Grünliberale Fata Morgana
11. März 2010 um 8:27Als Menschen sind mir die Grünliberalen nicht unsympathisch, sind es doch Freisinnige, die sich einen grünen Anstrich verpasst haben, oder Abkömmlinge von Sozialdemokraten, die mit Gewerkschaften und Sozialismus nichts mehr anzufangen wissen. Technisch gesehen sind die Grünliberalen eine Abspaltung der Grünen, Realos gewissermassen, die zur Schwächung der noch überflüssigeren Grünen beigetragen haben, die, gemessen an ihrem Anspruch, im Amt überhaupt nichts zu leisten vermögen, wie die Grüne Ruth Genner im Zürcher Stadtrat bisher bewiesen hat. Die Grünliberalen wollen KMU und Greentech-Firmen fördern, um Zürich von der Abhängigkeit der Banken zu befreien. So etwas Verrücktes habe ich schon lange nicht mehr gehört. Der Niedergang der in St. Gallen dominierenden Textilindustrie hat der Stadt während 20 Jahren eine Stagnation beschert; erst dann kam es zu einem neuen Aufschwung, getragen von Firmen wie Abacus, Akris, Wegelin, Malik Management Zentrum, der St. Galler Kantonalbank und dem Kantonsspital. Es waren stockbürgerliche Menschen, wie es auch die Vertreter der Uni St. Gallen waren, die der Ostschweizer Metropole einen neuen Aufschwung brachten, nicht Grünliberale Politiker, die sich, wie Zora Ledergerber in Zürich, davon ernähren, dass sie als Berater zur Einführung “interner Meldesysteme zur Meldung von Missständen” durch das Leben schlagen.


am 11. März 2010 um 9:55 Uhr.
In der Tat bringt es Ruth Genner nicht einmal fertig, den Winterdienst der Stadt Zürich umweltfreundlicher zu gestalten. Sobald einige Schneeflocken fallen, wird tonnenweise Salz gestreut, vielfach an völlig unnötigen Stellen: Ein kostspieliges, umweltschädliches Schwarzräumungskonzept aus den sechziger Jahren. Aber Frau Genner widmet sich lieber dem unsäglich infantilen Hafenkran-Projekt.
am 11. März 2010 um 12:02 Uhr.
Vielen Dank Herr Stöhlker. Ich freue mich, dass ihnen Grünliberale zumindest als Menschen nicht unsympathisch sind.
Seit dem Wahlerfolg vom letzten Wochenende weht den Grünliberalen allerdings ein steifer publizistischer Wind entgegen. Deshalb, lassen Sie mich kurz auf Ihre Behauptung eingehen die Grünliberalen würden Zürich von der Abhängigkeit der Banken “befreien wollen”.
Die Grünliberalen haben nichts gegen den Bankensektor. Im Gegenteil: der Bankensektor mit seiner hohen (und ökologisch sauberen!) Wertschöpfung ist ein wertvoller Pfeiler der Zürcherischen Wirtschaftskraft.
Dem steht aber nicht entgegen die Wirtschaft weiter diversifizieren zu wollen. Die Schweiz hat sich gerade im Lichte der gegenwärtigen Wirtschaftskrise als äußerst resistent erwiesen, weil sie eine stark diversifizierte Landschaft von innovativen kleinen bis mittleren Unternehmen hat, die, neben den immer wieder zitierten „Volkswirtschaftsriesen“ wie Banken und Pharma, einen beträchtlichen Teil der Gesamtwirtschaft ausmacht (beschäftigen mehr als zwei Drittel aller Erwerbstätigen in der Schweiz).
Technoparks, zum Beispiel, haben für die Biowissenschaften einen fruchtbaren Nährboden geschaffen um Firmen anzusiedeln und bei der Neuentstehung zu unterstützen. Es spricht nichts dagegen das Gleiche auch für den „clean tech“ Bereich zu versuchen. Ich würde sogar behaupten diese Branche ist weitaus geeigneter auf breiter Ebene in Zukunft erfolgreich zu sein (während Biotech start ups meistens ein Roulette Spiel waren/sind). Staatliche Förderungen von ökologischen Lösungen im In- und (nahen) Ausland, sowie ein gesteigertes Interesse des Verbrauchers an ökologisch balancierten Produkten lassen für diesen Markt auf Jahre hinaus auf sehr attraktive Wachstumsraten hoffen.
Zürich frühzeitig mittels Anreizen (zum Beispiel steuerlicher oder infrastruktureller Art) als „clean tech“ Hub zu positionieren scheint mir ein guter Weg die Wirtschaft weiter zu diversifizieren. Und lassen Sie sich nicht täuschen – Start Ups und Innovationsfirmen haben einen starken Bedarf nach Investitionen und weiteren Dienstleistungen, was wiederum Banken, Unternehmens(und Kommunikations-)berater, auch Beschäftigung bringt.
In diesem Sinne wird Ihre Fata Morgana von den Grünliberalen hoffentlich die ersehnte Oase in der liberalen Wüste welche die FDP zurückgelassen hat…
Beste Grüsse,
Otto-Martin Willy, glp Uster