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Monatsarchiv für September 2010

Dem Bauern- folgt das KMU-Sterben

Dienstag, den 28. September 2010 um 13:13

Die Schweizer Bauern haben es den KMU- und Gewerbebetrieben gezeigt, wie man mit Jammern weiter kommt. Immer, wenn ich an einem Bauernhof vorbeikomme, sehe ich den grossen Maschinenpark und freue mich darüber, dass wir Steuerzahler auch diesen mit finanziert haben. Nun trifft der tiefe Euro nach dem tiefen US-Dollar die exportierenden Schweizer KMU. Prompt reklamiert Claudia Moerker von Swiss Export beim Bund befristete Steuerleichterungen an. Meist vergisst man gerne, dass in solchen Krisen gerade jene Firmen gefährdet sind, die schwache Eigentümer, ein schwaches Management und gleich beides haben. In jeder Krise, nicht nur in der Serengeti, sterben die Schwächsten zuerst, damit die Überlebenden stärker werden. Prof. Dr. Thierry Volery von der Uni St. Gallen bietet jetzt ein Intensivstudium KMU an, wo Altstar Franz Jaeger die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erläutern wird. Nur 45 ausgewählte KMU-Chefs dürfen teilnehmen, wenn sie willens sind, dafür je CHF 30 000 auf den Tisch zu legen. Was wohl die anderen 100 000 KMU-Chefs und Topmanager machen, denen dieses Herrschaftswissen nicht zur Verfügung steht?

Tiefgründiger: Christian Dueblins www.xecutives.net

Dienstag, den 28. September 2010 um 11:17

Einen Boom erlebt derzeit www.xecutives.net, eine Gesprächsplattform des Interim-Managers und Troubleshooters Christian Dueblin. Bereits hat er gegen hundert tiefgründige Interviews geführt. Sein Gespräch mit Johann Schneider-Ammann gehört heute zu den gefragtesten, vermittelt es doch Einblicke in die Gedankenwelt des neuen Schweizer Bundesrates, wie dies andere Medien nicht ermöglichen. Die Interviews erscheinen in monatlichen Abständen. Thema im Oktober ist der Küsnachter Unternehmensentwickler Dr. Jan R. Edlund mit Buch und These vom „Monkey Management“, wonach Unternehmer und Manager es vermeiden sollten, die Aufgaben ihrer Mitarbeiter zu erledigen.

Das gleichnamige Startup-Unternehmen Xecutives.net, vor drei Jahren ins Leben gerufen, macht deutlich, wo in der Hektik des Tagesgeschäfts die Schweizer Medien nicht mithalten können. Das „Grosse Gespräch“ wird noch von der „Weltwoche“ oder den Sonntagszeitungen NZZaS, SonntagsZeitung, Sonntag und SüdostschweizaS gepflegt, sonst aber herrscht Wüste.

Die Professoren Malik und Ernst, Börsenguru Marc Faber, Rocklegende Chi Coltrane, der Filmer Xavier Koller, Jon Lord von Deep Purple und viele andere sind auf www.xecutives.ch zu finden. Christian Dueblin ist noch von jener heiligen Begeisterung besessen, die man Vollblutjournalisten gelegentlich wünscht.

Peinlich für Viktor Giacobbo

Dienstag, den 28. September 2010 um 7:22

Der gemässigte Sozialist und Schickeria-Theaterbetreiber („Casino“ in Winterthur) Viktor Giacobbo sah sich in einer peinlichen Situation. Er bot dem Thurgauer Unternehmer Daniel Model Gastrecht, der sich als Abschaffer des Sozialstaates sieht. Model, der offensichtlich zu den Sponsoren des „Casino“ gehört, wo auch andere Ostschweizer Unternehmer, wie Peter Spuhler, einen Obolus abliefern, verkörpert jenen Typus des Unternehmers, der die Kultur gerne gekauft („Die höchste Form der Aggression ist die Umarmung.“ Quelle: stö). Er will in der Schweiz auch einen eigenen Staat („Avalon“) gründen, was normalerweise Polizei und Militär verhindern müssten. Giacobbo sieht das ganze als Jux, na ja.

Erschossen Verfassungsschützer Siegfried Buback?

Dienstag, den 28. September 2010 um 7:19

Nach Friedrich Dürrenmatt ist eine Geschichte erst beendet, wenn das schlimmstmögliche Ereignis eingetreten ist. Im Falle der Ermordung des deutschen Generalbundesanwalts Siegfried Buback werden nun Spekulationen immer lauter, die frühzeitig freigelassenen beiden HauptverdächtigenVerena Becker und Siegfried Haag seien im Dienste des deutschen Verfassungsschutzes gestanden, mindestens als Informanten. Nach der Spieltheorie könnte es demnach so sein, dass, wie Bubacks Sohn Michael behauptet, dass der Verfassungsschutz jene einschleuste, die an den Morden beteiligt waren. Sie durften dann später auch rasch wieder in Freiheit. Ganz neu wäre dieses Modell nicht.

Dienstag „Für die Leserschaft wird sich nichts ändern….“

Dienstag, den 28. September 2010 um 7:19

..schreibt Colette Gradwohl, die Chefredaktorin im „Landboten“. Das ist ein Irrtum. Denn als Leser des „Landbote“ wie der „Zürcher Landzeitung“ bin ich es einfach leid, 2-3mal täglich die gleichen Artikel vorgesetzt zu bekommen. Ich bin es auch leid, im „Bund“ das gleiche zu lesen wie im „Tagesanzeiger“. Ich bin es auch leid, in der „Basler Zeitung“ das gleiche zu lesen wie in der „Mittelland Zeitung“. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als einige Abonnemente zu kündigen, sofern ich kein Interesse an den lokalen Vorgängen habe. Die Verleger vernichten mit solchen Sparaktionen nicht nur den „Bannwald der Schweizer Demokratie“, wie der Verlegerverband früher schrieb, sondern treiben anspruchsvolle Leser noch mehr als bisher als Abonnenten zu ausländischen Verlagen, die das fehlende Meinungsspektum ersetzen. Wer sich nicht der zunehmenden Komformität der Schweizer Berichterstattung ausliefern will, muss künftig auf jeden Fall auch den „Spiegel“, die „FAZ“ und die „SZ“ lesen, für die globale Berichterstattung auch „FTI“, „WSJE“ und „Le Monde“. Dem Schweizer Normalleser wird die Magerkost der einheimischen Verleger genügen, kennt er doch nichts anderes.

Peter Wuffli zum Zweiten

Montag, den 27. September 2010 um 16:08

Als gescheiterter Grossbankier ist Peter A. Wuffli willens, aus dem Tal der Tränen (seiner Kunden?) aufzutauchen. Offenheit ist angesagt: Er hatte ein Vermögen von rund CHF 160 Mio. Davon gingen ab CHF 50 Mio. an Steuern, 20 Mio. für eine Stiftung (schlechtes Gewissen?) und 80 Mio. („Habe die Hälfte meines Vermögens verloren.“) durch den Zusammenbruch seiner UBS-Aktienoptionen. Macht netto ein Restvermögen von CHF 10 Mio., die für ein anständiges Leben wirklich nicht ausreichen.

Als CEO eines globalen Unternehmens habe man, so in einem Freundschafts-Interview von Gerhard Schwarz in der „NZZ“, die guten Freunden immer gerne einen Dienst leistet, weder die Zeit noch die Psyche, um sich mit Ethik auseinander zu setzen. Wuffli will nun, freiwillig oder nicht, „dem Gebot der Bescheidenheit“ nachleben, was gut zwinglianisch genannt werden darf. Nicht die Boni seien unethisch gewesen, sondern die Prozesse beim Festlegen solcher Boni. Das ist fein argumentiert, denn auch ich vernahm, dass man die Mitglieder der Konzernleitungen von UBS und CS geradezu zwingen musste, derlei Geld anzunehmen, das in „unethischen Prozessen“ ermittelt wurde.

Wie sieht die neue Welt aus, zu der unser ex-McKinsey-Mitarbeiter Wuffli (er stammt aus der grossen Zeit von Lukas Mühlemann, der fast die CS ruinierte, und Thomas Wellauer, welcher als Chef der Winterthur Versicherung nicht gut bekam) nun aufbrechen will?

– Die gesellschaftliche Akzeptanz für Unterschiede muss geschaffen werden
– Jedem Menschen muss ein minimales Ausstattungsniveau geboten werden. Das erinnert mich an Südafrika, wo während der Apartheid jeder „Schwarze“ in der Schule auch nur 800 Wörter lernen durfte.
– Wer mehr Erfolg oder Glück hat, muss mehr Verantwortung übernehmen, weil die Globalisierung mit der Zeit gefährdet werde durch die Unterschiedlichkeit.
– Der Mensch muss sich anpassen an eine globale Ordnungspolitik, wo die Unterschiede zwischen Menschen und Organisationen grösser werden.

Als echter Liberaler (früher Freisinniger genannt), der einen „angepassten Liberalismus“ verlangt, verlangt Wuffli dann auch mehr Staat: Dieser müsse sich überlegen, wo er künftig stehen wolle zwischen Individuum und Organisationen. Ausserdem solle der Schweizer Staat einen Sovereign-Wealth-Fonds schaffen.

Gerhard Schwarz hat mit diesem Interview seine Freundespflicht erfüllt. Im Think Tank „Avenir Suisse“ werden sich die beiden Grossdenker bald wieder begegnen. Ach ja, am gleichen Wochenende schrieb UBS-Chefökonom Andreas Höfert, ein früherer Mitarbeiter des politischen „Egg-Heads“ Wuffli: „In den vergangenen 25 Jahren löste in der Wirtschaft eine unrealistische Story die andere ab.“ Um eine mehr ist es demnach nicht schade.

Dölf Ogi wird weise, Moritz Leuenberger nicht

Montag, den 27. September 2010 um 15:21

Während alt Bundesrat Moritz Leuenberger mit Macht darum kämpft, als Vater der NEAT anerkannt zu werden, indem er sich beim Durchstich des Gotthard Basis-Tunnels nochmals feiern lässt, hält sich der Berner Oberländer Dölf Ogi, der wirkliche Vater der NEAT, zurück. Ogi stellte den Antrag für diese Netzvariante, im Parlament und bei der Volksabstimmung setzte er das Projekt durch. Damit leistete er mehr für den Goodwill der EU der Schweiz gegenüber als alles künstlerisch-künstliche Geplauder des eitlen Zürchers. Ogi, der zu lange unter dem Einfluss von Frank A. Meyer stand, ist heute zu einer Persönlichkeit ausgereift, auf welche die Schweiz stolz sein kann. Moritz Leuenberger verabschiedete sich aus dem Parlament mit der Botschaft: „Wir sind aufgetreten. Wir haben gespielt. Wir sind abgetreten.“ Der Spieler vom Züriberg hat dem Amt, das er zu lange versah, die Würde mehr genommen als gegeben. Ogi gibt dem Bundesrat Würde zurück.

Thilo Sarrazin, Roberto Martullo und die Schweiz

Montag, den 27. September 2010 um 15:19

Thilo Sarrazin, der ein kluger Altsozi, aber ein unglücklicher Kommunikator ist, schreibt in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ über die Schweiz (S. 392): „Die Schweiz ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie sich unterschiedliche Identitäten in unmittelbarer Nachbarschaft auch über ein Jahrtausend hin erhalten konnten: Im Kanton Wallis – der Osten spricht deutsch, der Westen französisch – wanderte die Sprachgrenze in den letzten tausend Jahren nur minimal hin und her. Sass der Bischof in Brig, dann wanderte sie nach Westen, sass er in Sion, wanderte sie nach Osten. Die Stadt auf halbem Wege zwischen Sion und Brig hiess mal Sierre und mal Siders.“ Sarrazin kennt das Wallis und schätzt die Schweiz als Vorbild für Deutschland. Er selber bezeichnet seine Vorfahren als Migranten, die über Lyon nach Genf und Basel gewandert sind, um sich dann in Deutschland nieder zu lassen.

Der Sohn eines italienischen Migranten, der sich im Aargau niederliess, ist Roberto Martullo, Schwiegersohn von Dr. Christoph Blocher, Personalberater in Zollikon und Präsident der SVP Meilen. Sein harter Wahlkampfstil bei den Gemeindewahlen im Sinne seines Schwiegervaters blieb erfolglos, eine Reihe prominenter SVP-Grössen, darunter auch der Gemeindepräsident von Meilen, schieden aus der Partei aus. Secondo Martullo tritt bei den Kantonsratswahlen im kommenden Frühjahr auf dem letzten Listenplatz mit der Nr. 13 an. Secondos haben es schwer.

Der Sturz zweier Superstars

Montag, den 27. September 2010 um 15:16

Als Barack Hussein Obama den Ökonomen Larry Summers zu seinem wichtigsten Wirtschaftsberater ernannte, überkamen ernsthafte Menschen tiefe Zweifel. Larry Summers war in seiner ganzen Karriere ein dramatischer Schauspieler erster Güte. Man war immer froh, ihn wieder los zu werden. Das galt ganz besonders für Harvard, wo er nur Ärger provozierte. Niemand weiss, was er bei Obama geleistet hat, denn die US-Wirtschaft ist, mit Ausnahme der Kriegswirtschaft und IT-Branche, ziemlich kaputt. Jetzt darf er wieder Studenten ausbilden.

Rahm Emanuel, Obamas Stabschef, geht auch. Er war, als er starten durfte, das fast ausserirdische Genie. Auch von ihm ist nicht bekannt, worin seine Leistung bestand. Einzig der Wahlkampfmanager Obamas, der wirklich einmal etwas leistete, indem er seinen Chef ins Amt brachte, der dann aber als Chefberater kaum zur Wirkung kam, David Axelrod, wird weiter das tun dürfen, wovon er etwas versteht: Obamas nächsten Wahlkampf im Jahr 2012 vorbereiten.

Die US-Superstars sind masslos überschätzt. Nur deshalb, weil man amerikanisch spricht, ist man kaum intelligenter.

Ich bin, wie ich bin

Montag, den 27. September 2010 um 7:59

„Ihr müsst mich nehmen, wie ich bin“, war anlässlich der Ersatzwahlen in den Bundesrat ein häufig gehörtes Argument; besonders häufig bei jenen Kandidaten, die dann durchfielen. Nach der proletarischen Christiane Brunner wollten die Parlamentarier nicht wieder eine Proletarierin, diesmal aus Winterthur, Jacqueline Fehr, wählen. Sie stimmten für die Neo-Bourgeoise Simonetta Sommaruga. Weil sie die Kraft hat, sich immer stärker zu stilisieren und damit attraktiv für weitere Kreise zu werden, trug sie den Sieg über die „Ich bin-wie ich bin“-Konkurrentinnen davon. Wer sich nicht verändert, das lehrte schon Charles Darwin, wird von der Entwicklung überholt. Besser hiesse es: Ich werde, also bin ich.

 
     
     
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