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Vor dem 1. August 2010

20. Juli 2010 um 9:50

Hat die Schweiz noch eine tragfähige Erzählung, nachdem der Rütlischwur von 1291, zuvor die Tellsgeschichte, und viele andere alte Mythen von den linken Intellektuellen und Professoren der Schweiz dem Orkus anheim gegeben wurden? War es der in Zürich verdrängte Ochs’sche Kampf um die selbständige Schweiz nach dem 30jährigen Krieg? War es Ulrich Ochsenbein, der als radikaler Berner die basisdemokratische Schweiz mehr begründete als seine Zürcher und Winterthurer Kollegen? Haben die Hugenotten der Schweiz den Wohlstand gebracht oder waren es die englischen Touristen des 19. Jahrhunderts? Hat General Guisan die Schweiz den Franzosen verkauft, während die Bührle-Wirtschaft den Deutschen die Waffen zudiente und die Nationalbank das Gold der Deutschen wusch? Die Schweiz ist eine Überlebenskünstlerin, die ihrem Volk Wohlstand und Reichtum brachte: Banken, Versicherungen, Rückversicherungen, Chemie- und Pharmaunternehmen, Gewerbe und KMU. Jetzt öffnet sich die Schweiz weit den multinational-globalen Konzernen, denn diese suchen eine Heimat. Singapur ist die Schweiz des Ostens; wir bleiben die Schweiz des Westens. Was immer mit diesem Land geschieht, das bald 9 Mio. Einwohner haben wird, die nicht mit altem Schweizer Blut geboren sein werden, es wird eine Weltlegende bleiben, denn so viel Friede, Freiheit und Wohlstand über hunderte von kriegerischen Jahren hinweg kann niemand sonst verzeichnen. Schweiz sein und Schweiz werden, das bleibt der Traum von Milliarden Menschen.

6 Kommentare zu “Vor dem 1. August 2010”

  1. Fred David

    Man darf sich ja am 1.August über Vieles freuen, aber gleich Weltlegende? *)

    Duden: “Legende = eine dem Märchen und der Sage verwandte Textsorte bez. literarische Gattung”

  2. rené w.

    Schade eigentlich, dass Sie in Ludwigsburg geboren wurden und nicht im Flüeli-Ranft…………………

  3. Werner

    Kommentar zu rené w.

    Um möglichst “Schweiz” zu sein, hat er vor vielen Jahren die liebenswürdigste Frau vom Rütli der Schweizer Frauen geheiratet.

  4. Fred David

    ..im übrigen ist es schön, dass wir Schweizer uns nie selber loben, am 1.August schon grad gar nicht, dass wir nicht so überheblich und selbstgefällig sind wie all die andern Völker da draussen, dass wir oft und gern auch über uns selbst lachen und uns in Frage stellen können, dass die feine Selbstironie die grösste unserer vielen Nationaltugenden und der Mut zur konstruktiven Selbstkritik die stäkste unser aller Stärken ist, dass wir übehaupt das Mutterland der allumfassenden Solidartät sind, und dass wir gottlob nicht so egoistisch und arrogant daherkommen, wie all die verarmten Neider um uns herum. Vorab in der EU.

    Und, nebenbei, dass wir aus einer Billion Franken Schwarzgeld aus aller Herren (und selbstverständlich auch Frauen) Länder, simsalabim, Weissgeld zu waschen in der Lage sind , ohne dabei rot zu werden, das fehlte noch! (Klar, das musste ja noch kommen).

    (Aus dem Büchlein: “1.August-Wallungen für Ketzer”; jetzt überall im Handel, jedoch nur unter dem Ladenttheke oder diskret via Internet erhältlich).

  5. Fred David

    ps. Der vorletzte Absatz darf nicht laut verlesen, sondern nur in Blindenschrift verteilt werden (Die Kommission zur Einhaltung nationaler Sitten und Gebräuche).

  6. Prof. Gerardo W. Físcher

    Sicher haben jene linken Intellektuellen und Professoren recht und vertreten nicht mehr bestreitbare Wahrheiten. Aber menschliche Gemeinschaften – die kleinen wie Freundschaften und Familien bis hin zu Völkern und Großnationen – leben von gemeinsamen Träumen jenseits des materiellen Geschehens, das man erträgt, aber nicht liebt. Friedrich Schiller war soweit ich weiß außer Dichter auch Historiker, aber es war seine Dichtung, seine wirklichkeitsähnliche Schilderung der Geschehnisse um Wilhelm Tell, welche die Schweiz zum bleibenden Begriff machte.

    Auch der geniale Stratege und Befreier halb Südamerikas (Argentinien, Chile, Perú ohne endgültigen Abschluss der Kämpfe, weil die zivile Regierung in Buenos Aires kein Geld mehr für die Truppen sandte) General San Martín war auch Mensch wie wir alle, und manche berühmte Schlacht, die man sich gewaltig vorstellt, war nur klein und von kurzer Dauer, wenn auch dennoch entscheidend.

    Republik-gewohnte Schweizer verstehen das vielleicht nicht ganz: Deutsche Könige und Kaiser wurden in Volksliedern, die man hier und da noch heute kennt, besungen, selbst der deutsche Dichter Goethe dichtete den Text des Königs von Thule. Und die Republik Argentinien hat Lieder zu San Martín und General Perón.

    Typische Linke verstehen wohl nicht so recht zu träumen, sie sehen eher kalt und grau wirtschaftliche Ungerechtigkeit und viel weniger Ziele, für die zu leben lohnt. – gwf

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