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Weisse Chilenen kämpfen gegen Araukanien

5. März 2010 um 13:39

Wie die Engländer Rhodesien einst besetzt hatten, wollen die weisshäutigen Chilenen das im Süden gelgene Araukanien in ihren Einheitsstaat einbeziehen. Weil ich die Mapuches kennen gelernt habe, die seit der spanischen Invastion Latainamerikas unbesiegt geblieben sind, habe ich Respekt vor diesem Indio-Volk, das fünf Prozent der chilenischen Bevölkerung ausmacht. Das Land gehört den Mapuche, die Weissen, darunter viele Schweizer, einige Zeit auch Setphan Schmidheiny, haben dort nichts verloren, es sei denn als Gäste.

Ein Kommentar zu “Weisse Chilenen kämpfen gegen Araukanien”

  1. Prof. Gerardo W. Físcher

    Zwischen den Indianern Patagoniens und Chiles und den Maschona und Matabele (Süd-)Rhodesiens bestehen doch einige grundlegende Unterschiede:

    Die Siedler Rhodesiens waren hauptsächlich Engländer, dazu Südafrikaner. Sie haben neben ihrer Suche nach Bodenschätzen wie Gold und Chrom in Landwirtschaft und Naturschutz in ihrer Zeit ein Paradies aufgebaut. Ich habe es 1967 noch erlebt. Aber die USA wollten die Herrschaft über das als Legierungsmetall für korrosionsbeständige Waffen wichtige Chrom. So überzeugten sie die britischen Regierungen, ihre Bürger im Stich zu lassen und die schwarze Bevölkerungsmehrheit einen Staat “Zimbabwe” aufmachen zu lassen. Jetzt ist das Land ein Armenhaus, das nicht mehr Nahrungsmittel aus dem Überschuss exportiert, sondern in der Welt um Lebensmittel bettelt. Freier ist dort niemand, denn ein unabsetzbarer Mugabe herrscht.

    Chile war von Norden her bis zur Stadt Talca von den Inkas und ihren lernwilligen und lernfähigen Hilfsvölkern geprägt (was die offizielle Selbstdarstellung des Chilenischen Staates wegschweigt). Dann kamen die Spanier, nahmen den dortigen Indianern die geistigen Führer, tauften das Indianervolk wider Willen und begannen nun erst mit der offiziellen Geschichtsschreibung.

    Nicht weit von Talca nach Süden fließt der Bío-Bío, der Grenzfluss zu den noch lange Zeit unabhängigen Araukanern war, die auch im patagonischen Argentinien Macht und Einfluss über Tehuelches und Pampas hatten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts setzte der Wettlauf Argentiniens und Chiles nach Süden und bis nach Feuerland ein. Nicht ohne erheblichen kämpferischen Einsatz wurden die Indianer unterworfen, teilweise auch ausgerottet. Aber anders als in Afrika hatten die Indianer ein staatliches Organisationsvermögen gezeigt, der Groß-Häuptling Calfucurá ist im argentinischen Teilstaat La Pampa und darüber hinaus unvergessen. Die Argentinier sind sich bewusst, was sie und ihre spanischen Vorfahren den Indianervölkern mit Lügen und Landraub angetan haben, gelegentlich werden staatlicherseits sogar (ziemlich kleine) Wiedergutmachungen versucht, niemand wird wegen seines indianischen Aussehens schlechter behandelt als ein Weißerer. In Chile ist das anders gelaufen: Süd-Chile vom Bío-Bío bis Puerto Montt vor der Insel Chiloé war baumbestandene, aber nicht menschenleere Wildnis. Siedler wurden aus europäischen Ländern ähnlichen Klimas, die aber nicht als Kolonialmächte eine Gefahr werden konnten, in jenen Süden geholt – Deutsche, Schweizer. Sie rodeten und schufen Ackerland und Weiden, ließen aber auch Bäume stehen und verhinderten so eine Erosion. Indianer waren dabei nur Hilfskräfte, und man ließ es sie fühlen. Die Landbesitzer wurden reich, ihrer Ländereien immer größer, die Mapuches (anderes Wort für Araukaner) blieben helfende Landarbeiter. Aber sie waren nicht wie im benachbarten Argentinien verschwindende Minderheit.

    Der sozialistische Präsident Allende suchte seine Anhängerschaft bei den Landlosen und den einfachen Fabrikarbeitern. Die Latifundien sollten unter den Landarbeitern aufgeteilt werden, was mangels vorangehender Ausbildung nicht gutgehen konnte. In Fabriken ließ der Präsident Waffen horten. Es lag damals im Interesse der USA, dem, was sie als einen Spuk sahen, ein Ende zu machen – General Pinochet kam widerrechtlich, aber doch auf Bitten des Parlaments an die Macht. Seine Diktatur dauerte ein paar Jahrzehnte, nach ihm kamen demokratische Übergangsregierungen irgendwo zwischen Mitte und Rechts, und vor 4 Jahren nun die erklärte Sozialistin Michelle Bachelet. Ihr Sozialismus war nun nicht mehr Klassenkampf, sondern nur ein Versuch gerechter Umverteilung, wo es nottat. Aber im Süden, jenseits des Bío-Bío, wurde sie wohl missverstanden. Die Mapuches stellten nun nicht nur zivile Forderungen auf Landbesitz, sondern auch auf ein gewisses Maß von Souveränität. Das kann die jetzt scheidende Sozialistin nicht bieten, und der schon gewählte neue Präsident, der am 11.03. ins Amt tritt und den Geist eines wohlhabenden, auf nutzbringende Leistung sehenden Unternehmers ausstrahlt, schon garnicht.

    Es geht in unserer Zeit und der überschaubaren Zukunft nicht mehr, dass im Maßstab der Staaten kleine Volksgruppen ihren eigenen Staat aufmachen. Bessere – viel bessere! – staatliche Schulen stehen den Araukanern Chiles zu, auch Land, das beispielsweise der Staat den Großgrundbesitzern abkaufen könnte. Aber die Nachfahren weißer Siedler sind nicht einfach Gäste. – gwf

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