Die Kommunikationsblase der Kommunikations-Professoren
9. März 2010 um 8:54Kaum ein Berufsstand hat in der Schweiz in den letzten 20 Jahren derart zugenommen, wie jener der Professoren für Kommunikation. Jede Hochschule und Fachhochschule wird seither überlaufen von Studenten, die PR-Berater oder Journalist werden wollen. Während Journalismus ein absterbender Beruf für kleine Eliten ist, nimmt die Zahl jener, die sich PR-Berater nennen, laufend zu. Eine der in der Schweiz renommiertesten Kommunikations-Professorinnen ist die an der Uni St. Gallen arbeitende Miriam Meckel, eine Deutsche, die im Umfeld des ehrgeizigen und später gestürzten SP-Politikers Wolfgang Clement gross wurde, der auch mit seinem Düsseldorfer Medienzentrum Schiffbruch erlitt. Prof. Meckels Marktwert stieg durch die Liaison mit der deutschen TV-Plaudertante Anne Will. Zwei gebildete Frauen in den Vierzigern, die sich Arm in Arm von der dominierenden Männergesellschaft abwenden, lösen natürlich Spannungsfelder besonderer Art aus. Prof. Meckel hat in den letzten zwei Jahren manches geschrieben, das sich rasch lesen liess, mehr aber noch Interviews gegeben, die in der internationalen Tabelle publizistischer Leistungen nicht zählen. Jetzt hat sie einer “Tagi”-Journalistin (Motto: Frau spricht zu Frau, Herz zu Herz) in einem neuen Interview gestanden, sie habe einen “burnout” erlebt und daher einige Monate mit “weinenden Managern” in einer Klinik verbracht. Machen wir es kurz (Details im “Tagi” vom 6. 3. 10, Seite 33), die Kommunikationsprofessorin empfiehlt “den Müssiggang” und “den Weg zum Ziel” zu machen. Mein Verdacht, wer nur noch über sich selber schreibt, wie dies im geplanten Meckel’schen Burnout-Buch der Fall sein soll, hat als Kommunikationsprofessorin wenig zu sagen. In der Schweiz offeriert man solchen Managern eine Denkpause in Harvard und dann den gepflegten Ausstieg. In allen Schweizer Hochschulen, jetzt auch an der Uni Bern, haben die deutschen Professoren in Kommunikationsangelegenheiten die Führung übernommen: Jarren in Zürich, Russ-Mohl in Lugano sind wohl die Besten. Aufgrund der Globalisierung spielt Kommunikation nach Schweizer Art, sei es auch nur die in den Medien, praktisch keine Rolle mehr. Ohne in einen Blocher’schen SVP-Stil zu verfallen, darf doch die Frage gestellt werden, ob eine selbständige Nation wie die Schweiz nicht die Kraft haben müsste, ihre eigene Kommunikationsaufgabe zu definieren. Man stelle sich vor, in Deutschland würden nur amerikanische und in Frankreich nur deutsche Professoren dozieren – undenkbar! Was “die Meckel” in St. Gallen zugunsten ihrer Studenten wirklich geleistet hat, wird man, wie stets in solchen Fällen, kaum erfahren, weil sich die Lehrstuhlinhaber untereinander schützen. Die Hochschul-Kommunikatoren kommunizieren nicht oder nur dann, wenn es der Karriere dienlich ist. Verdacht ist daher erlaubt.


am 9. März 2010 um 12:29 Uhr.
Kommunikation ist ein Kuckucksei als Hochschulfach, bringt eher ein Realitätsverlust als Gewinn, weil ja Kommunikation ein Söldner ist.
am 9. März 2010 um 12:40 Uhr.
Eine sehr treffende Analyse! Bei Miriam Meckel schockiert immer wieder ihre Beliebigkeit und der Mangel an Substanz. Dahinter scheint ein simpel gestrickter Verstand zu sein, der auf Effekt und Gefälligkeit trainiert ist. Irgendwie aber passend zum heutigen Zustand der HSG. Was die Dame wie angekündigt – zwecks Verarbeitung ihres “burnouts” – in Harvard forschen will, ist schwer vorstellbar. Bahnbrechende Ergebnisse sind kaum zu erwarten, da der Forschungsgegenstand nur Facebook oder Twitter heissen kann.