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Monatsarchiv für Juni 2010

Die Schweiz als Ossi Grübels Geisel

Montag, den 28. Juni 2010 um 14:50

Würde es nach dem CEO des UBS-Konzerns gehen, dürfte er weiter mit einem aus globaler Sicht äusserst geringen Eigenkapital eine integrierte Grossbank einschl. Investmentbanking führen. Für seine Spitzenkader hat er bereits eine Boni-Perspektive konstruieren lassen, welche diesen in den kommenden Jahren Milliarden verspricht. Gelingt es der Bankenaufsicht Finma, der Nationalbank, dem Bundesrat und dem Parlament nicht, diesen masslosen Anspruch zu kontrollieren, ist die Schweiz Ossi Grübels Geisel. Dann muss das Schweizer Volk beten, denn andere Mittel hat es nicht, dass die beiden Grossbanken mit risikobeladenen Bilanzen nicht die Schweiz ruinieren, wie Islands Banken den Inselstaat ruiniert haben. Grübel will ein “global banker” werden, wie es einst schon Marcel Ospel anstrebte, der mit seinen Kollegen den UBS-Konzern ruinierte. Das Präsidium der Schweizerischen Nationalbank, angeführt von Philipp Hildebrand, ist ein Damm gegen diese überzogenen Ansprüche. Die Bankenaufsicht Finma ist mit deren Präsidenten Eugen Haltiner noch fest in den Händen der beiden Grossbanken. Es wird Zeit, dass diese Personalie dringlicher behandelt wird. Wenn die beiden Grossbanken Fehler machen, wie dies schon in der Vergangenheit der Fall gewesen ist, haftet das Schweizer Volk mit seinem ganzen Besitz. Das ist kein akzeptables Geschäftsmodell.

Ende Spiel: Blatter siegt, Schweiz verliert

Montag, den 28. Juni 2010 um 14:46

Wirft man der Schweizer Nationalmannschaft vor, sie habe letztlich schwach gespielt, ist dies ebenso richtig wie die Beobachtung, dass unsere Schweizer Fans, Vuvuzuela blasend, keine Spur intelligenter sind. Im Gegenteil, es wird ein falscher wie unrealistischer Nationalismus gepflegt, riefen die Fans in der Alten Spinnerei in Wettingen doch aus: “Steht auf, wenn Ihr Schweizer seid!” Wer bläst schon 90 Minuten in ein Instrument, das abscheulich hässliche Töne hervorbringt? Jemand mit Ästhetik? Sicher nicht. Die Schweiz hat in Südafrika glanzlos verloren. Unsere Fussballer sind mehr Schauspieler als harte, einsatzfreudige Kämpfer. Hitzfeld kommt mir vor wie ein Lehrer, der sich mit einer Sonderklasse abmüht. Einen Sieger haben wir: Sepp Blatter, den Präsidenten des Weltfussballverbandes FIFA. Er hat bisher sehr schöne Spiele von hoher Spannung geliefert. Wir sollten vor allem ihn feiern, wenn er zurückkehrt. Unsere Fussballer und Fans dürfen dann Beifall spenden.

Fulvio Pellis Gang nach Berlin

Montag, den 28. Juni 2010 um 14:09

Da der FDP Schweiz Präsident zu Hause permanent und zu Recht kritisiert wird, versucht er sein Glück bei den Auslandschweizern in Berlin. Am 1. Juli 2010 tritt Pelli im Hotel Mövenpick beim SDWBB (Schweizerisch-Deutscher Wirtschaftsclub Berlin-Brandenburg) auf und spricht über die Zukunft des Finanzplatzes Schweiz sowie den Datenklau. Pelli will mit seinem Generalsekretär Stefan Brupbacher offenbar eigene Wege in Deutschland gehen. Vielleicht will er aber auch die Fehler von BR Merz nochmals verdeutlichen und dann neue Vorschläge an die Bundesregierung adressieren. Gelingen wird dies auf keinen Fall, denn die deutsche Bundesregierung weiss, dass die Schweizer Landespolitik ein gewaltiges Imageproblem hat und nicht mehr so ernst zu nehmen ist, wie zuvor.

Die FDP hat offenbar sehr viele Einzelkämpfer, die sich an den spannenden Fronten profilieren wollen. Die FDP Schweiz verliert dadurch laufend an Glaubwürdigkeit. Der Teamgedanke in der FDP ist nicht mehr da und diese zerrüttete Partei schickt nun den Verantwortlichen für das schlechte Parteiimage ausgerechnet nach Berlin. Das wird höchstens ein peinlicher Ausflug, wie wir es jüngst von der FDP erlebt haben.

Fidel Stöhlker

Das Kurer-Rätsel wird zum Volkssport

Montag, den 28. Juni 2010 um 9:28

Wie schon die römischen Sophisten die Zahl der Engel auf einer Nadelspitze studierten, drehen Spitzenanwälte die Begriffe so lange, bis das von ihnen gewünschte Ergebnis zutage tritt. Die vom früheren UBS-Kurzzeit-Präsidenten Peter Kurer jetzt der “NZZaS” der Öffentlichkeit präsentierten Aussagen zu seinem schnellen Sturz sind spannender als es “Monopoly” je gewesen ist.

- Kurer wurde nach eigener Aussage im März 2006 über das Fehlverhalten seiner Genfer Manager informiert, traf dann aber “Empfehlungen, die zu wenig weit gingen und liess eine Untersuchung einleiten, die zu eng gewesen ist.” Diese Entschuldigung ist kurios.

- Obwohl Kurer und Rohner nichts wussten von den Vorgängen in den USA, ganz offensichtlich weil Martin Liechti sie nicht ins Bild setzte, wollten sie sich als “schwarze Schafe” für die Bank opfern und die Kundendaten in die USA ausliefern. Derart altruistisches Verhalten ist mir in den beiden Grossbanken aus anderen Fällen nicht bekannt. Waren Kurer und Rohner moderne Winkelriede?

- Kurers Behauptung, eine Expertenkommission, die Material für eine Verantwortlichkeitsklage suchen solle, wäre “eine subtile Form der Lynchjustiz” kann nicht nachvollzogen werden. Es geht um die Wahrheit, nicht um seinen Kopf.

Als guter Verteidiger in eigener Sache, geht er dann gleich in den Angriff über:
- Höhere Eigenkapitalvorschriften seien für die Banken kein Nachteil.
- Die Schweizer Politik müsse jetzt eingreifen, um sich nicht schuldig zu machen.
Derartige Aussagen verdienen Lob. Nach dem Motto “Der Einbrecher weiss am besten, wie man ein Haus zu schützen hat, sollten wir ihn zum neuen Finma-Präsidenten machen.” Der Nachfolger von Eugen Haltiner wird heftig gesucht.

Bürgersohn, Sozialist, Ästhet

Montag, den 28. Juni 2010 um 9:19

Dr. Thomas Held, Bürgersohn, dann sozialistischer Aufrührer, wandelt sich jetzt zum ästhetischen Vordenker des Landes. Er verlangt für Städte und Gemeinden “Sonderzonen, wo nur die Gesetze der schönen Baukunst gelten”. Seine Vorbilder sind offensichtlich der Novartis Campus am Basler Rheinufer und das von ihm politisch durchgesetzte KKL in Luzern. Die Randkantone schätzt er weniger. So wirft er dem Kanton Wallis vor, die kantonale Verwaltung könne sich bei den Walliser Gemeinden nicht durchsetzen. Die Gemeindeautonomie gilt diesem Zürcher Urdemokraten offensichtlich wenig. Natürlich findet er, das Wallis, wie Graubünden, Obwalden und der Tessin auch, müssten ihre Zweitwohnungen besser regulieren. Am besten erzählt er dies seinen Zürcher und Basler Freunden, die vorzugsweise solche Zweitwohnungen in diesen Kantonen gebaut haben. Held, als stets strenger Zuchtmeister, der sein Volk gerne belehrt, gibt auch den besten Kantonen nicht mehr als ein Drittel der möglichen Punkte. Seinen spannenden Lebensweg durch die sozialen Klassen der Schweiz wird er demnächst abrunden, indem er die Stiftung Kloster Rheinau führen wird, die vom Milliardär Christoph Blocher alimentiert wird. Der “Sozialist mit Rückfahrkarte ins Bürgertum” bewegt sich auf der gleichen Linie wie die französischen postkommunistischen Grossdenker, die ihr Leiden an der Gegenwart marktfähig gemacht haben.

“Managed Care” will keiner

Montag, den 28. Juni 2010 um 9:04

Morgenradio, Kommentare in DRS 1: Eine weiteren Kreisen fast unbekannte CVP-Nationalrätin Ruth Humbel stottert fast, als sie erklären muss, weshalb der Nationalrat “Managed Care” will, aber das Volk nicht, die Ärzte auch nicht sehr und sonst auch kaum jemand. Humbel: “Wir müssen besser kommunizieren.” Wieso lässt man eine derartige Revolution in der Behandlung von Patienten kommunikativ derart unvorbereitet auf die alarmierte Öffentlichkeit los? Humbel zeigte am Radio, dass nicht einmal sie, als Sprecherin ihrer Gesundheitskommission, dies vermag. Die NZZ ist klüger, sie schreibt von Ärztenetzwerken. Der Inhalt bleibt der gleiche: Künftig sollen alle Patienten so wenig Behandlung wie möglich haben, keine Zweituntersuchung, keine zusätzliche Sicherheit. Der Patient wird “gemanaged”, vorne in den Apparat der Netzwerke hineingeschoben und schnellstmöglich wird heraus befördert. Schon vor 15 Jahren haben Schweizer McKinsey-Berater solche Modelle aus Kostengründen vorgeschlagen, sind aber gescheitert. In meinem ganzen Bekanntenkreis heisst es deshalb: Geht jetzt rasch zu den Ärzten, lasst reparieren, was repariert werden kann. Die Humbel’sche CVP, als echter Sozialpartner, wird dafür nicht mehr einstehen.

Von den Aussies lernen

Montag, den 28. Juni 2010 um 8:58

Die australische Arbeiterpartei hat Premierminister Kevin Rudd kurzerhand abgesetzt und seine Stellvertreterin Julia Gillard an seinen Platz gesetzt. Partei befürchtete eine Regierungsschwäche und den Verlust der kommenden Wahlen. Wie schön wäre es, wenn die SP Moritz Leuenberger und Micheline Calmy-Rey pensionieren würde, die FDP endlich Hansruedi Merz den Schuh geben würde, was aber nicht geht, weil sie voll damit beschäftigt ist, den Nachfolger von Fulvio Pelli zu finden. Es hagelt Absagen. Die SVP kann auf VBS-Chef Ueli Maurer auch nicht stolz sein. Und Doris Leuthard? Sie hat mindestens “erotic capital”, das ist in der heutigen Medienwelt genug zum Überleben.

Der Schönheitsdruck ist ein Irrtum

Montag, den 28. Juni 2010 um 8:56

Die US-Amerikaner geben jährlich 100 Milliarden Dollar aus für Diätprodukte, aber nur 60 Milliarden für Bildung. Der gleiche Prozess spielt sich jetzt bei uns ab. Weil die meisten Diäten fehl schlagen, freut sich die Diäten-Industrie. Es liesse sich auch sagen: Viele werden schöner, aber noch mehr werden dümmer.

Der klügste Dummkopf in Washington

Freitag, den 25. Juni 2010 um 11:18

Er war bei Amtsantritt der Grösste, der Star, der Intellektuelle, der Unschlagbare: General Stanley McChrystal. Der Kommandant der US- und NATO-Truppen in Afghanistan hat sich in seiner Eitelkeit (General McArthur lässt grüssen) höchst negativ über seinen Präsidenten und dessen militärische Entourage geäussert. Obama kann ihn nicht fallen lassen, denn ein derartiger Abschuss ist nicht einmal den Taliban gelungen. McChrystal ist in Afghanistan nicht erfolgreich und suchte deshalb den Fluchtweg über die Medien nach vorn. Schade um die vielen Toten.

Konzerne leiden, Investoren auch

Freitag, den 25. Juni 2010 um 11:18

Wie schwer es ernsthafte Menschen haben, in dieser Welt zu bestehen, machte am 23. Juni die “NZZ” deutlich: “BP in den Klauen der Politik” textete Sergio Aiolfi. Der Gedanke, dass die US-Politik sich in den Klauen von BP befinden könnte, kam ihm nicht. “Mutiger Sparkurs in Grossbritannien” hiess es in der gleichen Ausgabe auf der Titelseite; man hätte auch schreiben können “Regierung verordnet neue Armut” Übertroffen wurde dies gleichentags vom – übrigens hervorragend gemachten – deutschen “Handelsblatt”, wo es hiess: “Finanzinvestoren sprechen sich Mut zu.” Die Armen.

 
     
     
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