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Weblog
Monatsarchiv für Februar 2010
Donnerstag, den 25. Februar 2010 um 8:27
Ganz wie Indien, sind die USA im Begriff eine “Wallah Society” zu werden, wo es nicht mehr möglich ist, seine Kaste zu verlassen. Ein “dhobiwallah” reinigt über Generationen die Wäsche, ein “chalwallah” serviert Tee. Der US-Mittelstand hat sein Geld an der Börse verspielt, Angst vor der Zukunft und keine Aussichten für einen Aufstieg. Jetzt will Barack Obama die Mehrwertsteuer einführen; das bedeutet steigende Konsumentenpreise, “weniger netto”, mehr Frust statt Lust an der Arbeit und eine Belastung der Wirtschaft. Wir Europäer haben dies auch erlebt.
Gesellschaft | 1 Kommentar »
Mittwoch, den 24. Februar 2010 um 14:05
Die Berner Regierungsrätin Barbara Egger kann nicht mit Kritik umgehen. Nur so ist es zu erklären, dass sie beim Presserat Beschwerde gegen die Berichterstattung des “Bund” über ihr Berner Bahnhofprojekt einreichte. Wie zu erwarten war, wurde die Beschwerde abgelehnt. Wie konnte es dazu kommen, dass sich die Berner Regierung auf ein solch aussichtloses Unterfangen einlässt? Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Die Regierung wurde schlecht beraten – oder sie ist beratungsresistent. Das Phänomen Bern ist kein Einzelfall. In zahlreichen Kantonsregierungen versteh man nicht, wie die Medien funktionieren.
Philippe Welti
Kommunikation, Politik | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 24. Februar 2010 um 12:50
Merkwürdig, dies ist noch niemand aufgefallen: Der deutsche alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder lässt sich gerne vor dem Gemälde “Fingermalerei III – Adler” von Georg Baselitz ablichten. Dabei handelt es sich um einen stürzenden Adler, der kopfüber in die Tiefe fliegt, den Kopf nach rückwärts gewandt. Unübersehbar handelt es sich um den deutschen Bundesadler in freiem Fall, eine Karikatur des nationalen Symbols. Ein wenig erinnert er auch an jenen Engel von Paul Klee, der rückwärts fliegend, aufsteigend, nicht abstürzend, von einem starken Wind in die Zukunft getrieben wird. Kein amerikanischer Staatschef würde sich derart vor den US-Symbolen ablichten lassen; im Gegenteil, eine Verurteilung wegen Schändung nationaler Symbole wäre dem Verursacher sicher. Kaum eine Fotografie könnte mehr aussagen über die Wertlosigkeit unserer Zeit als dieses Stilleben, eine “nature morte” mit Mensch.
Gesellschaft | 1 Kommentar »
Mittwoch, den 24. Februar 2010 um 12:03
Die afghanischen Taliban sind anerkannt mutige Kämpfer, die mit der modernsten Armee der Welt zu bezwingen, bisher nicht gelungen ist. Der Afghane, welcher Mitglied der afghanischen Nationalarmee ist, die sich der Verteidigung der westlichen Demokratie verpflichtet hat, die von Präsident Karzai repräsentiert wird, stellt sich auch bei der jüngsten NATO-Offensive als eher schwacher Kämpfer unter einer noch schwächeren eigenen Führung heraus. Gibt es den doppelten Afghanen? Offensichtlich sind die ersteren überzeugt von ihrer Sache, die letzteren wollen ihr Salär, um ihre Familien ernähren zu können. Dann geht es nur noch darum, alle Risiken zu vermeiden, um seine Familie dann wieder sehen zu dürfen. Mag sein, dass wir die bessere Technik, vor allem die besseren Drohnen haben, aber 50 Mio. Afghanen sind so nicht zu besiegen. Die Niederländer haben jetzt auch die Nase voll und ziehen ab.
Politik | 1 Kommentar »
Mittwoch, den 24. Februar 2010 um 10:59
Die Schweizer Bischofskonferenz hat beschlossen, ab 1. April 2010 die Kommunikation mit zwei Medienprofis zu verstärken. Wenn Bischof Kurt Koch nach Rom abberufen wird, ist ihr glaubwürdigster Medienstar der Einsiedler Benediktiner-Abt Martin Werlen. Diesem ist das Talent der Öffnung nach aussen zu eigen, ohne die Substanz des eigenen Glaubens infrage zu stellen. Wie sehr die römisch-katholische Kirche neben der Kommunion auch die Kommunikation braucht, zeigt die katholische Kirche des Kantons Zürich. Wie nie zuvor treten dort Gläubigen aus. Der Erlenbacher Pfarrer Andreas Cabalzar meint, finanzielle Gründe würden häufig genannt und fordert seine Mitbrüder auf: “Hey, was können wir dagegen tun?” Warum “hey” und “heilig” nicht ankommen, sollte einmal ernsthaft bedacht werden.
Zusatz vom 16.03.2010: Bei Pfarrer Andreas Cabalzar, 47, handelt es sich um einen höchst lebendigen Vertreter der reformierten Kirche, der seiner etwas träge gewordenen Glaubensgemeinschaft neue Impulse vermitteln möchte. An seinem Beispiel wird deutlich, dass innovative Ansätze von unten dem Gläubigen oft mehr bringen, als ein Wetterwechsel an der Spitze der Kirche.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 24. Februar 2010 um 8:35
Medienprofessor Roger Blum und Edipresse-Direktor Peter Rothenbühler haben CHF 20 Mio. zur Verfügung und suchen einen Grund, sie auszugeben. Das Geld stammt von der Verlegerfamilie Vogt, welche damit die Medienvielfalt im Raum Solothurn erhalten wollte. Die Vogts wie die Medienvielfalt in Solothurn gibt es nicht mehr, weshalb man im Brückenkanton Solothurn doch den Versuch machen könnte einmal herauszufinden, wo Welsche und Deutsch-Schweizer noch ein gemeinsames Interesse haben, um ein Medium damit zu legitimieren. Peter Rothenbühler ist einer der besten Schweizer Journalisten, Roger Blum ein Medienprofessor ohne eigene Schule. Von beiden dürfte man erwarten, dieses Rätsel zu lösen.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 24. Februar 2010 um 8:29
Bill Clinton war ein Baby Boomer wie George W. Bush es auch war. Beide sind bis heute grüne Äpfel geblieben, nicht wirkliche Führer der westlichen Leitmacht, die demzufolge auch in einen wirtschaftlichen wie politischen Abyss gestürzt ist. China hat gestandene Politiker, die langsam herangewachsen sind; sie investieren, ganz systematisch, bei uns, im Balkan, in Afrka und in Lateinamerika. Die Schweiz wird von einer Pfadi-Gruppe geführt, die den Ernst des Lebens nie erfahren hat. Sie versteht Europa nicht, sie versteht Qaddafi nicht, sie verteidigt Finanzkonzerne, die keine Schweizer Firmen sind. Was tun wir, wenn demnächst die Facebook-Generation an die Macht kommt? Die Wermuths, die Markwalders? Es sind Menschen, die bisher nicht erwachsen geworden sind. Ihr Regime wird zum Fürchten sein.
Gesellschaft | 3 Kommentare »
Dienstag, den 23. Februar 2010 um 14:35
Kein Witz. Gestern übernachtete ich zum ersten Mal im Knast. Es war in Basel. Nach einem wunderbaren Anlass des Comité Schnitzelbängg im Theater Basel. Eine sehr unterhaltsame Angelegenheit übrigens, die ich jedem nur empfehlen kann, der noch nie an der Basler Fasnacht war. Danach machte ich mich auf den Weg in den Basler Knast. Die Türe zu meiner Zelle öffnete sich und ich war angenehm überrascht, was mich erwartete. Die Zelle war ca. 14qm gross, mit rot gestrichenen Wänden, an denen alte Basler Stiche hingen. Vom Bett aus blickte man direkt durch die grosse Fensterfront in den bezaubernden Innenhof, der von historischen Gebäuden umgeben ist. Die Zelle war richtig charmant eingerichtet, das Bett sehr bequem und die Nasszelle moderner als in manchem 3-Sterne-Hotel in der Schweiz.
Ich muss Euch alle enttäuschen. Ich war kein Häftling, sondern Gast im kleinen geschichtsträchtigen Hotel Lohnhof gleich beim Barfüsserplatz. Als ich davon hörte, musste ich es einfach ausprobieren, und ich war sehr angenehm überrascht. Der ehemalige Gefängnistrakt des Lohnhofs wurde in Hotelzimmer umfunktioniert. Selbst die sechs ehemaligen Polizeibüros im Hause sind nun bequeme Hotelzimmer. Ich muss gestehen, die Basler sind ganz schön innovativ. So eine aussergewöhnliche Übernachtungsgelegenheit hatte ich noch nie.
Fidel Stöhlker
Allgemein, Gesellschaft | 2 Kommentare »
Dienstag, den 23. Februar 2010 um 11:54
Tagelang rätselte die Welt, ob der israelische Mossad den Hamas-Einkäufer in Dubai nun ermordet hat oder nicht. Die Antwort kam prompt vom israelischen Verteidigungsminister: “Wir haben Mabhuh nicht ermordet, sondern liquidiert.” George Orwell’s “newspeak” feiert Triumphe, denn Kriege werden nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Worten gewonnen.
2003 wurden afghanische Gefangene nach Polen zu Verhören geflogen. Der CIA nannte die Auftraggeber der Flüge von Kabul und Rabat nach Polen “Open Society Justice Initiative” und “Helsinki Foundation for the Human Rights”. Wie man einst halbwegs anständige Begriffe ruiniert, zeigt dieser Vorgang.
Kommunikation | 2 Kommentare »
Dienstag, den 23. Februar 2010 um 9:58
Wir verlangen von unseren starken Firmen ein sehr gutes Management, eine ethische Geschäftspraxis, eine gesunde Geschäftsstrategie, Produktinnovationen sowie Umsatz- und Gewinnwachstum. Auf gutem Weg ist Nestlé, gefolgt von Novartis und Roche. Crédit Suisse, Schindler und Holcim könnten es schaffen. Xstrata und Glencore zähle ich auch dazu. Das reicht eigentlich für ein kleines Land wie die Schweiz.
Wirtschaft | 1 Kommentar »
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