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Tagesarchiv für 10. August 2010

Was uns blühen kann

Dienstag, den 10. August 2010 um 10:09

Ganz schlecht war die Wirtschaftskrise nicht. Wie hätten die EU-Europäer sonst gemerkt, dass sie über ihre Verhältnisse leben? Die Spanier hätten weiter ihre Küsten verbaut, die Griechen auf Kosten aller anderen gelebt und die Deutschen hätten die Sparbremse nicht angezogen, was ihnen jetzt dienlich ist. In Griechenland sind jetzt Massenpleiten angesagt; der Lebensstandard, bisher künstlich subventioniert, sinkt zurück auf den des Jahres 1984. Giulio Tremonti, der italienische Schatz- und Finanzminister, hat für seine Landleute bereits die Devise ausgegeben: „Stabilität und Austerität“.

Erfolgreicher Mao Tse Tung

Dienstag, den 10. August 2010 um 10:04

Die 1951 vom „Grossen Vorsitzenden“ Mao Tse Tung gegründet Agricultural Bank of China, die Raiffeisenbank Chinas, hat soeben den grössten Börsengang aller Zeiten erfolgreich durchgeführt. Die Teilprivatisierung erbrachte USD 22 Mia. Während Mao gerne Gedichte schrieb, hat sich der Bankvorsitzende Xiang Junbo nicht nur auf das Verfassen von Gedichten spezialisiert; er schreibt auch erfolgreich Filmdrehbücher. Und wir? Oswald Grübel, CEO des UBS-Konzerns, wurde am Filmfestival in Locarno mindestens gesehen.

Basler Geschichten

Dienstag, den 10. August 2010 um 9:34

Allmählich finden die beiden Basler Halbkantone Basel-Stadt und Basel-Land langsam zueinander. Der im Entlebuch und Emmental 1653 ausgebrochene Bauernkrieg fand die Unterstützung der ausgehungerten basellandschäftler Bauern.

Johann Rudolf Wettstein, der sich für die Stadt Basel an den Bauern bereichert hatte, holte Soldaten aus Ausland und liess die Aufständischen foltern, enteignen, verbannen, köpfen und sogar aufhängen. Seit dem 14. Juli 1653 gibt es keine Freundschaft mehr zwischen den beiden Halbkantonen.

Wolfsjagd macht Beamte munter

Dienstag, den 10. August 2010 um 9:24

Das verrückteste Argument für die Wölfe war wohl die Feststellung, man habe den Kühen die Hörner genommen, weshalb sie sich nicht mehr verteidigen können. Für die Antwort ist der Schweizerische Bauernverband zuständig, der aber noch in den Ferien ist. Die Sektion Jagd im Bundesamt für Umwelt, Schutzherrin der Wölfe und Bären, argumentiert auf die Frage, ob die Paarbildung der Wölfe nicht weitere Ängste auslöse: „Das mag sein, aber grundsätzlich kann dies auch positive Effekte haben. Das System würde sich stabilisieren, weil ein Rudel sein Revier gegen Eindringlinge verteidigen würde.“ Gegen menschliche Eindringlinge? Oder haben Sie das verstanden? (NZZ vom 29. Juli 2010, S. 20)

Verführerische Rhetorik

Dienstag, den 10. August 2010 um 9:13

Es gibt Formulierungen, die sich, wie frische Gänseleber-Pastete in den Gaumen, in das Hirn einschleichen und benebeln. Zum Beispiel: „Wir haben viele Jahre über unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten gelebt und unsere intellektuellen wie geistigen Möglichkeiten zu wenig genutzt.“ Wer wollte dem widersprechen nach einem rechten Lunch mit attraktiven Weinen? Jedoch sollte man fragen: „Wer hat viele Jahre über seine wirtschaftlichen Möglichkeiten gelebt?“ Zwei Drittel aller Europäer würden antworten: „Wir haben es gerade oder knapp geschafft. Wo sollen wir sparen?“ Das reiche Drittel wird antworten: „Wir haben gearbeitet und es verdient.“ Unterhalb unserer intellektuellen und geistigen Möglichkeiten? Dem wird niemand zustimmen, nicht die Professoren, nicht die Politiker, nicht die Unternehmer, Manager, Pfarrer und nicht die Polizisten. Solche Äusserungen kommen zumeist von liberal-konservativen Think Tanks, die neue Sparprogramme vorbereiten.

Abschied vom Stierkampf

Dienstag, den 10. August 2010 um 9:13

Das Schauspiel des Stierkampfs ertrage ich nur alle zehn Jahre, dann reicht es wieder. Dennoch bin ich traurig, dass dieses archaische Ritual nun offensichtlich verschwinden wird. Neben meinem Schreibtisch steht einer der schönsten „miuras“, den spanische Künstler je geschaffen haben. Es ist ein Held voller Eleganz. Wir töten jeden Tag Millionen von Tiere, aber meist hinter Mauern oder in den Versuchsstationen der Pharmaindustrie. Wie Fische sterben, wollen wir schon gar nicht wissen. Vor gegen 30 Jahren publizierte der „New Yorker“ jenen berühmten Essay, worin der Stierkampf aus der Sicht des Stiers beschrieben wurde: Wie er aus der Dunkelheit in das grelle Licht der Arena taumelt, wie das Geschrei ihn verwirrt, wie er die Lanzen der Picadores abschütteln will, wie der Blutverlust ihn schwächt und wie, stets ohne Orientierung, zusammen bricht. Die sanften Weiden in den Hainen der Steineichen sind seine letzte Erinnerung.
Versagt haben nicht nur die eigensinnigen Toreros und Matadores, die nicht in der Lage waren, ihr Tun zu verteidigen. Versagt haben die Stierzüchter und eine ganze Industrie, die dem Empfinden der coolen Jugend Spaniens nicht mehr entspricht. Deshalb ist es bezeichnend dafür, dass es die Katalanen waren, welche diesen ihnen fremden Sport zuerst abschafften. Ein spanisches Herrenvolk hat dieses aus dem Mittleren Osten kommende Ritual bis in die Gegenwart getragen. Jetzt, da diese Trägerschaft schwach geworden ist, indem sie sich, ohne sich zu erklären, in die weiten Patios ihrer Villen zurückzog, verschwinden die Stiere, die Toreros, die Weiden und die Bäume. Old Europe ist wieder ein wenig ärmer geworden.

 
     
     
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