Krokodil (sündhaft teuer), elegante Lederschuhe aus bester Fertigung, vor allem aber eine schicke Wohnung (sehr teuer). Von anderem (Ferien, Auto etc.) nicht zu sprechen.

Diese Forderungen sind Teil der sich jetzt verschärfenden Verteilungskämpfe. Unsere Gesellschaft ist aus dem Gleichgewicht geraten. Wer Kraft hat, will von allem das Beste. Das funktioniert nicht mehr, und in Zukunft noch weniger.

Wunderbare Comeback’s

Freitag, den 29. Oktober 2010 um 15:28

Im Golf von Mexiko haben sich die Schadstoffe der BP-Quelle rascher aufgelöst, als gedacht. Vor der Küste Somalias verkehren seit Jahren weniger Schiffe als zuvor, weil die Piraten die Schiffe vertreiben. Die Folge: Der Fischbestand erholt sich dort, wie nie vermutet. Merke: Unser Planet Erde hat ein sehr grosses Erholungspotential. Wir wissen noch lange nicht, wo seine Grenzen sind.

Leuenbergers schräger Abgang

Freitag, den 29. Oktober 2010 um 7:33

Ab sofort werden die von alt Bundesrat Moritz Leuenberger in seiner Dübendorfer Abschiedsrede gescholtenen Südanflug-Gegner die Altersrente des ungeliebten Magistraten mit finanzieren dürfen, gut CHF 200000.– pro Jahr. Gleichzeitig kündigt BAZL-Direktor Peter Müller an, die nächtliche Anflug-Toleranzgrenze auf den Flughafen Zürich „grosszügiger zu handhaben“. Das ist das Abschiedsgeschenk von Moritz Leuenberger an seine Zürcher Mitbürger, die ihm wünschen, er möge „lärmend und stinkend“ zur Hölle fahren. Er wohnt aber am stillen Züriberg.

Der deutsche Chef der deutschen Airline Swiss, Harry Hohmeister, dessen deutscher Vorgänger aufgrund seiner Zumutungen an die Adresse der Zürcher zum CEO der Lufthansa aufsteigen durfte, beklagt sich, dass seine 30 % Umsteigepassagiere, die uns frühmorgens und spät Nachts aus den Betten jagen zu wenig Spielraum hätten, um sich bei ihm wohl zu fühlen.

Moritz Leuenberger, ein etwas träger, selbstverliebter Softie mit Ambitionen, wird nun als Staatsrentner weiter auf unsere Kosten leben. Die Bahn, die er mehr liebte als Strasse, Luftverkehr und Medien, macht heute noch jährlich CHF 3,5 Mia. Defizit – und verlangt mehr Geld. Hoffentlich hat er künftig mehr Zeit für gescheitere Reden, denn der Verkauf seiner Bücher ist gnadenlos eingebrochen. Seinen bundesrätlichen Weblog will er einstellen, ein „Leuenberger-TV“, analog dem von Dr. Christoph Blocher, kann er sich nicht leisten. Niemand wird ihn missen.

Armes England

Freitag, den 29. Oktober 2010 um 7:33

Die Rosskur, welche die neue englische Regierung ihrem Volk verordnet hat, geht von lauter Euro-Millionären aus. 18 der total 23 Kabinettsmitglieder verfügen über ein Privatvermögen von mindestens einer Million Pfund, Regierungschef David Cameron zählt mit Euro 4 Mio. eher zu den Ärmeren. Vize Premier Nick Clegg hat gut 2 Mio. Euro zu versteuern. Die wohlhabenden politischen Jungstars sind von Verantwortung getragen und werden dies ihr Volk spüren lassen.

Keine Schweizer Talente mehr

Freitag, den 29. Oktober 2010 um 7:33

Die Welt erwartet von der Schweiz keine besonderen Talente mehr. Diese erwarten die globalen Manager aus China, Indien und den USA. Immerhin liegen wir noch auf Platz 12, vor Italien. Auch von Brasilianern und Russen wird mehr erwartet. Ebenso sind wir kein besonders tolerantes Land. USA, Deutschland und GB liegen an der Spitze, die Schweiz auf Platz 11, gefolgt von Italien und China.

90 % aller Schweizer finden, die Kriminalität habe in den letzten 10 Jahren stark zugenommen, vor allem ältere Paare ohne Kinder und solche mit einem Monatseinkommen von über CHF 9000.- keine Talente, eine Bevölkerung in Angst? C’est la décadence.

Europa als Filmkolonie der US-Amerikaner

Freitag, den 29. Oktober 2010 um 7:33

Das „Sennentuntschi“ ist nicht der grosse Erfolg, den sich die Promotoren gewünscht hätten. Blut und Sex bringen die Amerikaner besser über den Bildschirm. Zwischen 63 % und 80 % lag in den letzten Jahren der Marktanteil amerikanischer Filme in Grossbritannien. Zwischen 15-30 % machten die britischen Filme aus, meist us-koproduziert. Sonstige europäische Filme sind in England unbekannt. Kein Wunder, dass die Engländer die Welt nicht mehr verstehen.

Für Supino sind die Medien super

Donnerstag, den 28. Oktober 2010 um 16:35

Der bedeutendste Schweizer Verleger, Pietro Supino von der Tamedia G, Vizepräsident des Verbandes Schweizer Presse, lässt in seiner renommierten Zeitungsbeilage „Magazin“ verbreiten: „Noch nie war das Angebot an Informationen so vielfältig und breit wie heute“. Supino will damit dem Eindruck entgegen treten, es sei um die Qualität der Schweizer Presse schlecht bestellt. Er ruft den Lausanner Politologen Andreas Ladner zu Hilfe, der ihm bestätigt: „Die Leute verfügen heute über ein höheres Bildungsniveau und haben einen besseren Zugang zu Informationen.“

Beide irren: Vom 1. Internationalen Dahrendorf-Symposium des „Club Dialog“ an der Universität St. Gallen zurückkommend, wo sich eine Fülle internationaler „egg heads“ über den Zustand des Liberalismus äusserten, kann berichtet werden, dass Zweifel an der Qualität der Ausbildung der Studenten weit verbreitet sind. Nur eine kleine Elite verfügt wirklich über einen hohen Bildungsgrad, bestätigen selbst Hochschullehrer.

Ein „vielfältiges und breites Angebot an Informationen“, wie Supino dies fordert, ist noch kein Nachweis für ein qualitative hochsehendes Angebot an Informationen. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen:

1. Interviews, die nach dem Motto „Ich frage, Du antwortest.“ Ablaufen, sind nicht hochstehend, Der Befragte, je wichtiger, desto mehr, muss durch Zusatzfragen herausgefordert werden. Die üblichen Fragekataloge der Journalisten genügen nicht; Roger Schawinski kann dies besser.

2. Die Vorgänger um die „Basler Zeitung“ und das im Aufbau begriffene Mini-Medienimperium von Dr. Christoph Blocher könnte Tamedia sicher sehr gut recherchieren.

3. Die Bedeutung von Fulvio Pelli und Franz Steinegger für den Untergang der FDP ist in den Tamedia-Medien noch nie kohärent geschildert worden.

4. Die Zusammenhänge zwischen noch aktivem Schweizer Grosskapital und zunehmend eindringendem ausländischen Kapital, sei es auch nur für den Kanton Zürich wurden im „Tagesanzeiger“ noch nie gewürdigt. „NZZ“, „Tagesanzeiger“ und „Le Temps“ sind für Schweizer Leser ganz vernünftige, aber keineswegs international vergleichbare brillante Publikationen. Wer als Leser nationaler Publikationen nicht auf die Zusatz-Nahrung internationaler Publikationen zugreift, wird über den Stand der Welt nicht genügend wissen. Insofern ist die Qualität der Schweizer Medien ungenügend. Ob unsrer Verleger noch die Kraft haben, dies zu ändern, darf bezweifelt werden.

 
     
     
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