Renaissance von E.Y. Meyer
5. Juli 2010 um 8:18Dieser kräftig gebaute Mann mit markanten Zügen und einem weissen Bart, der ihn in die Nähe von Hemingway rückt, ist von grosser Behutsamkeit und Präzision. E. Y. Meyer hat keine leichten Jahre hinter sich. Im Brünnengut bei Bern lebend, wo die alten Kastanienbäume seit Jahren gefällt werden und die Nähe der Autobahn am „Westside“ von Bern im Nacken, dazu heranrückende Bienenwaben-Häuser moderner Stadtarchitektur, haben bei ihm zu einer Orientierungskrise geführt, die jetzt abgeklungen ist. E. Y. Meyer, Autor von „In Trubschachen“, das zur Schweizer Literatur gehört wie die Werke Frischs und Dürrenmatts, ist wieder zurück mit dem Manuskript für „Eine kleine Reise nach Zürich“, das im kommenden Jahr veröffentlicht werden soll. In den schönen Hallen des ehemaligen Spitals und dann alten Schlachthauses von Burgdorf gab er vor einer guten Hundertschaft hervorragender Freunde ein erstes Kapitel zum Besten, worin er die Begegnung mit einem allseits wegen seiner kulturellen Offenheit bekannten Bankier zu einem Kabinettstück Schweizer Gesellschaftskultur macht, wie es seit 20 Jahren niemandem gelungen ist. Unter Luginbühls tonnenschweren Kugeln ringt E.Y. mit dem Zürcher Bankier, ob die Welt Erfindung oder Dichtung sei, ob eine Konstruktion oder eine Schöpfung. Die in Fertigstellung begriffenen sieben Novellen sind in eine Rahmenhandlung eingebunden, also ganz nach den Beispielen des Decamerone, der Canterbury Tales und der Leute von Seldwyla. E.Y Meyer: „Die Zahlen machen die Welt zur Wüste.“ Wie recht er hat.

