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Die Schweiz hat keine “gute Gesellschaft”.

12. March 2010 um 8:08

Es gibt keinen Ort in der Schweiz, wo sich die „gute Gesellschaft“ zu einem gemeinsamen Ball trifft. Den jüngsten Beweis dafür liefert der Zürcher Opernball, wo die Auto- und Airline-Industrie sich mit den Vertretern der Hoteliers-, Mode- und Coiffeurbranche traf, durchmischt von Herstellern von Pralinen, gescheiterten Altunternehmern, Altsportlern und Profi-Geldsammlern. Es fehlten die Intellektuellen, die Vertreter der Universitäten, die Politiker, die Bankiers und die Verleger, die ihre Showmeister delegiert hatten. Nach Zürich kamen keine Basler, keine Berner, keine St. Galler und keine Westschweizer, was doppelt deutlich macht, dass es eine “Schweizer Gesellschaft” nicht gibt. In Genf sind meist abenteuernde Fürstenfamilien und arabisch-lateinamerikanische Stars unter sich, während die Basler, ausser der Fasnacht, schon gar nicht den Versuch machen, sich zu treffen. Man begegnet sich höchstens vermittels einer Larve. In St. Gallen richtet unterdessen der Hausbankier der Ostschweiz, Dr. Konrad Hummler (Wegelin & Co.), den schönsten und elegantesten Ball für die ganze Deutsche Schweiz an. Die Hotels in der weiteren Umgebung St. Gallens sind dann meistens ausgebucht, weil bis in den frühen Morgen getanzt werden darf. Das KKL und der Zürcher Presseball sind Ansatzpunkte, um eine “gute Schweizer Gesellschaft” zu zeigen, wobei das KKL sicher die Nase vorn hat, während der Zürcher Presseball, dem Opernball nicht ganz unähnlich, eine Veranstaltung ist, wo sich Insider vorzeitig ihre Tische reservieren lassen, um niemand Unbekanntem zu begegnen. Die äusserst ungemütlich angerichtete Schweizer Filmpreisverleihung im KKL in Luzern war eine Mischung von schlechter Kleidung, mässigen Filmen, demonstriertem Altsozialismus und billiger Unterhaltung, wohl einzig die österreichische Ehefrau Friedrun von Bundesrat Didier Burkhalter glanz- und stilvoll auftrat. Ausländische Führungskräfte der A-Liga sind bei solchen Anlässen höchstens im KKL gerne gesehen, das ohne die Unterstützung der Zuger Finanz- und Handelsstars kaum überleben könnte. Heute ist es wahrscheinlicher, die gute Schweizer Gesellschaft im “Goldenen Hirschen” in Salzburg, im Reid’s auf Madeira oder im “St. George” in Paris als im “Dolder” in Zürich zu treffen.

2 Kommentare zu “Die Schweiz hat keine “gute Gesellschaft”.”

  1. Fliegender Holländer

    Der Wiener Opernball war heuer auch nichts besseres, nichts besonderes…

  2. rené w.

    ‘Eleganz und Stil’ von den Schweizen zu verlangen, Herr Stöhlker, geht dann aber schon ein bisschen zu weit ! Irgendwo zwischen zweitklassigen Miss-Kandidatinnen, Pirmin Zurbriggen und Beni Thurnherr, Cervelat-Prominenz eben - heute das höchste mögliche Mass !
    Zu Zeiten von Orchestern wie Fred Böhler oder Hazy Osterwald gab’s Lokale in Basel oder zB Montreux, wo durchaus Eleganz gepflegt wurde - aber da wurde Züri noch vom Frauenverein regiert !
    Warum die jetzt plötzlich eine ‘gute Gesellschaft’ abgeben wollen, aucune idée !
    Und das Hotel in Paris wäre dann wohl das George V………..?

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