Nehmt endlich Muammar e-Qaddafi ernst
5. März 2010 um 8:06Bei uns wird seit Monaten der Eindruck erweckt, der Herrscher Libyens sei ein Wüstentrottel, der bei uns höchstens als Schuhputzer in St. Gallen tauglich wäre. Dabei ist Libyen ein Land, das an Wohlstand viele europäische Staaten übertrifft. Der BIP pro Kopf liegt mit USD 15 000.– über demjenigen von Polen, Mexiko oder Chile. Geleistet wurde dies genau unter jenem Wüstenpräsidenten, der vor über 40 Jahren durch einen Putsch sein Land von einem Diktator befreite. Wenn er für seine Familie mehr Respekt verlangt, sollten wir dies beherzigen. Söhne, die sich schlecht benehmen, haben wir auch bei uns zu genüge.


am 5. März 2010 um 9:54 Uhr.
Und wenn sich Väter schlecht benehmen?
am 5. März 2010 um 11:00 Uhr.
Abgesehen davon, wie man das Benehmen von Söhnen beurteilt: Kann es wirklich sein, dass diesem seltsam ausufernden Konflikt mit Anleihen an Geschichten aus “Tausendundeiner Nacht” als einzige Ursache die (nie genau beschriebene) Misshandlung von Dienstpersonal zugrunde liegt?
Ich meine mich zu erinnern, dass es in einem frühen Stadium des Konflikts Andeutungen von Gaddafi auf Unternehmen im Kanton Zug gab.
Ich möchte hier keine falsche Fährte legen, aber es wäre gut, wenn Journalisten diese Spur zurückverfolgen würden.
am 5. März 2010 um 11:03 Uhr.
ps.:In St.Gallen gibt es keine Schuhputzer aus dem Morgenland. Nur Schuhputzautomaten…
am 5. März 2010 um 12:44 Uhr.
Geleistet?
Fossile Energie zu fördern ist doch keine Leistung!
am 5. März 2010 um 14:08 Uhr.
Dank Amerika ist er nun ein Wolf im Schafspelz, oder haben wir Lockerbie und die Anschläge auf die Diskothek La Belle in West-Berlindie schon vergessen? Seit den Vergeltungs-Schlägen der US-Air-Force vom 15. und 16. April 1986, scheint besagter Wolf etwas verwirrt zu sein, aber dennoch nicht zu unterschätzen.
@mds: auch Nigeria fördert, aber dort kommt nichts bei der Bevölkerung an.
am 5. März 2010 um 19:55 Uhr.
Soweit so gut. Erdöl-Förderung, und vom Wohlstand kommt auch etwas beim Volk an. Vielleicht gibt es in Lybien ja außer dem dort penetranten Islam (die Landesfahne wurde einfarbig dunkelgrün gewählt – Farbe des Propheten) auch richtige Volksschulen? Ich weiß es nicht.
Wenn der Sohn sich gegenüber schweizerischem Hotelpersonal wie ein eitler Pascha aufgeführt hat, wäre die gerechte Strafe wohl, dass ihn sein Vater aus erzieherischen Gründen nach St. Gallen schickt, um dort für 1 Woche die automatischen Schuhputzer zu ersetzen (oder zu begleiten, denn sie stehen ja wohl in jedem besseren Hotel). Na ja, das lässt sich natürlich nicht ausführen. Aber der mächtige Diktator (übrigens hat er nicht einen anderern Diktator abgelöst, sondern einen etwas schwächlichen alten König namens Idris) sollte wissen, dass wer auf Grund seines Amtes auf Würdigung seiner Familienehre besteht, hausintern auch Sorge tragen muss, dass diese Familie sich würdig zu benehmen versucht. Aber der Fall ist ja wohl ausgestanden. Was bleibt ist, dass er der Schweiz das unangenehme Bild einer Teilung an den Sprachgrenzen an die Wand gemaalt hat. – gwf
am 6. März 2010 um 16:35 Uhr.
@) Jürg Schönenberger: Lockerbie geht eindeutig auf Libyen als Urheber zurück . Bei dem Anschlag auf die Diskothek La Belle in Berlin ist es unklar. Vermutlich waren es syrische Geheimdienste. Jedenfalls wurde die Urheberschaft nie genau eruiert.
In diesen Ländern arbeiten oft rivalisierende Geheimdienste mit oder gegeneinander, es sind von aussen nicht durchschaubare Machtkämpfe mit oft innenpolitischen Zielen und tödlichen Folgen. Die Staatsführung hat nicht immer die Kontrolle über das Geschehen.
Es ist nicht gesagt, dass Gaddafi sen. noch die volle Kontrolle in Libyen hat, insbesondere über die Geheimdienste. Genau weiss das vermutlich niemand. Westliche Staaten sollten sich da heraushalten. Solche archaischen Gesellschaften sind von aussen nicht durchdringbar, selbst dann nicht, wenn einzelne Länder besetzt werden, wie Irak oder Afghanistan. Sie funktionieren nach völlig andern Gesetzmässigkeiten als wesetliche Gesellschaften.
Darum ist die Schweiz im Umgang mit Libyen auf verlorenem Posten. Daraus kann man der Schweizer Diplomatie keinen Vorwurf machen.
am 8. März 2010 um 10:25 Uhr.
@) Prof. Fischer: Ihren letzten Satz verstehe ich nicht: “Was bleibt ist, dass er der Schweiz das unangenehme Bild einer Teilung an den Sprachgrenzen an die Wand gemalt hat?” Was meinen Sie damit?
am 8. März 2010 um 11:19 Uhr.
Er meint damit, dass die Schweiz zwischen dem Reich, Frankreich und Italien aufgeteilt wird. Ist doch klar!!!
am 8. März 2010 um 12:13 Uhr.
..sorry, meine Phantasie war dafür nicht ausreichend. Danke.
am 8. März 2010 um 18:04 Uhr.
@ Harry R. Wilkens: Ist ja nett, für mich mit einer Erklärung einzuspringen. Meine Zeitzone ist z.Zt. (Sommerzeit) bei GMT-3h, da bin ich gegenüber der Schweiz immer 4 Stunden zurück.
@ Fred David: Man sollte mir nicht unterstellen dass i c h Ghaddafis Teilung der Schweiz will. Außerdem würde ich das jetzige Deutschland nicht als “das Reich” bezeichnen. Die Geografie erfordert, dass die ganze Schweiz bald Mitglied der EU wird. Die Regionalisierung (Lombardei, Piamonte, Savoyen, Franche Comté, Baden-Württemberg usw.), welche die seit mindestens 100 Jahren viel eigenständigere Schweiz nur degradieren würde, droht wohl nicht mehr so wie früher, nachdem ein maßvolles Eigenwertgefühl der 3 genannten Flächenstaaten (D, F, I) nicht mehr von einstigen Gedanken auf landerobernde Kriege begleitet wäre. Trotzdem bleibt Ghaddafis Bild für eine Zeit, wenn die Europa-Union nicht mehr gebraucht wird, weil sich ein neues globales Gleichgewicht gebildet hat – von jetzt an noch mehrere Jahrzehnte in der Zukunft – als bloßer Gedanke eine Drohung an das heutige Schweizer Selbstempfinden. – gwf