Der janusgesichtige Kurt W. Zimmermann
14. Juni 2010 um 9:57Es ist zum neidisch werden: Das Wiener Wirtschaftsmagazin “trend” lese ich mit wesentlich mehr Neugier als unsere meist etwas hausbackende “Bilanz”, während ich dem welschen “L’hebdo” ohne Einschränkung meinen Respekt ausdrücke. Mein Verdacht, der österreischisch geprägte Journalismus, der besser gemacht sei als in der Schweiz, wird nun bestätigt durch die Lektüre der letzten vier Ausgaben des Südtiroler Wochenmagazins “ff”. Die Behauptung, im italienischen Südtirol sei mehr los als in der Deutschen Schweiz, kann nicht gelten, aber wie die Redaktion aus kleinen Ereignissen saftige Geschichten macht, die noch süffig geschrieben sind, ist bemerkenswert. Noch nie in vierzig Jahren habe ich in der Schweiz erlebt, dass man einen bedeutenden Politiker derart umfassend analysiert und beschreibt, wie den soeben verstorbenen Landeshauptmann Silvius Magnano. Offensichtlich halten die Südtiroler, die ich erstmals in den “Deutschen Heldensagen” kennenlernte und deren Zwerg Laurin mich faszinierte, als Volksgruppe mehr zusammen als es den Schweizer oder Teilen davon gelingt. Wer steckt hinter diesem kleinen Medienwunder? Kein anderer als Kurt W. Zimmermann, dessen in Augen vieler “Schandschreibe” über die Schweizer Medien jede Woche in der “Weltwoche” zu geniessen ist. Zimmermann, verantwortlicher Direktor von “ff”, schreibt dort gelegentlich Leitartikel und lobt seine zweite Heimat als “Halbinsel der Seligen”, sei der Unterschied zwischen der Autonomen Provinz Südtirol und Italien doch “eklatant”. Der Wohlstand Südtirols sei auch darauf zurückzuführen, dass Rom jährlich Euro 450 Mio. nach Bozen überweise. Dies veranlasst mich, in der Schweiz einmal nachzufragen, wie wir den Wohlstand unserer Bergregionen finanzieren. Von “ff” kann man lernen.


am 14. Juni 2010 um 11:12 Uhr.
Schweizer Journalisten zur Weiterbildung nach Südtirol?
Ein wenig herb, die Vorstellung.
Aber woran liegt’s, dass in der Westschweiz, in Wien und offenbar sogar in Südtirol der attraktivere Journalismus gemacht wird? Huldrych Zwingli können wir dafür nicht auch noch verantwortlich machen. Obwohl: mit Züri hat es wohl doch auch zu tun.
Jedenfalls, einen wie den Zimmermann hätte man nicht einfach ziehen lassen dürfen, auch wenn er sich mit seinen grandiosen – und teuren – Fernsehplänen bei der Tamedia verstiegen hat.
am 14. Juni 2010 um 12:37 Uhr.
….. weniger ‘los’ ist vielleicht nicht in Süd-Tirol, oder in Tirol ganz allgemein, aber sicher weniger ‘UBS’ usw, und – wie Sie richtig bemerken – sterben ab und zu Leute wie Magnano – oder Toni Sailer – die einen ebensolchen Nachruf ganz einfach verdienen, in unserer plattgemachten Mainstream-Gesellschaft eher selten geworden…..