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Weblog
Tagesarchiv für 3. März 2010
Mittwoch, den 3. März 2010 um 16:16
15 000 junge Leute wurden in meiner US-Langzeitstudie auf ihren IQ getestet. Ergebnis: Sehr liberal-progressive Menschen hatten einen IQ von 106 Punkten; sehr konservative kamen nur auf 95 Punkte. Eine britische Studie mit 6000 erwachsenen Menschen kam zum fast gleichen Ergebnis: Grüne kamen auf 108, Konservative auf 104, Labourwähler auf 104 und Rechtsextreme auf unter 100 Punkte. Wissenschaftler kommentieren, intelligentere Menschen würden sich aufgrund ihrer Intelligenz mehr für andere Menschen einsetzen, die Wohlfahrt fördern und sogar höhere Steuern ermöglichen. Ich schätze, das ist bei uns nicht anders. Wer klüger und energischer als andere ist, kann mehr abgeben. Dumme haben mehr Angst oder mit Angst gewinnt man Dumme.
Gesellschaft | 1 Kommentar »
Mittwoch, den 3. März 2010 um 11:04
Die Kuppelshow “Swissdate” ist Geschichte. Die Sendung ist nicht daran gescheitert, dass sich zu wenige Kandidatinnen und Kandidaten verkuppen lassen wollten. Vielmehr sind die Gründe anderswo zu suchen. Mit Gabriela Ursprung, der Nachfolgerin von Joël Gilgen, kam der rasante Absteig. Die Frau ohne Glamour-Faktor und mit noch weniger Einfühlungsvermögen, bei der man immer den Eindruck hatte, sie habe ihre Texte schön auswendig gelernt wie eine Schülerin, ist die Verkörperung des Züri-Trash-Lebenstils. Wollen das die Leute wirklich sehen? Ich glaube nicht. Der Einbezug der Sex-Beraterin und des Horoskopes waren nur noch letzte Zuckungen eines bereits im Sterben liegenden Konzeptes. Die ganze unbeholfene Ernsthaftigkeit, mit der Ursprung ihre Kandidaten verkuppelte, hatte etwas Anstrengendes. Mit ein bisschen mehr Augenzwinkern und einem anderen Moderator hätte das Gefäss eine Chance gehabt.
Philippe Welti
Allgemein, Gesellschaft, Kommunikation | 3 Kommentare »
Mittwoch, den 3. März 2010 um 9:38
Als der sehr bernische Traditionskonzern Sanitas-Trösch nach Frankreich verkauft wurde, weil die beiden erbenden Töchter gegen eine Milliarde Franken erlösten, ging ein Stöhnen durch die Stadt. Als Charles von Graffenried “Bund”, “Berner Zeitung” und einiges Zubehör an die tamedia-Gruppe verkaufte, regte sich etwas wie ein Volksaufstand für wahres Bernertum. Jetzt wird die Berner Wifag-Gruppe, eine Maschinenfabrik, ebenfalls aus töchterlichen wie sonstigen Berner Schickeria-Händen, mangels unternehmerischen Könnens nach Deutschland verkauft. Derlei nennt man künftig “Berner Ausverkauf”. Schon droht Urs Berger, CEO der Berner Mobiliar, 4800 Mitarbeiter, “Charme alleine genügt leider nicht.” Er warnt, Bern habe schlechte internationale Verkehrsverbindungen, die Rahmenbedingungen für wirtschaftlichen Erfolg seien schlecht, zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gebe es in Bern keine effizienten Plattformen. Ob derlei Frevel monieren die Berner, Berger habe seine Jugend in Winterthur verbracht und an der Uni St. Gallen studiert. Ihre Siegenthaler-Weibel-Gygi-Fraktion sei eben von der Uni Bern, wo wirklich grosse Geister geschaffen worden seien. Stapi Tschäppät will expandieren; er hat soeben die Briger Stadtpräsidentin Viola Amherd eingeladen, mit ihm ein Bündnis in die Wege zu leiten. Das Oberwallis ist ihm ein Land der Sehnsucht, beträgt dort doch die Arbeitslosigkeit der fleissigen Oberwalliser nur 2,8 %. Der “Walliser Bote” ist ein Kandidat für die Aufnahme in die tamedia-Gruppe. Die Lonza in Visp hat an Bern wenig Interesse, zumal Vorbesitzer Dr. Christoph Blocher gerade im Begriff ist, am Basler Unternehmen wieder ein grösseres Aktienpaket zu erwerben. Die Kurse von Lonza und dem Wallis steigen, während Bern, einst die vitalste Stadt nördlich der Alpen, immer noch den Kurs sucht.
Wirtschaft | 2 Kommentare »
Mittwoch, den 3. März 2010 um 9:38
Nicht nur die SBB will ihr Streckennetz ausdünnen, auch die ÖBB fährt auf der gleichen Spur. Während Österreichs Bevölkerung sinkt, nimmt jene der Schweiz weiterhin stark zu. Beide Bahnchefs wollen armselige Land- und Bergrouten in den nächsten 10-15 Jahren aufgeben, weil die Kostenlawine sie sonst aus dem Takt bringt. Hochspannung ist angesagt.
Politik | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 3. März 2010 um 8:48
Wie alt Bundesrat Kaspar Villiger für ein UBS-Salär von CHF 800 000.– die Boni seiner Banker verteidigt, ist im Kern unschweizerisch. Er sagt, ohne Boni würden der UBS die Banker davonlaufen; er könne das nicht ändern. Doch, Kaspar Villiger und seine obersten UBS-Mitstreiter könnten dies mit gutem Beispiel ändern. Noch vor gut zehn Jahren, vor dem McKinsey-Wuffli-Ospel- und Lukas Mühlemann-Zeitalter, waren die Bankiers stolz, bei der UBS arbeiten zu dürfen. Das Geld war wichtig, aber nicht entscheidend. Heute betreibt Kaspar Villiger eine Landsknechts-Bank, wo der Taler im Säckel klingen muss, damit die Truppen bleiben. Es handelt sich vielmehr um Führungsversagen und genau jene Zocker-Mentalität, die von Ospel-Minder-Lévrat und Darbellay beklagt wird. Villiger hat noch einen Verbündeten: Fulvio Pelli, der zur Zeit seine FDP in einen Abgrund führt, der noch tiefer sein wird als jener des UBS-Konzerns.
Wirtschaft | 8 Kommentare »
Mittwoch, den 3. März 2010 um 8:40
Gehen Sie durch einen Bambuswald und Sie werden die Stämme kaum voneinander unterscheiden können. Ringier und die AZ-Medien haben jetzt redaktionelle Zentralbüros eingerichtet, die, das ist der Sinn der Sache, effizienter arbeiten müssen als ihre leicht verträumten Vorgänger. Verleger Peter Wanner macht darauf aufmerksam, dass die Redaktion des journalistisch sehr erfolgreichen “Sonntag” einen eigenen Standort behält, “weil sich der Sonntag mit Primeurs und heissen Geschichten anders profiliert als die AZ”. Das lässt aufhorchen! Wer ein eigenes Profil erkämpft hat, darf das Privileg des Abstands für sich nutzen. Wir lernen daraus: Der Kampf um das eigene Profil ist entscheidend dafür, nicht im Pool aufgehen zu müssen.
Kommunikation | Keine Kommentare »
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