UBS: Die Liste der Verdächtigen
8. March 2010 um 11:48Es war wohl einer der merkwürdigsten Kommentare der NZZ in letzter Zeit, worin sie titelte “Späte Genugtuung für Marcel Ospel”. Angesichts der jüngsten Diskussionen in National- und Ständerat sah ich endlich die Morgenröte über der Dunkelheit des in die Westschweiz geflüchteten ex-Bankiers aufgehen. “Späte Genugtuung”? Vielleicht sogar Rehabilitation? In Wirklichkeit lobt ihn die NZZ dafür, dass er den Staatsfonds von Singapur über den Tisch zog, der bei der Sanierung des UBS-Konzerns bisher fünf Mia. Franken verloren hat. Dies erinnert mich daran, dass wir die Namen der an den Milliardenverlusten der UBS schuldigen Spitzenmanager nicht vergessen sollten:
- Marcel Ospel, CEO und VR-Präsident
- Peter Wuffli, CEO
- Hew Jenkins, CEO Investment Banking
- John Costas, sein Vorgänger
- Clive Standish,CFO
- Marcel Rohner, Nachfolger von Peter Wuffli
- Peter Kurer, Chefjurist.
Sicher sind an dieser Stelle sehr wichtige Mitwirkende an diesem Trauerspiel nicht erwähnt, aber der UBS-Konzern will das Vertrauen seiner Kunden ja zurückgewinnen mit einer Nullkommunikation, dies in der Hoffnung, “dass glücklich ist, wer vergisst”. Solange die Schweizerische Nationalbank, die sich im Besitz der Kantone und damit des Schweizer Volkes befindet, allerdings noch Milliardenrisiken in ihren Büchern hat, die man als Kollateralschaden UBS bezeichnen kann, ist übertriebene Rücksicht nicht angesagt. Zehntausende von Schweizern haben zum Teil bedeutende Vermögenseinbussen erlitten, anderen haben diese Führungskräfte Anlagen andrehen lassen, welche die UBS noch viele Millionen kosten werden. Eine PUK ist das Mindeste, um den oben genannten Führungskräften ein angemessenes nationales Podium zu bieten, das ihrem Ego entspricht.


am 8. March 2010 um 12:10 Uhr.
Über den NZZ-Kommentar habe ich mich auch sehr geärgert: Ein unverhohlenes Lob für einen Finanz-Scharlatan. Unwürdig!
am 9. March 2010 um 10:14 Uhr.
…immerhin kann man in der NZZ von heute Dienstag auf der Leserbrief-Seite verfolgen, dass die Leser allmählich aus dem Busch kommen. Gut so. Es ist auch gut, dass die NZZ diese Auseinandersetzung annimmt, wenn vorerst auch nur ängstlich.
Es geht nicht alles einfach so weiter wie gehabt.
am 9. March 2010 um 21:04 Uhr.
Ospel hat Singapur “über den Tisch” gezogen. Darf man nur denken, fast nicht sagen oder gar schreiben - aber köstlich!
Leider kennt die ganz grosse Mehrheit nur Betrug, Unfähigkeit, Risiko, Zufall. Darunter wahrscheinlich auch die Juristen, die Staatsanwälte, die Aufsichtsbehörden, die Regulatoren, die Bundesräte, die Ökonomen, die Anleger…
Aber alle scheinen nicht “Chuzpe” zu kennen.
Ich verweise auf Wikipedia, da sind zwei jüdische Witze:
de.wikipedia.org/wiki/Chuzpe
Wer Börse, Banken und Politik verstehen will, muss Chuzpe kennen!
Das bringt oft mehr als Bilanzen, Statistik, Modelle, Mathematik, Gesetze…
Kein Wunder sind alle so überrumpelt, entsetzt, ratlos und verdammt unschuldig.
am 10. March 2010 um 9:44 Uhr.
@) Alessandro Meier: Natürlich darf man es denken, schreiben und sagen - aber besonders intelligent ist es nicht, sich damit zu brüsten.
Die Finanzindustrie ist einfach erstaunt, dass das breite Publikum langsam Chuzpe entwickelt und nicht mehr alles zu schlucken gewillt ist. Aber auf den Goodwill des breiten Publikums ist die Finanzindustrie angewiesen. Ganz besonders in der Schweiz.