Christoph Blocher feiert in Ems
20. August 2010 um 8:20Als zufriedener Aktionär der Ems-Chemie, die für das vergangene Jahr eine Dividende und eine Zusatzdividende ausschüttet, bin ich nicht überrascht, dass dort an der GV Dr. Christoph Blocher als Sänger den Ljoba-Liedes “Ranz des vaches” auftritt. Blochers halten über 60 % der Aktien der Ems-Chemie, was einer Ausschüttung von rund Fr. 140 Mio. entspricht, womit auch der beginnende SVP-Wahlkampf leicht zu finanzieren ist.


am 22. August 2010 um 11:42 Uhr.
Der Moderator dieses Weblogs hat seine liebe Mühe mit der Persönlichkeit von Herrn Dr. Christoph Blocher. Irgendwie will Christoph Blocher in das A-Schweiz/B-Schweiz Schema nicht so richtig passen. Verzweifelt wird versucht, ihn durch Unterstellungen als einen Vertreter der A-Schweiz darzustellen. Systemtisch wird sein Name mit den Prädikaten wie “Milliardär” oder “Finanzspekulant” “geschmückt”. Auch in diesem Beitrag wird die Dividendenausschüttung bei der Ems-Chemie in einen finsteren Rahmen eingebettet.
Das Lebenswerk von Christoph Blocher ist sein Kampf gegen den EWR-Beitritt. Ein krasses Beispiel, eines Kampfs gegen die A-Schweiz. Dafür wurde er mit dem Rauswurf aus dem Verwaltungsrat des A-Schweiz-Vorzeigeunternehmens SBG (heute UBS) “belohnt”. Heutzutage werden seine Bestrebungen, die UBS in eine Holding zu “zähmen”, durch die Vertreter der A-Schweiz (FDP-Politiker) als populistisch bezeichnet.
Anders ist der Manöver in der Frage des Staatsvertrags mit den USA zu beurteilen. Er war ganz klar zu Diensten der A-Schweiz. Aber, nicht zu Lasten der B-Schweiz. Geschädigt werden nun einige Vertreter der A-USA. Dank der Schlamperei des Bundesrates musste jemand büssen.
Was nun, wo liegt der Hacken? Er liegt im A/B Model. Ein Model, der vermutlich für alle Länder der Welt anwendbar ist, taugt für die Schweiz nicht vollumfänglich. Die Schweiz ist ein Sonderfall und als solche verdient sie ein Sondermodel. Deswegen, eine dritte Schicht muss her. Eine Schicht, die dafür sorgt, dass es beiden gut geht, der A-Schweiz und der B-Schweiz. Wie wäre es mit:
* A-Schweiz
* Konservative Revolutionäre
* B-Schweiz
Leider, ist das Model immer noch nicht vollkommen. Es fehlt eine Schicht die aus der 68er-Bewegung entstanden ist – die Beamtenplage. Also nochmals:
* A-Schweiz
* Beamten
* Konservative Revolutionäre
* B-Schweiz
am 24. August 2010 um 11:26 Uhr.
@) Sven Sataric: Sie werfen da interessante Fragen auf.
Dass das A / B-Schweiz-Schema nicht auf Doktor B. anwrendbar sei, halte ich allerdings für falsch. Er ist ein eindeutiger Vertreter der A-Schweiz, der die B-Schweiz benutzt. Er spielt mit ihr und nimmt sie nicht richtig für voll.
Die ganzen Ausländerthemen interessieren ihn einen Deut. Aber er lässt dafür sorgen, dass diese Themen dauernd am Kochen bleiben, dass der dadurch erzeugte Dampf jederzeit verfügbar ist und zweckgerichtet Verwendung finden kann.
Sein historisches Verdienst ist aber tatsächlich die Ablehnung des EWR, von dem heute die Mehrheit der Bevölkerung froh wäre, man könnte diesen Entscheid rückgängig machen, was aber nicht mehr geht. So ist das halt mit historischen Entscheidungen.
Die Diskussion über die A- ud die B-Schweiz, die immer weiter auseinanderdriften, sollte wir fortsetzen.
Der Schwingerkönig Kilian Wenger mit seinem Muneli ist sozusagen das neue Groupie der B-Schweiz, während Herr Grübel & Co als coole Sachwalter hinter der Aelplerkulisse regeln die Interessen der A-Schweiz regeln.
Ihre Idee mit den “konservativen Revolutionären” finde ich übrigens interessant. Ich weiss bloss nicht, wer das sein soll. Ich bin noch keinem begegnet. Aber ich lass mich da gern belehren.
Dass allerdings die “Beamtenplage” eine Ausgeburt der “68er” sei (1968 war übrigens vor 42 Jahren) würde dem ehrbaren Beamtenstand wohl doch nicht gerecht.
Aber die Diskussion über die A- und die B-Schweiz ist wirklich ein sehr interessantes, weil sie Vieles von dem erklären hilft, was derzeit bei uns geschieht.
Aber vorsicht: Man kann sich die Finger daran verbrennen, weil man in dieser Diskussion nicht darum herum kommten wird, sorgsam verborgene Machtstrukturen offen zu legen.
Das mögen nicht alle.
am 24. August 2010 um 13:42 Uhr.
@Fred David
Leider haben Sie unterlassen, konkret auf meine Fragen zu antworten, im Bezug auf Beziehungen vom CB zum EWR (EU) und zur UBS. Die Feststellung, dass der EWR Entscheid falsch gewesen sein könnte, beantwortet die Fragen nicht.
Die Unterteilung A-Schweiz/B-Schweiz könnte so verstanden werden:
B-Schwez
Die tüchtigen, zuverlässigen, gut ausgebildeten, disziplinierten Schweizer – Büezer im weiten Sinne. Sie sind der Garant für die Stabilität der Schweiz
A-Schweiz
International vernetzte Wirtschafts- und Bankenleute, die die Stabilität der Schweiz ausnützen, um aus der Schweiz heraus ihre internationalen Geschäfte zu tätigen. Sie lassen zum Beispiel die Entwicklung ihrer Produkte (Medikamente oder Lebensmittel) durch die B-Schweiz (durch überhöhte Preise) zahlen und verkaufen dann diese günstig im Ausland. Ein anderes Beispiel wäre die Konkurrenzfähig ihrer Finanzdienstleistungen, die sie durch die hiesige Rechtssicherheit erlangen. Durch die Rechtssicherheit, die ihnen die B-Schweiz gewährt. Die A-Schweiz kümmert sich wenig um die B-Schweiz. In kritischen Situationen nimmt sie keine Rücksicht auf die Interessen der B-Schweiz.
So weit wäre alles klar. Das Bild wäre vollständig, wenn nicht die Person von CB gäbe.
am 24. August 2010 um 14:04 Uhr.
@ Sven Sataric: Schon interessant, wer sich immer und immer wieder mit der gleichen Inkompetenez und ohne dabei gewesen zu sein – auf negative Art mit den ’68ern’ auseinandersetzt !
Der ‘Hacken’ ist, dass es ein ‘Haken’ ist und der Bildungsstand in den Generationen nach den 68ern auf’s C-Niveau abgesackt ist !
Und dass man nur auf diesem Niveau einem Falschspieler wie Dr.B folgen kann !
am 25. August 2010 um 9:17 Uhr.
@Sven Satriric:
Bei der EWR-Abstimmung hat sich die Wirtschaft sehr , sehr zurüchgehalten. Deswegen ging es, wenn auch nur knapp, schief. Das sieht man in der Wirtschaft heute genauso. Die Banken waren zwar vordergründig lau für einen Beitritt, taten aber nichts dafür. Rein gar nichts. In der Oeffentlichkeit waren sie praktisch nicht präsent. Sie hätten das Ruder herumwerfen können, wenn sie es wirklich gewollt hätten. Genauso ist es übrigens heute mit einem EU-Beitritt. Wenn die (Gross-) Banken klar signalisieren: Ja, wir wollen! wird in der Bevölkerung die Anti-Mehrheit kippen. Aber das Signal kommt nicht, da spielen sehr eigennütztige Interessen die Hauptrolle. Sofern ihre Interessen geschützt werden, ist ihnen das Land egal.
Der Streit von Doktor B. mit der UBS, der ein paar Jahre nach der EWR-Abstimmung offen ausbrach, war vielschichtig. Doktor B. und der gewesene Milliardär Ebner waren ein sehr enges Team, das aus Gründen ihrer eigenen Finanzspekulationen auf Konfrontationskurs zur damaligen UBS-Führung lief.
Doktor B. wird als Politiker masslos überschätzt. Nach dem Scheitern des EWR hätte von ihm ein Konzept kommen müssen – wenn er überhaupt eins gehabt hätte – wie die Aussenbeziehungen der Schweiz künftig aussehen sollten. Kurz: Die realistische Antwort auf die Frage: wenn kein EWR oder EU-Beitritt , was dann?
Es kam in den letzten 20 Jahren nichts – ausser dem blendenden Vorschlag, statt mit der EU mit den USA ein Freihandelsabkommen zu schliessen. auf gleicher Augenhöhe, versteht sich. Wie die USA mit uns umspringen, wenn sie ihre Interessen bedroht sehen, haben wir ja nun ein paar Mal schon erlebt. Soviel zum politischen Genie mit Weitblick.
Nahezu alle bilateralen Verträge mit der EU (die faktisch reine Notlösungen sind, weil nichts anderes da war) versuchte er – erfolglos auf der ganze Linie – zu sabotieren. Hätte die Schweiz auf ihn gehört, stünden wir heute wie die Totaldeppen Europas da.
Er ist ein Schwätzer.
Allerdings mit viel Geld, das er und ein paar Millionärsfreunde sehr geschickt in politische Kampagnen stecken, die sich auf Anti-Europa- und Ausländerthemen stützen. Darin erschöpft sich das Repertoir.
Der Kessel wird mit viel Geld unter ständigem Dampf gehalten.
Ist das die Zukunft der Schweiz?
am 26. August 2010 um 12:30 Uhr.
@Fred David
Es ist richtig, dass der Konflikt Ebner/Blocher-SBG vielschichtig war. Er kulminierte aber erst gegen Ende der Neunziger Jahre. Der Rauswurf von CB aus dem VR der SBG geschah bereits 1991 und ist auf sein Engagement gegen den EWR zurückzuführen. In den Geschichtsbüchern ist dieser Rauswurf wie folgt dokumentiert:
“Zum Blocher-Eklat kam es wegen der EWR-Abstimmung. «Als SBG-Verwaltungsrat darfst du nicht gegen den EWR-Beitritt sein», wollten ihm Hannes Goetz und Hans Jucker, zwei zentrale Figuren im damaligen SBG-Verwaltungsrat, befehlen. Und nachdem Blocher in einem Saal vor laufenden SF-DRS-Kameras auch noch den damaligen SBG-Chef Robert Studer heruntergeputzt hatte, wurde er von Nikolaus Senn sanft zum Rücktritt aufgefordert: «Aus dem Establishment gehe ich nicht freiwillig raus, da müsst ihr mich schon rauswerfen.»”
Im Bezug auf den letzten Satz könnte man sich fragen: Ist das die Sprache eines Vertreters der A-Schweiz?
Ob CB geschwätzig ist oder nicht, sagt nichts über seine Zugehörigkeit zur A-Schweiz. Das gleiche gilt auch für sein Vermögen. Vermögend sein, bedeutet nicht automatisch, dass einer der A-Schweiz angehört.
Wie stark sich der Arbeitgeberverband und die Bankiervereinigung im EWR Kampf engagiert haben, spielt auch keine Rolle. Hauptsache, sie haben die JA Parole herausgegeben.
Es war auch nicht die Pflicht von CB ein neues Konzept als Alternative zum EWR Kolonialvertrag zu bringen. Wozu auch? Die GATT/WTO Abkommen deckten die Interessen der Schweiz zufriedenstellend ab.
Und noch die Antwort an die “kompetenten” und “gebildeten” Teilnehmer dieses Blogs. Die 68-er sind dafür verantwortlich, dass die Arbeiterbewegung in der Schweiz nicht mehr existiert. An ihrer Stelle entstand eine Beamtenbewegung. Als Beispiel: Zählte UVEK vor 15 Jahren 700 Beamten, so sind es heute 1600. In diesem Kontext ist auch die heutige EU zu betrachten – als ein Beamtenimperium.
am 27. August 2010 um 10:15 Uhr.
…. Um es noch etwas deutlich zu machen, was ich meine: Doktor B. ist im 20.Jahrhundert stehen geblieben.
Er ist nicht in der Lage, der Schweiz den Weg in 21.Jahrhundert aufzuzeigen. Ein Mann von gestern, der uns zwar noch einige Zeit beschäftigen wird, aber das hat seine absehbaren Grenzen.
Der Blocherismus hat sich wie Blei über die Schweiz gelegt ohne wirklich etwas zu bewirken. Er hat das Land nur gebremst. Das Land wird aufatmen, wenn er sich auf sein Altenteil in seinem Bündner Schloss zurückzieht.
am 31. August 2010 um 10:51 Uhr.
Heute, 20 Jahre danach, kann die Economiesuisse exakt nachweisen, dass für die Schweizerwirtschaft der EWR NEIN Entscheid vom Vorteil war. Die Regulative-, Monetäre- und Fiskalpolitik haben sich in der EU (EWR) zu Ungunsten der Wirtschaft entwickelt. Damals konnte CB auf keine zuverlässigen analytischen Modelle zurückgreifen, um die Richtigkeit des NEINs zu prüfen. Stattdessen griff er auf einen einfachen philosophischen Grundsatz zurück: “Weniger Freiheit – schlechteres Leben“.