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Tagesarchiv für 17. März 2010

Schon weht in der BaZ der Wagner-Tettamanti-Geist

Mittwoch, den 17. März 2010 um 16:50

Die “Basler Zeitung” vom 17. März 2010 lässt erkennen, wie der Geist der neuen Eigentümer Wagner-Tettamanti zu wehen beginnt. Auf der Titelseite verbreitet die Doppelzeile “Wirtschaft spürt den Frühling. Bund erwartet rasantes Wachstum” freudige Erregung. Wenn echte Unternehmer das Kommando übernehmen, geht es eben vorwärts. Leider steht dann, aber erst auf Seite 11, der Titel zum gleichen Thema “Noch kein kräftiger Aufschwung. Brunetti warnt vor Euphorie”. Ist das Zufall? Keineswegs. Auf der Titelseite steht gleichentags die Zeile “Messe der Superlative”. In Basel geht es vorwärts. Doch die berüchtigte Seite 11 korrigiert “Messe Schweiz spürt die Krise”. Merke: Der Geist der neuen Herren der BaZ ist mindestens auf der Titelseite angekommen; die Wirtschaftsredaktion verharrt noch im schweizerischen Trübsinn.

Zahlung an den Terroristen

Mittwoch, den 17. März 2010 um 12:19

Die Genfer haben einen dramatischen diplomatischen Zwist zwischen Libyen und der Schweiz herauf beschworen. CHF 100’000.– will der Genfer Regierungsrat als Schadensersatz zahlen, damit Vater Ghadhafi und sein Schläger-Sohn Hannibal ihr Gesicht vor der Bevölkerung wahren können. Zahlt Genf bevor Max Göldi in der Schweiz ist, wird der “freundliche” Terrorist unser Land noch etwas bluten lassen und vorallem den angeschlagenen Schweizer, der zu Unrecht im Gefängnis sitzt. Eine Zwickmühle, denn Ghadhafi kann besser verhandeln als die Schweizer Diplomaten. Er hat mehr Druckmittel und ist ein, von der Ethik befreiter, Haudegen. Dumm nur, dass der italienische Aussenminister Frattini, der übrigens einmal Richter im Piemont war, jetzt die EU-Aussenminister davon überzeugen will, die Visa-Pflicht gegen Libyen aufzuheben. Warum nur dieser Druck aus Italien? In wiefern profitiert Frattini davon? Die Schweiz gerät politisch immer mehr unter Druck. Momentan verhandeln ein Terrorist und ein Minister eines Landes, in dem viele Politiker immer wieder von einer “familiären” Organisation finanziell unterstützt werden, über die Einreisemöglichkeiten in die Schweiz. Welch peinliche Situation für unsere Politik.

Fidel Stöhlker

Welche Reihenfolge!

Mittwoch, den 17. März 2010 um 10:48

Wenn mir die “SI” ungewöhnlich dick vorkommt, entdecke ich darin sicher eine vielseitige Citroen-Werbung und ein Österreich-Magazin, das zu Günstigferien ins Ausland einlädt. Auf dem Titelblatt lächelt mir eine blasse Schöne von Manor entgegen, was ich erst auf den zweiten Blick entdecke, da sie genau einer echten Titelseite nachempfunden ist. Die aufdringliche Werbung ärgert mich wenig, da ich ohnehin nie bei Manor einkaufe und echte redaktionelle Inhalte in der “SI” kaum noch erwarte. Hinter dem Manor-Modell lächelt mich auf der eigentlichen Titelseite, nicht weniger vielversprechend, unsere Nationalrats-Präsidentin Pascale Bruderer an, Augen, Haare, Mund und Zähne fast noch besser gestylt als diejenigen des Models. Endlich zeigt unsere Politik Durchschlagskraft. Auf der nächsten Seite Peter Bichsel, 75; er sah schon schlechter aus. Sein Markenzeichen: die Beiz. Noch eine Seite weiter der schlaue Kurt Koch, Bischof zu Solothurn und Basel, ein sich outender Muratti-Raucher. Er nennt den sexuellen Missbrauch durch seine Amtskollegen “tragisch” und sorgt sich um die Opfer “in anderen Institutionen”. Sage jemand, die “SI” sei langweilig. Sie bringt die Schweizer konsumnahe, leicht verdaulich, gut im Bild.

Den Zugriff sichern

Mittwoch, den 17. März 2010 um 9:57

In einer Gesellschaft, wo die Verlustrisiken gewaltig über den nationalen Budgets hängen und niemand weiss, ob die beiden Grossbanken UBS und CS ihre Risiken wirklich unter Kontrolle haben, wo Bankchef Marcel Ospel hinter dem Rücken seiner Aktionäre über den Verkauf der UBS an eine US-Bank (Lehman) verhandelte, gilt, wie am Berg, nur eines: Den Zugriff sichern. Die UBS-Spitzenmanager haben sich bis zur Gegenwart den Zugriff auf die millionenhohen persönlichen Auszahlungen gesichert. Oswald Grübel gibt sich ganz bescheiden, obwohl seine Bank bisher kaum Fortschritte gemacht hat, mit seinen 3 Mio-Bezügen und zusätzlichen Options-Millionen-Gewinnen. Er hat den Zugriff gesichert, denn sein VR-Präsident Kaspar Villiger wird ihm nicht im Wege stehen. Ebenso die katholische Kirche. Sie hat sich über Jahrzehnte den Zugriff auf die Jugendlichen gesichert und wehrt sich mit allen Mitteln dagegen, diese hohe Verantwortung, wenn sie im Individuellen scheiterte, an den Staat zu übertragen. Wer den Zugriff nicht hat, wie der Mittelstand des Schweizer Volkes, wird mehr Gesundheitskosten bezahlen, mehr Steuern, mehr Verwaltungsgebühren und in allem weniger Leistungen erhalten. Es ist wie am Berg: Wer nicht zugreift, stürzt ab.

Schweiz, erwache!

Mittwoch, den 17. März 2010 um 9:01

Unser Armeechef hat dankenswerterweise darauf hingewiesen, dass die Schweiz im Begriff ist, inmitten von lauter nahezu “failed states” leben zu müssen, wo Aufstände der Bevölkerung jederzeit zu erwarten sind. Jetzt wissen wir, weshalb VBS-Chef Ueli Maurer bei Amtsantritt für die Schweiz “Die beste Armee der Welt” verlangte. Der SVP-Spitzenpolitiker wusste, wie schlimm es um unsere Nachbarn bestellt ist. Ich kann mir daher vorstellen, dass wir entweder bald wieder selber einrücken müssen, um Teile Italiens oder Frankreichs zu befrieden. Nicht mehr auszuschliessen ist es, dass wir, als Touristen getarnt, Teile Griechenlands oder Spaniens sichern müssen, um Europas Erbe zu beschützen. Was im Vatikan möglich ist, wo tapfere Hellebardiere den deutschen Papst vor Unbill beschützen, denn mancher Vater ehemaliger Sängerknaben würde dem Bruder des bayerischen Papstes jetzt sicher selber gerne “a Watsch’n” verpassen, sollte auch zum Schutz der spanischen Krone vor Aufständischen aus Barcelona erlaubt sein. Schweizer Soldaten, so sieht es aus, werden bald wieder in ganz Europa gebraucht. Es geht nicht mehr gegen Habsburg, sondern gegen die Habsucht gering verdienender Klassen, die meinen, sie müssten sich holen, was sie nicht erhalten. Last news: Moodys prüft, ob Deutschland der AAA-Status entzogen werden soll.

Lassen wir die Finger weg von der EU

Mittwoch, den 17. März 2010 um 8:28

Christine Lagarde, die französische Finanzministerin, hat die deutsche Regierung öffentlich verwarnt. Die Deutschen hätten in den letzten zehn Jahren ihre Aufgabe gut gelöst, den eigenen Arbeitnehmern sehr tiefe Einkommen zuzumuten. Dies habe aber zur Folge, dass die anderen Exporteure der EU nicht mehr mithalten könnten. Lagarde: “Die Deutschen müssen mehr konsumieren.” Und importieren. Wir haben das richtig verstanden: Wer in der EU spart und seine Konkurrenzfähigkeit steigert, ist nicht willkommen. Gerade wir Schweizer auch nicht, die wir klassische Sparer und fleissige Mitarbeiter sind, die gerne auch abends noch einen Zacken zulegen, während die Franzosen längst vor dem TV sitrzen oder, sofern besser gestellt, ihr Jagdrevier observieren. Es wird Zeit, dass wir unsere Unabhängigkeit erklären von derartigem Technokraten-Denken. Schlimmer noch als die Verschuldungs- sind die Inkompetenz-Blasen, ganz nach dem Motto “Wer sein Volk liebt, ruiniert es.” Hat nicht auch der chinesische Regierungschef alle Forderungen der Obama-Regierung zurückgewiesen, den Renminbi aufzuwerten? Er sagte, wenn die USA den Dollar abwerten würden, könne man China nicht zwingen, die eigene Währung aufzuwerten. Oder: Wenn die Franzosen, die Spanier, die Portugiesen, die Italiener und die Griechen zu teuer produzieren, müssen diese sich dann ändern oder jene fleissigen Deutschen, die für wenig Geld viel arbeiten, um ihr Land einigermassen stabil zu halten?

Erziehung oder Flucht in die Dekadenz?

Mittwoch, den 17. März 2010 um 8:20

Weil die “Gesellschaft” den besseren Kreisen stets verdächtig war, schickten sie ihre Kinder in jene Schulen, wo eine “Gemeinschaft” gelebt wurde, die, wie sich beschleunigt offenbart, für zwischenmenschliche Verstrickungen perfekt geeignet war. Der Päderast und Antisemit Gustav Wyneken, der antisemitische Chauvinst Hermann Lietz und der “pädagogische Seher” Paul Geheeb, alle in der besseren Gesellschaft der Schweiz gut bekannt, schufen Schulgemeinschaften, die dem männlichen Eros wohl mehr verfallen waren als dem Pädagogischen. Gelegentlich sind mir ihre erbarmungswürdigen Schüler über den Weg gelaufen, auf hohem Hals das Nichts, zum baldigen Untergang verurteilt. Es ist erstaunlich: Wenn selbsternannte Eliten sich in geschützte Strukturen zurückziehen, zerstören sie nicht nur sich selber, sondern die eigenen Kinder. Genau an diesem Punkt stehen wir heute wieder.
“Sehr heftige Ohrfeigen” hat Papstbruder Georg Ratzinger seinen “Regensburger Domspatzen” angedeihen lassen und hörte erst 1980 auf, als dies im katholischen Freistaat Bayern verboten wurde. Heute kostet eine “sehr heftige Ohrfeige” vor Gericht Euro 100 000, wie Prinz Ernst August von Hannover unlängst erfahren musste. Verlangen die Domspatzen, die androgynen Knaben des Mainzer Domchors und die Limburger Domsingknaben nun Schmerzensgeld, werden die Kiirchenschätze weiter schrumpfen. In der wahren Elite schweigt der Ehrenmann.

 
     
     
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