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Tagesarchiv für 22. September 2010

Was leisteten die Kommentatoren zur Wahl?

Mittwoch, den 22. September 2010 um 14:54

Die Kommentatoren des Schweizer Fernsehens gaben am Tag der Ersatzwahlen in den Bundesrat ein gemischtes Bild ab:
– Souverän war erwartungsgemäss der Politikberater Iwan Rickenbacher, der, immer ausgleichend, immer verständnisvoll, aber sehr väterlich, zuverlässige Urteile abgab. Rickenbacher weiss sehr viel und ist, was die Zahlen betrifft, technisch kompetent. An seinem Beispiel wird deutlich, dass die heute übliche Überdramatisierung der Sprache und des Ausdrucks mehr Show als Inhalt bietet.
– Genau in dieser Falle sitzt Regula Stämpfli, die rollenden Auges und höchst erregt ausser dem Anspruch der Feministen-Liga nichts über den Bildschirm brachte. Optisch attraktiver als Rickenbacher, blieb sie inhaltlich weit hinter ihm zurück.
– Sonja Hasler pendelt zwischen Intellektualität und volkstümlicher Mundart hin und her, was manchen Ausdruck von ihr zum rhetorischen Abenteuer abwertet. Die fleissige Interviewerin, elegant auftretend, macht fortwährend den Eindruck, als wolle sie aus ihrer Haut fahren und wirklich auftrumpfen, zieht das aber nicht durch.
– Reto Brennwald hatte keinen idealen Tag, machte er doch einen dramatischen Fehler, als er das Ausscheiden von Jacqueline Fehr aus dem BR-Rennen zu spät und diskreter Nachhilfe bemerkte. Dann nannte er die Stimmung der SVP „euphorisch“, als diese dort gerade abkippte. Schliesslich verlangte er noch eine künftige Regeländerung für die Wahlen in den BR, als Karin Keller-Sutter abgewählt wurde.

Gelübde und Eid

Mittwoch, den 22. September 2010 um 13:17

Mit Simonetta Sommaruga ist die Berner Neo-Bourgeoisie in den Bundesrat eingezogen. Mit Johann Schneider ein Vertreter der klassischen und erfolgreichen Schweizer Wirtschaft, der sich als Unternehmer, Nationalrat und Oberst bewährt hat. Mit dem Glückwunsch Schneider’s vor dem Parlament an ihre Adresse ist ein Bündnis angedeutet, wo „Gelübde und Eid“ eine Verbindung zum Vorteil des Landes bewirken können.
Wir haben seit Wochen diesen Doppelsieg vorausgesagt und standen damit weitgehend alleine. Gescheitert ist in der Person von Karin Keller-Sutter die dienstfertige Überflieger-Generation, mit Jacqueline Fehr die Gruppe der Altsozialisten. Der parteiübergreifenden Fraktion der Feministen ist der völlige Durchmarsch nicht gelungen. Gescheitert ist mit J.F. Rime auch die SVP, die wohl als Partei derjenigen, die immer vor den Türen der Macht stehen bleiben, in die Geschichte eingehen wird.

Mit Simonetta Sommaruga und Johann Schneider hat der Bundesrat die Chance, wieder ein Zentrum mit Entscheidungskraft zu finden. Beide sind klug genug, daraus nicht ein Gravitationszentrum links der Mitte zu machen. CVP-Fraktionschef Urs Schwaller hat mit seinem Verhalten und seinen Kommentaren deutlich gemacht, dass er in dieser Konstellation mit seinen Bundesräten mitwirken kann.

Wir stehen bis zu den Herbstwahlen 2011, die soeben begonnen haben, vor ereignisreichen Monaten. Die SVP wird zeigen wollen, dass sie auch mit einer Nummer zwei auf dem Rücken zu einer Nummer eins aufrücken will. Die FDP, deren Fehlstrategie bei den Ergänzungswahlen Karin Keller-Sutter vorzeitig den Kopf kostete, und deren Fraktionschefin Gabi Huber zum Auftakt der Ergänzungswahlen ein völlig überflüssiges „Kampf-Statement“ abgab, muss sich etwas einfallen lassen, um nicht auf die Verliererstrasse abgedrängt zu werden.

Kindermädchen-Karriere

Mittwoch, den 22. September 2010 um 9:54

Weil Ferdinand Piëch von vier Frauen zwölf Kinder hat, darf nun die derzeit amtierende Gattin Ursula via zwei Stiftungen eines der grössten europäischen Vermögen verwalten. Zu gross ist die Angst des Wolfsburger Auto-Tycoons, seine Kinder könnten sein Erbe zerstreuen. Ursula Piëch, ein ehemaliges Kindermädchen der Familie, ist damit in die Frauenkarrieren der Horten-Springer-Bertelsmann-Schaeffler gleichberechtigt eingetreten, wo man als Krankenschwester oder Telefonistin in der Zentrale für eine Unternehmerkarriere die notwendigen Voraussetzungen erworben hat. Wozu noch studieren?

Alte Schweizer Gesellschaft brilliert

Mittwoch, den 22. September 2010 um 7:14

Gleich bei drei Anlässen konnte man die einflussreiche alte Schweizer Gesellschaft bewundern, wie sie sich, ihrer selbst bewusst, ihrer sozialen und kulturellen Verantwortung stellte:
– STAB, die Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur, überreichte durch ihren Präsidenten, den liberalen Vordenker Robert Nef, der Schweizer Berghilfe den Jahrespreis von Fr. 50 000.–. Die 1943 gegründete Berghilfe ist ein hervorragender Akt schweizerischer Solidarität, wo jedes Jahr von 60 000 Spendern rund Fr. 25 Mio. für Projekte in den Schweizer Bergen vergeben werden. Beim Festakt, wo die Bergbevölkerung von der „Strichmusig Neff“sehr kunstfertig vertreten wurde, entstand jedoch das Bild einer Schweizer Bergbevölkerung (beschaulich, urchig, knorrig, im Kern ergeben, demütig und manchmal trotzig), das der heutigen Vitalität der Kantone Wallis, Schwyz und Uri wenig entspricht. Die Bergbevölkerung „als Genreserve der Schweiz“ ist wohl eher Realität, sind die Söhne und Töchter der Berge doch längst in die Talschaften hinabgestiegen, um Wirtschaft, Kultur und Politik der ganzen Schweiz anzutreiben.
– Einiges jünger war das Publikum aus der ganzen Schweiz, das dem Ruf des St. Galler Bankiers Dr. Konrad Hummler in die ev. Kirche Speicher/AR folgte. Dort liess der bekannte Mäzen (Bach Stiftung) eine weitere Kantate des Leipziger Meisters aufführen. Unter Leitung des begnadeten Musikers Rudolf Lutz wurde BWV 138 „Warum betrübst Du Dich, mein Herz?“ in den Kirchenraum aus dem Jahr 1732 projiziert, der nur wenige Wochen älter ist als die Bach’sche Kantate selber. Bach musste seinerzeit ebenso hart arbeiten wie sein heutiger Schweizer Mäzen, der ob seines Genies wie Fleisses in kürzester Zeit zu einem der zehn wichtigsten Schweizer Bankiers aufgestiegen ist.
– Wenige Tage zuvor trafen sich konservativ-katholische Kreise der Oberliga zur Eröffnung von „Radio Maria“ in Adliswil. Dieser international erfolgreiche katholische Privatsender, der zuletzt in Polen grosses Aufsehen erregt hat, tritt nun auch in der Schweiz für ein römisch-katholisches Christentum ein, das den strengen Vorgaben des Vatikans Folge leistet. Bischof Vitus Huonder aus Chur sprach die Grussworte, die liberale Zürcher Geistlichkeit zeigte sich überrascht.

Gibt es eine „Verlogenheits-Blase“?

Mittwoch, den 22. September 2010 um 7:14

Frankreichs Europaminister Pierre Lellouche verteidigt das Vorgehen seines Landes gegen die Roma und spricht von einer „Verlogenheits-Blase“. Die EU habe seit 20 Jahren nichts getan, um die Roma und Sinti zu integrieren; man dürfe Frankreich nicht den Schwarzen Peter zuschieben. Haben wir solche „Verlogenheits-Blasen“ auch im Falle der amerikanischen „Tea Party“, die in allem fatal an Christoph Blochers „Buurezmorge“ erinnert. Die „Tea Party“-Promotoren wollen „das echte Amerika“ wieder aufbauen; die finanzierenden Milliardärsfamilien wollen vor allem eine Aufhebung des Mindestlohns und eine Rückführung der Sozialleistungen. Tony Blair schwimmt seit 20 Jahren in einer solchen „Verlogenheits-Blase“, denn sein „Dritter Weg“ hat Grossbritannien zu einem Drittwelt-Land gemacht, wie der Vatikan an hoher Stelle wissen liess. Suchen wir noch mehr solcher Blasen, es macht Spass. Z.Bsp. will die deutsche Arbeitsministerin Ursula von der Leyen nicht Hartz IV. abschaffen, sondern den „ungeliebten Begriff Hartz IV“. Das ist beste Orwell’sche „double speak“. Es werden nicht die Dinge geändert, sondern die Bezeichnungen derselben.

 
     
     
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