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Tagesarchiv für 4. März 2010

Provinzlerin regiert Zürich

Donnerstag, den 4. März 2010 um 17:27

Kaum jemand redet darüber aber weiss die Bevölkerung eigentlich, dass unsere Stadtpräsidentin Corine Mauch ursprünglich Amerikanerin ist? Geboren in Iowa City, einer amerikanischen Kleinstadt, die im Jahre 2000 gerade mal etwas über 60’000 Bewohner hatte. Ihre Mutter Ursula lebt als SP-Nationalrätin im tiefsten Aargau. Also schon wieder Provinz. Wie soll Zürich zu einer international strahlenden Metropole werden, wenn eine Provinzlerin und talentfreie Promotorin unsere Stadt weiterhin so gelangweilt vertritt? Der Glanz von Zürich bröckelt laufend, und am Sonntag wird entschieden, ob Zürichs Ausstrahlung weiter verblassen wird oder nicht. Wird Corine Mauch wiedergewählt, dürfen wir alle fröhlich zusehen, wie diese “Dame” eigenhändig den Verputz der schönen Zürcher Fassade runterholt.

Fidel Stöhlker

Rätselhafte Vorgänge

Donnerstag, den 4. März 2010 um 11:47

1. Urs Schoettli, Asien-Korrespondent der NZZ, der diese verlassen hat, weil sie für seine Reisespesen nicht mehr aufkommen kann, empfiehlt: “Wenn wir im Westen die Güter, Marken und Dienstleistungen bereitstellen, nach denen die neuen, an Qualität und Status interessierten asiatischen Mittelschichten trachten, dann wird uns die Arbeit noch lange nicht ausgehen.” Haben wir dies richtig verstanden: Europa soll keine Glasperlen mehr nach Asien liefern, wie im 19. Jahrhundert, wo die Engländer dort auch das Opium unter das Volk brachten, wir sollen uns an den Bedürfnissen der Asiaten ausrichten? Der ganze Niedergang der westlichen Weltmächte geht aus diesem Kurzkommentar des erfahrenen NZZ-Journalisten hervor. Früher bestimmten wir, was wir liefern wollten; heute sagt man uns, was wir liefern dürfen.

2. In Haiti brachen die Grashütten zusammen und das Volk blieb friedlich; in Chile brachen die Backsteinhäuser zusammen und die Armee musste ausrücken, um das Volk ruhig zu halten. Haiti ist arm, weil es als Armenhaus der USA billig produzieren musste, z.Bsp. Textilien. Chile geht es seit Milton Friedman besser, für den oberen Mittelstand fast eine Musterdemokratie, aber das leidende Volk steigt auf die Barrikaden. Merke: Unzufriedenheit ist ein Motor für den Fortschritt. Wer nur zufrieden ist, darf für die Touristen tanzen, Griechenland incl.

Der 2. Kandersteger

Donnerstag, den 4. März 2010 um 11:33

Nach Dölf Ogi macht sich der zweite Kandersteger auf den Weg in die grosse Politik. Albert Rösti, lange Zeit rechte Hand der Volkswirtschaftsdirektorin Elisabeth Zölch, die heute die Schweizer Uhrenbranche präsidiert, möchte für die SVP einen Sitz im bernischen Regierungsrat erobern. Der erste 43jährige studierte Agronom gehört zur Führungsreserve auch der schweizerischen SVP, die dringend junge Talente benötigt. Rösti führt derzeit als Direktor den Verband Schweizer Milchproduzenten.

Die Stadtpräsidentin neben Martin Vollenwyder

Donnerstag, den 4. März 2010 um 11:09

Ihr Ring an der linken Hand passt perfekt zur Augenfarbe, beide spiegeln sich gut im Schal. Corine Mauch, die seit 100 Tagen amtierende neue Zürcher Stadtpräsidentin, eine ehemalige SP-Verwaltungsangestellte, hat gelernt. Jedoch, FDP-Urgestein und Stadtrat Martin Vollenwyder kann es gleich sein, wer neben ihm Zürcher Stadtpräsidentin ist; zu den wesentlichsten Fragen der Zürcher Zukunft hat er sich in letzter Zeit mehrfach geäussert. Die von ihm stets verteidigte “Koalition der Vernunft”, d.h. die Zusammenarbeit der Zürcher FDP mit den Linksparteien, hat ihn zum Zentralmassiv der Zürcher Stadtpolitik werden lassen. Und Corine Mauch?
Sie sagt “Zürichs neuer Auftritt wird national stark beachtet.” Das ist insofern richtig, als die bisherige geistige Nichtpräsenz der Zürcher Stadtpräsidentin überall diskutiert, aber als hoffnungsloser Fall rasch abgelegt wird. Mauch will “mit Teamarbeit” Zürich in die Zukunft führen, als erste Weissgeld-Stadt des Landes, grün und ökologisch. Sie wird am kommenden Sonntag wiedergewählt werden, weil der Zürcher Linken, den städtischen Angestellten, den Lehrern, Wissenschaftlern und Kreativ-Unternehmern nichts besseres geschehen kann als eine Stadtpräsidentin, die niemand weh tun kann. Damit bleiben die Privilegien gesichert. Ich rechne allerdings damit, dass es eine schwache Wiederwahl wird. Denn die Zürcherinnen wie Zürcher brauchen eine Stadtpräsidentin, die gegen die Rowdies antritt, gegen das Dirnenunwesen, gegen die Kontrollsucht der Verwaltung und – in diesem Fall – eine Frau, die sich mit grossen Projekten identifiziert und dafür sorgt, dass diese auch fachmännisch realisiert werden. “Gebt ihr Zeit”, sagte ihr Vorgänger und ihr genialer Werbeberater. 100 Tage hatte sie schon.

“Blick” eröffnet Halali auf die FDP

Donnerstag, den 4. März 2010 um 10:57

Nur noch im Regionalteil des “tagi” wurde erwähnt, dass “Fulvio Pellis weibliche Zukunftshoffnung”, die 31jährige Küsnachterin Lena Schneller, den Vorsitz der Jungfreisinnigen Schweiz abgegeben hat. Fulvio Pellis Zukunftshoffnung erwies sich als Flop wie viele seiner politischen Luftballons. Gleichentags eröffnet der “Blick” das Halali auf die FDP Schweiz mit einer Kampagne, die den Untergang dieser einstigen Volkspartei besiegeln soll.
- Die Zürcher FDP-Granden erlebt man als Chaos-Club. Parteichef Beat Walti, bei seiner Wahl grosser Kommunikator genannt, ist kaum zu vernehmen. Ruedi Noser regiert von Genf aus, Leutenegger/Fiala wollen gegen Deutschland klagen. Die Basler Liberalen, offiziell integrierte Schwesterpartei des Freisinns, sind gegen Klagen gegen Deutschland, was man in Zürich noch nicht bemerkt hat.
- Der Berner Freisinn steht im März vor einer vollendeten Wahlniederlage, weil Chefkommunikator Johannes Matyassy die Lage in Bern ebenso wenig im Griff hat wie das Bild der Schweiz im Ausland, das er mit “Präsenz Schweiz” verteidigen soll.
- Die Teilfraktion Pelli-Schweiger-Huber-Fiala kämpft im Dienst der Banken für die Renaissance des Finanzplatzes, hat aber praktisch keine Unterstützung mehr.
- Die Unternehmerfraktion Ineichen-Messmer-Müller wartet auf Pellis Sturz.

Eine Partei ohne geschlossene und schnelle Führung ist in diesen Zeiten keinen Rappen mehr wert. Blocher hat längst zur Attacke angesetzt, die angewiderten Jungwähler laufen über zu den Grünliberalen. Das einfache Volk sucht Schutz bei der SVP. Die Verwaltungspartei SP stützt sich auf einen soliden Block ihrer vom Staat abhängigen Mitglieder, die mit grossem Erfolg ihre materiellen Vorteile verteidigen. Die Darbellay’sche CVP sucht dem Gefängnis ihrer Stammkantone zu entkommen, schafft es aber auch mit Doris Leuthard nicht, die urban-global auftritt. Schon das Vorwahljahr 2010 startet mit erhöhten Temperaturen.

Hausbackenes Zürich gegen elegantes Genéve

Donnerstag, den 4. März 2010 um 10:52

Elmar Ledergerber hat als Stadtpräsident die Einwohner der grössten Stadt der Schweiz mindestens nicht gelangweilt, wie dies bei seiner Nachfolgerin Corine Mauch der Fall ist. Eines seiner zahlreichen Verbrechen war der Slogan “Wir leben Zürich”, den man rund um den Fraumünsterplatz supercool fand, aber sonst so wenig Anklang fand wie die Weihnachtsbeleuchtung, die als “time piece” mit Millionenverlusten sehr rasch wieder abmontiert werden musste. “Zurich, downtown Switzerland” war der beste Slogan, den die Limmatstadt je hatte; er wurde leichtfertig aufgegeben, obwohl die Schweiz längst ein City State ist. Genf brilliert jetzt mit “Genéve, a world of it’s own”. Der Begriff “Genf” verschwindet ganz zugunsten der französischsprachigen Formulierung.

Oerlikon mal 2: Bilder und Poker

Donnerstag, den 4. März 2010 um 8:47

Emil Bührles Bilder, viele schöne Impressionisten, lassen sich derzeit im Kunsthaus Zürich bewundern. Gekauft wurden sie zu Billigpreisen vom deutschen Weltkriegsgewinnler, der Schweizer Waffen an die kriegführenden Mächte verkaufte, vor allem auch an die Hitler-Armee. Gleichzeitig haben sich die globalen Banken, Hedge Funds und ein russischer Milliardär, der schon einmal reicher war, Viktor Vekselberg, um die 16 000 Mitarbeiter zählenden Reste des Oerlikon-Konzerns zu einem Pokerspiel versammelt. Wer am besten zockt, erhält seinen Einsatz zurück und vielleicht einige hundert Millionen mehr. Vekselberg will nochmals 300 Mio. Franken setzen, die Citi Bank und Texas Pacific wollen mindestens den Einsatz, gut verzinst, zurück. Die Familie Bührle hat in der dritten Generation ihren Hauskonzern wieder verspielt. Mindestens haben wir bisher nicht vernommen, wie das in Frankreich und Deutschland laufend der Fall ist, der Staat müsse auch noch einen Beitrag leisten, um die Arbeitsplätze zu erhalten.

EU-Juncker gegen IWF-Inflationsziel

Donnerstag, den 4. März 2010 um 8:43

Während der IWF schon damit begonnen hat, mit einer 4prozentigen Inflationsrate zu kokettieren, stellt sich Europas qualifiziertester Politiker, Jean-Claude Juncker, entschieden dagegen. Juncker sagt: “Wenn wir vier Prozent zulassen, sind wir schnell bei 5-7 %.”

 
     
     
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