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Tagesarchiv für 2. August 2010

Niedrigsteuer-Kantone sind Sonderwirtschafts-Zonen

Montag, den 2. August 2010 um 11:51

Delaware in den USA, Hongkong in China und Skolkowo bei Moskau sind Sonderwirtschaftszonen, wo die sich dort ansiedelnden Firmen extrem niedrige oder meist keine Steuern bezahlen. Unsere Niedrigsteuer-Kantone sind nichts anderes. Zug und Schwyz sind Sonderwirtschaftszonen mit Anbindung an Zürich. Nidwalden und die beiden Appenzell sind Sonderwirtschaftszonen vorzugsweise für deutsche Unternehmer, die ihre Risiken verlagern möchten. Genf ist ohnehin eine Sonderwirtschaftszone, weil die UNO und zahlreiche andere internationale Behörden mit ihren Mitarbeitern, die meist keine Steuern zahlen müssen, extrem begünstigt werden. Die damit ausgelösten Wohlstandseffekte begünstigen grosse Teile der Schweiz, sei es durch den Konsum der Ansiedler, durch deren Aufträge an Dienstleister und Gewerbe oder den reichlich fliessenden Finanzausgleich zugunsten ärmerer Kantone.

„Ein schwaches und krankes Volk“

Montag, den 2. August 2010 um 9:02

Es ist schon einige Jahr her, dass ein heute noch aktiver bekannter Schweizer Unternehmer vor seinen Freunden den Satz in den Saal schmetterte: „Wir hatten in der Schweiz schon lange keinen Krieg mehr. Im Krieg kommen jene Menschen um, die schwach sind, die wir jetzt aber ernähren müssen.“ Leichte Verlegenheit breitete sich aus, aber auch manche Zustimmung wurde erkennbar. Jetzt holte Luftwaffenchef Markus Gygax zum 1. August aus: „Daher schaut ein gesundes Volk nach vorne, ein schwaches und krankes Volk schaut zurück.“ Solche Sätze darf man geniessen, denn der Begriff vom „lebensunwertem Leben“ klingt nach. Die Luftwaffe war immer Elite und pflegte das Herrenmenschentum. Das erinnert mich an Theodore Roosevelt und John Cabot Lodge, die sich vor 120 Jahren den Krieg auf die Fahnen geschrieben hatten und glücklich waren, als die USA gegen Spanien in einen Eroberungskrieg zogen. Roosevelt war Unterstaatssekretär der US-Marine, die noch elitärer ist, als es die europäischen Luftwaffenoffiziere sind. Gygax appellierte an den Wehrwillen, „der den Helvetiern in den Genen sitzt.“ Na ja, die Helvetier, ein keltischer Stamm wenig präziser Herkunft, die bald auch von der Bildfläche verschwanden, verloren ja wohl ihre Bandenkriege. Expansiv waren höchstens die bernischen Zähringer, die man wohl den südwestdeutschen Badenern zurechnen muss. Luftwaffenchef Gygax, der mit seiner leicht veralteten Flotte zwischen Bodensee und Lago Maggiore den Luftkampf üben muss, denkt wohl eher an die neuen Flugzeuge, die er braucht, bevor seine alten Maschinen alleine vom Himmel fallen.

Die anderen Reden zum 1. August 2010 kann man als Trost- und Zweckreden bezeichnen. Micheline Calmy-Rey trat in Flüeli-Ranft als Cowgirl auf, das 100jährig werden will, Moritz Leuenberger im Zürcher Oberland als urbaner Dandy, der sich im Schweizer Fernsehen mehr städtische Kultur wünscht. NR-Präsidentin Pascale Bruderer kann sich vorstellen, demnächst Mutter zu werden, kann sich aber auch vorstellen, zuvor Bundesrätin zu werden. Derlei Multioptionalität veranlasste die St. Gallischen Uzwiler zu dem Beschluss, ab 2011 per Los zu entscheiden, wer sprechen darf. Es spielt ohnehin keine Rolle, was dem Volk versprochen oder empfohlen wird. Die Beschlüsse fallen auf einer höheren Ebene. Der Berner Schriftsteller E. Y. Meyer sagte gleichentags: „Es ist für die Füchs“.

Schreibt nicht soviel

Montag, den 2. August 2010 um 8:25

Ulrich Bremi, alt Nationalratspräsident, hat schon vor 30 Jahren wissen lassen: „Schreibt noch soviel.“ Was uns heute, eine gute Generation später, an Schriftlichem erreicht, ist in einem schrecklichen Zustand. Vier Fünftel der Menschheit scheint das korrekte Schreiben verlernt zu haben, von gutem Schreiben nicht zu schreiben. Aus England erfahren wir mehr: Eine Epidemie des Analphabetentums greift dort um sich. Ein Drittel der Londoner Grundschüler hat Leseschwierigkeiten, fünf Prozent können gar nicht lesen und 20 % der Hauptstadtschüler verlassen die Sekundarschule, ohne sicher lesen und schreiben zu können. Es sind nicht die Secondos, die Ausländer, sondern weisse Arbeiterkinder, die in der Schule abgehängt werden. In der Schweiz ist es nicht anders.

Wer ist schuld?

Montag, den 2. August 2010 um 8:18

Die grössten Geister Europas trafen sich in der Villa Vigotti am Comer See, um herauszufinden, ob die Spekulation eher auf Private oder den Staat zurückzuführen sei; Beispiele für beides gibt es seit 3000 Jahren zu genüge. Aus meiner bescheidenen Beobachtung seit gut fünfzig Jahren schliesse ich, wie zuletzt in den USA, Griechenland und, speziell, Kalifornien: Der Staat handelt unter Druck der einflussreichen, oft reichen Kreise. Die Reichen selber wollen, wie in Griechenland oder Kalifornien, selber kaum Steuern bezahlen; sie lassen dies durch den Staat an mindere Kreise delegieren (MwSt). Die Inflation ist ein Instrument des Staates, um Grossschuldnern und Spekulanten wieder zu Vermögen zu verhelfen. Kleinschuldner, Pensionäre, Angestellte zahlen mit ihren Mittelstandsvermögen die Rechnung. Merke: Seit den Göttinger Sieben wissen wir um die Käuflichkeit von Professoren. Tagungen wie Vigotti sind Marketingveranstaltungen für intellektuelle Dienstleister.

Wir Affen

Montag, den 2. August 2010 um 7:51

Der in Saudi Arabien aufgefundene Affenschädel, halb Tier halb Mensch, ist gut 28 Mio. Jahre alt. Die Wissenschaftler schliessen daraus, erst mit diesem „Pavian Schädel“ habe sich die Menschheit von den Affen getrennt. In Saudi-Arabien. Unsere Vorgeschichte rückt immer näher. Werden wir eines Tages die Spätaffen unserer Nachfahren sein?

Kirche in Not

Montag, den 2. August 2010 um 7:51

Will ich in einer Zürcher Staatskirche Yoga üben, kein Problem. Will ich schamanische Rituale vollziehen, kein Problem. Will ich mich unter dem Kirchturm gleichzeitig als Moslem fühlen, kein Problem. Will ich aber als Christ gegen die Abtreibung demonstrieren, bleiben die katholischen und reformierten Zürcher Kirchen geschlossen. Das individualistische „Recht der Frau auf meinen Bauch“ wird höher eingeschätzt als der kollektive demographische Untergang. Homos und Lesben lassen sich feiern und pochen auf ihre gesellschaftliche Gleichberechtigung. Wer will schon, ausser der „Schweizer Familie“, will Familien feiern? Die radikalen christlichen Abtreibungsgegner sind auch keine einfachen Menschen und verärgern durch sektiererische Auftritte. Die vielerorts gepriesene „coolness“ ist unserer Gesellschaft offensichtlich verloren gegangen.

 
     
     
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