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Tagesarchiv für 24. September 2010

Frauen kämpfen härter

Freitag, den 24. September 2010 um 13:07

Vergleichen wir Jacqueline Fehr, Karin Keller-Sutter und Simonetta Sommaruga miteinander. Fehr, nach der Niederlage, klammert sich an die Sommaruga wie eine Ertrinkende, sucht Wärme und Halt. Sommaruga wahrt, ohnehin knapp grösser, deutlich Distanz. Sie ist der weibliche Cassius Clay der Kandidatinnen in den Bundesrat, argumentativ „schnell auf den Beinen“, in der Haltung „mit langen Armen“, grosser Reichweite. Wie sie später, nach beider Wahl, Johann Schneider gratuliert und auf die Wangen küsst, ist ganz grosse Klasse: gespitzte Lippen, ihm ins Auge blickend, der Körper auf Distanz. Die Sommaruga, ihre grossbürgerliche Herkunft nicht verbergend, ist auch Karin Keller-Sutter überlegen, die zwar schnell und gut spricht, aber wie hinter einer Eiswand verborgen bleibt. Sommaruga zeigt Wärme, Keller-Sutter bleibt hinter ihrem Schutzwall. Was bedeutet das? Schwache Menschen brauchen Schutzwälle um sich, im schlimmsten Fall den der Überheblichkeit. Starke Menschen öffnen sich oder tun mindestens so. Jacqueline Fehr stieg beinahe naiv ins Rennen, auf ihre Herkunft vertrauend. Das war in jeder Beziehung zu wenig. Keller-Sutter wurde für viele überraschend aus dem Sattel geworfen; sie war ein Opfer der unglücklichen Strategie ihrer eigenen Parteizentrale.

Markus Somm, Chefredaktor der „Basler Zeitung“, hält die neue Regierung ohnehin nur geeignet für „eine ewige Übergangszeit“. Er meint, was niemand überrascht, erst mit dem Einzug der SVP sei die Schweiz wieder regierungsfähig. „Papa Moll“, wie PeterBodenmann über den gescheiterten SVP-Kandidaten, den Fribourgeois J.F. Rime, einst sagte, steht auf der Warteliste. Aber Dr. Christoph Blocher, der im Herbst 2011 gute 70 Jahre alt sein wird, behält sich seine eigene Kandidatur vor. Wie schrieb „Der Spiegel“? „Die merkwürdigste Regierung Europas.“ Hoffentlich reicht dies für die grossen inneren und äusseren Auseinandersetzungen, die uns bevorstehen.

Peter Wufflis Wiederkehr als Autor

Freitag, den 24. September 2010 um 11:21

Der NZZ-Buchverlag gab sich nicht dafür her, Peter A. Wufflis Krisenzeit-Memoiren „Liberale Ethik“ zu publizieren; Stämpfli in Bern musste genügen. Der einst renommierte McKinsey-Berater und CEO des UBS-Konzerns liess in der grossbanken-freundlichen „Bilanz“ ein Filetstück des Buches publizieren, worin er sich für Fehler entschuldigt, die er vor allem bei „Personen sieht, die in sie gesetzte Erwartungen nicht erfüllten“ und beim ungenügenden Risikomanagement der einstigen Grossbank. Wuffli bekennt, der UBS-Konzern habe sich im Wettrennen mit den anderen „Mega-Banken“ befunden. Man habe den klassischen Kreditkunden weniger Geld gegeben und dafür in US-amerikanische verbriefte Hypotheken investiert. Die „Gammelwürste“ (Dr. Konrad Hummler, Wegelin & Co.) habe man damals nicht erkannt.

Entweder irrt Peter A. Wuffli, der immer ein begabter Journalist gewesen ist, oder er war als Bankier einfach nicht auf dem Laufenden. In seiner ausgedehnten jüngeren Freizeit hätte die Lektüre von Michael Lewis „The big short“ genügt, um ihm klar zu machen, dass die UBS bei dem „big deal“ eine ganz erhebliche Rolle spielte. Sicher waren es jene Mitarbeiter, welche „die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllten“, welche den Super-Gau in Gang setzten. Meines Wissens erhielten sie dafür noch hohe Boni.

Die „Bilanz“ gibt Wuffli die Chance eines Rehabilitations-Versuchs. Dieser darf nur teilweise als gelungen gelten, weil im „Bilanz“-Beitrag offen bleibt, welche Verantwortung Peter Wuffli oder Marcel Ospel hatten. Noch funktioniert der Kollegen-Schutz, was nichts Gutes vermuten lässt. Offen bleibt deshalb auch, warum Peter Wuffli zurück getreten ist oder zurück treten musste. Es wäre gut gewesen, die „Bilanz“ hätte sich die Zeit genommen, diesen Exklusiv-Beitrag auch zu kommentieren. Wuffli zahlte in 25 Berufsjahren über Fr. 50 Mio. an Steuern und klagt, er habe die Hälfte seines Vermögens (UBS-Aktien!) verloren. Ich kenne einige Menschen, die mehr Steuern bezahlten als er, die an UBS-Aktien ebenfalls ein Vermögen verloren, die aber dennoch nicht im Taumel des Grössenwahnsinns die Massstäbe verloren haben.

Kein Durchmarsch der Frauen

Freitag, den 24. September 2010 um 7:26

Während Verena Wyss (SP), Regula Stämpfli (SF) und Doris Fiala (FDP) mit vielen anderen so taten, als könnten nur die Frauen im Bundesrat die Schweiz retten, bedeutet die Wahl von Simonetta Sommuraga (SP) in den Bundesrat genau das Gegenteil. Es braucht vernünftige wie erfahrene Frauen wie Männer, das Land zu führen und nicht einen Kampftrupp später Feministinnen. Mit dem Trio Leuthard-Widmer-Sommaruga kann die Schweiz unter Einbezug der Männer geführt werden. Micheline Calmy-Rey, die schlechte Wochen hinter sich hat, muss ihre Form wieder finden. Der Durchmarsch der Frauen hat in Bern nicht stattgefunden, vielleicht aber der Durchmarsch neuer Vernünftiger.

Iran in der Zange

Freitag, den 24. September 2010 um 7:26

Ganze 123 Mia. USD wenden die arabischen Ölscheichs in den kommenden vier Jahren auf, um ihre Armeen gegen den Iran und dessen drohende Atombombe fit zu machen. In Wirklichkeit dürfte es sich um den doppelten Betrag handeln, denn die arabischen Fürstenfamilien kaufen auch in Frankreich (80 Raffale) und ganz Europa ein, um ihre Armeen aufzurüsten. Die Schweiz bleibt nicht abseits, denn VBS-Chef Ueli Maurer sieht in Israel einen engen militärischen Verbündeten der Schweiz und hat soeben der pakistanischen Regierung zehn Helikopter geschenkt, damit sie ihre Aufständischen besser bekämpfen kann.
Die US-Regierung hat ihre Vorstellung von der „Greater Middle East Region“, die es zu beherrschen gilt, nicht aufgegeben. Von Marokko bis Pakistan soll ein Gürtel befreundeter Regime den weichen Unterkörper Europas schützen. Der Verbleib der Türkei in der NATO bleibt gesichert; ein EU-Beitritt wird angestrebt. Sind Afghanistan und Pakistan gesichert, sitzt der Iran in der Falle. Nur die Russen und Chinesen können dann Fluchtwege nach Norden und Osten bieten. Viel wird vom Westen getan, die –stan-Länder der ehemaligen UdSSR in den eigenen Machtbereich einzugliedern, z.B. durch die Gaspipeline Nabucco, die von Vladimir Putin heftig bekämpft wird.

Mehr denn je leben die US-Exporte vom Waffengeschäft. Wer Waffen produziert, braucht Kriege. Die längste Rezession der USA seit 1929, die 18 Monate bis Sommer 2009, wurde als beendet erklärt, wobei die meisten Amerikaner wohl der Meinung sind, sie hätten von einem Ende der Rezession nichts bemerkt. Dies ist wie das von George W. Bush vor der Küste Kaliforniens deklamierte Kriegsende im Irak; anschliessend ging es erst richtig los bis zum beschämenden nächtlichen Abzug der Truppen.

 
     
     
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