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Lebendiges kulturelles Dreieck

29. September 2010 um 8:34

Was in der Schweiz Kultur ist, bestimmen drei Gruppen: Die Vereine, Migros und das SRF. Wer die Vereine besucht, wird im Volkstümlichen, auch europäischen Charakters, stecken bleiben. Die Versuche der Vereine, daraus mehr zu machen, sind achtbar und wichtig, aber letztlich – ausser der Persönlichkeitsentwicklung – ziemlich wertlos. Migros hat mit dem Kulturprozent viel für die Kleinkultur getan und Gesamtschweizerisches unterstützt; auf diese Säule möchte man nicht verzichten. Nun übernimmt Nathalie Wappler mit 260 Mitarbeitern die weit gespannten SRF-Kultursendungen und bestimmt damit weitgehend das kulturelle Klima des Landes. Viel Mut ist von ihr kaum zu erwarten, denn die „Sternstunden“ waren meist mehr betulich als wirklich hörenswert, eine Art intellektuelle Statussymbole für den oberen Mittelstand. Sie weiss auch nicht, was man im Kulturteil des SRF verbesser könnte, weshalb an dieser Stelle nachgeholfen sei:
– Europas Kulturen nachhaltiger in der Schweiz zu verankern, ist eine der grössten Aufgaben.
– Die Beziehungen zwischen den Kulturen Asiens, Europas und der Schweiz sind den meisten SRF-Zuschauern und –hörern eine unbekannte Zone.
– Der nationale kulturelle Zusammenhalt hat in den letzten zehn Jahren eher nachgelassen. Wir wissen zu wenig über die Westschweizer, Walliser und Tessiner.
– Eine kulturelle Bilanz unseres Landes wäre erst einmal aufzustellen, eine Aufgabe nicht für Berner Beamte, sondern für findige Kulturtäter im Auftrag des SRF.
– Die Zusammenhänge zwischen Kultur, nationalem Selbstbewusstsein und gesellschaftlicher Performance bieten enorm viel wichtigen Stoff.
– Unsere Unterhaltungs-Stars müssen mindestens auf europäisches Niveau angehoben werden; dies erfordert ein Trainings- und strengeres Selektionsprogramm.
– Die Kulturen der Eliten und die Kulturen des Volks bedürfen der vertieften Erläuterung.
Nathalie Wappler ist dazu, mindestens offiziell, noch nichts eingefallen. Lassen wir uns überraschen!

Ein Kommentar zu “Lebendiges kulturelles Dreieck”

  1. Thomas Läubli

    Wir brauchen mehr Betulichkeit! Es braucht keinen Aktivismus im Kulturbereich, sondern Beständigkeit, da Kultur sich nicht dem Zeitgeist anzubiedern hat. Und so viel hängt im Kulturbereich auch wieder nicht vom Fernsehen ab. Schliesslich ist das Niveau einer Aufführung von «Aida» für ein Fernsehspektakel fürs Volk gerade gut genug, für ein Opernhaus wäre es hingegen ungenügend.

    Interessant ist ihr – fast schon marxistisches – Statement, dass die „Sternstunden“ nur etwas für den oberen Mittelstand sei. Als ob in der reichen Schweiz darüber und darunter keine Lust zum Nachdenken und Lernen bestünde…

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