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Weblog
Tagesarchiv für 9. Juli 2010
Freitag, den 9. Juli 2010 um 14:45
Wo viele jammern und Angst haben vor der Krise, der jetzigen, der morgigen, der definitiven, muss daran erinnert werden, dass sich die Krise auch als Überlebensprinzip eignet. Die Juden, soweit sie sich diesen Stempel auferlegten, waren immer in der Krise, mit ihnen der Staat Israel. Dennoch haben sie, lehnt man ihr Vorgehen auch ab, Tolles geleistet. Vielleicht waren nur die Nichtjuden zu dumm, dem stand zu halten. Krise bedeutet nichts anderes als “beschleunigte Veränderung”, die ich verstehe oder nicht verstehe. Wer die Vorgänge versteht, wie George Soros, der einst kommunistische Spekulant, wie Muammar Ghadafi und Fidel Castro, die beiden politischen Überlebenskünstler, oder Warren Buffet, der Extrem-Investor, wird erfolgreich. Wer sie nicht versteht, wie wir Schweizer, wird langsam in den Keller der Geschichte rutschen. In der Schweiz wird in den Schulen das Prinzip der Kontinuität gelehrt; wir sollten lernen, mit Diskontinuitäten zu leben.
Gesellschaft | 1 Kommentar »
Freitag, den 9. Juli 2010 um 10:34
Moritz Leuenberger wurde durch die Kopp-Affäre auf den Sitz im Bundesrat geschleudert, ohne dass der junge Anwalt, dem seine Kollegen keine besonderen Erfolge nachsagten, auf diese Aufgabe vorbereitet worden wäre. In der Folge war er ein Bundesrat, der auf allen Ebenen versagen musste:
- In der Luft, weil die Schweiz über keine nennenswerte Luftverkehrspolitik mehr verfügt. Kloten ist fest in den Händen der Deutschen.
- Auf der Strasse, weil wir auf diesen ein Chaos haben, das sich Jahr um Jahr gesteigert hat.
- Auf der Schiene, weil die SBB sich in der Aera Leuenberger/Weibel immer tiefer verschuldete oder notwendige Investitionen aufschob. Die Walliser dürfen ihm für den Lötschbergtunnel dankbar sein.
Als Medienminister hinterliess er uns eine SRG/SRF, die für extrem viel Geld zu wenig Inhalt liefert. Die staatspolitisch wichtigen Zeitungsverlage erhielten knappe Subventionen aus Bern, aber keine Perspektive.
Moritz Leuenberger tritt nach der Herbstsession zurück, weil seine Partei, die SP, befürchten musste, mit ihm in die nächste Wahlniederlage zu gehen. Er hat seiner Partei seit Jahren nur noch schlechten Dienst geleistet.
Als Narziss, der sich zwischen Yves Saint Laurent und Christoph Marthaler positioniert hat, ist er auch als Rhetoriker nicht sehr weit gekommen. Er wie seine Reden werden bald vergessen sein.
Politik | 6 Kommentare »
Freitag, den 9. Juli 2010 um 10:30
Per Ende Jahr wird BR Leuenberger zurücktreten, wie er eben an der Pressekonferenz in Bern verkündete. Grund: Er kam sich etwas blöd vor, im Rahmen seines Präsidialjahrs, jetzt schon so viele Anfragen für Auftritte und Referate zu erhalten. Um von seinem drückebergerischen Verhalten abzulenken, redete er von seinen lediglich zwei Erfolgen in seinen 15 Jahren Tätigkeit als Bundesrat. Im Namen der Schweiz sind wir alle froh, dass ein Kapitel SP-Geschichte im Bundesrat per Ende 2010 abgeschlossen wird. BR Leuenberger war in den 15 Jahren keine Bereicherung für die nationale Politik. Sein führungsschwaches Verhalten in Sachen Zürich-Anflugproblematik, war wegweisend. Niemand hat das Dossier so schwach verhandelt in Deutschland wie er. Er hat die Schweiz nach aussen zur Lachnummer gemacht. Gut, dass die Schweiz von diesem Schöngeist erlöst wird.
Fidel Stöhlker
Politik | Keine Kommentare »
Freitag, den 9. Juli 2010 um 9:39
Mindestens 40 % der eigentlichen (Ur-)Schweizer sind unglücklich darüber, dass die CS Group eine Zuwanderung von einer guten Million Ausländer in die Schweiz an den Horizont malt. Die Angehörigen der national orientierten B-Schweiz wollen nicht eine A-Schweiz finanzieren, die immer mehr teure Immobilien und sonstigen Luxus braucht. Martin Neff, Chefökonom der CS, sagt kühl: “Der starke Franken zwingt in die Exportwirtschaft zur Innovation.” Das ist nur die halbe Wahrheit. Swissmem-Präsident Niklaus Schneider-Ammann tritt in diesen Tagen bei Philipp Hildebrand an, dem Präsidenten der Schweizer Nationalbank, um weitere Investitionen gegen einen zu teuren Franken zu fordern. Dieses heute schon 230 Mia-Risiko trägt – wieder einmal – letztlich jeder Schweizer Bürger. Die CS fordert nichts anderes, als das Wachstum der A-Schweiz durch Sicherheiten der B-Schweiz zu garantieren.
Wirtschaft | 1 Kommentar »
Freitag, den 9. Juli 2010 um 9:36
Als der Pilot André Borschberg nach dem ersten Nachtflug des “Solar Impulse” wieder aufsetzte, warf sich André Piccard mediengerecht über seinen erfolgreichen Partner, um ihn zu beglückwünschen. Bertrand Piccard kommt aus einer berühmten Familie, ist ein glänzender Verkäufer seiner Ideen und eine glaubwürdige Persönlichkeit. Wer aber ist André Borschberg? Was sein Anteil am Erfolg? Ich kann mir vorstellen, dass die beiden Freunde seit längerem einen Deal miteinander geschlossen haben: Piccard tritt als Unternehmer und Imageträger nach aussen auf, Borschberg ist der Mann der Entwicklung und Produktion. Dieses Modell ist auch in der Wirtschaft häufig anzutreffen. Nehmen wir den Fall von “Joe” Ackermann, dem CEO der Deutschen Bank AG in Frankfurt. Sein Aufstieg ist nur zu verstehen vor dem Hintergrund seines langjährigen Freundes Anshu Jain, den er als Chief Investment Officer der Bank zu seinem Nachfolger aufgebaut hat. Ohne das Geld, das Jain in aller Stille verdiente, hätte es keinen erfolgreichen “Joe” Ackermann gegeben. Wahrscheinlich übernimmt demnächst ein globaler Investment Banker, der kaum Deutsch spricht, den grössten deutschen Bankkonzern. Warum sollte dies nicht auch in der Schweiz für UBS und CS gelten? Dann sind die deutschen wie die Schweizer Sparer nur noch Zubringer für das grosse Geld, das andernorts verdient wird. Ackermann ist wichtiger Sponsor des “Solar Impulse” von Piccard; die beiden “best salesmen” verstehen einander.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Freitag, den 9. Juli 2010 um 9:35
Nicolas G. Hayek hat das Unmögliche wahr gemacht und aus einer zusammenbrechenden Branche eine neue Industrie gemacht, an deren Weltspitze heute die Swatch Group steht mit einem Umsatz von Fr. 5,4 Mia. und 23 500 Mitarbeitern. Sein Sohn Nick Hayek, CEO der Gruppe, ist ein Arbeitstier; er wird das Erbe seines Vaters verteidigen. Von Tochter Nayla ist bisher nur bekannt, dass sie Pferde züchtet und den Ländern Arabiens für den Verkauf zuständig war. Zudem führte sie den Uhrenteil von Tiffany, ein eher kleines Geschäft. Im VR der Swatch Group sitzt Peter Gross als Vizepräsident, der das “Experiment Hayek” überhaupt erst ermöglicht hat. Johann Schneider-Ammann und Ernst Tanner sind die beiden echten industriellen Schwergewichte, denn Schneider hat die Ammann Group aufgebaut, Tanner die Lindt Group (vormals Lindt & Sprüngli) zum Erfolg geführt. Jean-Pierre Roth, der ehemalige Nationalbank-Präsident, weiss perfekt, wie man in den USA via Dollar günstig einkauft, um den teuren Euro zu unterlaufen. Esther Grether ist mit 7,5 % der Stimmen Grossaktionärin der ersten Stunde, sonst aber nur Investorin, welche den Hayek’s (40,2 %) immer die Mehrheit sichert. Was Claude Nicollier leistet, ist unbekannt. Das Abenteuer Swatch Group geht in die nächste Runde; vorläufig behalte ich meine Aktien.
Wirtschaft | 2 Kommentare »
Freitag, den 9. Juli 2010 um 7:38
Die Fussball-WM in Südafrika soll die Haitianer von ihrem Trauma befreien. Die Franzosen sollen dafür in ein Trauma fallen. Die Deutschen sollen, geht dies so weiter, ins Herrenmenschentum zurück fallen. Weil der deutsche Trainer Hitzfeld den Schweizern so wenig geholfen hat wie Köbi Kuhn, sollten wir mindestens Maradona holen. Fussball eint die Völker? Sicher nicht. Sie regen sich ein wenig auf, die Massenblätter steigern die Auflage, der Bierumsatz steigt. Einige Fans schlagen sich die Köpfe ein. Die FIFA hat mächtig Geld verdient. Aber mehr ist eigentlich nicht geschehen.
Gesellschaft | 6 Kommentare »
Freitag, den 9. Juli 2010 um 7:17
Libyen hat jetzt ein höheres BIP als Polen; der libysche Staat prüft, den BP-Konzern zu retten, der die US-Küsten (und mehr als das) verseucht hat. Die Türkei steht hinsichtlich der finanziellen Staatsrisiken auf der gleichen Ebene wie Italien, wobei hinzugefügt werden kann, dass Italien eher ein Absteiger-, die Türkei ein Aufsteigerland ist. Tut es der EU besser, mit unseren Altvorderen abzusteigen oder mit unseren Früheuropäern aufzusteigen? Ich bin froh, diese Auseinandersetzung noch zu erleben. Ja, die Israeli scheinen den Spannungsbogen gegenüber den USA jetzt überzogen zu haben. Die US-Regierung sieht sich weiterhin verpflichtet, Israel zu schützen, aber hohe Offiziere und Politiker betrachten Israel wegen seiner Palästina-Politik zunehmend mehr als Risiko, denn als Chance. Wie schrieb Bertolt Brecht? “O Wechsel der Zeiten, du Hoffnung des Volks.”
Politik | 1 Kommentar »
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