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Weblog
Monatsarchiv für April 2010
Donnerstag, den 29. April 2010 um 7:48
In vier von zehn deutschen Haushalten ist der TV-Sender der teuerste Einrichtungsgegenstand. Auch in 50 % der Kinderzimmer und 44 % der Elternschlafzimmer laufen TV-Geräte. Ob dies bei uns in der Schweiz anders ist? Wohl kaum. Unterhaltungschefin Gabriela Amgarten will “tradierte Werte” über den Bildschirm bringen. Heimat, Vertrauen und Zuverlässigkeit sollen geboten werden. Damit wird den TV-Zuschauern etwas suggeriert, das ihnen tagsüber fehlt. Amgarten beklagt, sie habe für ihre “Swissness” weniger Geld zur Verfügung als ausländische Anstalten. Ihre ehemalige Chefin Ingrid Deltenre, heute EBU-Direktorin in Genf, widerspricht: “Das Schweizer Fernsehen ist in einer komfortablen Situation.” Der Widerspruch ergibt sich aus dem Wechsel der Positionen. Ganz wie die Zürcher Regierungsrätin Ursula Gut als Küsnachter Gemeindepräsidentin erst gegen Südanflüge kämpfte, gab sie dies bei Übernahme ihrer Regierungsfunktion sofort auf. Begründung: “Ich habe jetzt einen anderen Job.” Merke: Fernsehen ist, mit wenigen Ausnahmen, eine Volksdroge für Dummköpfe. Politik auch.
Ist das zu scharf ausgedrückt? Die Deutschen werden in Zukunft wohl schon deshalb mehr fernsehen müssen, weil sie mit der Riester-Rente das englische Modell der Alterssicherung übernommen haben. Dort war das Risiko der Altersarmut schon immer höher, erhalten die Engländer doch nur Rente nach echtem Bedarf und nicht, wie wir Schweizer (noch), nach den Prinzipien Gleichheit und Leistung.
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Donnerstag, den 29. April 2010 um 7:27
Wir sind alle Kaukasier afrikanischer Herkunft. Eine unserer Ur-Mütter bog nach links ab (oder kam doch über Nordafrika nach Spanien), worauf wir Europäer wurden und keine Inder oder Chinesen. Keiner dankt Afrika.
. Soul und den Blues, aber auch den Rock’n Roll verdanken wir den Afrikanern.
. Picasso und seine Zeitgenossen lernten von ihnen.
. Georg Baselitz, das ärgert mich am meisten, bedient sich in seinen jüngsten Kreationen (Folk Thing Zero, 2009) noch immer der afrikanischen Vorbilder. Ohne Dank und Hinweis.
Sogar Gaddafi wächst ins Schweizern über den Kopf, sein Sohn Said erst recht, der sich als neuer Staatsmann aufbaut. Als Schweizer haben wir englische Sklavenschiffe nach Westindien finanziert; die Basler Missionare waren die härtesten Händler im heutigen Westafrika. An Südafrikas Gold und an Südwestafrikas Diamanten haben wir während Jahrzehnten Vermögen verdient. Mussolini, der Äthiopien überfiel und die Menschen schlimmer massakrierte als Saddam Hussein es tat, wurde in Lausanne zum Ehrendoktor ernannt. Die Beute unserer Grosswildjäger (“The five big ones”) aus Zentralafrika durfte ich in Zürich noch bewundern
Wir sollten nicht weinerlich sein, wenn die Afrikaner manchmal zurückschlagen.
Gesellschaft | 2 Kommentare »
Donnerstag, den 29. April 2010 um 7:27
Ausser den Chinesen, die 80 Mio. Besucher erwarten, hat kaum noch jemand in der Welt von der am 1. Mai beginnenden Weltausstellung in Shanghai Kenntnis genommen. Eine Art Persil-Waschmittel-Männlein, ganz in Blau, mit kecker Locke, europäisch-amerikanischen Augen, nicht chinesisch geschlitzte, will uns nach Shanghai rufen. Das “Hai Bao”-Maskottchen ist ebenso laienhaft wie die offizielle website (www.expo2010.cn). Wahrscheinlich wird die Eröffnung grossartig.
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Donnerstag, den 29. April 2010 um 7:27
Das macht Sinn: Wenn die EU-Staaten die staatliche griechische Bilanz nicht retten, werden die europäischen Grossbanken, darunter auch Schweizer, vor neuen Abschreibern stehen. Weil die Völker und ihre – soweit noch freien – Medien eine neue Bankenfinanzierung via Steuern aber ablehnen würden, ist es besser, Griechenland als ganzes zu retten. Soweit dies überhaupt möglich ist. Sanierungsanwärter sind neben Irland auch Italien, Portugal und Grossbritannien. Wir brauchen einen europäischen Roland Jeanneret, der mit der Büchse einer EU-Glückskette durch das Land zieht.
Wirtschaft | 3 Kommentare »
Mittwoch, den 28. April 2010 um 12:48
Unsere Zürcher Regierung lässt beisswillige Hunde, kaum kontrolliert, frei herumlaufen, hält Sterbebegleitung für eine kulturelle Errungenschaft und lässt Spielcasinos zu, weil sie die Steuern braucht. Würde sich ein Individuum derart verhalten, würden es manche als asozial bezeichnen.
Politik | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 28. April 2010 um 12:18
Wenn Rupert Murdoch, der grösste Verleger der Welt, die “New York Times” niederzwingen will, indem er seinem “Wall Street Journal” ein aufwändiges New Yorker Büro angliedert, erinnert dies an Martin Kall, den CEO von tamedia, der eine Gratiszeitung gründete, um eine andere zu verhindern, der Regionalredaktionen gründete, um einen selbständigen Verlag unter Kontrolle zu bringen, und in beiden Fällen siegte. Ob Murdoch nun so erfolgreich sein wird, wie Kall, wird sich zeigen.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 28. April 2010 um 10:15
In der US-Armee, der bestorganisierten der Welt, gibt es Manuale, in denen aufgeführt ist, wie man Trauerfeiern für gefallene Soldaten durchführt. Seit über 100 Jahren hat die US-Armee, vom Spanischen Erbfolgekrieg bis in die Gegenwart, enorm viel Erfahrung, wie man den Tod seiner eigenen Leute im Ausland begründet und würdig begeht. In Deutschland ist es nach der Hitler-Zeit diesbezüglich ruhig geworden, aber jetzt häufen sich die Trauerfeiern wieder angesichts der zahlreichen Toten in Afghanistan. Die Bundesregierung legt wert auf eine würdige Zeremonie. Sofern der Bundesrat sich entschliessen sollte, analoge Auslandeinsätze für freiwillig sich meldende Berufssoldaten zu bewilligen, werden wir – gut eidgenössisch – bald den “Eidg. Dipl. Trauerfeier-Manager” benötigen. Ich hoffe sehr, dass uns diese Variante des Eventmanagements erspart bleibt. Wer unseren Soldaten unnütze Abenteuer ersparen möchte, lese Wilhelm Dietls im Residenz Verlag, Salzburg, soeben publiziertes Werk “Schattenarmeen”, worin er aufzeigt, wie im Nahen und Mittleren Osten mit Verdächtigen und Gefangenen umgegangen wird. Jedenfalls ganz anders, als uns das IKRK durch Stillschweigen weismachen möchte.
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Mittwoch, den 28. April 2010 um 9:56
Das SF ist nicht geizig wie Sepp Trütsch meint. Das SF hat lediglich eine viel zu teure Infrastruktur. Trütsch hat sein Leben lang viel Geld verdient mit dem SF und verlangt jetzt, dass der Sender in die Gebührenkasse greift und ihm etwas ans Hotel und den Flug bezahlt, damit er am 25jährigen Jubiläum des GP der Volksmusik dabei sein kann. Haben wir eigentlich nur noch realitätsfremde Menschen in unserer Öffentlichkeit? Erst Rita Fuhrer mit ihrem finalen Fehlschlag, der 100‘000 Franken Party und jetzt sollen auch noch Gebühren dafür her, dass Trütsch der “Totsch” seine eigene PR bezahlt bekommt. Er lässt den GP, der ihm offenbar so wichtig ist, einfach fallen wegen Peanuts. Wer ist hier der wahre Geizhals? Es ist Sepp Trütsch.
Fidel Stöhlker
Gesellschaft | 1 Kommentar »
Mittwoch, den 28. April 2010 um 8:57
Allmählich wird mir die Sache unheimlich: Peter Brabeck-Letmathé, Helmut Maucher-Nachfolger bei Nestlé, hat als Glacéverkäufer begonnen, Novartis-CEO Jimenez war erfolgreich in der Fastfood-Brache. Jetzt kommt John Paulson, der jüngst beste Hedge Fund-Manager der Welt, und sagt, seine Karriere habe mit dem Verkauf von Bonbons angefangen. Keine Rede mehr von Hochschulstudium und MBA. An dieser Stelle reihe ich mich ein in die neue Welle: Als 16jähriger habe ich, ohne eigenen Führerschein, einen Wirtschaftsjournalisten einen gebrauchten Fiat verkauft, weil ich das Geld dringend brauchte. Zwei Jahre später stellte er mich als Volontär an, womit meine mediale Karriere begann.
Wirtschaft | 1 Kommentar »
Mittwoch, den 28. April 2010 um 8:39
Heute schliesse ich mich dem Volkszorn an. Lange hat RR Rita Fuhrer, genannt Lovely Rita, ihre Arbeit im Rampenlicht genossen. Jetzt ist Schluss mit dem Theater und eine Neuorientierung muss her. Raus aus dem Rampenlicht und mehr Konzentration auf die eigene Gesundheit. Die Einsicht kam spät aber so war es ja auch beim ex-Stapi Ledergerber, der sich um die Gesundheit seines Sohnes kümmern musste.
Doch was Rita Fuhrer zum Abschluss liefert, ist eine Riesensauerei. Die Zürcher Beamten sind in Feierlaune, während die Wirtschaft in einer Krise steckt und die Unternehmen an allen Ecken und Enden sparen müssen. Nur Rita Fuhrer greift tief in die Beamtenkasse und lässt sich den Bonus in Form eines schönen Abschiedsfestes, bezahlt durch die Bevölkerung, übergeben. Es ist kaum zu fassen, wie dumm der Auftraggeber dieses Festes ist. Völlig egal, ob Fuhrer den Auftrag fürs Fest gegeben hat oder einer ihrer Chefbeamten. Wir Bürger freuen uns, wenn solche Führungspersonen endlich gehen. Hoffen wir auf bessere Führungskräfte mit mehr Feingefühl fürs Volk.
Fidel Stöhlker
Politik | Keine Kommentare »
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