“Wir sind in der Schweiz operativ nicht tätig.”
13. August 2010 um 8:03Schon Viktor Vekselberg, aus Steuergründen aus Zürich nach Zug geflüchteter russischer Hauptaktionär von “Oerlikon” und Sulzer in Winterthur, hat als Grund seiner steuerlichen Bevorzugung gesagt: “Ich bin in der Schweiz operativ nicht tätig.” Lachhaft! Jetzt hat sich die Konzernleitung der britischen Privatarmee Aegis in Basel mit ihrem Hauptsitz niedergelassen, “zur Verwaltung von Firmenbeteiligungen”, und sagt ebenfalls: “Wir sind in der Schweiz operativ nicht tätig.” Wie schon bei den grossen Zigarettenherstellern der Welt, die in der Schweiz Ware produzieren dürfen, die in der EU verboten ist, werden wir zum Bordell offiziell “untätiger” Konzernchefs, die von der Stabilität unseres Landes und seiner steuerlichen wie gesetzlich verankerten Vorzüge profitieren, dies unter Mithilfe globaler Beratungskonzerne und Schweizer Anwälte, welche ausser dem Honorar überhaupt nichts gelten lassen. Unsere Politiker reagieren scharf: “We are not amused” (Chr. Brutschin, Basler Regierungsrat). Wie schreibt die von Dr. Tito Tettamanti geführte “Basler Zeitung” am 11. August? “Spekulanten sind besser als ihr Ruf.” Da wird der Chef aber froh sein.


am 13. August 2010 um 9:30 Uhr.
Informiert man sich über den Werdegang von Timothy Spicer, den Gründer und CEO von Aegis Defense Services, so rankt ein Skandal nach dem anderen seinen Lebenslauf. Da werden Jugendliche in Belfast von hinten erschossen, Im heimlichen “Vietnam-Krieg” von Australien in Papua Neu Guinea, wo Rio Tinto rücksichtlos Zink abbaut, übernimmt die Firma Sandline International von Tim Spice nach 10 Jahren dieses Problem für Australien. Dieser Einsatz endete aber als Desaster. Als er über sein Kontakt “Executive Outcomes” in Südafrika Söldner angeheuert hatte und zu seinen Mannen nach Port Moresby folgte, wurde er verhaftet.
In Sierra Leone machte sich Tim Spicer für die Wiedereinsetzung des Präsidenten Kabbah stark. Sandline begann mit der Planung des Projekts. Neben einigen Söldnern für Spezialeinsätze und zwei bis drei Helikoptern sollten vor allem Kabbahs Kamajor-Milizen bewaffnet werden, um dann die Hauptlast der Kämpfe zu tragen. Dass die UNO inzwischen ein Waffenembargo über Sierra Leone verhängt hatte, störte nicht weiter, da man bei Sandline ja der Ansicht war auf Seiten der “Guten” zu kämpfen und das Embargo nur für die anderen gelte. Als wesentlich schwereres Problem erwies sich, dass der kriminelle Geldgeber Saxena inzwischen in Kanada verhaftet worden war – Thailand hatte seine Auslieferung wegen Betruges beantragt – und damit ist der Geldfluss versiegt.
Die Wiedereinsetzung von Kabbah war zwar im Interesse der USA, Großbritanniens und Nigerias geschehen, doch nun wuschen die zuständigen Behörden ihre Hände in Unschuld und wollten von keinerlei Absprachen wissen. Natürlich wussten das auch die Medien, doch um die Regierung Blair anzugehen, schlugen sie auf Sandline ein.
Das funktionierte, denn nun berief sich Sandline auf konkrete Telefonate und Treffen mit namentlich genannten Beamten, so dass die britischen Behörden auf rechtliche Schritte verzichteten, da diese nicht im öffentlichen Interesse seien.
Dahinter steckte der Raubbau westlicher Nationen Rutil, Bauxit und Diamanten. Das System Liberia (Charles Tayler) Sierra Leone: Edelsteine aus Sierra Leone werden automatisch “liberianisch”. Dieses System entspricht den Interessen der großen Unternehmen wie De Beers oder Lazare Kaplan International, denn die handwerkliche Ausbeutung der Diamantenfelder in den Rebellen- oder Milizengebieten von Sierra Leone sowie der Schmuggel ermöglichen es, zu Niedrigstpreisen Rohdiamanten zu kaufen.
Nach den ganzen Untersuchungen taucht Tim Spicer plötzlich mit der Aegis Defense Service wieder aus der Versenkung auf und wird im Irak mit ca. 20’000 Mann zur 2. grössten Armee nach den USA. Dort zeugen die Videos “Aegis Trophy” von Menschen- und Kriegsrecht-Verletzungen.
Wenn die Söldner-Armee von Tim Spicer in der Schweiz eine Niederlassung erhält, respektive behält, dann ist auch für die Mafia der Weg offen um Holdings in der Schweiz anzusiedeln, sofern sie äussern, in der Schweiz operativ nicht tätig zu sein.
Nachfrage:
Wer will prüfen und gegebenfalls Sanktionen verhängen und durchsetzen, falls doch operative Tätigkeiten festgestellt werden? Was ist mit unserer Neutrlität, Sicherheit und Glaubwürdigkeit in dieser Welt?
am 13. August 2010 um 11:42 Uhr.
Erhellend dazu dringend zur Lektüre empfohlen:
Global Post .com * (siehe dort unter “Business”):
“Telling Swiss secrets: A bankers betrayal” / von Mischael Bronner (5.August 2010):
Eine zweiteilige Recherche über die Hintergründe des Falls Birkenfeld / UBS in den USA.
Inzwischen wird mir allmählich klar, warum der Kurs der UBS-Aktie trotz eines kürzlich verkündeten und bejubelten “sensationellen Halbjahresreingewinns” von über 4 Millirarden CHF nach einem kurzfristigen Ausschlag nach oben wieder dort landet, wo er die letzten zweinhalbjahre herumdümpelte: um die 16/17 CHF.
Mein lieber scholli! as da noch auf uns zukommt!
*) Global Post ist eine Internet-Nachrichtenagentur, vor eineinhalb Jahren in den USA gegründet. Sie kann sich auf 65 Korrespondenten abstützen, gilt weithin als seriös und ernstzunehmend. Treibende Kräfte bei der Gründung waren Carlyle Murphy /Washington Post und Matt Baynon Rees / Time Magazine.
am 13. August 2010 um 14:26 Uhr.
…und noch zur Ueberschrift:”Wir sind in der Schweiz operativ nicht tätig”:
Der oben erwähnte Ex-UBS-Bankier Birkenfeld hatte seine Bankerlizenz in Genf laufen. Die heissen Geschäfte wickelte er aber natürlich draussen in den USA ab, wo der “Pilotfall” vor Gericht nun nochmals minutiös aufgerollt werden soll. Eben:…”wir sind in der Schweiz operativ nicht tätig”…. Den Schmuddel machen wir draussen. In der Schweiz ist nur die klinisch saubere Buchhaltung und die hygienisch untadelige Koordination jener Geschäfte, die es, natürlich, gar nicht gibt.
am 16. August 2010 um 14:31 Uhr.
Hinein kam und kommt (ungebremst) Schwarzgeld, raus gehen Waffen in Krisengebiete, und EWS labert von humanitärem Völkerrecht, ‘genau hinschauen und prüfen’: Lauwarme Routine für die Volksseele.
Die USA sind zur Zeit an sovielen Plätzen Afrikas und Asiens wie noch niemals zuvor mit Söldnerfirmen an ‘dreckigen’ Kriegen und Aggressionen beteilgt, alleine 26 000 in Afghanistan !
Gott und der Mehrheit der Basisdemokraten sei Dank, dürfen wenigstens keine Minarette gebaut werden……..und nächstes Jahr wird der Herr Pfeuti ja NR, dann wird alles gut !
am 17. August 2010 um 8:41 Uhr.
@) rené w. : Sie haben recht: Wenn Politiker den Satz gebrauchen, man müsse da “genau hinschauen und prüfen”, heisst das auf Deutsch übersetzt: Warten wir mal ab, bis die Aufregung vorbei ist. Business as usual.
Es ist an den Medien, weniger naiv zu sein, nicht immer alles zu glauben, was Bundesräte und irgendwelche Experten sagen, darauf zu achten, dass das nicht so einfach durchgeht und dass sie in einem Monat oder so nachfragen: Was ist denn nun, Frau EWS? Was hat die Prüfung ergeben? Warum geschieht nichts?
Unsere Medien müssen offensiver, mutiger und eigenständiger werden – aber nicht nur dann, wenn es um Einzelpersonen geht, die zum Abschuss freigegeben sind (Fall Béglé etc.)