“Blick” eröffnet Halali auf die FDP
4. März 2010 um 10:57Nur noch im Regionalteil des “tagi” wurde erwähnt, dass “Fulvio Pellis weibliche Zukunftshoffnung”, die 31jährige Küsnachterin Lena Schneller, den Vorsitz der Jungfreisinnigen Schweiz abgegeben hat. Fulvio Pellis Zukunftshoffnung erwies sich als Flop wie viele seiner politischen Luftballons. Gleichentags eröffnet der “Blick” das Halali auf die FDP Schweiz mit einer Kampagne, die den Untergang dieser einstigen Volkspartei besiegeln soll.
- Die Zürcher FDP-Granden erlebt man als Chaos-Club. Parteichef Beat Walti, bei seiner Wahl grosser Kommunikator genannt, ist kaum zu vernehmen. Ruedi Noser regiert von Genf aus, Leutenegger/Fiala wollen gegen Deutschland klagen. Die Basler Liberalen, offiziell integrierte Schwesterpartei des Freisinns, sind gegen Klagen gegen Deutschland, was man in Zürich noch nicht bemerkt hat.
- Der Berner Freisinn steht im März vor einer vollendeten Wahlniederlage, weil Chefkommunikator Johannes Matyassy die Lage in Bern ebenso wenig im Griff hat wie das Bild der Schweiz im Ausland, das er mit “Präsenz Schweiz” verteidigen soll.
- Die Teilfraktion Pelli-Schweiger-Huber-Fiala kämpft im Dienst der Banken für die Renaissance des Finanzplatzes, hat aber praktisch keine Unterstützung mehr.
- Die Unternehmerfraktion Ineichen-Messmer-Müller wartet auf Pellis Sturz.
Eine Partei ohne geschlossene und schnelle Führung ist in diesen Zeiten keinen Rappen mehr wert. Blocher hat längst zur Attacke angesetzt, die angewiderten Jungwähler laufen über zu den Grünliberalen. Das einfache Volk sucht Schutz bei der SVP. Die Verwaltungspartei SP stützt sich auf einen soliden Block ihrer vom Staat abhängigen Mitglieder, die mit grossem Erfolg ihre materiellen Vorteile verteidigen. Die Darbellay’sche CVP sucht dem Gefängnis ihrer Stammkantone zu entkommen, schafft es aber auch mit Doris Leuthard nicht, die urban-global auftritt. Schon das Vorwahljahr 2010 startet mit erhöhten Temperaturen.


am 4. März 2010 um 13:49 Uhr.
Mit 31 ist man für die Jungfreisinnigen schlicht zu alt, nicht?
am 5. März 2010 um 13:59 Uhr.
Segenreiche Veränderungen in der Schweiz dank der heutigen FDP
Sehr geehrter Herr Stoehlker
Sie beweisen tagtäglich mit Ihrem BLOG, welch brillanter Analytiker Sie sind. Ihre Einschätzung zum Zustand der FDP wird objektiv also auch in dieser Thematik zutreffen.
Manchmal liegen Schönheit und Wahrheit aber im Auge des Betrachters: Deshalb fällt meine FDP-Lagebeurteilung völlig anders aus, nämlich sehr POSITIV für das Allgemeinwohl in der Schweiz. Zwei Beispiele dazu:
- Noch nie hat meines Erachtens ein einzelner Bundesrat – wie jetzt Hansrudolf Merz – in so kurzer Zeit so viele positive und gesellschaftliche Veränderungen in der Schweiz ausgelöst. 30 Jahre bemühten sich zum Beispiel linke Parteien und weitsichtige bürgerliche Einzelpersonen, die Schweiz aus der Sackgasse des Schwarzgeldes und dem trickigen Bankgeheimnis in eine wirtschaftliche stabilere, zukunfsträchtigere Situation zu führen. Ergebnislos. Was 30 Jahre lang nicht gelang, schaffte Bundesrat Merz mit gütiger UBS-Mithilfe in wenigen Monaten. Ob er das so auch wollte, oder ob das eher versehentlich passierte, scheint mir von sekundärer Bedeutung. Wichtig ist, dass diese Sackgasse jetzt überwunden ist und ein Neustart im Bankensektor und der Schweizer Volkswirtschaft beginnen kann. Damit wird Bundesrat Merz in die Geschichtsbücher eingehen. Und deshalb finde ich es auch schade, dass er ständig von allen möglichen Kreisen zum Rücktritt aufgefordert wird. Von mir aus soll er seine für das Allgemeinwohl in der Schweiz sehr segensreiche Tätigkeit ruhig noch einige Jahre weiterführen.
- 1847/48 brachten die Freisinnigen/Liberalen mit der Gründung des Bundesstaates die Schweiz in die moderne Welt. Ihre damalige Revolution war kein Versehen, sondern Absicht, verbunden mit riesigem Engagement vieler aufgeklärten Zeitgenossen. 2009/10 schaffen es die Freisinnigen/Liberalen erneut, alte Zöpfe abzuschneiden, die Schweiz den neuen Realitäten in der Welt anzupassen und ihr damit wieder eine Zukunfts-Perspektive zu geben.
Ob das Absicht oder Versehen ist, kann ich nicht beurteilen. Aber es ist, objektiv gesehen, eben sehr POSITIV für die Schweizer Politik und Wirtschaft. Deshalb kann ich dem jetzigen Zustand der FDP viele wichtige Vorteile abgewinnen, und ich fände es schade, wenn diese allzu schnell wieder verschwinden würden.