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Monatsarchiv für März 2010

Die neue Ehrlichkeit

Dienstag, den 30. März 2010 um 8:55

Was machen eigentlich die Kinder unserer bestverdienenden Superstars? Warren Buffet’s Sohn Peter hat sein Leben der Musik gewidmet und sagt “If a had faced the necessity of making a living from day one, I would not have been able to follow the path I choose.” So ist es im Leben. Wem das Karma nicht gnädig war, wird ewig zu den Morlocks gehören. Madonna und Moritz Leuenberger einmal ausgenommen.

Swiss Re: Retter aus Deutschland

Dienstag, den 30. März 2010 um 7:10

Es war unter Ulrich Bremi, als die Swiss Re, die damals Schweizerische Rückversicherungsanstalt hiess, im letzten Jahrhundert schon einmal gerettet werden musste. Als Walter Kielholz, wieder ein Ur-Zürcher, den Franzosen Jacques Aigrain holte, glaubte ich diesem, wie viele andere auch, kein Wort. Walter Kielholz und Peter Forstmoser wussten es besser, verloren über Fr. 10 Mia. und mussten Berkshire Hathaway gegen 12 % Zins und teure Sonderrechte zu Hilfe holen. Walter Kielholz, der aus ähnlichen Gründen schon sein Spitzenamt bei der Credit Suisse zur Verfügung stellte, lässt sich nun mit Millionen belohnen. Die Swiss Re läuft seither im Stammgeschäft wieder ganz ordentlich; gerettet wurde sie von einem Deutschen, Stefan Lippe, der als CEO das Ruder übernommen hat. Kielholz lässt sich trotz schwacher Leistungen fürstlich bezahlen; die Aktionäre haben den Schaden.

Brauchen wir noch national kontrollierte Medien?

Montag, den 29. März 2010 um 11:31

In der Schweiz sind wir stolz darauf, noch viele Medien zu haben, die von Schweizern kontrolliert sind. Gut, die Wirtschaftsmedien sind de facto in deutscher Hand (Axel Springer), aber Tamedia, Ringier und NZZ sind schweizerisch kontrolliert, ebenso Peter Wanners MZ-Gruppe und Hanspeter Lebruments Südostschweiz-Gruppe. In Ungarn und Tschechien wird künftig der neue Springier-Verlag die Medienkontrolle haben. Ob wir dies in unserem Land akzeptieren würden? Österreich ist ohnehin fest in deutscher Hand. Die Polen (nach dem Motto “Noch ist Polen nicht verloren”) haben sich dem westlichen Mediendruck wieder weitgehend entzogen. Der neue, in Zürich ansässige Medienkonzern wird viel tun müssen, um seine gesamteuropäische Glaubwürdigkeit zu bewahren und national nicht ins Abseits zu geraten.

Plakate gegen Pädo-Krise

Montag, den 29. März 2010 um 11:30

Wenn jemand absolut nicht kommunizieren kann und will, macht er Plakate. Diesem Muster folgt die Römisch-Katholische Zentralkonferenz, indem sie nach internen Diskussionen 5000 Plakate aufhängen lässt: “Mehr Good News”, dies vor einem frühlingsblauen Himmel mit leichten Cumulus-Wölkchen. Wie der Kultwerber Frank Bodin die Kampagne der Schweizer Versicherer gegen die Senkung der Erträge aus der 2.Säule verlor, wird auch Kult-Designer Beda Achermann mit diesen Plakaten nicht weit kommen. Dieser Appell richtet sich vor allem an die Schweizer Medien, die am 16. Mai mit dem Mediensonntag der Katholischen Kirche konfrontiert werden. Speziell die Römisch-katholische Kirche ist schon lange der Auffassung, dass die irdischen Medien dem himmlischen Anspruch der Kirchenoberen nicht nachleben. Einzig der Vorschlag des Abtes von Eindieseln, Martin Werlen, international abgleichbare Schwarze Listen von Geistlichen anzulegen, welche sich pädophil bemerkbar gemacht haben, findet in der Schweizerischen Bischofskonferenz und bei Bundespräsidentin Doris Leuthard zunehmend Anklang. Werlen diskutiert am morgigen Dienstag um 18.30 Uhr auf Tele M1, dem Sender des Aargauer Verlegers Peter Wanner, mit Otto Ineichen unter Leitung des ex-Theologen Werner de Schepper. Ineichen ging bekanntlich erst einmal bankrott, ehe er in einem Kloster in die ökonomische und politische Wirklichkeit des Landes zurückfand. Mit 5000 dümmlichen Plakaten wird die Kirche weder bei den Gläubigen noch bei den überlasteten eigenen Pfarrern und schon gar nicht bei den Medien etwas auslösen. Aus “Buone notizie” wird dann “buona notte, iglesia cattolica”.

Leben zwischen Erde und Himmel

Montag, den 29. März 2010 um 9:37

Jetzt, wo es in Europa, mindestens im Süden, längst wieder frühlingshaft geworden ist, zeigen sich jene Menschen, die oberhalb der Normalsterblichen und knapp unterhalb des Himmels leben: die chic Reichen. Die Männer sind wieder rechtsgescheitelt, haben den Tolstoi’schen grau-blauen, stählernen Blick, dazu blumige Krawatten. Die Frauen sind mehr sportlich-mobide, bieten aber viele offene Einsichten oder treten gleich mit Kleidern an, die der Unterwäsche nachempfunden sind. Warum? Der Wettbewerb um den wohlhabenden Mann spielt wieder mehr als sonst. Der, um nicht zu sehr abzufallen, was hie und da vermutet wird, steigt in den “Chic of Araby” und präsentiert sich im Zweifel als zeitgenössischer Lawrence von Arabien.. Dies treibt die Frauen umgehend als Nymphen ins Gras, aus dem sie erwartungsvoll heraus lächeln. Es kann auch am Pool vor der Meeresküste sein. Nur die Langweiler von Mercedes haben ein anderes Frauenbild. Im silbernen Techno-Look stiefelt es durch eine Weltuntergangs-Landschaft für nur höchst Anspruchsvolle. Wer dies alles nicht versteht, dem wird der alte John Lennon aus dem Jahr 1969 präsentiert, wie der “working class hero” singt “All You need is Luxe”. Ich wünsche einen schönen Frühling, Ostern inclusive.

Ab nach Argentinien!

Montag, den 29. März 2010 um 8:06

Früher sandte man Menschen, die man nicht mehr brauchen wollte, nach Sibirien. Wer in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Bankchef in Zürich oder Basel viel Geld verlor, musste nach Genf. Später nach Hongkong. Heute ist die Welt klein geworden, sodass solche Endlager für Politiker und Wirtschaftsführer eher schwierig zu finden sind. Neuerdings bewährt sich Buenos Aires als Schweizer Verschiebebahnhof für Diplomaten, denn dort haben wir derart wenige Interessen, dass einfach nichts schief gehen kann. Getestet hat den Standort unsere ehemalige Spitzendiplomatin aus dem Tessin, Carla del Ponte. Jetzt hat es Johannes Matyassy erwischt, dessen letztlich überflüssige “Präsenz Schweiz” im Parlament die Hörner gestutzt wurden. Als Präsident der kantonalen FDP in Bern hat er eine erstklassige Wahlniederlage hingelegt, die so unerwartet nicht gekommen ist. Ab nach Argentinien. Tripolis wäre viel zu gefährlich für unseren Botschafter Matyassy und zu nahe an Bern.

Keine Partner für Kleine

Montag, den 29. März 2010 um 7:55

Als Kleinaktionär bei Firmen von Klaus J. Jacobs, dem verstorbenen deutschen Industriellen, hatte man selten eine Chance, Geld zu verdienen. Jacobs strukturierte seine Deals derart, dass er verdiente und die Kleinaktionäre im Abseits standen. Nicht anders treibt es nun Viktor Wekselberg, der die langjährigen OC Oerlikon-Aktionäre im Regen stehen lässt. Warum sollte er auch Witwen, Rentner und Kleinspekulanten bedienen? Er baut an seinem Reich, einem Silicon Valley bei Moskau. Weil ich während zehn Jahren Verhandlungen mit chinesischen Staatsfunktionären erlebte, kann ich nur empfehlen, dort keine Risiken einzugehen. Man ist korrekt, aber auf eine für Schweizer Verhältnisse derart gerissene Art, mit Drehungen und Wendungen, dass die Verlustrisiken gewaltig sind. Inder und Indonesier, die zuerst an die eigene Familie denken, gerade auch bei internen Beförderungen, sind für Europäer ebenfalls sehr ungewohnte Arbeitgeber. Bei den Arabern ist es ganz schwierig, sind sie doch finanziell grosszügig, aber auch völlig unberechenbar. Emirate eben, wo die Gunst von einem Tag auf den anderen wechseln kann. Insofern wird es für den Schweizer Arbeitnehmer, der dies nur aus Entfernung erlebt, mehr jedoch für Schweizer Führungskräfte, sehr schwierig. Fremdes Brot zu essen, das wussten schon die alten Eidgenossen, ist eine harte Angelegenheit.

Was war vor dem “Black Swan”?

Freitag, den 26. März 2010 um 11:59

Alle haben Angst vor dem “Black Swan”, den Nassim Taleb ankündigte. Vielleicht kommt er bald wieder, zerstört den Euro, den USD oder vielleicht die ganze Schweiz, sollte ihm die EU nicht zuvor zum Opfer fallen. Dieser “Black Swan”, das selten vorkommende unerwartete Ereignis, ist natürlich keineswegs so neuartig, wie dies heute die meisten Amerikaner darstellen, da sie ohnehin kein geschichtliches, vielleicht auch kein Bewusstsein von der Gegenwart haben. Gotthelfs “Schwarze Spinne” war nichts anderes als der “Black Swan” einer Zeit, als das Bürgertum Angst hatte und ob seiner Zukunft unsicher war. Kletterte die “Schwarze Spinne” aus ihrem Loch, war das Chaos da. Wer meint, dies sei es nun, irrt nicht minder. Seit dem frühen Mittelalter kennen wir die Figur des “Schwarzen Ritters”, der unerwartet im Turnier auftaucht und in der Lage ist, alle Gegner aus dem Feld zu schlagen. Merke: Vom “Schwarzen Ritter” über die “Schwarze Spinne” zum “Black Swan” ist es ein kurzer Weg. Die Form ändert, der Inhalt bleibt der gleiche.

Wie schweizerisch bleibt die CS?

Freitag, den 26. März 2010 um 11:47

Ein 28jähriger Katari demonstriert jungen Schweizern jetzt, wie man ernsthaft Karriere macht. Jassim bin Hamad J. J. Al Thani wird in den Verwaltungsrat der CS-Group einziehen, um dort als grösster Aktionär der Bank die Rechte seines islamischen Hauses wahrzunehmen. Wem 9,9 % der CS-Aktien gehören, hat am Zürcher Paradeplatz das Sagen. Als ich 1971 in die Schweiz importiert wurde, waren es “die alten Zürcher Familien”, die von Schulthess, die von der Crone etc., welche die damalige Schweizerische Kreditanstalt massgeblich bestimmten. Der Geist der Zürcher Reformation ist verweht, der Geist Mohammeds schwebt nun über den Schalterhallen. Alles halb so schlimm für die Schweiz? Keineswegs. Wer sich gegen Ausländer wehrt, die uns pflegen, die uns dienen, die uns versorgen, sollte sich besser fragen lassen, welche ausländischen Eigentümer er akzeptiert. “Mehr Führung” verlangen unsere Parlamentarier vom Bundesrat. Er müsste einmal sagen, Doris Leuthard ist damit gefragt, welche Kernindustrien schweizerisch bleiben sollen. Die Chefpositionen geben wir ohnehin Zug um Zug ab.

Lesermarkt in heftiger Bewegung

Freitag, den 26. März 2010 um 11:12

Ob die Umstellung des “Blick”, der heute viel attraktiver ist als er es in den letzten 15 Jahren war, wirklich Leser bringt, werden wir voraussichtlich im Herbst erfahren. Die jüngsten WEMF-Zahlen sind nicht mehr repräsentativ. Erstaunlich, dass die “Weltwoche” weiter Leser verliert, obwohl sie redaktionell ausgewogener als zu Beginn berichtet; der “Blocher-Geschmack”, der am Verlag haftet, hält manchen Marketingleiter zurück. Dabei hat die “Weltwoche” mehr Leser als die NZZ, deren neues Layout und redaktionelle Akzentuierung ihr 7000 neue Leser gebracht hat. Fast die gleiche Zahl, 6000, hat der “tagi” verloren, dessen Umstellung weniger geglückt ist. Auch ähnelt die Lektüre des “tagi” einem Besuch des Zirkus Knie: manche Nummern sind ausgezeichnet, andere zum Gähnen. Der dramatische Kampf der Sonntagszeitungen um die Leser dürfte sich noch verschärfen. Die “NZZ am Sonntag” hat einen sicheren Stil entwickelt, der bei Lesern Vertrauen auslöst. Bei der “SonntagsZeitung” muss Martin Spieler als neuer Chefredaktor einigen redaktionellen Müll abräumen, um Luft für eine attraktivere Berichterstattung zu machen. Wir treten ab Herbst in’s Vorwahljahr ein. “Le Matin Dimanche” ist hervorragend gemacht, hat aber einen engeren Markt und liegt angesichts der Bevölkerungsstruktur in einem scharfen Wettbewerb mit den französischen Redaktionen. In der Deutschen Schweiz liegen keinerlei Angaben vor, was die kaufkraftstarken deutschen Zuwanderer lesen; man schreibt immer noch für die einheimische Urbevölkerung und vergisst die Zuwanderer, welche oft mehr verdienen.

 
     
     
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