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Weblog
Tagesarchiv für 9. März 2010
Dienstag, den 9. März 2010 um 10:37
Der Innerschweizer, der in der US-Armee diente, dessen Leidenschaft starke Autos und private Jets waren, Bob Lutz, ist jetzt auch bei Ford ausgeschieden. Er hat dort einen perfekten Turnaround hingelegt: die Aktie rast seit einem Jahr nach oben. General Motors wurde klar distanziert. Bob Lutz gehörte während Jahrzehnten zu den legendären Schweizern, die es auch in den USA wirklich an die Spitze schafften. Er hat den Schweizer Ruhm im Ausland mit geschaffen und das Selbstvertrauen zuhause gestärkt. Seine Nachfolger? Heute wissen wir nicht so richtig, ob wir auf “Joe” Ackermann, der als CEO die Deutsche Bank führt, wirklich stolz sein dürfen oder besser doch auf Barbara Kux, die im Vorstand des Siemens-Konzerns die grüne Welle anführt. Peter Voser, ein Aargauer, führt den Shell-Konzern von London aus mit einer stillen Eleganz, die fast branchenuntypisch ist. Die Zeit der Schweizer Haudegen im Ausland scheint vorüber zu sein; wir sind offensichtlich alle ein Stück kleiner geworden. Bye bye, Bob.
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Dienstag, den 9. März 2010 um 8:59
Manche an der Zürcher Bahnhofstrasse zählen ihn zu den bewussten Zerstörern des Finanzplatzes Schweiz; er hat auch nie den Eindruck erweckt, als habe er irgendwelche Gefühle für diesen Teil seines Arbeitsplatzes. Die Rede ist von Haig Simonian, dem Zürcher Korrespondenten der “FTI”. Er hat soeben, man könne die Schweizer Politiker “für ihren atemberaubenden Mangel an Weitsicht” kritisieren, relativierte dies aber insofern, als sich “die einflussreiche Bankenlobby” jahrzehntelang weigerte, mögliche Alternativen zum Bankgeheimnis auch nur in Betracht zu ziehen. Kürzer und prägnanter lassen sich unsere Umstände kaum beschreiben.
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Dienstag, den 9. März 2010 um 8:54
Kaum ein Berufsstand hat in der Schweiz in den letzten 20 Jahren derart zugenommen, wie jener der Professoren für Kommunikation. Jede Hochschule und Fachhochschule wird seither überlaufen von Studenten, die PR-Berater oder Journalist werden wollen. Während Journalismus ein absterbender Beruf für kleine Eliten ist, nimmt die Zahl jener, die sich PR-Berater nennen, laufend zu. Eine der in der Schweiz renommiertesten Kommunikations-Professorinnen ist die an der Uni St. Gallen arbeitende Miriam Meckel, eine Deutsche, die im Umfeld des ehrgeizigen und später gestürzten SP-Politikers Wolfgang Clement gross wurde, der auch mit seinem Düsseldorfer Medienzentrum Schiffbruch erlitt. Prof. Meckels Marktwert stieg durch die Liaison mit der deutschen TV-Plaudertante Anne Will. Zwei gebildete Frauen in den Vierzigern, die sich Arm in Arm von der dominierenden Männergesellschaft abwenden, lösen natürlich Spannungsfelder besonderer Art aus. Prof. Meckel hat in den letzten zwei Jahren manches geschrieben, das sich rasch lesen liess, mehr aber noch Interviews gegeben, die in der internationalen Tabelle publizistischer Leistungen nicht zählen. Jetzt hat sie einer “Tagi”-Journalistin (Motto: Frau spricht zu Frau, Herz zu Herz) in einem neuen Interview gestanden, sie habe einen “burnout” erlebt und daher einige Monate mit “weinenden Managern” in einer Klinik verbracht. Machen wir es kurz (Details im “Tagi” vom 6. 3. 10, Seite 33), die Kommunikationsprofessorin empfiehlt “den Müssiggang” und “den Weg zum Ziel” zu machen. Mein Verdacht, wer nur noch über sich selber schreibt, wie dies im geplanten Meckel’schen Burnout-Buch der Fall sein soll, hat als Kommunikationsprofessorin wenig zu sagen. In der Schweiz offeriert man solchen Managern eine Denkpause in Harvard und dann den gepflegten Ausstieg. In allen Schweizer Hochschulen, jetzt auch an der Uni Bern, haben die deutschen Professoren in Kommunikationsangelegenheiten die Führung übernommen: Jarren in Zürich, Russ-Mohl in Lugano sind wohl die Besten. Aufgrund der Globalisierung spielt Kommunikation nach Schweizer Art, sei es auch nur die in den Medien, praktisch keine Rolle mehr. Ohne in einen Blocher’schen SVP-Stil zu verfallen, darf doch die Frage gestellt werden, ob eine selbständige Nation wie die Schweiz nicht die Kraft haben müsste, ihre eigene Kommunikationsaufgabe zu definieren. Man stelle sich vor, in Deutschland würden nur amerikanische und in Frankreich nur deutsche Professoren dozieren – undenkbar! Was “die Meckel” in St. Gallen zugunsten ihrer Studenten wirklich geleistet hat, wird man, wie stets in solchen Fällen, kaum erfahren, weil sich die Lehrstuhlinhaber untereinander schützen. Die Hochschul-Kommunikatoren kommunizieren nicht oder nur dann, wenn es der Karriere dienlich ist. Verdacht ist daher erlaubt.
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Dienstag, den 9. März 2010 um 8:44
Natürlich werden die Personalverbände des Bundes und die der Kantone es leugnen, weil sie allen Grund haben, die dort gewonnen sozialen Vorteile vor dem Steuerzahler zu verdecken. Es braucht einen echten Berner Unternehmer, den 30jährigen Christoph Wysseier, Gründer der erfolgreichen Firma Cmsbox, der sagt: “Es wäre viel besser, die vielen cleveren Köpfe hier zu unterstützen, als später mit viel Aufwand Firmen von Zürich nach Bern zu locken. Durch die vielen Bundesbetriebe und bundesnahen Unternehmen finden Informatiker sehr leicht einen Job mit paradiesischen Arbeitsbedingungen.” Paradiesische Arbeitsbedingungen auf Kosten der Steuerzahler einschl. Sanierung der Bundes-Pensionskassen in Milliardenhöhe. Wie das Beispiel Griechenland zeigt, sind derlei Selbstbedienungs-Institutionen auf dem Rückzug, demnächst auch bei uns.
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Dienstag, den 9. März 2010 um 8:26
Der Erfolg eines Menschen lässt sich an seinem Kontostand ablesen. Dieser Auffassung sind 84 % aller Chinesen. Konfuzius dient nur dazu, diesen Zustand zu erreichen oder die Schmerzen zu lindern, ist dies nicht der Fall. Die Medien berichten ohnehin nur über Konzerne und Konzernstars, dies obwohl der Mittelstand über 80 % der Jobs verfügt, dafür aber nur 16 % der Medienberichterstattung erhält, vernimmt man aus Deutschland. In der Schweiz ist es nicht anders. Wer will schon etwas über die geniale IT-Bude in Bern hören, die im kommenden Jahr wahrscheinlich pleite sein wird? Wer interessiert sich für den tüchtigen Schreinermeister aus dem Oberwallis, der die Krise überlebte, indem er sich auf die Herstellung von Fensterläden spezialisierte? Einige Banken leiden, weil sie 25 % ROE ausweisen wollen; ich kenne ein Dutzend KMU, die wesentlich mehr verdienen. Glauben wir den Chinesen: Geld macht Spass. Die Verehrer asketischer Künste mögen ganz, ganz liebe Menschen sein, aber ein wenig merkwürdig sind sie schon.
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